Jeder Mensch auf Daresh gehört von Geburt an zu einer der vier Gilden (Feuer, Wasser, Erde und Luft). Sie prägen sein ganzes Leben: Was er ißt, womit er seinen Lebensunterhalt verdient, wen er anbetet, in welcher Gegend er lebt, mit wem er verbündet und verfeindet ist. Seine Gewohnheiten, Rituale und ererbten Fähigkeiten (wie zum Beispiel, Metalle in der Erde spüren zu können). Daher ist es auf Daresh selbstverständlich, einen “Gildenbruder” wie einen nahen Verwandten zu behandeln und ihm Gastrecht zu gewähren, auch wenn man ihn noch nie gesehen hat. Die wenigen Menschen, die mit ihrer Gilde im Streit liegen, sind Außenseiter und schlagen sich als Streuner und freie Söldner durch. mehr…
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In der Anthologie “Flammenflügel – Fantastische Drachengeschichten” (Hg. Wolfgang Hohlbein, Verlag cbj 2007) ist meine Geschichte “Silberschatten” erschienen.
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Ich war vierzehn Sommer alt, als ich zum ersten Mal einem Drachen begegnete. An diesem Tag hatte ich mich auf schmalen Pfaden so weit in die Berge gewagt wie noch nie zuvor, um nach Frellja-Blüten Ausschau zu halten. Sie wachsen in großer Höhe, dort wo es das ganze Jahr über kalt ist, auf felsigem Boden. Bei der Suche fand ich eine Höhle und kletterte neugierig hinein. Es war völlig dunkel, und ich hatte keine Fackel. Doch ich merkte sofort, dass ich nicht alleine war. Langsame, tiefe Atemzüge ließen die Luft erzittern. Es roch trocken und staubig, nach Reptil, und ein wenig nach geronnenem Blut. Es musste ein Drache sein, der sich hier drin verbarg! Es war schon lange keiner mehr in Gabrún gesehen worden.
Eine lange Zeit blieb ich in der Dunkelheit stehen, hörte ihm zu und fühlte mein Herz pochen. Dann schlich ich mich wieder nach draußen. mehr…
In der Anthologie “Nixenzauber” (Hg. Katrin Weller, Arena 2009) ist meine Geschichte “Lilari und der Unterwasserspuk” erschienen (gedacht für Kinder ab 8).
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Als Erstes erzählten durchreisende Delfine Lilari davon: Dass aus einer Unterwasserhöhle in der Nähe der Küste schon seit Tagen seltsame Luftblasen kamen. Ab und zu sah man auch ein eigenartiges Blinken.
Für Lilari war der Fall klar. In der Höhle spukte es! Ungewöhnlich war das nicht. Es gab viele Geistergeschichten über ihre Heimat, ihr grünhaariger Onkel Olidor hatte ihr schon jede Menge davon erzählt. Vom gurgelnden Gorgo, einem Rülpsgeist; von dem Schiff, das eigentlich sinken wollte, es aber nie richtig schaffte; vom verhexten Pagageifisch, der eines Tages plötzlich angefangen hatte, in nie gehörten Sprachen vor sich hin zu plappern; von dem Kaiserfisch, den eine eigenartige Macht immer bei Mitternacht gezwungen hatte, dreimal rund ums Riff zu schwimmen. Und noch zwanzig andere, eine seltsamer und gruseliger als die andere.
Deswegen war ihr Onkel Olidor auch der Eerste, dem Lilari von der Sache mit der Höhle erzählte. „Du hast Recht, vermutlich ist sie verhext worden”, sagtstimmte ihr Onkel Olidor ihr zu und ließ sein langes, wallendes Grünhaar in der Strömung wogen. Er war sehr stolz auf dieses Haar, obwohl Fische es immer wieder mit schmackhaften Algen verwechselten und versuchten, es abzufressen. „Oder vielleicht hat sich auch ein Murm in der Höhle eingenistet. Du weißt schon, eins dieser Ungeheuer, die du erst hörst, wenn es schon zu spät ist und sie dich mit ihren hundert kleinen Krallen gepackt haben. Ja, Mürme werden sehr unangenehm, wenn sie einen schlechten Tag haben!”
