abebooks-Fragebogen, 2005

Interview mit Abebooks („Büchernarren-Fragebogen“), ca. 2005 – hier geht es vor allem um mein Leben und meine Persönlichkeit.

Welche Romanfigur in der Literatur hätten Sie selbst gerne erfunden?
Ender, eine Figur von Orson Scott Card. Ein unvergesslicher Mensch, ich mag ihn sehr.

Ihre Lieblingsautoren?
T.C. Boyle, George R.R. Martin, Tad Williams, Margaret Atwood, Andreas Eschbach, Haruki Murakami und – seit ich Heuschrecken gelesen habe –  Barbara Vine. Von den Jugendbuchautoren schätze ich Andreas Steinhöfel und Isabel Abedi sehr (unter anderem).

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Girl with the Pearl Earring von Tracy Chevalier. Ein absolut perfektes Buch, diese Frau kann wirklich schreiben. Davor Big Mouth and Ugly Girl von Joyce Carol Oates. Genial, hat mich sehr berührt.

Ihr Lieblingsbuch in der Kindheit?
Damals und noch heute: Krabat von Otfried Preussler.

Welche Romanfigur wären Sie gerne?
Rena, eine der Hauptfiguren meiner Daresh-Romane. Sie ist mein Alter Ego und gleichzeitig mein Vorbild, weil sie mutiger ist als ich und besser mit Menschen umgehen kann.

Einer der besten „ersten Sätze“ oder Romananfänge, den Sie je gelesen haben, lautet:
Oh, da gibt´s viele. Zum Beispiel I was twelve years old the first time I walked on water. (Aus Mr. Vertigo von Paul Auster, einem tollen Buch) Oder „Ein Blaubär hat siebenundzwanzig Leben. Dreizehneinhalb davon werde ich in diesem Buch preisgeben, über die anderen werde ich schweigen. Ein Bär muss seine dunklen Seiten haben, das macht ihn attraktiv und mysteriös.“ Natürlich von Walter Moers, aus Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär.

Welche drei Bücher würden Sie auf die berühmte, einsame Insel mitnehmen?
Hm, vielleicht Krabat, eine Gesamtausgabe von Hemingways Kurzgeschichten und mein eigenes Buch Der Sucher (das liebe ich am meisten von allen meinen Büchern). Besser wäre für mich allerdings, nur den Sucher mitzunehmen und anstelle der anderen ein paar fette Notizbücher für ein Tagebuch und die Geschichte, die mir vor Ort einfallen.

Andere gehen morgens ins Büro oder in den Betrieb – Wie fängt bei Ihnen ein Arbeitstag an?
Ich bin morgens um acht Uhr an der Arbeit. Das liegt daran, dass ich es kaum erwarten kann, an den Computer zu kommen, weil mir die Geschichten schon in mir aufbrodeln und dringend auf Papier gebannt werden wollen. Oder weil ich – bei einem Sachbuchprojekt – daran weiterkommen will.

Sie haben als Pseudonym für Ihre Romane den Namen „Katja Brandis“ gewählt: Gibt es zur Namensfindung eine Geschichte?
Ja, gibt es. Mark Brandis war früher einer meiner Lieblingsautoren. Er hat sehr ungewöhnliche Science-fiction-Romane geschrieben. Ihm zu Ehren habe ich mich Brandis genannt. „Katja“ gefiel mir einfach. Witzigerweise war „Mark Brandis“ auch ein Pseudonym, und zwar von Nikolai von Michalewski.

Haben Sie beim Schreiben bestimmte Rituale?
Ja. Zum Beispiel höre ich ständig Musik dabei. Am besten welche, die zur Geschichte bzw. bei einem Sachbuch zum Thema passt.

Sammeln Sie Bücher zu bestimmten Themen? Wenn ja, zu welchen?
Ich versuche, im Bereich Jugendbuch und Fantasy auf dem Laufenden zu bleiben. Sammeln ist aber zuviel gesagt. Was mir nicht gefällt, schenke ich der Bibliothek oder verkaufe ich wieder.

Wie viele Bücher lesen Sie im Monat ungefähr?
Privat etwa zwölf, d.h. drei die Woche. Hinzu kommt noch das, was ich rezensieren oder für Recherchezwecke lesen muss.

Welchen Autor möchten Sie ganz persönlich empfehlen?

