Entstehungsgeschichte der Feuerblüte-Trilogie

Feuerblüte, meine neue Daresh-Trilogie, spielt 14 Jahre nach den Ereignissen des letzten Kampf um Daresh-Bands. Eine der Hauptfiguren – Alix, die raue, aber herzliche Schwertkämpferin der Feuer-Gilde – lebt nicht mehr, aber sie hat eine Tochter hinterlassen: Alena.

Feuer und Erde

Nachdem ich die drei „Kampf um Daresh“-Bände geschrieben hatte, merkte ich, dass ich mit Daresh – und meinen Figuren – noch nicht fertig war. Es gab noch Geschichten, die ich über sie erzählen wollte. Dazu zählt die Vergangenheit von Tjeri, aber vor allem auch Alix´ Tochter Alena. Ich wollte unbedingt beschreiben, was passiert, als sie und Rena (Hauptfigur der ersten drei Bände) sich treffen und zusammen reisen. Die beiden sind so unterschiedlich, wie Erde und Feuer nur sein können: Rena, inzwischen Mitte Dreißig, ist klein und klug, eine ruhige Frau, die als Vermittlerin und Friedensbringerin berühmt und beliebt geworden ist – mit Menschen kennt sie sich aus. Alena ist wild, rebellisch und schon mit 15 eine der besten Schwertkämpferinnen der Gegend. Sie hat sich in ihrem Dorf schon mit fast jedem angelegt, nicht zuletzt deshalb, weil sie keine Ungerechtigkeiten erträgt. Freunde hat sie zu Anfang praktisch keine, bis auf den Iltismensch Cchraskar, mit sie aufgewachsen ist.

Alena fasziniert mich noch immer. Sie ist komplexer und vielschichtiger als Alix, und ich konnte gar nicht erwarten, über sie zu schreiben. Vielleicht weil ich so anders bin als sie und Alix – ich identifiziere mich eher mit Rena. In Alena habe ich manche Eigenschaften meiner Schwester Sonja einfließen lassen, ihr ist der erste Band gewidmet.
Ich hatte keine Ahnung, ob Alena meine Leser ebenso interessieren würde wie mich. Die meisten waren ja noch sauer auf mich, weil ich Alix hatte sterben lassen. Aber ich schrieb im Sommer 2003 einfach drauflos. Genau das, was ich erzählen wollte. Zum Glück kam auch das OK von Ueberreuter für die Trilogie, obwohl das Warten bis zum Erscheinungstermin im Sommer 2005 mir diesmal arg lang wurde.

Voll im Schreibrausch

Von Anfang an hatte ich ein gutes Gefühl bei diesem Buch. Selten hat es mir so viel Spaß gemacht, einen Text zu schreiben – als mein Freund gerade auf Geschäftsreise war, verfiel ich (weil gerade auch ein paar schön emotionale Szenen anstanden) förmlich in einen Schreibrausch, hockte Tag und Nacht bei offenem Fenster und brütenden Temperaturen am Computer, schon um vier Uhr früh trieben mich die Ideen ans Terminal. So sind die Szenen rund um Tjeris Koma, Renas Versammlung am Herztor und Alenas erste Begegnung mit Cano entstanden. So ein Rausch ist besser als jede Droge, und die Szenen, die darin entstehen, sind meistens gut. Leider halte ich so etwas nie länger als drei Tage durch. Den Rest schrieb ich relativ zivilisiert. An Weihnachten 2003 war ich fertig und gab das Buch meinen bewährten Testlesern, die mich unter anderem zu einem neuen Einstieg inspirierten (die Szene mit dem Dhatla und Zarko). Ich hatte meine Freunde und meine Lektorin bei der Suche nach einem Namen für Alix´ Tochter schon ganz schön genervt – ich war so unentschlossen wie selten zuvor, wusste zwar, wie der Name klingen sollte, schwankte aber zwischen drei Schreibweisen und ganz neuen Ideen. Die Blitz-Umfrage ergab einen klaren Sieg für „Alena“ – die Namen, die sonst noch zur Auswahl waren, werde ich einfach in einem anderen Buch verwenden.
Ein schönes Highlight war für mich auch, dass ich durch Feuerblüte nach Jahrzehnten wieder angefangen habe zu Zeichnen. Erst wollte ich nur Skizzen und Pläne vom Palast der Trauer anfertigen, doch dann wurde mehr daraus, ich begann die Figuren zu portätieren, die ich aus langen Jahren in Daresh so gut kannte. Nicht immer ist es mir geglückt, die genaue Vorstellung aus meinem Kopf auf Papier zu bannen, aber Spaß gemacht hat´s allemal.

