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	<title>Tierabenteuer-Leseproben Archives | Katja Brandis</title>
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	<title>Tierabenteuer-Leseproben Archives | Katja Brandis</title>
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		<title>Leseprobe aus &#8222;Gepardensommer&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 May 2021 10:10:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tierabenteuer-Leseproben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auszug aus dem 2. Kapitel von „Gepardensommer“  Die Katzen von Otjiwarongo Nein, die Geparden verstanden kein Deutsch. Aber dafür Englisch. Und das war gut so, sonst hätte ich sie an meinem ersten Tag auf Ounene eúlu vielleicht gar nicht zu Gesicht bekommen. „Come heeeeere, come heeeere“, sang die junge schwarze...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Auszug aus dem 2. Kapitel von „Gepardensommer“</em></strong></p>
<p><strong> </strong><strong>Die Katzen von Otjiwarongo</strong></p>
<p>Nein, die Geparden verstanden kein Deutsch. Aber dafür Englisch. Und das war gut so, sonst hätte ich sie an meinem ersten Tag auf Ounene eúlu vielleicht gar nicht zu Gesicht bekommen.</p>
<p>„Come heeeeere, come heeeere“, sang die junge schwarze Helferin, sie hieß Dessie Kaoseb, wenn ich es richtig verstanden hatte. Ich ließ den Blick gespannt über das gelbbraune Gras schweifen, über die niedrigen, knorrigen Bäume, die hier und da aufragten, über die Pfotenspuren im rötlichbraunen Sand auf der anderen Seite des Maschendrahts. Das Gepardengehege vor dem wir standen, war so groß, dass man den Zaun auf der anderen Seite nicht sehen konnte. Herrlich viel Platz für Katzen, die in Freiheit den ganzen Tag herumstreifen, rastlose Wanderer auf der Suche nach Beute. Aber was war, wenn sie sich den ganzen Tag irgendwo auf der anderen Seite des Geheges herumtrieben und wir nicht mal ein Schnurrhaar von ihnen zu Gesicht bekamen? Das kannte ich aus dem Wildpark. Da durfte man ein Waldstück bewundern, in dem sich angeblich Wölfe oder Elche herumtrieben, aber zu sehen bekam man sie doch nie. Dann witzelte man, dass sie wahrscheinlich in Urlaub waren, und ging enttäuscht weiter zu den Kamerunschafen.</p>
<p>Das war normalerweise völlig okay. Aber nicht jetzt. Ich war völlig übermüdet, die afrikanische Sonne schälte mir gerade die Haut von der Nasenspitze, die vollen Futterschüsseln in meinen Händen wurden immer schwerer, und ich wollte jetzt sofort einen Geparden sehen. Oder noch besser, gleich mehrere.</p>
<p>Nichts rührte sich im Gehege.</p>
<p>„Macht nichts“, sagte Dessie und grinste, als sie meine enttäuschte Miene sah. „Wahrscheinlich sind sie gerade ziemlich weit weg. Aber wenn wir reingehen, kriegen sie das mit und sind ganz schnell da. Sie wissen ja, dass wir ihr Fresschen dabeihaben.“</p>
<p>„Äh, Moment mal – wir gehen da <em>rein</em>?“</p>
<p>Jetzt lachte Dessie über das ganze Gesicht. Das war ein toller Anblick. Ihr Gesicht hatte die Farbe von Vollmilchschokolade, und ihre runden Backen glänzten wie frisch poliert. „Ja, klar gehen wir da rein. Oder willst du die Schüsseln lieber über den Zaun werfen? Davon kriegen sie Dellen.“</p>
<p>„Das wäre mir aber lieber, als selber irgendwas abgebissen zu kriegen&#8230;“</p>
<p>„Ach, keine Sorge. Hock dich im Gehege nur nicht hin und mach keine unerwarteten Bewegungen. Sonst sehen sie dich, wenn du Pech hast, als Beute.“</p>
<p>Dessie entriegelte das erste Tor und winkte mir zu, ihr zu folgen. Eingeschüchtert tappte ich hinter ihr her und klammerte mich an den Blechschüsseln fest. Was wahrscheinlich keine gute Idee war. Vielleicht kamen die Geparden gleich aus dem Nichts angerast und stürzten sich auf ihr Futter und damit gleichzeitig auf mich.</p>
<p>Sorgfältig schloss Dessie das erste Tor wieder und entriegelte dann das zweite Tor.</p>
<p>O mein Gott, wir waren drin.</p>
<p>Es war nicht so, dass mein ganzes Leben wie ein Film vor mir ablief, aber immerhin die letzten Monate, seit meine Eltern mir diesen Gutschein geschenkt hatten. Erstmal war alles so weitergegangen wie gewohnt, und das mit Namibia blieb völlig unwirklich, auch wenn ich so vielen Leuten davon erzählte, dass ich schließlich sogar von Unbekannten in Papas Praxis darauf angesprochen wurde.</p>
<p>Dann, auf einmal, waren es nur noch drei Tage bis zum Abflug. Ich packte meinen Koffer, packte ihn dann gleich wieder aus, um einen größeren zu nehmen, entschied mich dann doch für eine abgewetzte Reisetasche und stopfte alle meine Sachen dort hinein. Wuselte hektisch in der Wohnung herum, um Mückenspray und eine Nagelschere und meine Trinkflasche und die Malariatabletten zu suchen. Hatte Alpträume, in denen ich mein Flugzeug verpasste und war am Tag der Abreise ein nervliches Wrack.</p>
<p>Sofia kam mit, als Papa mich zum Flughafen fuhr, und ihr war es offensichtlich nicht ganz geheuer, wie ich mich benahm. „Bist du sicher, dass du nicht vorher einen Herzinfarkt hast, bevor du die ersten Raubkatzen siehst?“ fragte sie und legte mir fürsorglich den Arm um die Schultern.</p>
<p>„Ich glaub´s nicht – jetzt habe ich doch tatsächlich die Ersatzbatterien für meinen Foto vergessen!“ jaulte ich auf.</p>
<p>„Können wir am Flughafen kaufen“, sagte mein Vater und seufzte.</p>
<p>Ich glaube, sie waren alle ganz froh, als ich endlich im Flugzeug saß und auf dem Weg nach Afrika war.</p>
<p>Als wir endlich über Namibia flogen, beugte ich mich halb über meinen Sitznachbarn, damit ich auch mal aus dem Fenster schauen konnte. Und bekam einen Schreck. Das sah richtig schlimm aus. Wie eine Mondlandschaft. Zerfurchtes, karges Land. Berge in hellbraun, umbrafarben, rötlichbraun, ocker, graubraun. Nur hier und da eine Spur von staubigem Graugrün. Und das direkt nach der Regenzeit!</p>
<p>Die Landbahn des Flughafens Windhoek war ein schmaler grauer Streifen in einem unendlich weiten, sonnenverbrannten Nichts.</p>