Andreas Steinhöfel finde ich göttlich gut, besonders sein Buch Defender.

Welchen Autor halten Sie – ganz subjektiv & persönlich- für überschätzt?
Paulo Coelho. Ich habe eins von ihm gelesen und fand, dass ich auf solchen Edelkitsch gut verzichten kann.

Können Sie Bücher wegwerfen?
Nur unter großen inneren Schmerzen. Nur einmal habe ich eins mit voller Absicht weggeworfen, weil ich mich darüber geärgert habe, wie schlecht es geschrieben war.

Welches Buch hat Sie besonders geprägt?
Robin Hood von Howard Pyle.

Was tun Sie am liebsten an einem freien Nachmittag?
Das kommt aufs Wetter an. Wenn gut, dann streife ich am liebsten in Wald & Feld herum oder schwimme quer über einen See. Wenn es regnet oder eine Story unbedingt geschrieben werden will, dann schreibe ich. Wenn mein Freund daheim ist, fallen die Prioritäten natürlich etwas anders aus.

Welche magische Gabe würden Sie gerne besitzen?
Menschen aus Büchern herauszulesen!!! Ein paar von meinen Romanfiguren würde ich wahnsinnig gerne treffen.

Was schätzen Ihre Freunde an Ihnen am meisten?
Ich glaube, ich kann recht gut zuhören.

Ihre Lieblingsmusik?
Zur Zeit U2, Alanis Morissette, Aimee Mann und Loreena McKennitt.

Ihr Leib- und Magengericht? Ihr Lieblingsgetränk?
Gegrillter Schwertfisch mit Guacamole und rotem Reis. Dazu Kirschsaft oder ein Pina Colada.

Was wollten Sie als Kind „mal später werden“?
Erst Stewardess – bis ich den Ausdruck „Kellnerin der Lüfte“ gehört habe. Dann Astronautin – bis ich festgestellt habe, dass ich leicht luftkrank werde. Schließlich Autorin und Journalistin – und wenigstens das hat geklappt.

Ihr Lebensmotto?
Ganz simpel. „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“

Ihr nächstes Ziel?
Meine Feuerblüte-Trilogie abschließen und sie mir endlich, endlich in Buchform ins Regal stellen können. Die beiden Bände, die ich bisher fertig habe, sind meine bisher intensivsten Bücher, und sie bedeuten mir viel.

Lassen Sie sich von einem Literaturagenten vertreten? Wie begründen Sie Ihre Entscheidung für oder gegen einen Agenten?
Ja, ich habe einen Agenten – der Organisationskram wurde mir zuviel, und außerdem kann ich nicht gut verhandeln. Gerd Rumler unterstützt mich sehr gut.

Viele Ihrer Romane und auch Sachbücher richten sich an jugendliche Leser? Zufall oder Absicht?
Nein, das ist kein Zufall. Erstens ist mein „inneres Kind“ noch sehr stark, das hat sicher etwas damit zu tun. Zweitens habe ich das Gefühl, dass ich im Jugendbuch meine Fantasie stärker ausleben kann. Drittens habe ich einen guten Draht zu Kindern und Jugendlichen, und es gibt mir sehr viel, mit ihnen zu tun zu haben. Viertens liest man in der Kindheit und Jugend anders, man liebt seine Lieblingsbücher viel inniger und vergißt sie nie. Ich fand den Gedanken immer sehr schön, dass eins meiner Bücher jemanden so berühren könnte.

Welches ist das größte Klischee, welches Ihrer Meinung nach mit dem Schreiben von Büchern verbunden ist?
Dass man es auf Anhieb kann, wenn man talentiert ist. Ich hatte eine über zehnjährige autodidaktische Lehrzeit hinter mir, bevor mein erstes Buch erschienen ist – und das war gut so! Schließlich würde auch niemand seine allerersten Übungen auf dem Klavier als CD einspielen.

Welche Romanleiche modert in Ihrem Keller und wie könnte sie heissen?
Ich habe noch eine Art Märchen für Erwachsene in der Schublade, das ich unheimlich gerne irgendwann veröffentlichen würde. Der Delfinmensch heißt es. Aber ich habe mich noch nicht recht getraut, es anzubieten, weil es in keine der gängigen Genre-Schubladen passt.

Danke für das Interview!