Outtake 4 aus Der Ruf des Smaragdgartens

In der Langfassung hat Rena von der Geschichtenerzählerin der Storchenmenschen die eine oder andere Legende der Halbmenschen zu hören bekommen. Hier ist eine davon, die leider rausgekürzt werden musste.

Die Schöpfungslegende

Als sie eintrafen, sah Rena, dass Ii´miri mal wieder dabei war, eine Geschichte zu erzählen. Schnell legte sie ihre Tasche beiseite und setzte sich dazu.

„… und dann sprach der Erste, Laß uns das Land und die Luft und die Seen bevölkern und Wesen schaffen, die unseresgleichen sind, aber darin leben können und sich daran erfreuen. Er legte ein Ei tief in die Erde….“ Ii´miri stutzte, ihr Blick streifte Rena. „Ach, nein, er legte ein Ei in den Sand, und aus ihm schlüpfte nach drei Tagen ein Storchenmensch. Dann warf er ein Ei in einen See, und aus ihm kroch ein Krötenmensch hervor. Er legte ein Ei in einen Haufen Laub, und heraus wühlte sich ein Hirschmensch. Und so kamen nach und nach alle der Unsrigen zur Welt. Sie alle erschraken vor dem Ersten und liefen davon, denn sie kannten die Welt noch nicht. Und als der Erste sie rief, kamen sie nicht zurück, sondern verkrochen sich in den Tiefen der Seen und Wälder. Dort paarten sie sich und wuchsen und vermehrten sich. Bis heute. Und längst hat der Erste ihnen verziehen.“

Als die anderen verschwunden waren, blieb Rena sitzen, und auch Ruki schien keine Lust zu haben, wieder an die Arbeit zu gehen. „Das war eine schöne Geschichte“, sagte Rena nachdenklich. „Glaubst du, dass sie wahr ist? Wir Menschen haben keine Legenden über Zeiten, die so lang zurückliegen wie die Entstehung der Arten.“

„Auf jeden Fall ist die Geschichte alt, alt ist sie“, sagte Ii´miri und lächelte. „Unser Volk hat ein gutes Gedächtnis.“

„Schon seltsam, dass es einmal keine Halbmenschen gegeben haben soll. Dass… jemand… sie geschaffen haben könnte.“