Entstehungsgeschichte der Kampf um Daresh-TrilogieKatja Brandis, 2003

Wie alles anfing? Mit dem Ueberreuter Verlag. Mit dem es ja auch – im übertragenen Sinne – endete. Ich glaube, es war das Jahr 1994, als ich im Institut für Jugendbuchforschung in Frankfurt, wo ich studierte, einen Aushang sah: Der Verlag suchte einen Fantasyroman für Jugendliche und würde die beste Einsendung mit dem Hohlbein-Preis honorieren. Toll, dachte ich, da mache ich mit. Dass ich bisher vor allem Science Fiction und Abenteuergeschichten geschrieben hatte und all meine Manuskripte in der Schublade vermoderten, störte mich nicht weiter.

Writer´s Block

Doch das, was ich mir vorgestellt hatte – schnell mal bis zum Herbst einen Fantasyroman schreiben – funktionierte natürlich nicht. Zwar war der Anfang flott heruntergeschrieben, aber das war´s dann auch erstmal. Schreibblockade. Mir wurde schnell klar, woran das lag: Noch entzogen sich mir die Figuren, sie waren noch zu wolkig, die Welt Daresh gefiel mir noch nicht – zu wenig exotisch – und ich haderte mit der Frage, ob es denn nun eigentlich ein Jugendroman oder ein Erwachsenenbuch werden sollte. Lange Zeit stand es auf der Kippe, und ich denke heute noch, dass auch ein Erwachsener seinen Spaß an den Daresh-Büchern haben kann.

Kritik und Rotwein

In den nächsten Jahren (der Einsendeschluß für den Hohlbein-Preis war längst verstrichen) arbeitete ich zäh an dem Manuskript. Immer, wenn ich etwas Neues geschrieben hatte, las ich es meinen Freunden vor. Denn alle zwei Wochen trafen wir uns im Frankfurter Schriftstellerkreis und hörten uns an, was die „Kollegen“ zu unseren Texten zu sagen hatte. Bissige Kritik und Lob, und dazu Ströme von Rotwein – so sahen unsere Treffen aus. Die anderen Autoren holten mich unzählige Male von der falschen Spur, ihre Tipps waren unschätzbar wertvoll. Als das Manuskript endlich fertig war, trugen auch meine vielen Testleser (meist gute Freunde ohne falsche Scheu, mich zu kritisieren) viel dazu bei, aus dem Buch das zu machen, was ich damals noch für eine „runde Sache“ hielt.

Ein Glücksfall und ein schwerer Schlag

Ich hatte Glück – während einer früheren Recherche hatte ich einen Jugendbuchlektor kennengelernt, und er begeisterte sich spontan für das Manuskript: „Das machen wir!“ Aber erst stand natürlich die Überarbeitung an. Geduldig arbeitete Gerd Rumler mit mir am Manuskript und gab mir noch einige entscheidende Hinweise. Ohne ihn hätte es den Showdown in dieser Form nicht gegeben und auch die Szenen mit dem alten Archivar hat er „angestoßen“. Dass es mit der Veröffentlichung bei seinem Verlag dann doch nicht klappte, war nicht seine Schuld. „Wir wollen doch lieber kein Fantasy machen“, hieß es letztlich von der Verlagsleitung.

Reisen nach Wien

Also wieder von Null anfangen und das Manuskript herumschicken. Erst Absagen – und dann, nachdem das Manuskript ein Jahr lang auf irgendeinem Stapel gelegen hatte, eine begeisterte Zusage von Ueberreuter. Auf der Frankfurter Buchmesse schlossen wir den Vertrag. Ich schwebte buchstäblich auf irgendeiner Wolke davon. Fühlte mich endlich einmal wieder mit meiner Prosa erwünscht, geschätzt. Ein kurzer Besuch bei Ueberreuter in Wien bestätigte die gegenseitige Sympathie. Im Weihnachtsurlaub begann ich, beflügelt von all diesen wunderbaren Erfahrungen, mit dem zweiten Band der Trilogie, dessen Handlung schon längst konzipiert war. Diesmal ging es mit dem Schreiben auch wesentlich flotter, denn ich musste nicht mehr um das Konzept ringen, wußte, wohin ich wollte und kannte die Personen und Daresh in- und auswendig.

