Archiv der Kategorie: Khyona

Khyona 2 – Die Macht der Eisdrachen

488 Seiten, Arena Verlag, erscheint am 29. Juli 2019.

Endlich sind Sommerferien und Kari kehrt nach Island zurück. Ein Jahr ist vergangen seit sie das magische Isslar – mit seinen Eisdrachen, Elfen, Vulkanen und Geysiren – hinter dem Grünen Tor zurückgelassen hat. Außer ihrer Sehnsucht nach Andrik, dem neuen Herrscher der Stadt Khyona, führt sie vor allem die Suche nach ihrer Herkunft zurück. Doch kaum hat Kari die Hauptstadt von Isslar erreicht, gerät sie in einen Strudel aus Machtspielen und Intrigen. Auch die Assassinin Cecily ist zurückgekehrt und will Andrik und die Macht über Khyona für sich gewinnen. Und sie ist nicht die Einzige. Seit Jahren bedroht ein schwelender Kampf gegen die Eisdrachen den Frieden der Stadt. Karis besondere Bindung zu diesen mächtigen Geschöpfen, macht sie zu einer ganz besonderen Vermittlerin – und stellt ihre Beziehung zu Andrik auf die Probe.

Zur Leseprobe (Prolog und 1. Kapitel)

Leseprobe aus Khyona 2

PROLOG

Menschen waren groß, ungeduldig und oft furchtbar schlecht in Musik. Doch hin und wieder vermisste Sija ihre Lieblingszauberin, die sie und die anderen Elfen im letzten Herbst durch kein Omen angekündigt besucht hatte. Leider war die Zauberin Kari war nicht lange geblieben und es war schade, dass seither niemand auch nur ein Haar von ihrem Kopf gesichtet hatte. Geschweige denn etwas von dem leckeren braunen Wunder, das sie dabeigehabt hatte.
„Eine Geschichte, eine Geschichte!“, bat Tuli, die Hände zierlich gefaltet, die großen mondfarbenen Augen im Abendlicht noch größer erscheinend. Die Langeweile war eine Krankheit, die Tuli öfter plagte als andere.
„Ach, ich übe lieber noch ein wenig auf der Grasharfe“, behauptete Sija und gab erst nach, als Tuli so tat, als wollte sie stattdessen Palo fragen. Hatte ihre Freundin schon vergessen, dass er vor hundertzehn Jahren, als sie gemeinsam unterwiesen worden waren, im Fach Fantasie jeden Lehrer enttäuscht hatte? Außerdem neigte er dazu, berechenbar zu sein, dabei wusste doch jeder, dass nur diejenigen Elfen in der Welt bestehen konnten, die dem Pfad des Schmetterlings folgten. Leseprobe aus Khyona 2 weiterlesen

Khyona – Im Bann des Silberfalken

Arena Verlag Juli 2018, 480 Seiten, 18 Euro

Der Islandurlaub mit ihrer neuen Patchworkfamilie ist genauso anstrengend wie Kari sich das vorgestellt hat. Doch als ihr ein silberner Falke begegnet und sie ins Reich Isslar gebracht wird, verändert sich alles. Ehe Kari sich versieht, steckt sie mitten in einer magischen Welt voller Trolle, Eisdrachen und Elfen, in der Geysire über das Schicksal entscheiden und ein geheimnisvoller junger Mann über die Vulkane der Insel herrscht. Doch warum ist sie hier? Als Kari herausfindet, dass sie einer jungen Assassinin zum Verwechseln ähnlich sieht, die im Auftrag der Fürstin einen Mord begehen soll, steckt sie bereits in gewaltigen Schwierigkeiten …

„Fantasy-Hochspannung vor atemberaubender Kulisse.“
Andreas Eschbach

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Fortsetzung: Der Roman ist in sich abgeschlossen, aber es geht im Herbst 2019 weiter mit einem zweiten Khyona-Band!

