Archiv der Kategorie: Fundgrube

Praktikumsbericht Larissa Heeke

Juli 2017

Eigentlich hatte ich erwartet, die Zeit nach dem Schulabschluss vor allem panisch zu verbringen, mit Kaffee und Sarkasmus als einzige Verteidigung gegen eine völlig ungewisse Zukunft. Zwar wusste ich, dass ich mich später gerne in jeglicher Form mit Geschriebenem, sei es von mir oder von anderen, beschäftigen würde, aber das hieß noch lange nicht, dass ich irgendeinen vernünftigen Plan für mein restliches Leben hatte. Umgeben von dem chaotischen Durcheinander des Lebens mühten ich und meine Mitschüler uns irgendwie durch das Abitur. Es waren apokalyptische Zeiten. Wie ein alter, hoffentlich bekannter Schuldirektor jedoch einst sagte: „Happiness can be found, even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.“

Der Umschlag hatte damals ganz unschuldig vor mir auf dem Tisch gelegen. Meinen Hogwarts Brief mit entsprechendem Kuchen a la´ Hagrid hatte ich schon erhalten, was sonst sollte mir meine Familie zu meinem achtzehnten Geburtstag schenken? Nach dem Öffnen war ich ein wenig schlauer. Und ein wenig ungläubig. Denn meine Mutter hatte sich mit einer Autorin in Verbindung gesetzt und um ein Praktikum für mich gebeten. Katja Brandis. In München. Ein Praktikum bei Katja Brandis in München. Es war einer dieser Momente, von denen man weiß, dass man sich auch noch Jahre später daran erinnern wird.

Mehrere Wochen später und nach etlichen Planänderungen, verursacht durch Prüfungen und Abschiedszeremonien, war ich hier. An diesem Holztisch, der wohl vielen meiner Vorgängerinnen noch bekannt sein dürfte.

„Die Eisdrachen greifen die Stadt an, wegen einer Energiequelle. Ich weiß nur nicht genau wieso. Um ganz ehrlich zu sein, mehr weiß ich auch generell noch nicht über die Eisdrachen. Irgendeine Idee?“

So könnt ihr euch Katja bei der Arbeit vorstellen. In einem Moment ungenaue Vorstellungen einer sehr vagen Welt und im nächsten Moment ist ein brandneues Gesellschaftssystem bis in die kleinsten Details ausgearbeitet. Fantasie ist ein wunderbares Konstrukt. Der kleinste Gedanke, die winzigste Idee, kann ganze Welten erschaffen. Es ist natürlich auch ein normalerweise langwieriger Prozess verbunden mit intensiver Arbeit, aber eine der wenigen die unglaublich viel Spaß machen. Nie hätte ich gedacht, dass ich eines Tages neben einer waschechten Autorin sitzen würde und ihr bei der Ausarbeitung von solchen Welten helfen dürfte, geschweige denn dabei noch an meine eigenen Werke, die sich seit etlichen Jahren in meinem Kopf ausbreiteten, denken könnte.

So entwarf ich Konzepte für Eisdrachen, schrieb, plante Legenden und Mythen, las und rezensierte, knotete Woodwalkers-Ketten und schrieb noch ein wenig mehr. Vor ein paar Tagen hätte mich der Gedanke erneut von so vielen Fünf- und Sechstklässlern umgeben zu sein, wahnsinnig gemacht, aber hier saß ich außerordentlich zufrieden mit der Welt in einer Schule und hörte Katjas Lesung zu. Gestern hatte ich sogar das Glück, eine Agentur, die Katja und andere Autoren betreut, besuchen zu dürfen.  Man hört anscheinend doch nie mit dem Lernen auf.

An dieser Stelle möchte ich mich wirklich nochmal bei Katja bedanken. Nicht nur war dieses Praktikum unglaublich hilfreich, interessant und bestätigend, sondern es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht die Zeit hier zu verbringen. Die gemeinsamen Mittagessen, die Gespräche mir dir und auch deinem Mann und Sohn (mit exzellentem Buch- und Seriengeschmack 😛 ), und die allgemeine Stimmung, waren nichts, mit dem ich gerechnet habe. Ich werde die Zeit hier in Erinnerung behalten und warte gespannt auf die Veröffentlichung deiner nächsten Werke. Vor allem „das dunkle Wort“. Es war wirklich eines der besten Bücher, die ich seit langem gelesen habe.  Vielen, vielen Dank.