Mit dem ersten Band – der mittlerweile vier Überarbeitungen erlebt hatte und den ich für die Veröffentlichung bei Ueberreuter leicht kürzen mußte – ging nun alles ganz schnell: Innerhalb von ein paar Tagen mussten die Fahnen korrigiert werden, dann gab es auch schon einen neuen Titel und ein Cover. Die Leiterin Jugendbuch schlug mir vor, den Verlagsvertretern das Buch selbst in Wien vorzustellen, und so reiste ich noch einmal nach Österreich und begann parallel dazu, diese Website zu entwerfen.

Grau wie das Wasser, Rot wie der Mond

Es kostete mich und den Verlag viel Kopfzerbrechen, bis wir uns endlich auf einen Titel geeinigt hatten. Während seiner Entstehung hieß der Roman Feuer, Wasser, Erde, Luft – aber niemand konnte sich die Reihenfolge merken, und außerdem gab es schon ein Buch mit diesem Titel. Dann nahm ich mit Grau wie das Wasser, Rot wie der Mond einige Worte aus der Formel heraus, die Rena von Cchrlanho bekommt. Aber das war zu lang, also hieß die nächste Fassung Der Ruf der Quelle. Was dem Verlag dann aber zu sehr nach Heimatroman klang. Sein Gegenvorschlag: Das geheimnisvolle Amulett. Doch als das Cover fertig war, paßte der Titel auf einmal nicht mehr dazu, und so heißt das Buch heute Der Verrat der Feuergilde. Und alle waren vor allem froh, dass die Titelfrage endlich geklärt war und dass es das Buch endlich in die Buchhandlungen geschafft hat!

Die Reihe wird fortgesetzt

Zu Anfang hatte ich nicht an eine Trilogie gedacht, deshalb ist die Reihe „Kampf um Daresh“ auch nicht konsequent als solche angelegt. Aber dann schrieb ich in der magischen Atmosphäre eines zerfallenden Landhauses in einem französischen Dorf – bei einem Treffen meiner Frankfurter Schriftstellerfreunde – eine Szene auf, die mir schon lange im Kopf herumspukte. Wie Rena Alix, die nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, in einem dreckigen Wirtshaus findet. Doch als ich das schrieb, sah es nicht mal so aus, als würde der erste Band irgendwann einen Verlag finden. Also vermoderte die Datei in den Tiefen meines Computers. Bis die Zusage von Ueberreuter kam. Endlich veröffentlicht zu werden gab mir einen solchen kreativen Schub, dass ich sofort mit dem zweiten Band begann, dessen Handlung sich in meinem Kopf längst auskristallisiert hatte. Ich begann in den Weihnachtsferien damit, zwei Stunden jeden Tag zog ich mich mit Laptop und CD-Player in irgendeine Ecke zurück und versenkte mich in Daresh. Selten ist mir ein Buch so leicht von der Hand gegangen. In einem genussvollen Schreibrausch, der sich über wenige Monate hinzog, schrieb ich den Propheten des Phönix fertig. Fast nur am Abend und am Wochenende, weil ich parallel dazu an einem Sachbuch arbeiten und tagsüber meine Aufgaben als Redakteurin erfüllen mußte. Die Idee, dass sich Alix und Tavian ja eigentlich verlieben könnten, war der letzte Funke, der noch gefehlt hatte. Noch heute zählt Alix und Tavians Begegnung am Schluß des Buches zu meinen absoluten Lieblingsszenen. Zu meiner Erleichterung waren auch die Testleser von meinem neuen Manuskript angetan, fanden es sogar spannender als den ersten Band. Und so ging das Buch mit wenigen Änderungen in Druck – noch bevor absehbar war, dass der neue Potter einen leicht ähnlichen Titel haben würde.

