Outtakes (Intro und Übersicht)

In vielen Filmen werden inzwischen am Schluß noch einmal witzige mißglückte Szenen gezeigt – aber auch bei Büchern werden ganze Passagen herausgenommen, die sich nicht bewährt haben. Entweder, weil man selbst gemerkt hat, dass man auf einer falschen Spur war, weil Testleser und Lektor gemeckert haben oder weil sie schlicht aus Platzmangel gekürzt werden mussten. Hier sind einige davon – und mit ihnen ein kleiner Einblick in die Werkstatt einer Autorin.

Übersicht über die Outtakes:

Band 1 – „Der Verrat der Feuergilde“

Rena läßt sich auf eine gefährliche Wette ein

An diesem Morgen geht für Rena irgendwie alles schief: Sie steht vor dem Jungen, den sie liebt, als Versagerin da und ihr Meister ist wütend auf sie. Und so läßt sie sich auf eine gefährliche Wette mit dem zweiten Lehrling Dorit ein: Sie soll die geheimnisvolle Quelle in der Felsenburg berühren, die einen, so erzählt die Legende, in einen Halbmenschen verwandeln kann…
Diese Szene war der ursprüngliche Anfang des Romans. Doch nach und nach erwies sich, dass diese Version nicht spannend genug war, um die Leser ins Buch „reinzuziehen“, und Rena war viel zu verhuscht. Also schrieb ich den Anfang komplett neu.

Rena wird als Sklavin verkauft

Rena flieht vor der Rache der Regentin ins Grasmeer. Als sie begreift, dass dort Menschenhändler ihr Unwesen treiben, ist es schon zu spät: Sie wird gefangengenommen, nach Eolus gebracht und dort auf dem Markt verkauft. Die Frau, die sie ersteigert, ist eine freie Söldnerin mit grünen Raubvogelaugen: Alix.
Ich entschied mich, diesen gesamten Handlungsverlauf aufzugeben, da von den anderen Autoren die berechtigte Kritik kam, dass Rena zu passiv sei. Sie flieht, wird verkauft… aber hat keine eigenen brennenden Ziele. Also: Zwanzig Seiten in den Papierkorb und nochmal von vorne.

Duell zwischen Alix und Rowan

Zu Anfang verstehen sich der junge Händler und die Schmiedin nicht besonders – und schließlich geraten sie auf der Reise durch die Provinz der Wasser-Gilde aneinander. Alix fordert Rowan zum Duell; jeder kämpft mit seinen Waffen: Feuer gegen Wind.
Diese Szene gefiel mir zwar ziemlich gut, aber mehrere Testleser und mein erster Lektor monierten sie und meinten, Alix und Rowan sollten sich lieber allmählich aneinander gewöhnen und schätzen lernen. Also flog das Duell aus dem Roman.

Band 2 – „Der Prophet des Phönix“

Im zweiten Teil gibt´s keine Outtakes. Es musste nichts gekürzt werden.

Band 3 – „Der Ruf des Smaragdgartens“

Der dritte Band war in der ersten Fassung zu lang und zu breit erzählt, ich musste ihn ein ganzes Stück kürzen. Also begann ich, ihn einzudampfen, schmiss hier und da einen Satz raus, kappte ganze Szenen – besonders am Anfang, der mir etwas zu langatmig geraten war – und packte sie in eine Extra-Datei. Hier sind nun ein paar dieser Szenen, die es nicht ins Buch geschafft haben.

Rena vermittelt im Grasmeer

Ursprünglich wollte ich zeigen, was Rena eigentlich den ganzen Tag im Grasmeer macht. Aber die Szene im ersten Kapitel, in der sie einen Streit schlichtet, stellte sich als entbehrlich heraus, zumal mir dafür kein richtig witziges salomonisches Urteil eingefallen war.

Rena trotzt dem Mob

Ich wollte zeigen, wie es den Halbmenschen nach dem Mord in den Dörfern ergeht – leider musste diese Action-Szene, die mir immer noch gut gefällt, aus Platzgründen raus. Und das, nachdem ich sie x-mal umgeschrieben hatte, um sie spannender zu machen!

Noch ein paar Lixantha-Tiere

Auch einige weniger wichtige Begegnungen mit eigenartigen Tieren und Pflanzen im Lixantha-Dschungel musste ich beim Kürzen rausnehmen, zum Beispiel den Blähwurm, den Lanzenbaum und den Glimwok.
Weil der Dschungel bei meinen Lesern so gut anzukommen scheint, werde ich demnächst, wenn ich mal ein Stündchen Zeit habe, einen kleinen „Guide durch die Tier- und Pflanzenwelt des Lixantha-Dschungels“ auf meine Seite stellen.

Die Schöpfungslegende

In der Langfassung hat Rena von der Geschichtenerzählerin der Storchenmenschen die eine oder andere Legende der Halbmenschen zu hören bekommen. Hier ist eine davon, die leider rausgekürzt werden musste, obwohl sie für die Handlung gar nicht so unwichtig ist: die Schöpfungsgeschichte. Man beachte, wie Ii´miri ihre Geschichte spontan abwandelt, um nichts über den Me´ru zu verraten.

Der Sucher

Die Feuerkugel

Der Teil des Romans, in dem es um Tjeris Ausbildung geht, war ursprünglich länger. Doch ich hatte das Gefühl, dass ich die Geduld meiner Leser damit etwas strapaziere. Deswegen straffte ich den Roman an dieser Stelle etwas und nahm eine Szene heraus. Sie schildert Tjeris Suche nach einer verschollenen Feuerkugel – dabei erwirbt er sich einen Verbündeten, der ihm später bei seiner Meisterprüfung einen wertvollen Dienst leistet.

Das Chade-Spiel

Ich war fast fertig mit meinem Buch. Dann las ich den Klappentext des ersten Fitz-Romans von Robin Hobb – und war geschockt. O mein Gott, das hatte Parallelen zum Sucher und war noch dazu in Ich-Erzählung. Zum Glück stellten sich die Ähnlichkeiten als oberflächlich heraus und ich beruhigte mich wieder. Zum Spaß griff ich sogar ein Spiel auf, das Robin Hobb erfunden hat. Es dient dazu, die Beobachtungsgabe zu schärfen. Klar, dass das ein hervorragender Teil der Sucher-Ausbildung gewesen wäre. Doch zum Schluss warf ich die Szene doch wieder heraus, weil sie für die Handlung keine Funktion hatte.