Nee, ich bin nicht aus Amerika – Frankfurter Buchmesse 22

Katja Brandis

„Can you sign this book for our daughter?“ fragte mich der freundliche Mann, der am Arena-Messestand aufgetaucht war; seine blonde Tochter stand hoffnungsvoll dreinschauend neben ihm.

Wow, sogar Amerikaner hier, dachte ich und erwiderte: „Sure, I´ll be glad to“ und fragte das Mädchen „What´s your name?“ Erst als es „Liliana mit einem L“ antwortete, wurde mir klar, dass ich es mit Deutschen zu tun hatte. Sie hatten wiederum gedacht, ich wäre die Amerikanerin. Dabei bin ich in der Nähe von Frankfurt aufgewachsen und lebe schon seit 20 Jahren in München. Wir lachten herzlich und weiter ging´s mit dem Signieren.

Mit gemischten Gefühlen war ich zu dieser ersten Frankfurter Buchmesse nach den ersten zwei Corona-Jahren aufgebrochen. Nein, nicht weil ich Angst vor Ansteckung hatte, das mit dem Infiziertsein hatte ich schon Ende Juli erledigt (rechtzeitig vor meiner Namibia-Reise). Ich pendelte emotional zwischen „Endlich mal wieder eine Messe“ und „Oh Gott, was für ein krasser Zeitplan, werde ich das durchhalten?“ Signieren zwischen zehn und zwölf Uhr, dann direkt los zur Lesung, um alles für meinen 12.30-Auftritt vorzubereiten, anschließend wieder Signieren am Arena-Stand, nahtlos gefolgt von einer Woodwalkers-Spiel-Verlosung am Magellan-Stand (ja, genau, auch das mit anschließendem Signieren). Du findest, es klingt albern, sich wegen sowas Sorgen zu machen? Na dann probier doch mal, auf einer Buchmesse aufs Damenklo zu gehen! Die Schlangen dort sind deutlich länger als eine ausgewachsene Tigerpython und (auf der Messe Leipzig) nur unwesentlich kürzer als ein Stau auf dem Mittleren Ring in München. Während Dutzende von Fans dich hassen, weil sie an der leeren Signierbude auf dich warten müssen.

Außerdem war das Wetter sehr wechselhaft, ich hatte die schreckliche Vision, dass die Fans im Regen würden warten müssen, bis sie drankamen, und ihre Bücher nass werden könnten. Würde diese Alpträume wahr werden?

Wurden sie nicht. Das Wetter war auf unserer Seite (yeah). Nach einem afrikanischen Abendessen mit KollegInnen und dem Arena-Team war ich am nächsten Morgen dank Ausstellerausweis schon um 9 Uhr am Stand. Als wir merkten, dass sich schon um halb zehn Fans mit Büchern am Stand sammelten, zogen wir schon etwas früher zur Freiluft-Signierbude um. Dort warteten schon eine ganze Menge Leute, ich legte gleich los … und freute mich total darüber, dass so viele Kids mich besuchen kamen und wollten, dass ich meinen Namen in ihre Walkers-, Jaguargöttin– oder Daresh-Romane schreibe. Es machte richtig Spaß, und die Arena- und Fischer-Kolleginnen (vor allem Tatjana und Stefanie) halfen mir unermüdlich. Sie erkundigten sich vorher schon mal nach den Namen, schrieben sie für mich auf Klebezettel und schlugen das Buch auf, so dass alles etwas schneller ging und ich mich ganz auf meine jungen und manchmal nicht so jungen LeserInnen konzentrieren konnte. Bild mit mir? Ja, natürlich gerne! Dazu durften die Fans sogar zu mir in die Signierbude und mich neben mich setzen. Cool fand ich auch, dass ich ein paar altgedienten Woodis wie Lian (meinem Grafiker) und Karen (vom YouTube-Kanal Woodwalkers Baumhaus) Hallo sagen konnte!

Meine Woodwalkers-Rückkehr-1-Lesung in einem weißen, Ufo-ähnlichen Gebäude auf dem Innenhof der Messe fing dann unerwartet früh an, weil die Kolleginnen vor mir ihre Veranstaltung zehn Minuten eher beendet hatten als geplant. Prima, ich nutzten die Zeit für Fan-Fragen und ließ schon mal das Mikro kreisen. Während 300 neugierige Gesichter mich anblickten, versuchte ich dann, mit der eigentlichen Lesung loszulegen – nur leider hakte die Technik, die Bilder wollten einfach nicht erscheinen oder mir gehorchen. Ich musste herumhampeln wie ein Affe, damit auf dem Bildschirm irgendwas passierte und zwischendurch stürzte die Software ganz ab. Was aber nicht schlimm war, ich redete einfach noch ein bisschen mehr. Nach mehr oder weniger sensationellen Enthüllungen, wie ich die Idee zu Woodwalkers hatte, gab´s eine meiner Lieblingsszenen aus dem Band (Carag, Mia und Terry beim Friseur), dann noch ein kurzes „Making of“ und eine Kettenverlosung. Schwups, war die Lesung auch schon wieder vorbei – mit einer halben Stunde Zeit kann man leider nicht soo viel anfangen.

Dann schrieb ich am Arena-Stand meinen Namen (und den des jeweiligen Fans) in gefühlt zehntausend Romane … und freute mich tierisch darüber, weil ich mich nämlich noch ganz genau daran erinnern kann, wie ich einmal zu Anfang meiner Karriere eine Signierstunde auf der Leipziger Messe hatte und kein Schwein gekommen ist (und auch kein anderes Tier, von Menschen ganz zu schweigen)!

Die Verlosung von drei Woodwalkers-Spielen am Magellan-Stand ging dann ganz flott, ich unterschrieb noch etwa fünfzehn Exemplare von „Woodwalkers – The Game“ und kam damit auf insgesamt dreieinhalb Stunden Signieren (ein neuer persönlicher Rekord). Glücklich, aber ausgepowert machte ich mich auf den Weg zum Frankfurter Bahnhof, wo ich zum dritten Mal während dieser Messe meiner rundum wunderbaren Schriftstellerkollegin Anna Ruhe über den Weg lief (ihr kennt bestimmt ihre „Duftapotheke“). Mit meinem Sohn, den ich das Wochenende über bei meinen Eltern „geparkt“ hatte, ging ich an Bord eines ICEs zurück nach München. Wo ich mich erstmal – man darf ja nicht vergessen, auf was für einer Messe man gerade war – zur Entspannung in ein unterhaltsames Druckwerk vertiefte. Wenn die Messe in Leipzig genauso gut läuft, habe ich rein gar nichts zu meckern und darf mich stattdessen schon freuen!

2 Kommentare

  1. Hallo Katja,
    Ich war auch bei der Verlosung dabei! Echt toll!!!
    LG Tikaani

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  2. Hey Katja
    Ich bin sogar auf dem Bild 😂 die Lesung und die Signierstunde war sehr wolfig jetzt habe ich sogar ein Bild mit dir
    War wirklich super toll
    Möge der Mond 🌜 für dich leuchten
    Tikaani

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