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Praktikumsbericht Alica Urban

Juli 2014

Alica-webDas erste, was ich nach meinem Auslandsjahr wieder in der Schule hörte war: „Das Praktikum für die elften Klassen ist doch nicht gestrichen worden.“

Ich erinnere mich noch daran, dass ich diesen Lehrer nur anstarrte und dachte: Oh Mist. Bitte nicht noch mal drei Wochen Buchhaltung!

So etwas tut man sich nicht gerne zweimal an, vor allem, wenn man beim besten Willen keine Begeisterung für Zahlen aufbringen kann.

Um also einem solchen Schicksal zu entgehen, setzte ich mich noch am selben Tag an meinen Laptop und suchte halb verzweifelt nach etwas, das mich interessierte. Mehr zum Spaß als im Ernst tippte ich ein: „Praktikum bei Schriftsteller“. Ich hatte nicht erwartet, dass es dort überhaupt Treffer geben würde, aber zum Glück hatte ich mich geirrt!

Ich hatte schon befürchtet, dass meine Bewerbung a) entweder auf dem Weg verloren gegangen oder b) nicht zustellbar war, weil ich vielleicht die falsche Briefmarke draufgeklebt hatte. Das hat mich wirklich geärgert, weil ich sie in eleganter Schrift mit der Hand geschrieben hatte und außerdem noch ewig dafür gebraucht habe, das Deckblatt zu malen. Ein Lehrer meinte schon, ich würde den Platz gerade deswegen nicht bekommen. Handgeschrieben! So was kann man doch nicht abschicken, das kann ja keiner ernst nehmen!

Aber dann kam doch endlich eine Antwort von Katja. Ich hatte den Praktikumsplatz bekommen!

Ein paar haben sich für mich gefreut, andere guckten mich nur ungläubig an und fragten Sachen wie: „Du willst schreiben?! Schreibst du in der Schule nicht schon genug?“

Nein, ganz offensichtlich tue ich das nicht, und ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass sie das Praktikum nicht abgeschafft haben.

Die Hälfte der Zeit habe ich neue Cover für die „Feuerblüte“– Reihe entworfen, was eine ziemliche Herausforderung für mich war. Ich zeichne zwar sehr gerne, aber Cover designt man nun mal am Computer, nicht mit Stift und Papier.

Da sich meine technischen Fähigkeiten in sehr engen Grenzen halten, hat es ein bisschen gedauert, bis ich mich in GIMP eingearbeitet hatte. Ich muss leider zugeben, dass ich das Programm eigentlich schon einmal in der Unterstufe erklärt bekommen habe, aber meine Erinnerungen an den Informatikunterricht sind doch ziemlich wage. Es hat aber trotzdem echt Spaß gemacht, und so sauber wie am Computer, hätte ich natürlich nie malen können.

Ich durfte auch die ersten paar Kapitel aus einem Manuskript von Ute Zimmermann testlesen, was mir unglaublich gut gefallen hat. Mal sehen, vielleicht kann ich sie ja anschreiben und fragen, ob ich den Rest auch noch haben kann… ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht! Und ich kann ja schlecht zur Buchhandlung gehen und den Roman bestellen, wenn er erst in Manuskriptform vorliegt.

Die andere Hälfte der Zeit habe ich an dem zweiten Band meiner eigenen Geschichte weiter gearbeitet; und hier noch mal ein Tipp für alle, die selber schreiben: Guckt euch vorher an, ob vielleicht irgendwer schon ein ähnliches Thema in seinem Buch verbraten hat, sonst musst ihr das alles wieder umschreiben. Im Prinzip kein Problem, es gibt immer einen Plan B – aber wenn einem Plan A richtig gut gefällt, ärgert man sich eben trotzdem. Ich musste das riesige unterirdische Labyrinth wieder rausschmeißen, durch das meine Charaktere sich eigentlich durchschlagen sollten- jetzt müssen die irgendwie auf einem banaleren Weg an ihr Ziel kommen. Schade.

Wahrscheinlich werde ich nicht das Glück haben, hauptberuflich als Schriftstellerin arbeiten zu können. Aber eines weiß ich ganz sicher: Egal was ich später machen werde, nebenher werde ich auf jeden Fall schreiben!