Leseprobe aus Der Prophet des PhönixKampf um Daresh, Band 2

Leseprobe aus Der Prophet des Phönix

Aus dem 1. Kapitel Die Nachricht

Berühmt zu sein stellen sich viele lustig vor. Aber das ist es nicht. Jedenfalls nicht, dachte Rena gequält, wenn man als jüngstes Ratsmitglied in der Felsenburg sitzt. Dann ist es einfach nur öde.

Heute war schon wieder eine Sitzung. Seit einem halben Sonnenumlauf hockten sie im prächtigen Hauptsaal des Rates und diskutierten irgendwelche Formalitäten. „Wir müssen diesen Punkt noch klären“, sagte Ennobar gerade, der wichtigste Vermittler der Regentin und einer von Renas Freunden. Er war ein selbstsicherer, weltgewandter, manchmal arroganter Mann mit dem empfindsamen Gesicht eines Künstlers. Vor einem Winter, als Rena in die Felsenburg gekommen war, hatte er sie unter seine Fittiche genommen und vieles gelehrt. „Aus der Provinz Vanamee gab es eine Anfrage: Ist es ein Verstoß gegen den Pakt, wenn Menschen verschiedener Gilden sich gegenseitig beleidigen? Das ist zwar kein tätlicher Angriff, aber es stört auch den Frieden.“

„Kommt drauf an, was gesagt wird“, sagte einer der anderen Delegierten, eine ältere Frau der Erd-Gilde. „Irgendwo muss man die Grenze ziehen.“

„Ja, der Rat sollte eine Liste nicht akzeptabler Wörter zusammenstellen“, meinte ein anderer.

Rena hörte nicht mehr zu. Sie sehnte sich danach, durch den Weißen Wald zu streifen oder sich mit den Iltismenschen zu unterhalten. Irgend etwas mit Menschen zu tun zu haben statt hier sitzen zu müssen. Ihre Augenlider wurden immer schwerer. So sehr sie sich bemühte, sie wurden unwiderstehlich nach unten gezogen… Verdammt, du kannst jetzt nicht einfach bei der Sitzung einschlafen, schalt sich Rena und riß die Augen weit auf. Du hast schließlich einen Ruf zu verlieren! Seit sie auf ihrer gefährlichen Reise durch die Provinzen mit ihren Freunden Alix und Rowan geschafft hatte, die verschiedenen Gilden zum Frieden zu überreden, kannte auf Daresh jeder ihren Namen. Das war auch der Grund, warum sie im Rat saß, obwohl sie erst sechzehn Winter alt war. Doch wenn sie geahnt hätte, was das für eine Quälerei werden würde, hätte sie gleich Nein gesagt!

Rena überlegte, ob sie nicht ein paar Tage lang behaupten sollte, sie hätte Erdfieber. Dann hatte sie ein paar Tage Ruhe vor diesen Sitzungen. Nein, ein Fall von Schattenmilben war besser. Dann brauchte sie sich nicht ins Bett zu legen und konnte in den Wald. Jemand, der Schattenmilben hatte, mußte viel raus, damit die Sonne die Milben abfallen ließ…

Gerade, als Rena darüber nachgrübelte, wie sie ein paar Milben zum Mitmachen überreden konnte, bemerkte sie den Tumult im Gang vor der Ratskammer. Dort rumpelte und rumorte es, als wütete dort eine Bande von Iltismenschen.

„Sofort!“ brüllte jemand. „Sofort, nicht erst später!“

Von der Antwort war nicht so viel zu verstehen. „Ihr könnt jetzt nicht rein… Ratssitzung… nicht stören…“

„Die Räte werden euch an den Zehen aufhängen, wenn ihr mich nicht sofort einlaßt! Ich.. ja, verdammt, das müssen sie… nein, jetzt!“

Ein dumpfer Schlag folgte, dann klirrte Metall auf Stein. Jemand schrie etwas von den Barbaren der Feuer-Gilde. Die Delegierten hatten ihre Diskussion unterbrochen und blickten nun alle zur Quelle des Aufruhrs hinüber. Ennobar seufzte, schritt zur Tür und riß sie auf. „Was beim Erdgeist ist hier los?“ schnauzte er.