In der Anthologie “Elfenblut” (Hg. Katrin Weller, Arena 2008) ist meine Geschichte “Jalishas Gast” erschienen (gedacht für Kinder ab 8).
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Jalisha balancierte auf einem Ast ihrer Kastanie und steckte sich ein paar Herbstblätter in die langen Haare. Das weiche Licht der sinkenden Sonne wärmte ihre Flügel, und Jalisha war sehr behaglich zumute. Ihre Schnecke Glubb schaute zu und versuchte ein Wort herauszubringen. Bisher klang es wie ein lang gezogenes „Bbbbluuum “. Vielleicht sollte es ein Kompliment werden, wenn es irgendwann mal fertig war. „Blumenschön bist du”, oder so. Glubb war manchmal übertrieben galant.
RUMS.
Jalisha runzelte die Stirn. Komisches Geräusch. Normalerweise war Shéhan, eine Todesfee, die Einzige, die um die Uhrzeit Lärm machte. Immer wenn die richtig loslegte, half nur ganz viel Moos in den Ohren. Aber Shéhans schrilles Kreischen klang ganz anders.
RUMS. RUMS.
O je. Das dumpfe Geräusch kam näher. Schritte, das waren Schritte! Eins der hübschen Herbstblätter, die so gut zu der Farbe ihrer Haare passten, fiel Jalisha aus der Hand und trudelte zu Boden. Glubb zog erschrocken die Fühler ein.
RUMS. RUMS. RUMS.
Inzwischen erzitterten die Blätter von Jalishas Kastanie bei jedem Schritt. Zwei der Blätter gaben auf und fielen ab. Hilflos überlegte Jalisha, was sie tun sollte. Aufflattern? Nein, auf gar keinen Fall würde sie ihren Baum im Stich lassen. Versuchen, gegen das Wesen zu kämpfen, was auch immer es war? Was für eine alberne Idee! Elfen kämpften nicht.
Ein unglaublich großer, steingrauer Fuß zermalmte kaum zehn Körperlängen entfernt das Gras. Dann verdunkelte plötzlich etwas über ihr die Sonne. Mit hilflosem Entsetzen starrte Jalisha nach oben und sah eine schwielige Fußsohle, die sich gerade auf ihren Baum herabsenkte. Ein Troll! Direkt vor ihr stand ein Troll und gleich würde er sie zerquetschen, wenn sie nichts tat. Doch Jalisha schaffte es nicht, sich zu bewegen, und brachte keinen Ton heraus.
In der Anthologie “Drachengift” (Hg. Sabine Franz, Arena 2007) ist meine Geschichte “Arthor auf Schloss Fledermaus” erschienen (gedacht für Kinder ab 8).
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Arthor hasste das Geräusch, das seine Krallen auf dem polierten Marmorboden machten. Er hasste die Treppenstufen, die immer seine Bauchschuppen aufschürften. Er hasste es, dass er sich jedes Mal die Spitzen seiner Flügel prellte, wenn er zu spät daran dachte, wie wenig Platz es hier gab. Aber vor allem hasste er es, dass er gezwungen wurde, Elfenwurztee und Kümmelplätzchen zu servieren. Und das für die nächsten hundert Jahre!
„Wo bleibt mein Tee? Wird’s bald!” meckerte Leonidas. Arthor hätte ihn am liebsten angefaucht – oder noch besser, gebissen! – aber das ging schlecht, weil er gerade ein Tablett auf seiner Schnauze balancieren musste. Außerdem hinderte der Bannspruch ihn daran, Leonidas irgendetwas anzutun. Dieser verdammte Bannspruch! Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, hätte Arthor jetzt auf dem Weg zu den großen Inseln im Osten sein können, unterwegs zum ewigen Eis der Frostdrachen, zu den Wundern des schwarzen Kontinents …
Als Arthor den Kopf wieder hob, sah er, dass Leonidas ihn mit zusammengekniffenen Augen über seine Lesebrille hinweg musterte. „Du wirst nächste Woche allein hier auf dem Schloss bleiben”, verkündete der Zauberer und kratzte sich den Kopf. Das tat er oft. Er züchtete dort Leuchtläuse, die er ab und zu für seine alchemistischen Experimente brauchte. „Ich werde zum großen Magiertreffen nach Wyford reisen.”