Praktikumsbericht Jasmin Hütt

Mai 2017

Jasmin Hütt

„Ich musste ihn umbringen. Sorry.“

Du kannst machen, was du willst. Auf Drachen durch Sturmwolken reiten, am Grund des Meeres aufwachsen, dunkle Magie praktizieren. Einer Spur aus Libellenflügeln folgen, mit intelligenten Krakenweibchen kommunizieren, statt Buchhaltung Delfine trainieren. Du kannst Jugendliche in eine heruntergekommene Containerburg am Südpol einsperren, den allerbesten Schwertkämpfer erblinden lassen, Tiere in Menschen verwandeln. Zwei Liebende in unterschiedliche Welten verbannen oder einfach den besten Freund skrupellos ermorden.

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Praktikumsbericht Ilka Brühl

Februar 2017

Als ich zufällig gesehen habe, dass Katja Praktika anbietet, war ich total baff. Mir war es nie in den Sinn gekommen, dass Autoren sowas machen könnten. In meiner Vorstellung hütete jeder sein Wissen wie einen Schatz – nicht, dass man sich noch Konkurrenz heranzüchtet.

Jetzt, an meinem letzten Praktikumstag bin ich da schlauer. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ungefähr die Hälfte meiner Arbeitszeit von 9-15 Uhr, habe ich Katja bei ihren Projekten unterstützt – Hintergründe für ihren aktuellen Roman recherchiert, Autorenfotos erstellt, mir eine Testlesung angehört und einiges mehr. Dabei hat sie probiert die eigenen Interessen zu berücksichtigen und offengelassen, wann man was erledigt. Das fand ich richtig gut. Die restliche Zeit konnte ich mich meinem eigenen Roman widmen. Eigentlich wird der Begriff Arbeitszeit dem nicht gerecht. Arbeit ist für mich, nach Feierabend völlig kaputt nach Hause zu kommen. Aber das Gegenteil war der Fall – ich war permanent inspiriert und hatte den Drang noch stundenlang weiterzuschreiben. Wenn ich mal unsicher mit meinem Plot oder einer gerade verfassten Textpassage war, habe ich kurz um die Ecke gelinst, ob die Tür zu ihrem Arbeitszimmer offenstand. Denn es gab einen ganz simplen Code: Tür offen – komm doch rein, Tür zu – brauche gerade meine Ruhe. Das war echt easy und super wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden. Denn AutorInnen sitzen nicht den ganzen Tag – von der Muse geküsst – am Schreibtisch und schreiben einen Bestseller nach dem anderen locker runter. Es gibt Phasen intensiver Recherche, damit die erschaffenen Welten und Wesen so realistisch wie möglich sind und den Leser am besten aus den Buchseiten heraus anspringen. Anschließend folgt das Schreiben, allerdings nicht gleich die Endfassung. Testleser geben ihr Feedback und Lektoren mischen auch noch mit. Das fertige Buch ist also vorher schon durch einige Hände gegangen und wurde mehrfach überarbeitet. Wenn man, wie Katja, mehrere Bücher pro Jahr veröffentlicht, überschneiden sich diese Vorgänge teilweise und es ist wichtig seine Zeit gut einzuteilen. All das weiß ich nun. Die Vorstellung Autorin zu sein, hat somit eine bedeutende organisatorische und handwerkliche Komponente bekommen – ist für mich aber nicht weniger reizvoll als vorher. Toll fand ich generell, dass Katja immer ehrlich zu einem ist. Sei es im Feedback zum eigenen Roman, aber auch den Nachteilen des Lebens als Schriftstellerin.

Gestern haben wir dann mit ihrer Familie zusammen ein Abschiedsessen gekocht (jammi!) und noch gemütlich zusammengesessen. Empfehlen kann ich euch übrigens generell die Workshops die Katja in München anbietet. Eine gute Möglichkeit sie vorher schon mal kennenzulernen oder die Zeit hier zu verlängern, so wie ich es getan habe.