Der Smaragdgarten

Als ich den zweiten Band geschrieben hatte, war mir klar, dass „Kampf um Daresh“ eine Trilogie werden würde – werden mußte. In meinem Kopf lagerte schon längst eine Idee für einen dritten Band. Diesmal sollten die Halbmenschen im Mittelpunkt stehen, sollte Rena, um einen Mord aufzuklären, eine zeitlang mit Storch- und Krötenmenschen leben. Andere Kulturen haben mich schon immer fasziniert, und damit auch Rena.
Einen Vertrag hatte ich auch schon, bevor ich eine Zeile geschrieben hatte. Wie so oft begann ich im Weihnachtsurlaub mit dem Schreiben, in einem alten Bauernhaus in Franken diesmal, mit einem Kerzenleuchter neben mir und der Musik von Loreena McKennitt im Ohr. Ich, Christian und Anja hatten viel Spaß dabei, uns die seltsamen Tiere und Pflanzen des Lixantha-Dschungels auszudenken. Wieder ging mir das Schreiben leicht von der Hand. Ich tippte daheim, in Zügen, im Hotelzimmer auf Lesereise.

Tjeri erwacht zum Leben

Rowan sollte diesmal nicht dabei sein, schon im zweiten Band hatte ich meine Probleme mit ihm und eigentlich hatte ich keine Lust mehr auf diese Figur. Es war Zeit für jemand Neues in Renas Leben. Aber sowohl Tjeri als auch Corvus weigerten sich, lebendig zu werden. In einem Hotelzimmer in Reutlingen sprang dann doch noch der Funke über, schlagartig verliebten sich sowohl ich als auch Rena in Tjeri. Von da an war eigentlich alles klar. Noch leichter wurde es, als ich beim Zahnarzt, als ich gerade in einem GEO-Heft blätterte, ein Bild von jemand fand, der Tjeri – so wie ich ihn mir vorstellte – ähnlich sah. Ich widerstand der Versuchung, das Heft sofort zu klauen, und besorgte mir die Ausgabe. Auch Corvus´ Motivation und Persönlichkeit wurde mir immer klarer – es half sehr, eine Passage aus seiner Perspektive zu schreiben.
Es machte enormen Spaß, den Rest des Manuskripts zu schreiben. Zu Anfang wußte ich nicht genau, wie das Buch ausgehen sollte, die Idee mit dem Sumpf und dem Smaragdgarten entwickelte sich nach und nach beim Schreiben. Aufgeregt wie immer wartete ich auf das Feedback meiner Testleser, das diesmal sehr unterschiedlich war. Der Schluss erntete heftige Proteste, so dass ich beinahe eingeknickt wäre und ihn geändert hatte. Aber nur beinahe. Manche fanden den Anfang langatmig, andere (zum Glück auch meine Lektorin) sagten, dieser Band gefalle ihnen von den Daresh-Büchern am besten. Allerdings erwies er sich als zu lang, zwanzig Seiten mußte ich kürzen. Komplette Szenen flogen heraus und auch den Rest straffte ich ohne Gnade – was dem Buch gut tat und auf der Homepage die Rubrik „Outtakes“ bereichern wird. Schwierig wurde mal wieder die Titelsuche, meinen ursprünglichen Vorschlag Der Gesang der Wälder fand der Verlag zu Heimatroman-mäßig. Nach langem Hin und her einigten wir uns auf Der Ruf des Smaragdgartens.

Next generation

Tja, und jetzt geht es weiter… mit Alix´ Tochter Alena. Wer mehr über die Entstehung der neuen Trilogie Feuerblüte erfahren möchte, kann das hier.