Arthor war begeistert. Eine Woche allein auf Schloss Fledermaus! Vielleicht schaffte er es in dieser Zeit endlich einen Fluchtweg zu finden! „Zu Befehl”, sagte er und versuchte betrübt dreinzuschauen. Es gelang ihm nicht besonders gut.
In der Anthologie “Fantastische Weihnachten” (Hg. Wolfgang Hohlbein, Verlag Ueberreuter 2006) ist meine Geschichte “Bethanior” erschienen (gedacht für Jugendliche ab 10).
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Martin Tenzer fuhr gerne U-Bahn, und er nahm sich dafür nie etwas zu Lesen mit. Wozu auch. In der Bahn gab es so viele seltsame Typen, dass man immer etwas zu gucken hatte, und die Gespräche waren oft so durchgeknallt oder dämlich, dass er sich innerlich kugelte. Aber etwas so Seltsames wie diesmal hatte er noch nie belauscht.
„Es kann praktisch nichts mehr schiefgehen bei unserem Plan”, flüsterte ein Mann ganz in der Nähe – er saß auf der Sitzbank mit dem Rücken zu Martin. „Sie sind jetzt überall in der Stadt verteilt, jeden Tag werden Dutzende an neue Orte gebracht.”
Martin zog sich die Wollmütze vom Kopf und spitzte die Ohren.
„Ohne dieses Fest hätten wir es schwerer gehabt”, meinte eine zweite Männerstimme. „Aber diese bunten Kugeln… perfekt. Sie sind groß genug und werden warm und gut belüftet frei schwebend aufgehängt…”
„Ja, das müsste wirklich reichen, damit sie problemlos schlüpfen können.”
Schlüpfen? Martin sträubten sich die Nackenhärchen. Ein Blick in die spiegelnde Scheibe der U-Bahn zeigte ihm, dass seine Sitznachbarn zwei sich sehr ähnlich sehende Männer waren. Sie trugen beide die gleichen, dunkelgrauen Wintermäntel mit identischen grünweißschwarz gemusterten Schals, hatten sehr kurz geschnittene hellblonde Haare und säuberlich gestutzte Schnurrbärte.
„Und dann ist”, – kurzes Auflachen des erstes Mannes – „jede Menge frische Nahrung in der Nähe, mit der sie sich stärken können.”
Ach du Scheiße, dachte Martin. Der Zug rauschte in die Station Sendlinger Tor ein. Hier musste Martin eigentlich raus, umsteigen. Ein halbes Dutzend Menschen drängte sich schon an den Türen, um möglichst schnell zu ihren Anschlusszügen zu kommen. Doch die beiden Männer blieben sitzen. Unruhig umklammerte Martin seine Gitarre. Er konnte doch jetzt nicht gehen! Er musste versuchen, mehr über diese eigenartige Verschwörung herauszufinden.
Egal, dann komme ich halt ein bisschen zu spät zur Gitarrenstunde, dachte Martin, während sich die Türen der U-Bahn sich zischend wieder schlossen. Aber die Männer sagten nicht mehr viel, tauschten nur ein paar Bemerkungen über die volle Bahn und den Weihnachtstrubel in der Stadt aus. Am Odeonsplatz stiegen sie schließlich aus. Martin drängte sich durch die Menge, um ihnen auf den Fersen bleiben zu können. „He, paß doch auf!” schimpfte jemand, den er mit seiner Gitarrentasche angerempelt hatte. Martin murmelte eine Entschuldigung und hetzte weiter. Zu spät! Die beiden waren um eine Straßenecke gebogen…. und einfach weg. Keuchend blickte sich Martin um, aber sie waren nirgends mehr zu sehen.
Aus dem 2. Kapitel
Die Katzen von Otjiwarongo
Nein, die Geparden verstanden kein Deutsch. Aber dafür Englisch. Und das war gut so, sonst hätte ich sie an meinem ersten Tag auf Ounene eúlu vielleicht gar nicht zu Gesicht bekommen.
