Meet a Dolphin!

Foto: Katja Brandis

10 Möglichkeiten, einem Delfin zu begegnen

Wenn du in Deutschland lebst, hast du wahrscheinlich noch nie einen Delfin getroffen – schließlich ist das Meer weit weg. Aber ein paar Möglichkeiten, welchen zu begegnen, gibt es trotzdem. Meine Liste bietet nur ein paar Anhaltspunkte, die Einzelheiten kannst du per Google oder einer anderen Suchmaschine selbst recherchieren. Denk unbedingt dran, auch englische Suchbegriffe wie „swim with dolphins“, „friendly dolphins“ und „whale watching“ zu verwenden, eine Menge Material gibt es im Web nur in Englisch.

1.
Auch in Deutschland gibt es Delfinarien. Zum Beispiel in den Zoos Nürnberg und Duisburg. Ein fetter Pluspunkt bei Nürnberg: dort werden die Becken bis 2006 zu einer großen Lagune ausgebaut, in der sich die Tiere sicher wohlfühlen werden. Zum Teil gibt es „Hinter-den-Kulissen“-Programme, bei denen man die Tiere kennenlernen und ihr Training erleben kann.

2.
Du kommst im Urlaub in einem Ort vorbei, der ein Aquarium/Delfinarium hat. Leider ist es ziemlich schwer, Delfine richtig zu halten, und besonders in Vergnügungsparks geht es ihnen oft sehr schlecht. Deshalb solltest du dir dort höchstens einmal die Delfine anschauen und dann (wenn sie in engen Becken leben müssen), aus Protest nicht mehr hingehen.

3.
Du nimmst im Urlaub an einer „Whale-watching“-Tour teil. Dabei fahren Boote aufs offene Meer, damit die Gäste Delfine und Wale beobachten können. Die gibt es zum Beispiel auf La Gomera (kanarische Inseln), in Kanada, auf Hawaii, in Neuseeland und zum Teil auch im Mittelmeer. Auch bei den Whale-watching-Veranstaltern gibt es „Schwarze Schafe“, die zu nah an die Delfine heranfahren und sie damit belästigen (wenn die Delfine freiwillig zu einem schnellen Boot kommen und an seiner Bugwelle surfen, ist das natürlich etwas anderes!) Achte auf Qualitätssiegel und Empfehlungen vor Ort. Sehr zu empfehlen: das Whale Watcher´s Handbook von E. Hoyt (deutsche Ausgabe).

4.
Du überredest deine Eltern, mit dir nach Florida oder auf die Bahamas zu fahren. Dort gibt es erstens viele Delfine und zweitens viele Einrichtungen, die Delfine halten und Swim-with-dolphins-Programme haben (in Florida z.B. Dolphin Plus, auf den Bahamas z.B. Dolphin Experience). Teilweise kann man mit den Tieren schwimmen, für Jugendliche gibt es sogar mehrtägige Kurse. Ein tolles Erlebnis – leider nicht ganz billig. Wenn du die Gelegenheit dazu bekommst, lies dir vorher meine Tipps zum richtigen Verhalten durch. Auch hier solltest du darauf achten, dass es den Delfinen in der Einrichtung gut geht. Optimal ist, wenn sie eine natürliche Umgebung, z.B. einen mit Netzen abgetrennten Teil des Meeres, zur Verfügung haben.

5.
Du machst (z.B. in Florida, auf den Bahamas oder an der Küste von Neuseeland) eine Schiffstour mit, bei der man mit wilden Delfinen schnorcheln kann, z.B. bei Dolphindreamteam. Das ist ein einzigartiges Erlebnis, weil die Delfine hier freiwillig mit dir Kontakt aufnehmen, wenn sie Lust dazu haben. Meist sind die Delfine schon an Menschen gewöhnt und neugierig auf Schwimmer. Sie werden bei diesen Begegnungen nicht gefüttert.

6.
Du schaust an einem Ort vorbei, an dem sich wilde Delfine freiwillig mit Menschen treffen. So etwas kommt immer wieder vor. Zur Zeit gibt es solche „friendly dolphins“ z.B. in Irland (zur Zeit Fungie in Dingle Bay und noch drei andere) und Oline im Dorf Mezzina (Sinai). Meist sind es Einzelgänger, die bei ihresgleichen unerwünscht sind und sich deswegen zu Menschen hingezogen fühlen. Oder sie haben sich mit einem bestimmten Menschen angefreundet. In Monkey Mia an der Westküste von Australien hat sich sogar eine ganze Delfinschule an Menschen (und ihre leckeren Fische) gewöhnt. Leider wimmelt es in Monkey Mia inzwischen von Touristen, und die Delfine sind zum Teil recht ruppig – wie alle Tiere, die angefüttert werden und von Menschen vor allem Leckereien erwarten.

7.
Du lernst Tauchen und tauchst in einer Gegend, in der es Delfine gibt (am besten sind dafür die tropischen Meere). In Florida, Ägypten, auf den Bahamas oder den Malediven hat man gute Chancen, unter Wasser einer wilden Schule zu begegnen. Allerdings ist es bei einer solchen Begegnung besser, man schnorchelt – manche Delfine mögen die Luftblasen aus den Tauchgeräten nicht. In Eilat (Israel) und auf den Bahamas gibt es auch die Möglichkeit, mit zahmen Delfinen zu tauchen.