Leseprobe „Khyona – Im Bann des Silberfalken“

Aus dem 11. Kapitel Elfenkaffee

„Kannst du mir erklären, wie man Elfen beauftragt, Bjarni?“, fragte Kari ihren jungen Diener.
Er blickte sie an, als versuche sie ihn für dumm zu verkaufen. „Man sagt ihnen einfach, was man will. Manchmal machen sie es sogar.“
„Aber wo findet man sie?“, hakte Kari ein bisschen verzweifelt nach.
„Ach, das ist kein Problem. Sie sind eigentlich überall.“
Kari stöhnte.
„Bist du krank? Soll ich dir ein paar Heilkräuter vom Medikus holen?“, fragte Bjarni mitfühlend.
„Nein“, sagte Kari, klappte das Kräuterbuch zu, klemmte es sich unter den Arm und stand auf. „Wir gehen jetzt Elfen suchen. Oder irgendwelche anderen Leute aus dem Huldufólk.“ Das verborgene Volk. Sie hatte in einem Reiseführer gelesen, dass die nichtmenschlichen Wesen, die angeblich Island bevölkerten, so genannt wurden. Offenbar ahnte niemand, dass sie die meiste Zeit in Isslar herumhingen.
Bjarni führte sie aus der Stadt heraus, am Seeufer entlang und dann kreuz und quer durch die Hügel, wobei er ständig vor sich hinpfiff – „sie mögen Musik, meine ist allerdings nicht sehr gut“ – und sich vor jedem zweiten größeren Stein verbeugte: „Manchmal haben sie Lust, dir zu erscheinen, und manchmal nicht.“
Kari fiel der Felsklotz ein, der im Talkessel gelegen hatte, wo sie die Leute aus Isslar zum ersten Mal getroffen hatte. „Beim Grünen Tor ist auch so eine Elfenbehausung, oder?“
Doch das war die falsche Bemerkung gewesen, Bjarni zuckte zusammen. „Wir reden nicht über die Tore!“
„Schon gut, ich höre auf.“ Kari vergrub die Hände in den Taschen ihrer Allwetterjacke und versuchte, ihre Enttäuschung nicht zu deutlich zu zeigen. Vielleicht konnte sie den Weg selbst finden, wenn sie ein Pferd hatte? Sie würde die Fürstin um eins bitten. Aber was nützte es, wenn sie das Tor fand, jedoch die Beschwörung nicht wusste, mit der man hindurchkam? Vielleicht wussten die Elfen die Formel, vielleicht konnte Kari sie als Verbündete gewinnen.
Inzwischen war es wieder Abend geworden, doch es war noch längst nicht dunkel, außerdem war zurzeit Vollmond. Als die drei zierlichen Gestalten hinter einem Felsen hevortraten, sah Kari sie deutlich. Auf den ersten Blick wirkten sie menschlich, sie trugen ganz gewöhnliche Kleider oder Hosen, doch sie gingen Kari nur bis zur Hüfte und ihre Bewegungen waren tänzerisch, fast schwebend. Kari verbeugte sich vor ihnen und das fanden sie offenbar sehr witzig, sie verbeugten sich eifrig und übertrieben zurück, zwei von ihnen kicherten hoch und flötend.
„Wen hast du denn da mitgebracht, Bjarni, sie ist groß wie ein Klotz, das ist sie!“
„Oh, danke“, gab Kari zurück – so direkt hatte sie lange niemand mehr auf ihre Figur angesprochen! „Ich komme aus der Draußenwelt und bin hier nur zu Gast.“
Aufgeregtes Flüstern war die Folge.
„Wir waren gestern erst dort“, erzählte die Elfe und hob ihr schmales Handgelenk. Daran baumelte eine schwere, goldene Rolex, die viel zu groß dafür war. „Schaut, schaut alle, das hat jemand verloren! Es glänzt so schön.“
Verloren, dass ich nicht lache, dachte Kari, doch das war nicht der Grund, warum ihr Herz auf einmal losraste wie verrückt. „Seid ihr durchs Tor gegangen? Kennt ihr die Beschwörung, die man dafür sprechen muss?“
„Tor!“, rief eine andere Elfe verächtlich, sie hatte Augen von der silbriggrauen Farbe des Mondlichts und hatte sich einen Grashalm hinters Ohr gesteckt. „Sie weiß es nicht! Fiii, nein, wozu brauchen wir denn die Tore?“
„Sie können einfach so zwischen den Welten wechseln“, informierte sie Bjarni.
Kari schöpfte Hoffnung. Wenn diese Wesen kein Tor brauchten, einfach so rüberkonnten … dann konnte sie ihnen vielleicht eine Nachricht an ihre Familie mitgeben! Aber das war brandgefährlich, eine solche Botschaft konnte sie auffliegen lassen, erst musste sie sie besser kennenlernen.
„Das braune Wasser der Menschen schmeckt so gut“, seufzte der dritte Felsenbewohner, ein Elf. „Manchmal werfen sie Blütenkelche weg, in denen noch etwas drin ist!“