Liebe Katja, danke für die tolle Woche. Ich bin ganz sicher, dass man voneinander hört – und das meine ich nicht als Floskel. 🙂

 

Praktikumsbericht Levi Elias Israel

Oktober 2016

Als ich mich für das Schriftsteller-Praktikum bei Katja Brandis bewarb, war ich vierzehn. Neunte Klasse Praktikum, das vom Berliner Schulsystem angeordnet wurde. Ja, ich hatte gelesen das man das Praktikum erst ab Sechzehn machen kann, aber das ging verloren als ich mitbekam, dass ich zwei Wochen lang schreiben könnte anstatt zur Schule zu gehen. Ich schrieb Katja also an, versuchte so sympathisch wie möglich zu wirken, schickte das einzige gute Schulfoto das je von mir gemacht wurde- und Tadaa, angenommen. Aber natürlich, zu jung. Vielleicht noch ein Jahr warten?

Jetzt sitze ich also hier, ein Jahr später, an einem hölzernen Schreibtisch, neben mir surrt der Drucker und insgeheim warte ich darauf das Leon, einer der vielen Kater in diesem Haus, vorbei schaut. Auf meinem rechten Ohr höre ich “Clear” von Twenty One Pilots, eine Band mit der ich auch Katja begeistern konnte. Das linke Ohr ist frei, damit ich es höre wenn ich gerufen werde. Dann gehe ich ins Zimmer neben an und da sitzt Katja, eine ganze Welt vor sich, gebaut aus kleinen Strichen und Kurven die wir Buchstaben nennen. Fantastisch, nicht wahr? Wie man eine Straßen, Schlösser, Menschen, Tiere beschreiben kann ohne je ein Bild zu zeigen.

Zurück zu Katja, die an ihrem Computer sitzt und fleißig dahin tippt. Ich betrete den Raum und sie lässt ihre Welt für einen Moment in der Zeit stehen bleiben, hört auf zu schreiben und lächelt mich an. Dann fragt sie mich vielleicht wie weit ich mit meiner Geschichte bin, mit einer Charakterisierung oder dem Drehbuch für einen Buch Trailer eines Romans den sie bald herausbringt und dessen erste Seiten ich schon lesen durfte. Oder vielleicht gibt sie mir nur ein Paket, das ich schnell zur Post bringe, was mir die Gelegenheit gibt Olching und seine Menschen ein bisschen kennen zu lernen.

Dann wieder zurück in mein Arbeitszimmer, mit Blick auf die vom Herbst gefärbten Bäume. Ein Moment Ruhe. Musik an, Laptop auf und ich bin in meiner eigenen kleinen Welt. Mehr Buchstaben und Kurven, noch ziemlich unvollendet in dem was sie erschaffen, aber mit jedem Wort ein wenig klarer. Die Musik gibt den Ton an und die Geschichte fließt aus meinen Fingern, in den Bildschirm. Unterbrochen wird dieser Zustand der absoluten Hingabe zum Buch erst um eins.

Musik aus, Laptop zuklappen, runter in den ersten Stock und Mittag essen. Brot, Käse, diverse Aufstriche und irgendeine Form von Salat, Mozzarella und Tomaten vielleicht. Essen und weiter arbeiten, um Drei nach Hause und wahrscheinlich immer noch schreiben, mit dem Unterschied, dass man dabei Katzenvideos guckt. Abendbrot essen, schlafen gehen und am nächsten Tag das selbe. Reinkommen, von drei schlafenden Katzen begrüßt werden und weiterschreiben. Jeden Tag das selbe, aber wer schreibt weiß, dass das nicht stimmt. Klar, äußerlich sieht es aus als würde ein Tag wie der andere sein, aber die Kurven und Striche ändern sich. Wenn man schreibt, ist man jeden Tag woanders. Man lernt neue Leute kennen, die man zwar selbst erschaffen hat, schnell jedoch von ganz alleine zu funktionieren scheinen.