Jorak betritt die Bühne

Aus dem ersten Band entstand schon der Keim des zweiten: Wieder mal interessierte mich der Zusammenprall zweier Figuren. Diesmal waren es Alena und Jorak, der junge Gildenlose. Während Kerrik mir Schwierigkeiten machte und in der ersten Fassung von Feuerblüte 1 als ziemliches Weichei rüberkam, hat mich Jorak von Anfang an fasziniert. Schnell wurde klar, dass er, der pfiffige Überlebenskünstler, der jeden Tag etwas Neues probiert, ab Band 2 eine der neuen Hauptfiguren werden würde. Als ich aus seiner Perspektive zu schreiben begann, wuchs er mir noch mehr ans Herz. Durch die Hölle ließ ich ihn in Band 2 natürlich trotzdem gehen.
Das Schreiben des zweiten Bandes ging mir leicht von der Hand – die Liebesgeschichte und der Konflikt zwischen Daresh-Menschen und Wolkentrinkern faszinierten mich und lockten mich immer wieder zu langen Sessions an den Computer. Alena und Jorak entwickeln sich in Rhiannon ganz stark weiter – das ist für einen Autor immer reizvoll.
Einige Zeit musste ich in die Planung stecken, um die Kultur der Wolkentrinker zu entwickeln. Die Grundidee (Diener und Denker) war schnell da, zumal ich mich gerade für einen Artikel mit dem Thema Schwärme beschäftigt hatte. Danach brainstormte ich fröhlich vor mich hin. Auch, dass ich mich zu dem Zeitpunkt gerade für ein Sachbuchprojekt mit amerikanischer Geschichte beschäftigt habe, ist in den Roman eingeflossen. Es ist erschreckend, was aus Menschen wird, wenn sie Macht über Sklaven bekommen. Mit der Ankunft der Miks begann der Niedergang von Rhiannon. Sehr wichtig war mir, wie Alena auf all das reagiert. Ihre Zivilcourage ist die Eigenschaft, die mir an ihr am besten gefällt.
Wie genau der Showdown ablaufen sollte, war mir lange nicht klar. Aber wie üblich kamen mir beim Schreiben weitere Ideen. Der Durchbruch war, dass eine Freundin meinte, ein normaler Schatz von Atakán sei langweilig, er müsse schon etwas Besonderes sein. Schnell hatte ich die Idee mit den magischen Würfeln und damit war eigentlich schon klar, dass sie eine Rolle bei der Flucht spielen würden.
Den Buchtitel durchzukämpfen war wie üblich nicht ganz leicht, zum Glück fand mein Vorschlag „Wolkentrinker“ dann doch Anklang im Verlag. Mehrere Anläufe gab es auch beim Titelbild. Es ist inzwischen eine Art Running Gag, dass meine Verlage oft einen Drachen auf die Umschlagillustrationen setzen, obwohl es in Daresh keine gibt. Gut finde ich das nicht unbedingt, aber hübsch sieht´s schon aus.

Der dritte Teil

Den dritten Teil zu schreiben fiel mir nicht ganz leicht. Seit dem zweiten Band war schon einige Zeit vergangen, dazwischen hatte ich den „Sucher“ geschrieben, der mich über Jahre hinweg stark faszinierte, und außerdem natürlich den kleinen Robin bekommen. Feuerblüte 3 musste ich also quasi nebenbei schreiben. Das ist nicht gerade der beste Weg, um einen Roman fertigzubekommen.
Dadurch, dass ich mich so lange nicht mehr mit Alena beschäftigt hatte, fiel es mir schwer, wieder mit ihr in Kontakt zu kommen. Außerdem drohte der dritte Teil ganz und gar Joraks Geschichte zu werden, und das wollte ich nicht – Alena war noch immer Hauptfigur und Herz der Trilogie. Zum Glück hatte ich als Grundlage des dritten Teils eine ganz starke Geschichte: Jorak und Alena wagen alles, um sich ein gemeinsames Leben zu schaffen, und verändern Daresh dabei für immer. Dadurch kam der Roman dann doch noch in Schwung.