<p>Aufgeregt hastete ich durch das kleine Flughafengebäude und entdeckte gleich meine Abholerin – eine rundliche, gut gelaunte junge Frau, die ein Schild mit „Lilly Jonassen“ hochhielt. Meine erste Begegnung mit Dessie. Sie lotste mich in einen Jeep, auf dessen Seite <em>Cheetah Foundation</em> stand und ein rennender Gepard aufgemalt war, und dann ging es mit quietschenden Reifen los. Erst huschte draußen die Wüste vorbei, dann die Hauptstadt Windhoek, und schon waren wir wieder draußen, auf einer schnurgeraden geteerten Straße nach Norden. Dort wartete eine Polizeikontrolle auf uns, aber nach einem kurzen Blick auf unsere Ausweise winkte uns der Uniformierte gelangweilt durch.</p>
<p>„Danke, dass du mich abgeholt hast“, sagte ich zu Dessie, sie verstand und sprach zum Glück richtig gut Englisch. „Wie lange brauchen wir bis Ounene eúlu?“</p>
<p>„Ach, so drei Stunden, schätze ich – es ist in der Nähe von Otjiwarongo“, meinte Dessie und steckte sich eine getrocknete Aprikose und ein paar Cashew-Nüsse in den Mund. Dann erzählte sie mir, dass Ounene eúlu in einer der Ovambo-Sprachen Großer Himmel bedeutete, aber warum die Farm so hieß, bekam ich nur halb mit, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, die Landschaft anzuglotzen. Wir kamen gerade an einem dreieckigen Warnschild vorbei. Es war kein springender Hirsch darauf, sondern ein Warzenschwein. Doch das, was kurz darauf über die Straße lief, war kein Warzenschwein.</p>
<p>„Cool – das sind ja Paviane!“ jubelte ich, kurbelte eiligst das Fenster herunter und steckte den Kopf heraus. Es war ein ganzer Affen-Clan, der auf allen Vieren über die Straße schlenderte – Männchen mit graubrauner Mähne, Weibchen mit Babys, die sich an ihren Bauch klammerten, übermütig herumgaloppierende Jungtiere.</p>
<p>„Steig besser nicht aus, die beißen“, sagte Dessie, und ich nahm die Hand wieder vom Türgriff.</p>
<p>Ja, ich war endlich angekommen. Das hier war Afrika. Als Dessie wieder aufs Gas trat und mich die Beschleunigung in meinen Sitz drückte, hatte ich ein seliges Lächeln auf dem Gesicht.</p>
<p>Es war immer noch da, als wir am späten Nachmittag in Ounene eúlu eintrafen und in einer Staubwolke durch das Eingangstor mit dem Geparden-Logo brausten. Das flache, braungetünchte Hauptgebäude mit dem geschwungenen Dach schmiegte sich in die Buschsavanne, als wären es eines Nachts aus dem Boden gewachsen. Gewaltig und tiefblau wölbte sich der Himmel Namibias darüber, und ich musste nicht weiter fragen, wie die Farm zu ihrem Namen gekommen war.</p>
<p>Ich wuchtete mir meine Reisetasche über die Schulter und taumelte hinter Dessie her,  am Hauptgebäude vorbei und immer weiter in den Busch hinein, bis zu einer runden Hütte mit einem Solarkollektor auf dem Dach. Es gab zwei Betten mit schwarz-rot-weißen afrikanischen Wolldecken, darüber an der Decke befestigt weiße Moskitonetze. Eine Nische mit Klo und Waschbecken, und das war´s auch schon. Eine Dusche sichtete ich zum Glück auch – draußen unter freiem Himmel, in einer gemauerten Nische.</p>
<p>„Warmes Wasser?“ fragte ich hoffnungsvoll.</p>
<p>Dessie grinste. „Wenn die Sonne scheint, schon. Macht sie hier meistens.“</p>
<p>„Strom?“</p>
<p>„Ja, klar. Aber nur bis neun Uhr abends. Danach Kerzenlicht.“</p>
<p>Wir gingen wieder rein. Neugierig beäugte ich das zweite Bett und die Besitztümer in der anderen Ecke des Raumes. Ein kleiner Stapel Tops und Hosen, ein spindeldürre Giraffen-Statue aus honigfarbenem Holz, ein Buch über Bestellungen beim Universum und eins mit dem Titel <em>Sorge dich nicht – lebe!,</em> ein Notizbuch, das über und über mit Gesichtern beklebt war, alle aus Zeitschriften herausgerissen.</p>
<p>„Wer wohnt denn hier noch?“ erkundigte ich mich.</p>
<p>„Theresa. Sie ist auch Praktikantin hier. Aber gleich für ein ganzes Jahr.“ Dessie strahlte mich an. „Was ist, magst du die Geparden begrüßen? Du kannst bei der Fütterung mithelfen. Im Gehege West, bei den Weibchen.“</p>
<p>„Sind sie eigentlich zahm?“</p>
<p>„Nein, das kann man nicht sagen. Sie sind alle aus der Wildnis zu uns gekommen, weil sie in Freiheit nicht überleben konnten.“</p>
<p>Und jetzt war ich hier, mitten im Gehege. Konnte es wirklich sein, dass Geparden weniger bissig waren als Affen, oder gab es hier ein schreckliches Missverständnis?</p>
<p>„Come heeeere, come heeere“, lockte Dessie noch einmal, und dann waren sie da. Huschten wie gelbbraune Schatten aus dem Gebüsch. Glitten leichtfüßig über den Sandboden. Lugten aus dem hohen Gras mit ihren bernsteinfarbenen Augen und den schwarzen Tränenspuren auf den Katzengesichtern. Keine zehn Meter von mir entfernt. Weglaufen war sinnlos. Schließlich hatte ich es hier mit dem schnellsten Säugetier der Erde zu tun.</p>
<p>„Na, hab ich´s nicht gesagt?“ Zufrieden blickte Dessie sich um. „Die Hübsche da ist Ohani. Neben ihr schleicht sich gerade Njika an. Und das da vorne ist Elai. Und die beiden da hinten, die sich nicht aus den Büschen trauen, sind Muina und die kleine Jola. Bisschen schüchtern, unsere Muina.“</p>
<p>Hastig tat ich es Dessie nach und stellte die Blechschüsseln mit dem Fleisch auf den Boden. Dann stand ich so steif da wie eine Playmobilfigur, während eins der Weibchen keine drei Meter neben mir vorbeiging. Elai. Wie groß und langbeinig sie war. Ich hätte mich nicht bücken müssen, um sie zu streicheln. Aber danach stand mir gerade nicht der Sinn.</p>
<p>„Wie schaffst du es, sie zu unterscheiden?“ flüsterte ich Dessie zu. „Für mich sehen sie alle gleich aus.“ Ich staunte über die perfekt kreisrunden Flecken auf ihrem Fell, bewunderte die sehnigen Vorderläufe, die pelzigen Ohren, die jedem Teddybär Ehre gemacht hätten.</p>
<p>Dessie zuckte die Schultern. „Ach, sie auseinanderzuhalten ist reine Übung. Die Flecken sind bei jedem unterschiedlich, und die Augen und schwarzen Streifen im Gesicht natürlich sowieso.“</p>