Man reist nach New York, Bangladesch, Tokio, Paris, ohne auch nur seinen Stuhl zu verlassen. Man ist Präsident, Wissenschaftler oder Astronaut, obwohl man noch nicht einmal sein Abi hat. Man weiß wie ein ausgewachsener Mann mit einer Stecknadel getötet werden kann oder wie man Bomben baut. Wenn die NSA von der ganzen Recherche die man für seine Geschichten betreibt nicht aufmerksam geworden ist, wird das Buch langweilig. Schriftsteller sind wahrscheinlich die Menschen mit dem meisten unnötigen Allgemeinwissen und sie sind stolz darauf.

Also, zurück in diese Welt, Tag für Tag. Lernen wie man sie besser, schöner macht. Wie man seine Charaktere ausbaut und ihnen Leben einhaucht. Was gibt es Schöneres.

Praktikumsbericht Stefanie Link

Foto Stefanie_Link smallJuli 2016

Vor zwei Wochen blickte ich einem „Praktikum im Zeichen der Fantasy“ voller Neugier und Spannung entgegen –so hatte Katja es in einer Mail vorausgesagt. Na ja, eigentlich fieberte ich dem Praktikum schon länger entgegen. (Sogar einen Countdown hatte ich eingerichtet.) Aber das zähle ich jetzt einfach nicht mit, weil das länger dauern würde und ich Mathe weder kann noch mag.

Jetzt, zwei Wochen später, die so unglaublich schnell vorbeigezogen sind, streicht Leon mir schnurrend um die Beine, eine der gewohnten Streicheleinheiten einfordernd.

Der Kater ist nur einer der Faktoren, die mir ein Feeling von ‚Autoren-Dasein‘ vermitteln, wie ‚man‘ es sich vorstellt.

Ich sitze am Computer und überlege, was ich schreiben soll. Nebenan hört Katja ihre Musik, die ihr Schreiben untermalt. Das weiß ich, auch wenn ich gerade selbst über Kopfhörer meiner eigenen Schreibplaylist lausche und in ‚meinem Arbeitszimmer‘ mit in die Hand gestützten Kinn überlege, was ich meine Finger als nächstes in die Tasten tanzen lassen soll. Berichte schreiben ist eines der schwierigsten schriftlichen Dinge für mich. Neben Zusammenfassungen.

Aber es gibt auch so viel zu erzählen. Weil auch so viel passiert ist und ich so viel gelernt habe. Über das Autoren-Leben, Lesungen, Lektorate, das Entwickeln von Figuren, Agenturen. Ja, ich habe tatsächlich Katjas Agenten getroffen in diesen zwei Wochen. –Ein möglicher Stressgrund in der Zukunft schon mal beseitigt.

Sogar in einem Café habe ich in meiner Zeit hier mal geschrieben, wovon ja viele Autoren so schwärmen. Nachvollziehbar, wenn ich so darüber nachdenke …

Doch ich schweife ab. Ich hab’s ja gesagt, Berichte und ich.

Am meisten ging es bei diesem Praktikum wohl wirklich um Planung und Entwicklung: Figuren, Kulturen, Fantasywesen und –pflanzen. Spannend für mich, die ich doch die Vorbereitungsphase eines Romans normalerweise eher… kurz halte.

Durch die Augen der Nebenfiguren, die ich für Katja entwickelt habe (es sind drei für „Das dunkle Wort“ und mehr wird nicht verraten… mal sehen, was von ihnen übrig bleibt) habe ich die in ihrem Exposé schon erwähnten Charaktere näher und von anderen Seiten kennengelernt; dasselbe ist es mit den Hauptcharakteren meines eigenen „Projekts“.

Nicht zu vergessen, dass ich erstmals gewollt schlecht geschrieben habe. Nämlich schlechte Beispiele dafür, wie man Jugendslang nicht verwenden sollte. Ein komisches Gefühl, schlecht zu schreiben. Natürlich bleibe ich nicht dabei, bloß keine falschen Schlüsse!

Generell hat mich dieses wahnsinnig faszinierende ‚meeega voll tolle‘ (kurze Info: das ist nicht cooler Jugendslang, aber null Ironie) Praktikum inspiriert und überzeugt, dass ich beim Schreiben bleibe. Vermutlich hätte ich Notizbuch-Natter eh keine andere Chance: es ist eine Sucht …

Und wer weiß, vielleicht werde ich auch mal bei einem echten Verlag anlanden können, damit meine Fantasybücher nicht nur in einem virtuellen Regal verstauben. Anklopfen werde ich wohl auf jeden Fall –oder versuchen, mir die Tür von einem Agenten öffnen zu lassen.