Rena lehnte sich vor, um besser sehen zu können, und stieß mit einem Delegierten der Luft-Gilde zusammen, der den gleichen Gedanken gehabt hatte. Im Gang knäulten sich drei Wachen, ein Diener und ein Mann, den niemand von ihnen je gesehen hatte. Es war ein bärtiger Schmied in der schwarzen Tracht seiner Gilde. Im groben, nach Schweiß und Rauch riechenden Stoff seines Umhangs waren viele kleine Brandlöcher, wahrscheinlich von umherfliegenden Funken. Als die Wachen Ennobars Stimme hörten, versuchten sie sich schwankend aufzurichten und Haltung anzunehmen. Auch der Fremde richtete sich langsam auf.

„Wer seid Ihr?“ fragte Ennobar mit einer Spur seiner alten Arroganz. „Ihr stört uns bei der Besprechung wichtiger Fragen!“

Wichtiger Fragen, daß ich nicht lache, dachte Rena.

Der Schmied blickte Ennobar mißtrauisch an. „Ich will den Frieden erhalten helfen“, sagte er schließlich. „Aber ich kann nur sprechen, wenn ich weiß, daß das Wissen nicht in falsche Hände gerät.“

„Hier ist der Rat der vier Gilden versammelt, er hört euch zu“, sagte Ennobar ungeduldig. „Wenn Ihr kein Vertrauen in den Rat habt, in wen dann? Nun sagt schon, was Ihr so Wichtiges zu sagen habt, und haltet uns nicht länger auf.“

Der Mann in der schwarzen Tracht lachte. Es war ein sprödes, nicht besonders heiteres Lachen. „Was ich euch zu sagen habe, wird euch noch länger aufhalten, Höfling.“

Rena wußte, ohne hinzusehen, daß Ennobar bei dieser Bezeichnung die Lippen zusammenkniff. Er hatte zwar der Regentin Treue gelobt und für sie seiner Gilde, den Erdleuten, abgeschworen, aber das ließ er sich nicht gerne unter die Nase reiben.

„Ich komme gerade aus Tassos“, sagte der Schmied. „Hätte die Provinz beinahe nicht mehr verlassen. Sie wollten nicht, daß ich rauskomme.“

„Wen meint Ihr mit sie?“ fragte Ennobar. Es war still geworden im Rat, seine Stimme hallte von den Steinwänden des Sitzungsraumes wider.

„Meine Gildenbrüder. Ja, es ist schwer zu glauben. Aber wahr. Etwas… Seltsames geht mit ihnen vor. Ihnen brennt das Blut in den Adern, ihr Kopf ist voller Rauch. Sie haben seltsame Ideen, sie sind begeistert von Dingen, die… schwer zu sagen. Düster sind sie, und gefährlich.“

„Fahrt fort“, sagte Ennobar und wies auf einen leeren Platz in der Runde. Erschöpft ließ sich der Mann in einen der Stühle sinken. Ein Diener brachte einen Krug Cayoral, und Aron, einer der Delegierten der Feuer-Gilde, schenkte ihm ein. Der herbe Geruch des Kräutergetränks wehte zu Rena hinüber. „Hier, tanu, Bruder, trink.“

„Auch mich hat es mitgerissen“, fuhr der Schmied mit heiserer Stimme fort. „Wir haben geredet, viel geredet, davon, dass Tassos so wichtig werden würde wie nie eine Provinz zuvor. Wie Daresh durch das Feuer des Propheten wieder gereinigt werden würde. Es war eine Idee, wie sie nur einmal in tausend Wintern die Welt erobern kann.“

Die Delegierten begannen wild durcheinanderzureden. „Sicher nur einer dieser Kulte! Das braucht man nicht ernst zu nehmen.“ „Aber wie konnte er sich so schnell verbreiten?“

„Von wem kommt die Idee?“ krächzte Rena. „Weiß man das?“

„Ja“, antwortete der Schmied, und auf einen Schlag war es wieder still wieder im Saal. „Man nennt ihn den Propheten des Phönix.“

„Wer ist er? Habt ihr ihn getroffen?“ fragte Ennobar.