<p>Wie aufs Stichwort blickte Elai auf und sah mich forschend an. Ich verliebte mich auf der Stelle in sie. Oh, wie herrlich sie war. Scheu war sie gar nicht. Gelassen kauerte die riesige Katze sich hin und begann, ihre Schüssel leerzufressen.</p>
<p>Muina dagegen war das alles nicht geheuer. Halb geduckt kroch sie näher, fauchte mich an und zeigte ihre dolchartigen Eckzähne. Befahl mir wahrscheinlich in Gepardisch, mich wegzuscheren, damit sie endlich an ihr Futter herankam. Nichts lieber als das. Langsam machte ich einen Schritt rückwärts, dann noch einen.</p>
<p>„So, während die Katzen abgelenkt sind, machen wir das Gehege ein bisschen sauber“, meinte Dessie und marschierte durch das Gras, begann mit einer Zange irgend etwas vom Boden aufzuheben und in einen Eimer fallen zu lassen. Vorsichtig folgte ich ihr und sah, was Dessie einsammelte: große, blank abgenagte Knochen.</p>
<p>„Aha, jetzt weiß ich endlich, was ihr mit den letzten Praktikanten gemacht habt“, unkte ich.</p>
<p>Dessie blickte mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und holte dann aus einer Tüte eine kleine Plastikschaufel. „Ja, und du wirst gleich merken, was wir mit den jetzigen Praktikanten machen. Rat mal, wofür das gut ist.“</p>
<p>Ich musste nicht lange raten, weil ich gerade reingetreten war. Und ja, es stank ganz ähnlich wie das, was mein Kater Frodo immer so gründlich im Garten vergraben hatte.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Leseprobe aus &#8222;Koalaträume&#8220;</title>
		<link>https://www.katja-brandis.de/2011/01/18/leseprobe-aus-koalatraume/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 08:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tierabenteuer-Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuerroman]]></category>
		<category><![CDATA[Aborigines]]></category>
		<category><![CDATA[Australien]]></category>
		<category><![CDATA[Tag hinzufügen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus dem Kapitel &#8222;Genug Gift&#8220; etwa aus der Mitte des Romans Zwei Tage lang schaffte ich es, Colin aus dem Weg zu gehen. Ich erledigte meine Arbeit, besuchte meine Freundin Mayra, das Possum, und saß mit den Greenbergs abends auf der Veranda. Allmählich begann ich, mein inneres Gleichgewicht wiederzufinden. In...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Aus dem Kapitel &#8222;Genug Gift&#8220; etwa aus der Mitte des Romans</em></p>
<p>Zwei Tage lang schaffte ich es, Colin aus dem Weg zu gehen. Ich erledigte meine Arbeit, besuchte meine Freundin Mayra, das Possum, und saß mit den Greenbergs abends auf der Veranda. Allmählich begann ich, mein inneres Gleichgewicht wiederzufinden. In den letzten Nächten hatte ich nichts geträumt. Sah aus, als wäre ich noch einmal davongekommen!</p>
<p>Doch dann stand auf dem Tagesplan unmissverständlich: <em>Colin + Juli: Tierrettung</em>, und ich fand niemanden, mit dem ich tauschen konnte. Mit einem mulmigen Gefühl packte ich meinen Rucksack, steckte eine Flasche Wasser ein, und stellte mich auf den Parkplatz, neben den roten Kombi mit dem Logo von The Ark darauf. Und da kam Colin, in einem schwarzen T-Shirt und khakifarbenen Shorts. Ich erkannte ihn von weitem an seinem weichen, raumgreifenden Gang.</p>
<p>Die Sonne brannte auf uns herab, es würde mal wieder ein heißer Tag werden. Gestern hatten sich die Kängurus sogar die Vorderläufe abgeschleckt, um sich dadurch ein bisschen Kühlung zu verschaffen. Schwitzen konnten sie ja nicht.</p>
<p>Colins dunkle Haut glänzte in der Sonne wie poliert. Er begrüßte mich fast beiläufig, und ich atmete auf. Anscheinend hatte er vor, mich freundlich-distanziert zu behandeln.</p>
<p>„Wir haben heute früh zwei Anrufe bekommen“, berichtete er. „Eine Frau in Yandina hat eine Schlange im Haus entdeckt. Und in Nambour ist ein Possum, das sich in eine Garage verirrt hatte, prompt von einem Hund angegriffen worden – es hockt jetzt auf einem Baum und scheint verletzt zu sein. Also nichts Spektakuläres, aber eine gute Übung für dich.“</p>
<p>„Alles klar“, erwiderte ich. „Wie sieht‘s mit der Aufgabenteilung aus? Ich übernehme die Schlange und du das Possum?“</p>
<p>Ein Lächeln schlich sich in seine Mundwinkel. „Da ich dir diesmal ja leider kein Krododil bieten kann …“</p>
<p>Kaum zu glauben, schon nach einer Minute waren wir wieder auf einer Wellenlänge. Es fühlte sich zu gut an, um es gleich wieder kaputt zu machen. Mach deinen Job und sieh zu, dass du was von ihm lernst, dachte ich grimmig und stieg auf den Beifahrersitz.</p>
<p>Colin überprüfte schnell die Ausrüstung im Kofferraum, setzte seine Sonnenbrille auf und ließ den Motor an. Ich betrachtete seine Hand, die locker auf dem Lenkrad lag. Schmal aber kräftig war sie, die Fingernägel sehr kurz geschnitten; an vielen Stellen waren winzige helle Narben, vielleicht von Dornen. Die dunklen Haare auf seinem Unterarm hoben sich kaum von seiner braunen Haut ab. An einer Stelle an der Schulter hatte jemand Colins T-Shirt geschickt mit schwarzem Garn geflickt, man sah es kaum.</p>
<p>Über den Bruce Highway waren wir in zwanzig Minuten in Yandina, einem Ort, der nicht viel größer war als Cooroy. „Weil hier lauter Nationalparks in der Nähe sind, haben wir eine Menge mit Rettungen zu tun“, meinte Colin. „Auch die Polizei ruft uns manchmal an und gibt was an uns weiter. So war´s zum Beispiel heute mit der Schlange.“</p>
<p>„Zu was für einer Art gehört sie denn? Giftig?“</p>
<p>„Vermutlich“, sagte Colin gleichmütig. „Die meisten Schlangen in Australien tragen genug Gift im Maul herum, um eine ganze Viehherde zu erledigen.“</p>
<p>Ich schaute ihn an, um zu sehen, ob er übertrieb oder mich aufziehen wollte, aber er grinste nicht. Also stimmte es vermutlich. O je.</p>