Tja, alles Weitere würde jetzt wohl tatsächlich zu weit führen. Noch mal durchgescrollt, Fehler korrigiert […] ja, kürzer kriege ich es echt nicht hin. Das muss reichen. Leon muss jetzt seine Streicheleinheit kriegen, sonst huscht er gleich ohne Blick zurück zur Tür hinaus. Eine echte Motivation, sich kurzzufassen. -^.^-

Liebe unbekannte Grüße an alle früheren und künftigen Praktikanten Katjas!

Wer weiß, vielleicht lest ihr ja noch in guter Erinnerung oder schon in Vorfreude, was eure Nachfolgerin/Vorgängerin hier fabriziert 🙂

Praktikumsbericht Jessica Lawson

Jessica-smallJanuar 2016

Freitagmittag.
Ich krame in meiner großen, hölzernen Erinnerungskiste. Bild für Bild hole ich heraus und sehe es mir an:
Katja, am ersten Tag, öffnet mir mit einem Lächeln die Tür.
Die Schullesung von Und keiner wird dich kennen mit intelligenten, jungen Schülerinnen. Viele Fragen werden gefragt und in ihren Mienen finde ich meine eigene Begeisterung und Faszination für das Schreiben wieder.
Dann der Schreibworkshop am Wochenende mit sieben talentierten Frauen. Katja führt uns mit Humor und guter Laune durch das Dickicht rundum Exposés, Plots und Perspektiven. Wir tauschen Texte, Erfahrungen und E-Mail-Adressen aus und bevor ich es wirklich fassen kann, bin ich eine waschechte Testleserin! (Waschecht, ja, ich weiß, das sollte ich eigentlich streichen, weil es so abgedroschen ist…)
Diese Bilder sind scharf gestochen und noch gut erkennbar.
Aber in der Erinnerungskiste lassen sich auch andere Bilder finden. Bilder, die verschwommen sind oder überbelichtet – aber dennoch genauso wichtig, genauso ein Teil meiner Erinnerung.
Auf einem erkenne ich mich schemenhaft am Schreibtisch sitzen umgeben von Magiern und Drachen. Ich entwerfe Figuren und lese Katjas Exposés über magische Welten.
Magische Welten. Ein bisschen Magie steckt auch in diesem Haus. Schon alleine die Vorstellung einmal ein eigenes Buch zu veröffentlichen, hat für mich etwas Magisches.
Ich darf Verbesserungsvorschläge für die ersten zwei Kapitel eines Manuskriptes anbringen, dass Katja gerade lektoriert, und Schreibwettbewerbstexte bewerten. Ich, die normalerweise selbst bangend meine Texte zu Schreibwettbewerben abschickt. Magischer Rollentausch 😉
Hin und wieder verirrt sich eine der drei Katzen in „mein“ Büro, umstreicht meine Beine und den Stuhl und schaut mich solange herausfordernd an, bis ich den Stuhl zurückschiebe und sie auf meinen Schoss springen lasse. Die kurze Pause sei genehmigt.
Ein weiteres unscharfes Bild: ich bastle an meiner eigenen Geschichte, drehe und wende sie. Krampfhaft erfinde ich sperrige Titelnamen und gebe Katja die ersten zwanzig Seiten zum Lektorieren.
Ich schreibe und verbessere und schreibe und bin manchmal so tief im Bann der Geschichte, dass mein benommener Kopf beim Mittagessen in einer Nebelwolke zu schweben scheint.
Katja gibt mir Anleitung und Strukturen an die Hand und so bekomme ich immer mehr das Gefühl, das unter meiner Hand etwas Rundes entsteht. Die Töpferscheibe dreht sich und mein Kopf arbeitet ohne dass ich ihn dazu auffordere, manchmal sogar ohne dass ich es bemerke. Er spuckt Ideen aus, Szenen, die ich zu dem Tonklumpen in meinen Händen dazugebe. Die Form wird immer schöner, immer kompletter.
Abends, wenn ich alleine durch die Straßen Münchens ziehe und die Menschen beobachte, sehe ich Szenen ablaufen. Geschichten verbergen sich in jedem Winkel. Was sind die passenden Worte um das zu beschreiben?, frage ich mich. Passt das zu meinem Manuskript?
Und wenn ich dann nachts schlafen soll, bewegen sich die Figuren immer noch vor meinen Augen. Mein Kopf arbeitet. Das Notizheft liegt neben mir – zur Sicherheit.
Zwei Wochen, unendliche Bilder.
Ich habe so viel gelernt, so viel gehört über Verlage und Agenturen und Autoren. Lustige Anekdoten gepaart mit knallharten Fakten. Zwei intensive Wochen. Ich hätte nichts dagegen, wenn es zwei Jahre wären. Oder ein ganzes Leben.

