Leseprobe aus Verschollen im Bermuda-Dreieck – DelfinTeam Band 2

Leseprobe aus DelfinTeam 2

Aus dem 7. Kapitel „Das Wrack“

Die DelfinTeams haben mit ihren Nachforschungen im Bermuda-Dreieck begonnen. Durch die ständigen Reibereien zwischen Sharky und Ramón ist die Atmosphäre an Bord des Suchschiffs „Blue Ranger“ gespannt. Und dann entdecken die Delfine ein Wrack…

Als sie an Deck zurückkehrten, waren Sharky und Yuriko schon mit dem Briefing fertig und bereiteten ihre Ausrüstung vor. Sie trugen die schwarz-neongrünen Neoprenanzüge mit dem Logo von The Deep.

„Wir übernehmen den ersten Tauchgang, danach seid ihr dran – zumindest wenn Sandy dir als Tauchpartnerin genehm ist“, sagte Sharky sarkastisch. Sandy sah erstaunt, dass er für sich nun doch ein gewöhnliches Gerät bereit machte. Klugerweise machte Ramón keine Bemerkung darüber, er nickte nur.

Ken Rodriguez half Yuriko, die schweren Doppelflaschen auf ihren Rücken zu heben. „Wenn irgendwas ist – ruft einfach Kiara!“ sagte Yuriko. Dann verschwanden sie und Sharky mit einem großen Sprung im Wasser. Ihre Partnerin folgte ihr, und auch Nelson tauchte mit ab.

Als die kleine Gruppe wieder auftauchte, warteten Sandy und Ramón gespannt darauf, was sie zu erzählen hatten. „Ich habe keinen Namen am Bug erkennen können, aber die Princess kann es nicht sein“, berichtete Sharky tropfend und ließ sich von Ken beim Ablegen der Ausrüstung helfen. „Das Schiff ist nur etwa hundert Meter lang und ziemlich stark bewachsen, ich schätze, dass es schon mindestens zehn Jahre da unten liegt.“

„Dann können wir uns den Tauchgang also sparen?“ fragte Ramón enttäuscht.

„Nein, nein, geht ruhig runter.“ Sharky zögerte. Seine Stimme klang ernst. „Irgend etwas kam mir an diesem Wrack seltsam vor. Ich würde gerne hören, was du davon hälst.“

„Geht klar. Habt ihr versucht, reinzukommen?“

„Nein. Aber ihr könntet es probieren, über die Brücke müßte es eigentlich gehen. Vielleicht schafft ihr es, das Logbuch zu finden. Falls es sich noch nicht aufgelöst hat.“

Sandys Herz schlug schnell, als sie und Ramón sich bereit machten. Sie klinkte eine starke Lampe und eine Seilrolle an ihr Jacket; beides würde sie im Wrack brauchen. Dann war es auch schon soweit, kopfüber tauchten sie an der Abstiegsleine hinunter. Je tiefer sie kamen, desto größer und deutlicher wurde der riesige Schatten unter ihnen. Schon bald erkannte Sandy die Konturen eines nach oben ragenden Schiffsbugs, an dem ein Anker befestigt war. Ein Schwarm Barrakudas, die wie Dutzende silbriger Nadeln aussahen, schienen das Wrack zu bewachen.

Sie tauchten am Deck hinunter, das sehr schräg stand und umkreisten das von Korallen verkrustete Ruderhaus. Neugierig schwammen Caruso und Rocky um sie herum und nahmen das Wrack in Augenschein. Wie sie und Ramón es abgesprochen hatten, tauchten sie erst einmal um das Wrack herum. Es hatte sich tief in den Sandboden gebohrt, das ganze Heck war förmlich verschwunden.

Sandy wunderte sich, warum Ramón den Boden um das Wrack so genau musterte. Schließlich nahm er eine wasserfeste Schreibtafel aus der Tasche seines Jackets, schrieb darauf: ICH BRAUCHE EINE CA. EINEINHALB METER LANGE METALLSTANGE. SCHICKT SIE BITTE MIT CARUSO ZU UNS RUNTER.

Wozu brauchte er denn sowas? Na ja, er würde schon seine Gründe haben. Sandy rief Caruso heran, hielt ihr die Tafel hin und signalisierte ihr Bring Gegenstand zu Schiff. Begeistert, dass es etwas zu tun gab, schoss Caruso mit der Tafel im Schnabel davon. Wenige Minuten später war sie zurück und stupste Sandy an, bis die ihr den Netzbeutel mit der Stange abnahm. Ramón stocherte im Boden herum, schüttelte dann den Kopf und schickte die Stange wieder nach oben.

Sandy checkte ihren Luftvorrat. Wenn wir noch ins Wrack reinwollen, sollten wir es bald machen, dachte sie, faßte Ramón am Ärmel und deutete auf das gesunkene Schiff. Er nickte. Sie tauchten zur Brücke, die in zwanzig Meter Tiefe lag, und spähten hinein. Ein fetter Meeraal hatte sich hier häuslich eingerichtet, und ein paar Falterfische tänzelten durch die Kabine, in der einst die Besatzung gestanden hatte. Instrumente und Steuerrad waren intakt, aber alle losen Gegenstände – und wahrscheinlich auch das Logbuch – waren bestimmt ins Innere geschleudert worden, als das Schiff mit dem Heck voran gesunken war. Sehen konnte man das nicht, weiter innen im Wrack herrschte tiefe Dunkelheit.