Der Mann in der schwarzen Tracht nickte und nahm einen Schluck aus seinem Becher. „Niemand weiß, was sein wirklicher Name ist. Ich stand ihm gegenüber, so nah wie ich euch jetzt gegenübersitze. Er hat viele Anhänger, sehr viele. Sie reden nur heimlich, aber seine Idee verbreitet sich schnell. Und sie planen etwas großes. Ich weiß nicht genau, was, aber es hat etwas mit dem reinigenden Feuer zu tun. Ich glaube, dass der Prophet alle töten will, die nicht an ihn glauben.“

Entsetztes Murmeln unter den Delegierten. Ennobar bat um Ruhe und erteilte Dorota, der rundlichen Delegierten der Erd-Gilde das Wort. „Ihr wart selbst auch begeistert“, sagte sie. „Warum jetzt nicht mehr?“

Der Schmied kam nie mehr dazu, die Frage zu beantworten. Seine Augen verdrehten sich, bis man nur noch das Weiße sah, und er rang nach Luft. Er versuchte zu husten, aber er schaffte es schon nicht mehr. Seine zuckende Hand stieß nach dem Becher Cayoral und fegte ihn zu Boden.

Die Delegierten hatte es auf die Füße gerissen. Einige betteten den von Krämpfen geschüttelten Mann auf den steinernen Fußboden. Ennobar riß seinen Kragen auf, damit er besser atmen konnte. „Den Diener!“ donnerte Ennobar. „Schafft mir den Diener her, der das Cayoral gebracht hat!“

Rennende Füße verschwanden in den Gängen.

„Dagua! Ihr versteht doch etwas von Heilkunst.“

„Laßt mich“, sagte Dagua, der Delegierte der Wasser-Gilde, und drängte sich nach vorne durch. „Vielleicht gibt es noch eine Möglichkeit…“ Er legte dem Mann die Fingerspitzen an die Schläfen. Die Sehnen an Daguas Hals traten vor Anstrengung hervor, als er versuchte, den Funken des Lebens, der noch in dem Schmied war, zu halten. Doch es war zu spät. Nach einigen Momenten richtete sich Dagua auf und schüttelte den Kopf.

Beklommen sah Rena auf den Toten hinunter. Sie ahnte, dass ihrer Welt etwas bevorstand, was diese noch nie gesehen hatte.

Kurz darauf ging die Versammlung auseinander, niemand hatte jetzt noch die Kraft, sich auf die Sitzung zu konzentrieren. Rena hastete zu ihren Räumen zurück. Als erstes wollte sie Rowan von dem erzählen, was passiert war. Wahrscheinlich hatte er es bereits gehört, der Tumult in der Burg mußte sich schnell herumgesprochen haben. Noch suchten alle nach dem Diener, der den Becher Cayoral gebracht hatte, aber er war verschwunden, wahrscheinlich schon außerhalb der Burg und auf der Flucht.

In ihren Räumen war Rowan nicht. Rena ahnte schon, wo sie ihn finden würde. Sie rannte die Treppen hoch und schob sich durch den schmalen Gang, der nach draußen führte, zur Flanke des Berges hoch über der Erde. Auf einem schmalen Sims ohne jedes Geländer hockte Rowan, die Arme um die Knie geschlungen. Er hatte den Kopf etwas zurückgelegt, sein Gesicht war friedlich. Seine Augen schienen nichts zu sehen; in ihnen spiegelte sich der blaßviolette Himmel.

Rena preßte sich mit klopfendem Herzen und zitternden Knien an die Felswand. Sie zwang sich, nicht an den Abgrund unter ihnen zu denken und blickte ebenfalls hoch. Über ihren Köpfen wirbelten die Wolken in Formen, die es in der Natur nie gegeben hatte. Wie viele Menschen der Luft-Gilde konnte Rowan das Wetter beeinflussen, und er vertrieb sich oft die Zeit damit, aus den Wolken kunstvolle Muster zu bilden.

„Und, gefallen sie dir?“ fragte Rowan, ohne sie anzublicken. Er hatte also doch gemerkt, dass sie da war.