Struktur bitte!

Die ursprüngliche Anfangsszene des Romans, heute das zweite Kapitel „Ärger im Roten Bezirk“, hatte ich schon vor vielen Jahren wie eine Vision aufgeschrieben. Um Jorak nicht zu stark in den Mittelpunkt zu rücken, wählte ich schließlich aber einen neuen Einstieg aus Alenas Perspektive.
Lange brütete ich darüber, wie ich die Spannungsbögen bauen und die vielen Handlungsfäden optimal verknüpfen könnte. Die Struktur zu entwerfen war eine Aufgabe, die mir schwerer fiel als das eigentliche Schreiben. Welches eigene Ziel konnte ich Alena geben, damit es nicht ausschließlich Joraks Buch wurde? So kam ich auf die Idee, dass sie sich auf die Suche nach der Vergangenheit ihrer Mutter machen könnte. Es machte Spaß, auf diese Art noch einmal über Alix zu schreiben. Zum Glück stand mir Isabel wie immer mit guten Tipps zur Seite, und mit ihrer Hilfe schaffte ich es, den roten Faden des Romans herauszuarbeiten und die Liebesgeschichte in den Griff zu kriegen.
Am leichtesten zu schreiben waren Joraks unmöglichen Aufgaben, solche Szenen fließen mir fast von selbst aus der Feder. Für den Showdown in Carradan brauchte ich dagegen lange, weil ich Carradan von Grund auf entwerfen und viele Karten der Stadt zeichnen musste.

Hundert Seiten zuviel

Dadurch, dass ich so viel erzählen wollte und alle losen Fäden der Trilogie zusammenführen musste, ist das Buch sehr lang geworden. Dazu trug natürlich bei, dass ich heute anders schreibe als früher, ich Atmosphäre und Beschreibung mehr Raum gebe. Kurz, der dritte Band hat hundert Seiten mehr als die ersten beiden – und vor allem hundert Seiten mehr als in meinem Vertrag vorgesehen (nein, den Umfang des Buches kann der Autor gewöhnlich nicht frei wählen, außer er hat diverse Bestseller geschrieben.) Zum Glück musste ich die hundert Seiten nicht rauskürzen, dann hätte ich die die komplette Rena-Parallelhandlung wegwerfen müssen. Wir fanden die Lösung, dass der Verlag den Preis des Buchs raufsetzte.
Wie üblich wechselte ich beim Schreiben mehrmals den Arbeitstitel. Ursprünglich war es „Das Mond-Orakel“, aber nach einer Abstimmung auf meiner Homepage entschied ich mich für „Im Namen des Nordwinds“, das sich stark auf den Jorak-Teil der Handlung bezog. Mir gefiel das sehr gut – nur leider dem Verlag nicht. Aus einer Liste von Alternativen, die ich schnell per Mail hinterherschob, entschieden sich die Lektorinnen wieder für den ursprünglichen Titel, Das Mond-Orakel. Ich nahm´s gelassen und freute mich, dass das Cover so hübsch geworden war und sogar zum Inhalt des Buches passte. Auch wenn Jorak im Buch nicht auf den Weißen Adlern reitet, sondern von ihnen getragen wird.

Abschied von Daresh

Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, dass die Feuerblüte-Trilogie jetzt abgeschlossen ist. Alena hat sich vom rebellischen Mädchen zur Revolutionärin gewandelt. Zu einer Frau, die den Mut und die Kraft hat, ihre Welt von Grund auf zu verändern. Jorak hat sich aus den Slums hochgearbeitet und ist zu einem Anführer geworden, für den die Gildenlosen buchstäblich durchs Feuer gehen. Ich lasse sie jetzt ihren Weg gehen und verabschiede mich von ihnen, und auch von Daresh.
Es ist an der Zeit, andere Geschichten zu erzählen.