Ramón bedeutete ihr, am Eingang der Brücke zu warten. Er machte das eine Ende seiner Seilrolle an einem Stück Metall fest und zog die Leine hinter sich her, damit er ihr später nach draußen folgen konnte und sich nicht im Wrack verirrte. Dann schob er sich geschickt durch die Tür. Mit langsamen, vorsichtigen Bewegungen arbeitete er sich ins Innere des Schiffs vor und war bald außer Sicht.

Die Strömung war nicht stark, Sandy konnte sich mit wenigen Flossenschlägen auf ihrer Position halten. Warum soll ich hier warten? dachte sie ärgerlich. Hatten wir nicht geplant, dass ich auch mit reingehe, wenn der Einstieg gross genug ist? Ich hätte mir das Wrack auch gerne genauer angesehen! Nach einer Weile gab sie ihrer Neugier nach, spähte durch die Tür ins Innere des Schiffs und leuchtete umher. Diese Räume hinter der Brücke sahen aus wie Offiziersquartiere. Vielleicht fanden sich dort Aufzeichnungen. Kann bestimmt nicht schaden, wenn ich schnell nachsehe, dachte Sandy und zwängte sich ebenfalls ins Schiff – sehr vorsichtig, damit sie nicht mit den Pressluft-Flaschen an irgend etwas hängenblieb.

Der Lichtkegel ihrer Lampe wanderte über die Wände, über einen umgestürzten Stuhl, eine auf dem Boden liegende Kaffeetasse, die wie durch ein Wunder nicht zerbrochen war. Sandy hielt eine Hand an der Sicherheitsleine, die ihr den Weg nach draußen und zu Ramón wies. Sie hob die Tasse auf, wischte sie sauber und las die Aufschrift darauf. Es war das Werbegeschenk einer amerikanischen Elektronikfirma. Also war es vermutlich ein Schiff aus den USA.

Sandy schwamm weiter. Auf der anderen Seite des Gangs sah sie einen Raum, der ebenfalls sehr interessant aussah. Seine Tür stand offen, hatte sich irgendwie verkeilt. Sandy leuchtete hinein. Hm, da lagen einige Gegenstände. Würde bestimmt nicht schaden, wenn sie schnell nachsah, ob irgend etwas Nützliches dabei war. Das Problem war, dass sie dafür die Sicherheitsleine loslassen musste. Na ja, das war bestimmt nicht schlimm. Sie war nicht tief im Schiff, höchstens drei oder vier Meter. Von hier aus konnte sie problemlos wieder hinausfinden. Sandy überlegte, ob sie schnell eine eigene Leine legen sollte, und entschied sich dagegen. Das kurze Stück konnte sie bestimmt ohne Leine auskommen.

Kurzentschlossen tauchte sie in den anderen Raum hinein. Zwei Kojen, vermoderte Gepäckstücke, ein Buch, das im Wasser schwebte und sich schon fast völlig aufgelöst hatte… Die Sicht wurde schlechter, es war, als würde Nebel aufkommen. Sandy blickte auf und sah, dass die Luftblasen, die aus ihrem Gerät drangen, Rostpartikel von der Decke lösten. O je! Kein Wunder, dass Ramón Rebreather bevorzugte, die keine Blasen erzeugten.

Durch die Herumguckerei war sie ein Stück abgesackt und schlug mit den Flossen, um sich wieder in der Mitte des Raumes in der Schwebe zu halten. Doch das war ein Fehler. Ihre Bewegungen wirbelten Dreck auf, der sich auf dem Boden abgelagert hatte. Dicke dunkle Wolken wallten auf und nahmen ihr die Sicht. Scheiße, dachte Sandy. Sie konnte nicht mal mehr den Lichtkegel ihrer Lampe erkennen. Nichts wie raus hier!

Sie tastete blind herum, suchte die Tür, prallte gegen eine Metallfläche. Es gab einen Rums.Obwohl die Druckwelle nicht stark war, wurde Sandy ein Stück zurückgeworfen. Einen Moment lang wusste sie in der Dunkelheit nicht mehr, wo oben und unten war. Was war da eben passiert? Entsetzen krallte sich in ihre Gedanken. Ihr Atem ging schnell. Sandy tastete an den Wänden entlang. Irgendwo musste doch die Tür sein, der Weg nach draußen! Aber da war nichts. Die Tür war zugefallen. Sie rüttelte am Griff, aber der war so verrostet, dass er abfiel. Auch, als sie sich gegen die Tür stemmte, passierte nichts.

Sie war in zwanzig Meter Tiefe gefangen.

Und Ramón wusste nicht, wo er sie suchen sollte!