8.
Du machst ein Praktikum („internship“) in einer Einrichtung, die Delfine hält. Leider gibt es dieses Angebot nur selten für Jugendliche, meist bevorzugen die Betreiber Studenten der Biologie/Meeresbiologie. Aber bewerben kostet nicht viel – versuch´s einfach!

9.
Du nimmst (wie ich) als freiwilliger Helfer an einem Forschungsvorhaben teil, das mit Delfinen zu tun hat. Schau dich mal bei Earthwatch um, die haben einiges von der Art im Programm. Das geht leider erst ab 16 Jahren und ist nicht ganz billig, weil man gleichzeitig eine Spende an das Projekt leistet.

10.
Du wirst Meeresbiologe/in und spezialisierst dich auf Meeressäuger! Dafür ist am besten, du studierst Biologie und machst ein Aufbaustudium Meeresbiologie. Dafür wirst du langfristig ins Ausland gehen müssen, weil Deutschland einfach nicht genügend Küsten hat. Viel Spaß!

Du hast es tatsächlich geschafft, schon mal einen Delfin zu sehen? Ich würde mich freuen, wenn du mir von deinen Erfahrungen erzählst! (KatjaBrandis@web.de)


10 Tipps zum Umgang mit Delfinen

1.
Nähere dich auf keinem Fall einem Delfin, wenn du gerade krank bist. Meeressäuger stecken sich leicht bei Menschen an und haben wenig Widerstandskraft – auch ein Schnupfen kann ihnen gefährlich werden! Aus dem gleichen Grund solltest du dir die Hände waschen, bevor du den Delfin berührst.

2.
Lege alle scharfkantigen Objekte wie Schmuck, Uhr, Ringe vorher ab, die Haut von Delfinen ist sehr empfindlich und sie verletzten sich leicht an sowas. Am besten, du schminkst dich nicht oder wischst dir die Schminke vorher ab.

3.
Berühre den Delfin nicht an der Stirn über dem Schnabel, das mögen sie nicht („Melone“ und Blasloch sind sehr empfindlich). Sei nie grob mit ihm, sondern fasse ihn sanft an.

4.
Delfine dürfen ausschließlich ganz frischen rohen Fisch oder Tintenfisch fressen, von anderen Dingen werden sie krank. Versuch also nicht, sie mit etwas anderem zu füttern.

5.
Delfine sind normalerweise sehr friedlich und freundlich, aber wenn sie Angst oder schlechte Laune haben, sollte man mit ihnen genauso vorsichtig umgehen wie mit anderen großen Tieren. Das Problem ist, dass ihre Körpersprache uns nicht vertraut ist und wir nicht (wie bei einem knurrenden, zähnefletschenden Hund) sofort erkennen, was los ist. Wenn ein Delfin quakende Geräusche von sich gibt, mit dem Kopf ruckt oder hart mit der Schwanzflosse aufs Wasser schlägt (ohne dass ein Trainer ihm das befohlen hat), dann ist er über irgend etwas sauer. Lass ihn besser in Ruhe und komm ein andermal wieder.

6.
Wenn du mit einem Delfin im Wasser bist: Jage oder verfolge ihn nicht, sondern lass ihn zu dir kommen. Mach ihn neugierig darauf, dich kennenzulernen: Wenn du in Bewegung bleibst, Richtung Meeresboden tauchst oder im Wasser ein bißchen herumturnst, dann kommt oft ruckzuck einer von ihnen zu dir, weil du wie ein interessanter Spielkamerad wirkst. Delfine lieben Spaß und Spiel!

7.
Schwimme ruhig und geschmeidig, halt die Arme am Körper. Versuch nicht, den Delfin zu packen (außer sein Trainer, wenn vorhanden, sagt dir, dass es OK ist, ihn zu berühren). Nur wenn der Delfin ganz nah an dir vorbeistreift, signalisiert er damit eventuell, dass er berührt werden möchte, dann ist es in Ordnung.

8.
Es kommt (wenn auch extrem selten) vor, dass ein Delfin aggressiv reagiert. Wenn er so tut, als wolle er dich rammen, und erst knapp vor dir abstoppt, oder dich sonstwie bedrängt, dann verlasse das Wasser.

9.
Wenn jemand versucht, die Delfine zu belästigen, oder grob mit ihnen umgeht, dann hindere ihn daran.

10.
Hab keine Angst! Du erlebst etwas Großartiges. Aber wem sage ich das… du wirst selbst schnell merken, wie viel Spaß es macht, einen Delfin kennenzulernen.

Ach ja, noch einen Gefallen kannst du Delfinen tun: Ess so selten wie möglich Thunfisch. Thunfische und Delfine schwimmen oft zusammen, man vermutet, dass sie sich einfach gut vertragen oder bei der Jagd zusammenarbeiten. Leider nutzen Fischer das aus und fangen Delfinschulen, um an die unter ihnen schwimmenden Thunfische herankommen. Bei diesen Aktionen sterben jedes Jahr Hunderttausende von Delfine, obwohl schon versucht wird, bessere Fangmethoden zu entwickeln. Leider kann man sich auch auf den Aufdruck „Dolphin safe“ („delfinschonend gefangen“)auf Thunfischdosen nicht verlassen – besser, man vermeidet es ganz, diesen Fisch zu essen.