Nach einer Weile hatte sich Kari zusammengereimt, wovon die Rede war. Anscheinend schlürften die Elfen gerne Kaffeereste aus weggeworfenen Bechern von Touristen.
Kari hatte einen Geistesblitz. Sie holte die halbe Tafel Schokolade aus ihrer Jackentasche, brach ein paar Stücke ab und teilte sie aus. „Kennt ihr schon das hier?“
„Köstlich!“, schwärmte die Elfe mit der Rolex. „Ist das Ambrosia?“
„Nein, Vollmilch-Nuss.“
„Fiii, hast du noch mehr davon?“ Die Elfe mit den Mondaugen strahlte Kari an und legte verschmitzt den Kopf schief. Sie kletterte auf den Felsen und vollführte einen spontanen Tanz, der aussah, als wäre die Schwerkraft vorübergehend abgeschafft.
„Später“, sagte Kari und nibbelte an ihrem eigenen Schokostück. Sie hätte sich zu gerne eine ganze Rippe gegönnt, aber wertvolle Tauschware durfte man nicht als Trostfutter missbrauchen. Und der nächste Supermarkt war verdammt weit weg.
„Könnt ihr für uns etwas erledigen?“ Bjarni schob eine kleine Hand weg, die ihm seine Münze aus der Hosentasche klauen wollte. „Wir brauchen ein paar besondere Kräuter.“
Niemand hörte zu. Der Elfenmann und die Elfe mit der Rolex zogen sich gerade fauchend wie Katzen an den Haaren, anscheinend wegen der unterschiedlichen Anzahl der Nüsse in den Schokostücken.
„Mal langsam, Leute“, meinte Kari. „Regt euch ab, ja? Ich brauche eure Hilfe, könnt ihr etwas für mich finden?“
„Wir können alles finden, sogar das Glück und einen Regenbogen“, brüstete sich die dritte Elfe, die ihren Tanz beendet hatte und nun mit elegant gekreuzten Beinen auf dem Stein saß.
Kari seufzte. „Na dann schaut mal.“ Kurzerhand schob sie der Elfe das aufgeschlagene Buch unter die Nase und zeigte ihr die Bilder. „Das brauchen wir, und das und das.“
Ihre Gesprächspartnerin betrachtete die Bilder und zog das Näschen kraus. „Langweilig!“
„Es gibt noch mehr Schokolade, wenn ihr es mir bringt.“
„Fiii, wir bringen dir alles, bald sind wir wieder da!“ Schon huschten die drei davon, barfuß und auf Zehenspitzen über die rauen Lavabrocken hinweg, zwischen denen hier und da etwas Grün spross.
Bald? Bloß nicht, schließlich ging es darum, Zeit zu gewinnen!
„Es ist nicht eilig, kein Stress … und wenn ihr ein bisschen Glück entdeckt, dann bringt es bitte auch mit!“, rief Kari ihnen hinterher, doch die Elfen waren schon verschwunden.
„Gut, dass wir diese drei gefunden haben, die sind ganz nett“, erklärte Bjarni ihr auf dem Rückweg. „Die mit der Uhr heißt Sija, die andere war Tuli – sie tanzt unheimlich gerne – und der Elf wird Palo genannt. Auch gut, dass du nicht elfenscheu bist, so wie meine Mutter, sie meidet das huldufólk, als wäre es flüssige Lava! So, gehen wir zurück? Ich muss heim.“
Kari zögerte. Es war so schön hier oberhalb der Stadt, das letzte Sonnenlicht glänzte auf dem See und auf den Dächern von Khyona, selbst die Schwarze Burg mitten in der Oberstadt sah hübsch aus von hier. Die Luft war kühl, aber unglaublich rein und schmeckte frischer als Quellwasser. Über Kari wölbte sich der Himmel, in dem schon die ersten Sterne aufblinkten. „Ich glaube, ich bleibe noch ein bisschen hier. Diesmal finde ich allein zurück.“
„Bist du sicher?“
„Falls ich mich verirre, frage ich einfach jemanden nach dem Weg. Jorunnsgata 62, oder?“ Sie umarmte ihn kurz, was ihn etwas erschreckte, und schaffte es dabei, ihm eine ihrer Silbermünzen in die Tasche zu schmuggeln.
„Genau – aber frag keinen Gnom, der schickt dich in die falsche Richtung.“ Bjarni drückte sie ebenfalls, dann trat er einen Schritt zurück und legte als Abschiedsgruß die Hände mit gespreizten Fingern übereinander, das Zeichen der Schneeflocke. Kari beobachtete, wie er halb rennend, halb springend den Hügel hinablief.
Endlich allein! Kari atmete tief und schloss die Augen. Wenn ich sie wieder aufmache, bin ich wieder in meiner Welt, sagte sie sich, versprach es sich ganz fest. Dann ist dieser seltsame Traum vorbei, und ich muss nie wieder daran denken, dass ich so einen Mist zusammenfantasiert habe.
Doch als sie die Lider hob, fiel ihr erster Blick auf die Burg, die in der Oberstadt kauerte wie ein buckliges Tier. Das hier war eindeutig kein Alptraum, auch wenn es sich so anfühlte!