<p>Die Adresse, die man uns gegeben hatte, stellte sich als hübsche hellblau gestrichene Villa heraus, die im Schatten von Bäumen stand. Wir packten unsere Ausrüstung – eine Stange mit gebogener Spitze und einen Sack – aus und klingelten. Kaum war der Ton verhallt, da wurde die Tür aufgerissen. Eine etwa sechzigjährige Frau mit grauen Löckchen und gepflegter Kleidung, die gut auf einen Golfplatz gepasst hätte, schoss auf uns zu. „Na endlich kommen Sie! Es ist eine Stunde her, dass ich angerufen habe! Ich hatte seitdem keine ruhige Minute!“</p>
<p>In diesem Moment bemerkte die Frau anscheinend, dass Colin kein Weißer war. Sie stutzte, und ein gezwungenes Lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit. Zögernd öffnete sie uns die Tür. „Äh, ja, hier entlang. Ich glaube, die Schlange ist unter einem der Schränke im Wohnzimmer …“</p>
<p>Wir gingen über den polierten Holzboden und kamen ins Wohnzimmer, das mit dem hellen Parkett, dem großen, geschmackvoll modernen Sofa und der riesigen Glasfront zum Garten einem „Schöner Wohnen“-Magazin entsprungen zu sein schien.</p>
<p>„Sehen wir mal nach“, sagte Colin und legte sich flach auf den Boden, um unter die Schränke schauen zu können. Ich übernahm die andere Seite des Zimmers und checkte ab, wie die Reptilien-Situation unter dem Sofa war.</p>
<p>„Holla, da ist sie ja“, rief Colin. „Magst du schauen, Juli?“</p>
<p>Ich warf mich neben ihn aufs Parkett. Zufällig berührten sich dabei unsere Arme, und ein Schauer durchlief meinen Körper. Colin zog seinen Arm nicht weg. Einen Moment wirkte er abgelenkt, ging es ihm genauso wie mir?</p>
<p>Mit etwas Mühe konzentrierte ich mich auf das, was ich unter dem Schrank sah. Im Halbdunkel erkannte ich etwas Unförmiges, Dunkles – die Schlange hatte sich eng zusammengerollt.</p>
<p>„Eine Östliche Braunotter, etwa eineinhalb Meter lang“, flüsterte Colin mir zu.</p>
<p>„Sieht völlig verängstigt aus“, wisperte ich zurück.</p>
<p>„Kein Wunder, in diesem Haus.“ Er senkte die Stimme weiter. „Ich wette, sobald wir weg sind, putzt sie erstmal hinter uns her.“ Wir grinsten uns flüchtig an, dann richtete sich Colin wieder auf und holte den Stock mit der gebogenen Spitze. „Ist besser, wenn ich das mache – Braunottern sind tödlich und können ziemlich aggressiv sein, vor allem dann, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen.“</p>
<p>„Okay“, sagte ich mit gemischten Gefühlen und stand ebenfalls auf. „Was soll ich machen, wenn du gebissen wirst?“</p>
<p>„Schlangen beißen mich nicht.“</p>
<p>Er klang völlig überzeugt, aber ich nahm ihm das nicht ab, dazu hatte ich selbst zu viel Erfahrung mit Tieren. Schiefgehen kann immer etwas. Und wenn jemand sich so sicher ist, dass nichts passiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit gleich doppelt so hoch. „Aber es kann ja sein, dass diese Schlange das nicht mitbekommen hat, also würdest du mir bitte trotzdem …?“</p>
<p>„No worries. Einfach den Notruf wählen. Die meisten Ärzte haben ein Gegengift da. Man muss bloß schnell hinkommen, normalerweise ist man nämlich nach einer halben Stunde tot.“</p>
<p>Mir lief es kalt den Rücken hinunter. „Also nicht die Haut kreuzweise einschneiden und die Bisswunde aussagen oder sowas?“</p>
<p>Colin musste lachen. „Erstens hilft das nichts und zweitens schmeckt es bestimmt scheußlich.“ Er blickte mich mit diesen warmen braunen Augen an, und mir wurde beinahe schwindelig.</p>
<p>Vorsichtig schob er den Stab unter das Möbelstück und hakte wahrscheinlich die gebogene Spitze um den Leib der Schlange. „Wenn du unbedingt was tun willst, bis der Arzt kommt, dann binde den Arm oder das Bein fest mit einem Stoffband ab. Dann kann sich das Gift nicht im Blutkreislauf ausbreiten.“ Vorsichtig zog Colin, und eine hübsche hellbraune Schlange kam zum Vorschein. Interessiert sah ich zu. Die Hausherrin flüchtete sich aufs Sofa.</p>
<p>„So, das war´s fast“, sagte Colin und griff sich mit der freien Hand den Sack. Seine Bewegungen waren langsam und ruhig, und vielleicht deshalb wirkte die Schlange nicht sehr aufgeregt. Sie drohte uns nicht, sondern streckte nur den Körper, der vom Haken angehoben wurde, und ließ den Kopf von einer Seite auf die andere pendeln. Ihre Schuppen schimmerten in einem hellen Goldbraun.</p>
<p>„Ist sie nicht schön?“ fragte Colin andächtig, und ich nickte, obwohl eine Gänsehaut meine Arme überzog.</p>
<p>Er manövrierte den langen Körper der Braunotter in den Leinwandsack – und in diesem Moment hörte ich, wie die Haustür sich öffnete. Jemand kam herein, und die Pfoten eines Hundes kratzten auf dem Parkett. „Suzanne?“, rief eine Männerstimme, dann schoss ein wuscheliger Mischling aus dem Flur. Er rannte direkt auf uns los, jaulte aufgeregt und sprang an Colin hoch. Ich vergaß zu atmen.</p>
<p>Colin stieß einen Fluch aus. Er kam aus dem Gleichgewicht und musste den leeren Sack fallen lassen, um sich mit einer Hand am Schrank abstützten zu können. Alarmiert richtete die Braunotter, die noch immer über dem Stab hing, sich auf, zischte und stieß den Kopf in Richtung des Hundes. Völlig verdutzt wich der Mischling aus und näherte sich dann mit gesträubtem Nackenfell wieder, um dieses komische längliche Ding zu beschnuppern. Colin versuchte dem Hund den Rücken zuzuwenden und sich auf die Schlange zu konzentrieren.</p>
<p>All das war innerhalb weniger Sekunden geschehen. Ich erwachte aus meiner Schreckstarre. „Raus!“ schrie ich den Mann an, der ins Wohnzimmer trat. Dann packte ich den Mischling am Halsband und zerrte ihn weg von Colin. Zum Glück sah der Mann die Schlange gleich und begriff schnell. Er schnappte sich seinen Hund, drängte ihn aus dem Zimmer und schlug die Tür zu. Seine Gattin hastete zur Terrassentür hinaus.</p>
<p>Wir waren allein mit der gereizten Braunotter. Wenn sie freikam, würde sie alles angreifen, was sich bewegte. Winzige Schweißtropfen hatten sich auf Colins Stirn gebildet. Doch äußerlich schien er völlig ruhig, er ließ der Schlange Zeit, sich wieder abzuregen. Sie versuchte, sich vom Stock herunter zu winden, doch Colin balancierte ihren Körper so, dass sie nicht den Boden berührte.</p>