Praktikumsbericht Henrik J. Nowak

OLYMPUS DIGITAL CAMERASeptember 2015

Einen besseren Einstieg in die Welt des Schreibens hätte ich mir nicht ausdenken können. Katja und ihre ganze Familie (sogar ihre Katzen) empfingen mich mit offenen Armen (und Pfoten).

Die von Anfang an persönliche aber trotzdem professionelle Atmosphäre gefiel mir sehr und war eine gute Grundlage um produktiv arbeiten zu können.

Das produktive Arbeiten ging auch schon gleich am ersten Tag los. Bei meinem Einführungsgespräch mit Katja bekam ich gleich einen Überblick darüber, was ich alles in den nächsten zwei Wochen zu bewältigen hatte. Das sah erstmal nach viel Arbeit aus und ich machte mir Sorgen ob ich überhaupt alles in zwei Wochen schaffen würde. Doch Katja gab mir gute Instruktionen und war immer da wenn ich eine Frage hatte.

Am spannendsten fand ich es mir Nebencharaktere für ihren neuen Roman auszudenken. Obwohl das in der Entstehung mit viel Recherche verbunden war. Gleichzeitig fand ich es toll, dass Katja mir eine so verantwortungsvolle Aufgabe gleich zu Anfang überlassen hatte. Denn bis dahin hatte sie nur den Auszug einer Kurzgeschichte gelesen mit dem ich mich bei ihr beworben hatte. Der Vertrauensvorschuss gab mir die Sicherheit ein bisschen herumzuexperimentieren und die Grenzen meiner Ideen auszutesten. Die Arbeit machte mir immer mehr Spaß und ich hatte auch das Gefühl, dass das ich mit der Zeit besser darin wurde und die Charaktere komplexer gestalten konnte. Es macht mich stolz, dass ich zu einem Projekt von einem Profi wie Katja etwas beisteuern konnte.

Noch verantwortungsvoller war die Aufgabe, das Zeitschriften Kapitel von Katjas Autoren-Handbuch (das bald in der 8. Auflage erscheint) zu aktualisieren. Das hat allerdings nicht so viel Spaß gemacht und war streckenweise ganz schön zäh. Nichts desto trotz war es eine wichtige Aufgabe die mir die Erkenntnis verschafft hat wie verschieden die Aufgaben eines Autors sein können. Neben den kreativen Prozessen gibt es auch Formalien und organisatorische Hindernisse die bewältigt werden müssen wenn man erfolgreich arbeiten will. Manchmal war ich am Rande des Wahnsinns, wenn ich eine Ewigkeit im Internet nach einer Zeitschrift suchte nur um dann festzustellen, dass keine neuen Ausgaben geplant waren. Aber sowas gehört wohl dazu. Außerdem half es dabei die anderen Aufgaben die mit mehr Spaß verbunden waren wertzuschätzen.