„Come heeeeere, come heeeere”, sang die junge schwarze Helferin, sie hieß Dessie Amathila, wenn ich es richtig verstanden hatte. Ich ließ den Blick gespannt über das gelbbraune Gras schweifen, über die niedrigen, knorrigen Bäume, die hier und da aufragten, über die Pfotenspuren im rötlichbraunen Sand auf der anderen Seite des Maschendrahts. Das Gepardengehege vor dem wir standen, war so groß, dass man den Zaun auf der anderen Seite nicht sehen konnte. Herrlich viel Platz für Katzen, die in Freiheit den ganzen Tag herumstreifen, rastlose Wanderer auf der Suche nach Beute. Aber was war, wenn sie sich den ganzen Tag irgendwo auf der anderen Seite des Geheges herumtrieben und wir nicht mal ein Schnurrhaar von ihnen zu Gesicht bekamen? Das kannte ich aus dem Wildpark. Da durfte man ein Waldstück bewundern, in dem sich angeblich Wölfe oder Elche herumtrieben, aber zu sehen bekam man sie doch nie. Dann witzelte man, dass sie wahrscheinlich in Urlaub waren, und ging enttäuscht weiter zu den Kamerunschafen.
Das war normalerweise völlig okay. Aber nicht jetzt. Ich war übermüdet, die afrikanische Sonne schälte mir gerade die Haut von der Nasenspitze, die vollen Futterschüsseln in meinen Händen wurden immer schwerer, und ich wollte jetzt sofort einen Geparden sehen. Oder noch besser, gleich mehrere.
Leseprobe aus DelfinTeam 1
Aus dem 5. Kapitel “Fisch und Spiele”
Sandy ist in der Zentrale von The Deep auf Key West (Florida) angekommen und beginnt gemeinsam mit Caruso ihre Ausbildung zum DelfinTeam.
Am nächsten Morgen erwachte Sandy vom Knattern eines Hubschraubers. Es klang so laut, als würde das Ding direkt nebenan starten. Hastig zog sie sich an und ging nach draußen. Auf der anderen Seite der Lagune, nicht weit von ihrem Bungalow entfernt, entdeckte sie ein Landeplatz komplett mit rot-weißem Windsack und einem Hangar. Ein Kanal und eine Rampe verbanden ihn mit dem Wasser, wahrscheinlich, damit der Hubschrauber die Delfine problemlos an Bord nehmen konnte. Das hat Arrowsmith glatt vergessen mir zu zeigen, dachte Sandy. mehr…
Für mich ist es ein faszinierendes, wenn auch etwas seltsames Erlebnis, Geschichten zu lesen, die in der von mir geschaffenen Welt spielen und vielleicht Figuren nützen, die mir schon seit Jahren so vertraut sind wie gute Freunde.
Da ich weiß, dass viele meiner LeserInnen selbst schreiben und ich das gerne fördern wollte und will, habe ich 2007 zum ersten Mal einen Daresh-Schreibwettbewerb veranstaltet – viele schöne Geschichten haben mich und die Jury erreicht, spannende und dramatische und traurige und romantische Storys. Toll fand ich, dass alle EinsenderInnen meinen “Daresh-Guide” (den ich allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt hatte) so gut genutzt haben, es gab kaum Fehler in der Darstellung von Daresh. So lief der Wettbewerb ab: Die Jury – ich, Sabine Kosmin und Johanna Ries – hatte aus den beiden Altersgruppen (11-14 und 15-20) sechs Favoriten ausgewählt. Anschließend habe ich selbst die endgültige Rangfolge festgelegt, da das Online-Voting durch Mehrfach-Abstimmungen verfälscht war. mehr…
Würdest du gerne wissen, welche Gilde du in Daresh angehören würdest? Welches Element das deine ist? Vielleicht spürst du es schon, ob du eher Feuer, Wasser, Erde oder Luft angehörst, aber du kannst es auch testen. Meine Fans Evelyn Heller, Juliane Kallweit und Franziska Fröhlich haben nämlich einen Selbsttest entwickelt – viel Spaß beim Ausprobieren!