<p>„Juli – gib mir den Sack“, sagte Colin gepresst, ohne den Blick von der Schlange abzuwenden. Ich näherte mich vorsichtig, hob den Stoffbeutel vom Boden auf und reichte ihn ihm. Doch die Braunotter war zu nervös, um sich verpacken zu lassen. Sie wand sich von einer Seite zur anderen und wich dem Sack aus. Immer wieder versuchte Colin geduldig, ihren Kopf in die Öffnung hineinzumanövrieren. Dann endlich gelang es. Mit einem tiefen Seufzer verzurrte Colin den Stoffbeutel, sodass die Schlange nicht mehr entkommen konnte. Ich atmete aus und sackte in einem der Sessel zusammen.</p>
<p>„So, jetzt hast du gesehen, wie es gemacht wird“, meinte Colin. „Nächstes Mal …“</p>
<p>„Nächstes Mal darf ich es dann machen? Oh, danke.“</p>
<p>Er schaffte schon wieder ein Grinsen. „Nichts zu danken. Wenn du möchtest, kannst du aber zuerst im Wildpark üben. Mit einem etwas harmloseren Tier.“</p>
<p>„Das klingt schon eher nach einer guten Idee.“ Langsam hörten meine Nerven auf zu flattern. Wir blickten uns an, und auf einmal fühlte ich mich ihm sehr nah.</p>
<p>„Hast du Angst gehabt?“, fragte ich ihn.</p>
<p>„Ja“, gab er zu, und ich versuchte ein Lächeln. „Aber warum? Schlangen beißen dich doch nicht.“</p>
<p>„Um mich hatte ich keine Angst“, sagte Colin leise. Er sah mich nicht an, als er es sagte, aber ich wusste, was er meinte. Ich fühlte mein Herz klopfen. Einen Moment schwiegen wir. Dann sagte er: „Okay, lass uns gehen.“</p>
<p>Wir bewegten uns mitsamt unserem Fang in Richtung Haustür; die Braunotter wand sich in ihrem Sack und verstand wahrscheinlich nicht recht, was gerade geschehen war.  „Gott sei Dank, dass wir das Vieh los sind! Sie hat wirklich der Himmel geschickt!“, seufzte die Hausherrin.</p>
<p>„Nicht wirklich der Himmel“, sagte Colin trocken. „Sondern The Ark.“</p>
<p>„Oh! Ja! Natürlich.“ Die Frau trippelte los, um etwas zu holen, und kam mit einem Hundertdollarschein zurück. Seltsamerweise gab sie ihn nicht Colin, sondern mir. Verblüfft bedankte ich mich und stopfte ihn mir in die Tasche. Im Wildpark würde ich die Kohle Noah oder Caroline geben, The Ark konnte sie bestimmt gut gebrauchen.</p>
<p>Colin fiel natürlich auf, dass die Frau nicht ihm das Geld gab. Doch er sagte nichts dazu.</p>
<p>„Sorgt dafür, dass das Vieh bei euch in einen sicheren Käfig kommt!“ schob die Frau hinterher. Wir hatten natürlich nichts dergleichen im Sinn. Ein paar Kilometer weiter ließen wir die Braunotter in einem Waldgebiet frei. Gut gelaunt sah Colin zu, wie die Schlange in einem Gebüsch verschwand. „Die hat bestimmt eine Menge zu erzählen.“</p>
<p>Ich lachte und musterte ihn von der Seite. „Erklär mir mal, wie es sein kann, dass Schlangen dich nicht beißen. Für Goannas jedenfalls gilt das anscheinend nicht!“ Ich deutete auf die rote Bissspur an seiner rechten Hand, die von dem Buntwaran. Er hatte nicht mal ein Pflaster drauf geklebt.</p>
<p>Colin schüttelte den Kopf. „Es ist ein bisschen kompliziert“, versuchte er auszuweichen, während wir zum Wagen zurückgingen.</p>
<p>Jetzt war ich richtig neugierig. „Macht nichts. Wir haben Zeit, oder?“</p>
<p>Er sah amüsiert aus. „Sind Leute aus Deutschland alle so hartnäckig?“</p>
<p>„Nur die Mädchen“, sagte ich mit unschuldigem Blick.</p>
<p>Wir stiegen ein, Colin ließ den Motor an und fuhr den Schotterweg durch den Wald zurück auf die Hauptstraße. Dann schaute er mich von der Seite an; es war ein kritischer Blick, er schätzte mich ein. Schließlich begann er zu reden.</p>
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		<title>Leseprobe aus DelfinTeam 1</title>
		<link>https://www.katja-brandis.de/2009/07/08/leseprobe-aus-das-geheimnis-der-antaresdelfinteam-band-1/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 07:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tierabenteuer-Leseproben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leseprobe aus DelfinTeam 1 Aus dem 5. Kapitel &#8222;Fisch und Spiele&#8220; Sandy ist in der Zentrale von The Deep auf Key West (Florida) angekommen und beginnt gemeinsam mit Caruso ihre Ausbildung zum DelfinTeam. Am nächsten Morgen erwachte Sandy vom Knattern eines Hubschraubers. Es klang so laut, als würde das Ding...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leseprobe aus DelfinTeam 1</strong></p>
<p><strong>Aus dem 5. Kapitel &#8222;Fisch und Spiele&#8220;</strong></p>
<p><em>Sandy ist in der Zentrale von The Deep auf Key West (Florida) angekommen und beginnt gemeinsam mit Caruso ihre Ausbildung zum DelfinTeam.</em></p>
<p>Am nächsten Morgen erwachte Sandy vom Knattern eines Hubschraubers. Es klang so laut, als würde das Ding direkt nebenan starten. Hastig zog sie sich an und ging nach draußen. Auf der anderen Seite der Lagune, nicht weit von ihrem Bungalow entfernt, entdeckte sie ein Landeplatz komplett mit rot-weißem Windsack und einem Hangar. Ein Kanal und eine Rampe verbanden ihn mit dem Wasser, wahrscheinlich, damit der Hubschrauber die Delfine problemlos an Bord nehmen konnte. Das hat Arrowsmith glatt vergessen mir zu zeigen, dachte Sandy.<span id="more-93"></span></p>
<p>Sie wanderte über den Dammweg weiter ins Fluthaus, wo sie Sue Arrowsmith entdeckte, die hübsche blonde Frau ihres Chefs. &#8222;Mark hat Greg und Little Joe zu einem Einsatz geflogen &#8211; sie werden wahrscheinlich einen ganzen Monat lang weg sein&#8220;, berichtete Sue und hielt ihr eine Box mit Sesam- und Sojasprossen-Kringeln hin. Bagels heißen die Dinger, erinnerte sich Sandy. Sie nahm sich einen. Schmeckte schrecklich gesund.</p>
<p>&#8222;Und, gut geschlafen? Wie gefällt es dir bisher?&#8220; fragte Sue.</p>