„Sie sind wunderschön“, sagte Rena und zwang sich zu einem Lächeln. „Aber es ist etwas Schlimmes passiert bei der Ratssitzung. Kommst du runter?“

Jetzt wandte er sich ihr zu. Seine hellen Augen blickten besorgt. „Bin gleich da.“ Er richtete sich auf und reckte seinen langen, schlacksigen Körper. Unbekümmert ging er auf dem Sims entlang zum Tunneleingang; im Gegensatz zu Rena war ihm Höhenangst fremd.

Sie hatten sich im letzten Sommer ineinander verliebt, als er sie aus den Fängen der Menschenhändler befreit hatte und sie zusammen durchs Grasmeer gereist waren. Als Rena ihr Ziel erreicht und die Gilden Frieden geschlossen hatten, konnte Rowan nicht mehr ins Grasmeer zurückkehren – es war bei den Kämpfen zwischen den Gilden abgebrannt. Doch eigentlich wollten sie beide nicht einfach heimkehren, sie wollten zusammen bleiben. Seit einem Jahr lebten sie nun gemeinsam in der Felsenburg der Regentin.

Als Rowan wieder im Inneren der Burg war, sprudelte Rena hervor, was geschehen war. Erschrocken legte Rowan eine Hand auf ihren Arm. „Gut, dass dir nichts passiert ist. Wenn du auch von dem Cayoral getrunken hättest…“

Ein kleiner Trupp Soldaten kam eilig durch den Gang geschritten und drängte sich grob vorbei. Rowan und Rena mußten sich an die Steinwände pressen, um sie vorbeizulassen, dann verklangen die Geräusche ihrer Stiefel. Einer der Soldaten hatte einen Leuchttierchen-Käfig angestoßen, er prallte gegen die steinerne Wand und warf flackernde Schatten in den Gang. Rowan hielt den schwankenden Käfig an und spähte besorgt hinein. „Alles in Ordnung, Kleiner?“ Das Leuchttierchen zirpte bestätigend, und sie gingen zu ihren Räumen zurück, um den Wachen bei ihrer Suche nicht im Weg zu stehen.

Als sie die dicke Holztür hinter sich schlossen, atmete Rena tief durch. Selbst, wenn der Verräter sich noch in der Burg befand, hier waren sie sicher. Die Regentin hatte Rena und ihrem Freund ein weitläufiges Zimmer hoch in einem der Felsflanken des Berges zugewiesen. Es waren ein geschickter Kompromiß zwischen den Bedürfnissen von Erdleuten wie Rena, die sich unter der Oberfläche wohl fühlten, und Leuten der Luft-Gilde, die nur mit Mühe ein festes Dach über ihren Köpfen ertrugen: Schmale, hohe Fenster ließen Licht und Luft herein, aber die Wände aus meterdickem, dunkelgrauen Fels wirkten auf Rena beruhigend. Gildenmeister aus allen Provinzen hatten ihnen als Zeichen ihrer Bewunderung Möbel aus weißem Colivar-Holz gespendet, und das eine oder andere Stück hatte Rena auch selbst geschnitzt. Die Matten aus geflochtenem Gras und die luftigen, blauen Stoffe, die Rowan mitgebracht hatte, paßten nicht so recht dazu, aber schließlich war die Hauptsache, dass es gemütlich war.

„Glaubst du denn, dass es wahr ist, was der Schmied euch erzählt hat?“ Unruhig ging Rowan zwischen den großen Stühlen in ihrer Ruhezone umher und ließ die Fingerspitzen über das glatte Holz gleiten.

„Ja, was er sagte klang sehr überzeugend.“ Rena zögerte. „Du meinst, die Feuer-Gilde könnte ihn geschickt haben, um den Rat zu verunsichern? Nein, ich glaube nicht. Der Mann war echt.“

„Wie haben die Leute der Feuer-Gilde reagiert, die im Rat saßen?“

„Völlig verblüfft. Sie waren nicht eingeweiht, da bin ich sicher. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie lange nicht mehr in ihrer Provinz waren.“

„Sicher weiß die Regentin Bescheid. Sie hat überall ihre Späher. Ihr entgeht doch sonst nichts.“

„Du meinst, sie hat von diesem Propheten erfahren, aber den Mund gehalten?“

„Vielleicht.“ Rowan strich sich nachdenklich durch die widerspenstigen hellblonden Haare. „Weißt du, wer so etwas wissen könnte?“