Aber natürlich bestand das Praktikum nicht nur daraus, Katja bei ihren Projekten zu unterstützen. Die Hälfte der Zeit verbrachte ich damit an meinen eigenen Geschichten zu basteln. Katja half mir dabei maßgeblich und ich hatte die eine oder andere augenöffnende Erfahrung. Die Erzählung aus der der Auszug stammte, mit dem ich mich bei Katja beworben hatte, las sie gleich ganz und lektorierte sie sogar für mich. Das gab mir wichtige Hinweise. Einerseits bezogen auf meinen Schreibstil und andererseits darauf wo die Schwächen in meinem Plot lagen. Als ich andeutete dass ich gerne Drehbücher schreiben würde bekam ich gleich einen Berg Fachliteratur und ein paar gute Tipps von Katja. Sie gab mir zusätzlich die Aufgabe eine Drehbuchszene zu einem Thema das sie mir vorgab zu schreiben. Nachdem Katja die Szene gelesen hatte ermutigte sie mich dazu eine Fortsetzung der Kurzgeschichte, die sie für mich lektoriert hatte, in Form eines Drehbuchs zu schreiben. Ich zeigte ihr mehrere verschiedene Anfänge die ich vor dem Praktikum schon geschrieben hatte mit denen ich aber nicht weitergekommen war. Wir tauschten uns darüber aus was mit den bisherigen Texten noch nicht so ganz stimmte. Anschließend baute ich mit ihren Tipps einen neuen Plot und begann zu schreiben, was mit dem neuen Plot auf einmal wie von selbst ging. Nach dem Motto „writing is rewriting“ analysierten wir zusammen jede neue Version und jeden Fortschritt meines Skripts. Und so wurde durch Katjas Hilfe die Handlung von Tag zu Tag vorangetrieben und verbessert. So vergingen die zwei Wochen wie im Flug.

Während unserer Gespräche gab mir Katja neben kreativen und „ handwerklichen“ Tipps auch Ratschläge für das „Business“. Die handelten von Lektoren und Agenten bis hin zu wie man als Autor sein Geld verdient und wie man seinen Roman in die Läden bekommt (und in welcher Form man dann an seiner Veröffentlichung verdient).

Ich kann wirklich sagen, dass ich über die zwei Wochen eine Menge gelernt habe und ein viel besserer Schriftsteller geworden bin. Natürlich habe ich immer noch sehr viel zu lernen und bin immer noch etwas grün hinter den Ohren. Aber dank Katja konnte ich jetzt schon die ersten eigenen Schritte gehen. Wofür ich mich an dieser Stelle nochmal ganz herzlich bedanken möchte.

Tipps für deine Praktikumsbewerbung

Schön, dass du dich für ein Praktikum bei mir – einer hauptberuflichen Autorin – interessierst! Bewerben kannst du dich, wenn du zwischen 16 und 25 Jahren alt bist.

Die Praktika dauern meist zwei Wochen, ausnahmsweise geht auch eine. Während des Praktikums arbeitest du von 9-15 Uhr, und zwar  die Hälfte der Zeit für mich (z.B. Nebenfiguren entwickeln, mir bei der Recherche helfen, Flyer gestalten) und die Hälfte der Zeit an eigenen Projekten (einem Roman, einer Erzählung oder Kurzgeschichten). Bei Bedarf gebe ich dir auch ein paar Schreibübungen zu bestimmten Themen. Wir diskutieren deine Plots, Figuren und Texte gemeinsam, damit du dich handwerklich weiterentwickeln kannst.

Als Praktikant hast du ein eigenes Büro direkt neben meinem. Eine Unterkunft musst du dir in München bzw. meinem Wohnort Olching allerdings selbst besorgen. Erfolgreichen Bewerbern schicke ich eine Liste von Unterkünften zu.

*** Achtung, für Katzenallergiker ist das Praktikum nicht geeignet, wir haben nicht nur eine Katze, sondern gleich drei! ***

So funktioniert das mit der Bewerbung:

  • Erzähl mir, wer du bist – beschreib deine Persönlichkeit, deine Interessen und was du so liest
  • Erzähl mir etwas über deine Schreiberfahrungen, und schick mir bitte eine Textprobe (ca. fünf Seiten, am besten als RTF, Word-File oder PDF)
  • Hast du dich informiert, wer ich bin und ob es dir überhaupt gefällt, was ich schreibe? Bewerber, die schon etwas von mir gelesen haben, landen weiter oben im Ranking – klar, oder? (Infos über mich findest du z.B. auf dieser Website sowie auf www.sylvia-englert.de und www.siri-lindberg.de).
  • Wieso sollte ich gerade dich als Praktikant/in nehmen?
  • Muss es ein ganz bestimmter Zeitraum sein, oder könnten wir (so läuft es meist) den Zeitraum individuell absprechen, wenn du als Praktikant/in angenommen bist?