<p>&#8222;Äh, gut&#8220;, sagte Sandy. &#8222;Aber gibt´s irgendwas, was man gegen die Kakerlaken tun kann?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nächstes Wochenende ist Hunter, mein Sohn, wieder mal hier &#8211; diese Woche ist er bei meinem Ex-Mann&#8220;, sagte Sue und lächelte, als sie Sandys fragenden Gesichtsausdruck sah. &#8222;Er liebt Insekten und schafft es irgendwie, Kakerlaken mit der Hand zu fangen. Ich schicke ihn gleich in deinen Bungalow.&#8220;</p>
<p>Sandy bedankte sich und versuchte sich vorzustellen, was ihre Mutter gesagt hätte, wenn Sandy als Kind so ein Hobby entwickelt hätte. &#8222;Und wie geht´s jetzt mit mir weiter?&#8220; fragte sie Sue und musterte eine große Weltkarte und eine Tafel mit Tabellenraster, auf denen viele bunte Magnete klebten. Sue erklärte ihr, dass man dort auf einen Blick sah, wer gerade auf einem Einsatz war und wer wann, wo und mit wem Training hatte. Tatsächlich, da klebten brandneue türkisfarbene Magneten mit der Aufschrift &#8222;Sandy&#8220;. Zum Beispiel unter BECKEN SÜD, 9 UHR. Direkt daneben klebte ein roter Magnet mit der Aufschrift &#8222;Sharky&#8220;.</p>
<p>&#8222;Du wirst im ersten Monat immer zusammen mit einem unserer erfahrenen Leute trainieren &#8211; das hängt davon ab, wer gerade in der Zentrale ist&#8220;, erklärte Sue.</p>
<p>Training mit Sharky, dem Typ mit den blonden Rastalocken? Das wird bestimmt interessant, dachte Sandy. Pünktlich um neun wartete Sandy am Becken &#8211; nach The Deep-Regeln mit frisch gewaschenen Händen und kurz geschnittenen Fingernägeln, ohne Makeup, Uhr und Schmuck. Das war nötig, weil die Haut der Delfine so empfindlich war. Sie blutete schon, wenn man sie ungeschickt mit einem Fingernagel streifte. Solche Kratzer heilten zwar, aber die deutlich sichtbaren Narben trug der Delfin dann für den Rest seines Lebens. Und auch das mit dem Makeup hatte seinen Sinn: Mark hatte ihr erzählt, dass einmal eine Besucherin Kiki geküßt hatte und der Lippenstift mehr als eine ganze Woche lang nicht abgegangen war.</p>
<p>Die halbe Nacht lang hatte Sandy gestern in den Unterlagen gelesen, die Arrowsmith ihr gegeben hatte, und die Dolslan-Handzeichen geübt. Sie waren leicht zu merken, weil sie normalen menschlichen Gesten für bestimmte Dinge und Tätigkeiten ähnelten und zum Teil aus Taucherzeichen abgeleitet waren.</p>
<p>Fünf nach neun. Niemand in Sicht. Zehn nach neun. Der Beckenrand blieb leer, und Sandy wurde langsam nervös. Hatte sie die Eintragung auf der Magnettafel falsch verstanden? Vielleicht wartete Sharky anderswo auf sie!</p>
<p>Als Sandy gerade gehen wollte, erschien ihr Trainingspartner und stellte einen Eimer mit Fisch auf die Holzplattform am Beckenrand. Sandy fiel auf, dass er leicht hinkte. Und natürlich trug er wieder seine Cargohosen.</p>
<p>&#8222;Sorry&#8220;, sagte Sharky kurz und spuckte zielsicher einen Kaugummi in einen Mülleimer. &#8222;Dann fangen wir mal an. Ich hab Nelson mitgebracht, damit du dir mal anschauen kannst, wie sowas läuft.&#8220;</p>
<p>Der ist ja obercool, dachte Sandy skeptisch und betrachtete das zähnefletschende Tatoo auf Sharkys Oberarm und den Haizahn, der an einer Lederschnur um seinen Hals hing. &#8222;Wieso stehst du eigentlich auf Haie? Ich denke, das sind die Feinde von Delfinen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Die meisten Haie sind harmlos&#8220;, sagte Sharky, hielt den Arm ins Wasser und drückte einen Knopf an dem Gerät, das er am linken Handgelenk trug und wie eine überdimensionale Armbanduhr aussah. &#8222;Das ist übrigens ein Dolcom, ein Computer, der Töne erzeugen kann. Jeder Delfin hat einen anderen Rufton, der ganz bewußt seinem persönlichen Kennpfiff ähnlich ist. Hab dir auch eins mitgebracht für Caruso. Kriegst du nachher.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was für ein Kennpfiff?&#8220; erkundigte sich Sandy neugierig.</p>
<p>&#8222;Wenn ein Delfin geboren wird, entwickelt er innerhalb von ein paar Wochen einen unverwechselbaren Pfiff, mit dem er anderen sagt ´Ich bin´s` &#8211; es ist sozusagen sein Name.&#8220;</p>
<p>Ein grauer Schatten jagte heran, und Sekunden später reckte sich ein grauer Kopf aus dem Becken. Das war also Nelson.</p>
<p>&#8222;Na, Alter? Wie geht´s?&#8220; Sharky sprach gleichzeitig mit der Stimme und mit den Händen. Von einem Moment auf den anderen wirkte er völlig verändert. Jetzt war er auf einmal lebhaft und fröhlich. Sandy war verblüfft.</p>
<p>&#8222;Los, du bist dran&#8220;, sagte Sharky. &#8222;Sag ihm was. Kennst du das Hallo-Zeichen schon?&#8220;</p>
<p>Sandy musste lachen, als er sich die flache Hand auf die Brust legte und dann nach vorne schwenkte. &#8222;Das kommt mir bekannt vor, ist das nicht aus Star Trek?&#8220;</p>
<p>&#8222;Doch, irgendsoein vulkanischer Gruß. Greg Arrowsmith ist ein großer Star-Trek-Fan&#8230; los, Nelson wird schon unruhig, du musst weiter mit ihm reden!&#8220;</p>
<p>Schüchtern deutete Sandy auf sich und gab ihr persönliches Zeichen. Ich Sandy. Diese Zeichen hatte Greg ihr und Caruso gestern noch zugewiesen.</p>
<p>Nelson blickte sie an und stieß einen Pfiff aus.</p>
<p>&#8222;Der ist verblüfft, weil das erste Zeichen ein bisschen schief aussah&#8220;, meinte Sharky. &#8222;Wart mal, ich zeig dir, wie´s richtig geht. Sonst lernt deine Partnerin einen ziemlich fiesen Dialekt. Und du darfst nicht so verdammt zurückhaltend sein. Sonst sucht sich Nelson jemand Interessanteres, mit dem er seine Zeit verbringt.&#8220;</p>
<p>&#8222;So wie dich zum Beispiel?&#8220; schoß Sandy zurück.</p>
<p>Sharky warf seinem Delfin einen Fisch zu. &#8222;Zum Beispiel.&#8220;</p>
<p>Er grinste nicht, als er es sagte.</p>
<p>Nach einer Stunde war ihr erstes Training beendet. Am Nachmittag folgte die nächste Sitzung. Sehr vielversprechend lief es nicht. Caruso zeigte sich scheu, weil ein Fremder dabei war, hielt sich abseits und ließ sich nur mit Mühe heranlocken. Du musst Geduld haben, sagte sich Sandy und war trotzdem enttäuscht.</p>