„Nein, wer?“

„Alix.“

Der Name stand im Raum wie eine Beschwörung, hallte in der Stille nach. Renas Gedanken flogen zu der Freundin zurück, mit der sie im letzten Sommer so viel erlebt hatte. Sie gehörte zur Feuer-Gilde, war eine der besten Schwertkämpferinnen der Provinz. Alix mit ihren langen kupferfarbenen Haaren. Alix, die in ihrem langen Leinenkleid immer wirkte, als könnte sie kein Wässerchen trüben – bis jemand den Fehler machte, sie zu bedrohen oder anzugreifen. Die Provinz Tassos, das Kernland der Feuer-Gilde, war ihre Heimat, dort kannte sie jeden Stein und Phönixbaum.

„Ja“, sagte Rena. „Vielleicht weiß sie etwas. Schließlich ist sie eine ehemalige Agentin ihrer Gilde. Gewohnt, die Augen offenzuhalten.“ Auf einmal war Rena den Tränen nahe war. Zu Anfang hatte sie viel an Alix gedacht. Doch seit ihre kriegerische Freundin die Felsenburg verlassen hatte, war keine Nachricht mehr von ihr gekommen. Wahrscheinlich waren wir doch nicht so gut befreundet gewesen, wie ich gedacht habe, sagte sich Rena. Sonst hätte Alix wenigstens einmal von sich hören lassen! Auch wenn es nur ein Satz im Stil von Mir-geht-es-gut-wie-geht-es-euch gewesen wäre. Zu Anfang hatten Rowan, sie und Dagua, ihr verschmitzter Reisegefährte aus der Wasser-Gilde, noch ab und zu über Alix gesprochen. Doch als die beiden Männer gemerkt hatten, dass Rena dann jedesmal traurig wurde, hatten sie damit aufgehört.

„Wie es ihr jetzt wohl geht?“ sagte Rena und blickte aus den Fenstern über die Ebene hinaus.

„Schade, dass sie es nicht lange ausgehalten hat hier“, meinte Rowan. „Diese gräßlichen Verhandlungen lagen ihr nicht. Zuwenig Geduld, zuviel Energie.“

„Mag sein. Aber warum meldet sie sich nicht?“ Rena gestand sich ein, daß sie das verletzte. Schließlich waren Alix und sie einmal so etwas wie Waffenschwestern gewesen.

„Ich wette, die Leute der Regentin haben sie im Auge behalten.“

Rena schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe bei den Spähern nachgefragt, habe ich dir das nicht erzählt? Es war ihnen ziemlich peinlich, sie wollten es erst nicht sagen. Schließlich haben sie zugegeben, dass Alix sie schon nach ein paar Tagen abgeschüttelt hat.“

„Wahrscheinlich ist sie zurück nach Tassos und hat dort eine Waffenschmiede aufgemacht.“

„Sie wollte wieder reisen, keine Schmiede aufmachen“, beharrte Rena. „Außerdem hätten wir das mit der Schmiede erfahren. Hoffentlich ist ihr nichts passiert.“

„Alix und was passiert?“ Rowan blickte skeptisch. „Glaube ich nicht. Sie kann ganz gut auf sich aufpassen.“

Einen Moment lang war Rena ärgerlich. Begriff er nicht, dass Alix kein Übermensch war, sondern eine normale Frau, der es auch einmal schlecht gehen konnte? Rena hatte Alix schon einmal an der Schwelle des Todes erlebt, und nur mit viel Glück hatte die Schmiedin es damals geschafft, zu überleben.

In diesem Moment klopfte es, und der Mißton zwischen ihnen war wieder vergessen. Rowan ging öffnen. Ein Bote stand auf der Schwelle und verbeugte sich vor ihnen. „Ennobar läßt Euch zur Eilsitzung in seinen Räumen bitten.“

„Wir kommen gleich“, versicherte Rena, warf sich ihren guten Umhang über die Schulter und steckte sich das Messer in den Gürtel. Sie hätte es nicht für möglich gehalten, dass sie es in der Felsenburg noch einmal brauchen würde. Doch wenn sogar im Rat jemand ermordet werden konnte, war niemand sicher.