Das alles kannst du mir per Post (Pfarrer-Bendert-Str. 2, 82140 Olching) oder per Mail schicken (KatjaBrandis@web.de). Bin gespannt!

Sei nicht zu enttäuscht, wenn es nicht klappt. Das hat nichts mit dir zu tun, ich habe nun mal nur drei Plätze pro Jahr.

*** Das Jahr 2018 ist leider „voll“! Ab 1. Juli 2018 nehme ich Bewerbungen für 2019 an (1 Platz Frühjahr, 1 Platz Sommer, 1 Platz Herbst/Winter). ***

 

Praktikumsbericht Lina Oppermann

Juli 2015

Lina_Oppermann-smallEs ist Freitagnachmittag, Viertel nach zwei. Ich sitze im Praktikantenzimmer und frage mich, wo die viele Zeit bloß hin ist, die seit dem Montag vor zwei Wochen vergangen ist. Im Nachhinein kommen mir die vielen Stunden vor wie ein einziger Rausch aus Schreiben, Lesen, Arbeiten, Essen, Reden, Rad fahren und wieder Schreiben. Es fällt mir schwer, mich daran zu erinnern, wie ich am ersten Tag voller Vorfreude und gleichzeitig nervös nach der Adresse gesucht habe.

Geschrieben habe ich in den vergangenen Wochen eine Menge. Mit dem „Selbstlektorat“ auf den Knien konnte ich mich gleich in die Überarbeitung meines Jugendromans stürzen und dank Katjas Charakterisierungsbögen habe ich dabei noch viel mehr über meine Figuren erfahren, als ich überhaupt für möglich gehalten hätte – was unglaublich hilft, wenn es um Nachcharakterisierung geht. (Für alle, die selbst auch schreiben daher an dieser Stelle der Tipp: Je mehr man über die Figuren weiß, desto einfacher wird’s!)

Auch an das Exposé hab ich mich endlich rangewagt, davor hatte ich mich vorher lange gedrückt. Heute ist das Ding fertig, mein Roman ein gutes Stück weiter und meine Motivation mit jeder zusätzlichen Seite ein Stück gewachsen.

Arbeiten, das war die andere Zeit, die ich Aufgaben für Katja erledigt habe. Adressen aktualisiert, Ideen gebrainstormt, klangvolle Namen für ein Zauberland gesucht, über Romankonzepten gegrübelt, einen Flyer gestaltet. Dass zum Alltag als Autorin viel mehr gehört, als bloß zu schreiben, ist mir erst während dieser Stunden klar geworden. Und auch, dass genau das ziemlich hilfreich sein kann, wenn man mal beim Formulieren nicht weiterkommt.

Echte Buchbranchen-Luft schnappen konnte ich gestern, bei einem Besuch in einer Agentur. Was für ein Tag – ganz so einschüchternd hatte ich mir so ein Büro nun doch nicht vorgestellt. Zum ersten Mal durfte ich erleben, was es für ein Gefühl ist, sein Herzensprojekt einer kritischen Agentin zu präsentieren.

Wie Katja selbst ihre Romane vorstellt, konnte ich eine Stunde zuvor, während der Floaters-Lesung in Freising bewundern: Mit vielen Bildern, „Anfassgegenständen“, Energie und schlagfertigen Antworten – Übung macht eben den Meister.

Das anschließende Abendessen bei Katja zu Hause hat den Tag endgültig zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich in diesen zwei Wochen mehr gelernt, erfahren und erlebt habe, als durch alle Schreibratgeber zusammen. Trotz Lebensmittelvergiftung war Katja immer, aber auch wirklich immer für mich da, hat all meine tausend Fragen beantwortet und es fällt mir richtig schwer, den Schreibtisch gleich leerzuräumen und meine Tasche zu packen.

Aus meinem Traum vom Schriftstellerdasein ist durch die Zeit hier ein handfestes Ziel geworden. Und immerhin: Eine Agentin als Ansprechpartner kenne ich jetzt.