<p>Sharky erwies sich als guter Lehrer. Trotzdem war Sandy noch nicht sicher, ob sie ihn mochte oder nicht. Mit gemischten Gefühlen sah sie zwei Tage später, dass nun ein grüner Magnet mit der Aufschrift &#8222;Mark&#8220; neben ihrem Namen klebte. Sharkys Magnet war auf die Weltkarte hinübergewandert &#8211; er und Nelson waren auf einem Einsatz.</p>
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		<title>Zweite Leseprobe aus DelfinTeam 1</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 05:59:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tierabenteuer-Leseproben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Rotorblätter zerhackten mit pulsierendem Flappen die feuchte Meeresluft. Hinten in der Kabine des Hubschraubers war es laut, doch Sandy hatte den Lärm längst ausgeblendet, ihre ganze Aufmerksamkeit galt Caruso. Sie drückte den Schwamm über dem grauen Rücken ihrer Partnerin aus und achtete dabei sorgfältig darauf, die empfindliche, mit Vaseline...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Rotorblätter zerhackten mit pulsierendem Flappen die feuchte Meeresluft. Hinten in der Kabine des Hubschraubers war es laut, doch Sandy hatte den Lärm längst ausgeblendet, ihre ganze Aufmerksamkeit galt Caruso. Sie drückte den Schwamm über dem grauen Rücken ihrer Partnerin aus und achtete dabei sorgfältig darauf, die empfindliche, mit Vaseline eingeriebene Haut des Delfins nicht zu beschädigen.</p>
<p>&#8222;Ich weiß, dass du Hubschrauber furchtbar findest. Aber bald sind wir wieder im Wasser.&#8220;</p>
<p>Sandy legte den Schwamm hin, um für ihre Gesten beide Hände benutzen zu können. Automatisch übersetzte und vereinfachte sie ihre Worte in Dolslan, während sie sprach: <em>Hubschrauber anstrengend</em> <em>ja. Bald Meer</em>. Ihr Delfin pfiff, benutzte die neuen akustischen Wörter, und das Dolcom an Sandys Handgelenk übersetzte automatisch: <em>Wann ankommen?</em> Sandy grinste. Kinder und Delfine waren sich manchmal ziemlich ähnlich.<span id="more-4195"></span></p>
<p>&#8222;Okay, ich erkundige mich mal&#8220;, sagte Sandy. Sie kramte in der herumliegenden Ausrüstung nach dem „Headset“, einem Kopfhörer mit eingebautem Mikro, den ihr der Pilot zu Beginn des Fluges in die Hand gedrückt hatte. Wäh, er war nass geworden, weil Carusos Transportbehälter übergeschwappt war. Aber er funktionierte noch, der Pilot hörte sie. &#8222;Wie steht&#8217;s?&#8220; fragte ihn Sandy. &#8222;Wann kommen wir an?&#8220;</p>
<p>&#8222;Etwa eine Stunde wird es noch dauern, bis wir beim Schiff sind. Wir haben kräftigen Gegenwind bekommen. Alles in Ordnung da hinten bei Ihnen, Lady?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wenn ich hier eine Lady treffe, werde ich sie fragen&#8220;, schoß Sandy zurück. „Aber Caruso und mir geht´s gut.“</p>
<p>Dolslan kannte drei Abstufungen für Zukunft, alle nicht gerade beliebt bei den ungeduldigen Delfinen: <em>Bald</em>, <em>später</em> und <em>viel später</em>. Sandy signalisierte ihrer Partnerin den Mittelwert <em>später</em>, auch wenn es noch ein bisschen dauern würde, und goß ihr frisches Wasser über den Rücken. Hoffentlich würde Caruso sich benehmen und beim Schiff bleiben. Es war noch immer ein Problem, dass sie leicht ablenkbar war und nicht viel von Disziplin hielt. Bei diesem ersten richtigen Einsatz durfte nichts schief gehen!</p>
<p>Irgendwann fühlte Sandy, dass der Hubschrauber in den Schwebeflug übergegangen war. Mit einem Blick durch die Fenster stellte sie fest, dass sie fast senkrecht über einem Schiff mit blaugestrichenem Deck standen &#8211; das musste die <em>Antares</em> sein, ihr Arbeitsplatz für die nächsten Wochen. Aus der Höhe wirkte das Schiff klein, obwohl Sandy gehört hatte, dass es dreiundvierzig Meter lang war. Schwerfällig stampfte und rollte es in den weißschopfigen Wellen. Sandy wurde fast schon vom Zusehen seekrank.</p>
<p>&#8222;Machen Sie sich bereit zum Absprung!&#8220; quäkte es aus den Kopfhörern. &#8222;Ich schicke jemanden, der Ihnen mit der Winde hilft.&#8220;</p>
<p>&#8222;Danke&#8220;, sagte Sandy und formte mit den Händen: <em>Wir ankommen Schiff</em>. Caruso nahm es schweigend zur Kenntnis.</p>
<p>Das schmutzigblaue Deck kam immer näher. Sandy erkannte jetzt sogar Menschen dort, ihre nach oben gewandten Gesicher waren helle Flecke. Sie riß sich von dem Anblick des Schiffs los, zerrte ihr Gepäck zur Ausstiegsluke und entriegelte diese. Ein kühler, wilder Wind fuhr in die Kabine. Jetzt schwebte die Maschine kaum drei Meter über dem Deck. Mit einem Fußtritt beförderte Sandy ihren Seesack und ihre Ausrüstungstasche aus dem Hubschrauber, dann rückte sie ihr Mikrofon zurecht und rief: &#8222;Alles in Ordnung! Wir können den Delfin jetzt aussetzen!&#8220;</p>
<p>Sachte legte sich der Hubschrauber in die Kurve und hielt über dem Meer neben dem Schiff an. Caruso pfiff aufgeregt.</p>
<p>&#8222;Ganz ruhig. Du bist doch keine Anfängerin mehr, du schaffst das locker&#8220;, sagte Sandy zu ihrem Delfin und sich selbst, streifte Flossen und Maske über und zog das Armband des Dolcoms an ihrem linken Handgelenk fest. Sie sprang ab und landete mit einem großen Platsch in einem Wellental.</p>
<p>Vorsichshalber hatte sie ihren Taucheranzug aus Neopren angezogen, aber das Wasser der Karibik war angenehm warm. Im Vergleich zu der Sache mit Tommy wird das hier der reinste Badeurlaub werden, dachte Sandy.</p>
<p>Ein paar Flossenschläge brachten sie unter den Hubschrauber. Besorgt legte sie den Kopf in den Nacken, um zu der Maschine aufzublicken. Es kostete Kraft, gegen den Seegang anzukämpfen und weder abzutreiben noch sich vom Luftstrom des Rotors unter Wasser drücken zu lassen. Aber auch der Hubschrauber hatte Probleme. Gischt und hohe Wellen zwangen ihn, bis auf zehn Meter zu steigen &#8211; das war fast schon mehr, als Sandy Caruso zumuten mochte.</p>
<p>Von der <em>Antares</em> aus wurde der ganze Vorgang interessiert beobachtet. Als Sandy auf einem Wellenkamm getragen wurde, sah sie, dass die Besatzung ein Schlauchboot mit Aussenbordmotor ausgesetzt hatte. Es steuerte auf sie zu. Sandy winkte und sah Carusos Tragbahre auf sich zuschweben. In diesem Moment begann der Delfin, wild mit der Schwanzflosse zu schlagen. Sandy war entsetzt. Caruso versuchte, sich aus der Bahre herauszuwinden! Wenn sie so weitermachte, verhedderte sie sich in den Seilen!</p>
<p>&#8222;Ganz ruhig!&#8220; schrie Sandy. Aber ihre Worte wurden vom Lärm des Hubschraubers übertönt, und Caruso konnte ihre Hände nicht sehen. Sandy blieb nichts anderes übrig, als hilflos die Bewegungen des Delfins zu beobachten. Zum Glück verstand wenigstens der Pilot sein Handwerk. Die Tragbahre sank sanft ins Wasser, obwohl sich Caruso krümmte und wand. Eilig hakte Sandy die Gurte los, und die klatschnasse Bahre schwebte wieder hoch zu dem Bauch des Hubschraubers.</p>
<p>Caruso machte schwache Schwimmbewegungen. Die Reise hatte sie mitgenommen, ihre Muskeln waren steif. Wenn Sandy sie nicht gestützt hätte, hätte sie untergehen und ertrinken können. Doch schon nach ein paar Minuten war der Delfin wieder munter, kurvte herum und tauchte, um sich mit der neuen Umgebung bekannt zu machen. <em>OK</em>? fragte Sandy in der Zeichensprache, und Caruso ruckte einmal kurz mit dem Kopf. <em>Ja, alles bestens</em>.</p>
<p>Beruhigt schwamm Sandy in Richtung des Schlauchboots, das sie an Bord nahm und sich dann über die Wellen zurück zum Mutterschiff kämpfte. Von hier unten aus wirkte das Schiff nicht mehr so klein, die dunkle Bordwand ragte bedrohlich vor ihnen auf. Roststreifen zogen sich über die abblätternde Farbe des Schiffsrumpfes. Der Kahn hat schon bessere Zeiten gesehen, dachte Sandy skeptisch und fragte sich, was sie bei dieser Mission erwartete.</p>
<p>Als das Schlauchboot an der <em>Antares</em> angelegt hatte, tanzte es so launisch hinter dem Heck des Mutterschiffs, dass das Übersteigen zum Kunststück geriet. Sandy hatte ihre Flossen ausgezogen und wartete auf den geeigneten Moment, um die Taucherleiter zu fassen zu bekommen. Schließlich waren die beiden Schiffe für einige Sekunden auf gleicher Höhe, und Sandy sprang. Sie verlor den Halt, klammerte sich an die Reling und ergriff gerade noch rechtzeitig die Hand, die sich ihr helfend entgegenstreckte. Kräftige Arme hievten sie an Deck der <em>Antares</em>.</p>
<p>&#8222;Hallo!&#8220; sagte eine heitere Stimme. &#8222;Sie sind also Sandy Weidner! Alles in Ordnung mit Ihnen und Ihrer Partnerin?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, alles klar&#8220;, sagte Sandy und warf einen neugierigen Blick auf den Mann, der sie über die Bordwand gezogen hatte. Sie schätzte ihn auf Mitte Dreißig. Er hatte blondes Haar im Armeeschnitt und ein längliches Gesicht mit einen dünnen hellen Schnurrbart. Seine Augen waren von einem verwaschenen Blaugrau. Im Moment strahlten die Augen, ihr Besitzer grinste von einem Ohr zum andern.</p>
<p>&#8222;Mein Name ist Joel Weiss&#8220;, sagte der Mann. &#8222;Nennen Sie mich Joel. Bootsmann auf diesem schrottreifen Eimer, den ich in halbwegs schwimmfähigem Zustand halte. Was halten Sie von der <em>Antares</em>? Ist sie nicht potthäßlich? Aber keine Sorge, die Ausrüstung ist tiptop in Ordnung&#8230;&#8220;</p>
<p>Sandy wollte irgend etwas erwidern, bekam dazu aber keine Gelegenheit &#8211; schon rollte wieder eine Welle von Worten über sie hinweg. Anscheinend war es zuviel von Joel verlangt, dass er seinen Redestrom lange genug bremste, um jemandem Zeit für eine Antwort zu geben. Also seufzte sie ergeben, hörte zu und sah sich die Schar Männer an, die sich neugierig hinter dem Bootsmann drängte. Ich glaube, ans Angestarrtwerden muss ich mich gewöhnen, dachte Sandy. Das gehört wahrscheinlich dazu, wenn man die einzige Frau an Bord ist!</p>
<p>Da stand sie nun in ihrem schwarz-neongrünen Anzug und tropfte vor sich hin – in der einen Hand die Flossen, die andere Hand an der Reling festgehakt, um auf dem schlingernden Schiff das Gleichgewicht zu halten. Sie fragte sich, wann ihr endlich jemand ein Handtuch geben würde. Doch bis jetzt schien niemand die Absicht zu haben. Sandys Augen glitten von Joels Gesicht zum Meer hin, suchten zwischen den hohen Wellen unwillkürlich den Delfin. Ja, dort schwamm Caruso, sie wollte beachtet werden und machte einen Heidenlärm. Zufrieden lauschte Sandy. Wenn Caruso nur beim Schiff blieb!</p>
<p>&#8222;Der Chef ist im Moment an Land, in Cartagena&#8220;, erzählte Joel munter weiter. &#8222;Er streitet sich noch mit den Behörden wegen einer Bergungslizenz herum. Dabei ist doch alles nur für einen gute Zweck, wir bewahren archäologische Schätze&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Wo ist eigentlich mein Gepäck?&#8220; fiel ihm Sandy ins Wort, denn das nasse Neopren an ihrem Körper fühlte sich jeden Moment ungemütlicher an. Erstaunt unterbrach Joel für einen Moment seinen Monolog. &#8222;Ach so, natürlich. Ihr Seesack ist schon in der Kabine. Wollen Sie sich ein bisschen abtrocknen und ausruhen? Sie haben ja einen langen Flug hinter sich&#8230;“</p>
<p>Sandys Kabine lag, wie sich herausstellte, im mittleren Deck.</p>
<p>“Ihr Glücklichen habt gleich nach dem Käpt´n die beste Kabine an Bord“, sagte Joel und öffnete eine der metallnen Türen. Sandy holte überrascht Luft. In dem Raum stand ein Doppelstockbett, und eine der Kojen war schon belegt &#8211; von einer Lateinamerikanerin. Also hatte ihre Ankunft die Frauenquote an Bord doch nicht um hundert Prozent erhöht!</p>
<p>&#8222;Du bekommst Gesellschaft, Luisa!&#8220; sagte Joel.</p>
<p>&#8222;Die Delfinfrau?&#8220; fragte die Frau gleichmütig und reckte sich wie eine Katze. Ihr Körper war mager und sehnig.</p>
<p>&#8222;Ja. Ich heiße Sandy, meine Partnerin Caruso.&#8220;</p>
<p>&#8222;Luisa. Wie lange wirst du auf der <em>Antares</em> bleiben?&#8220;</p>
<p>Besonders begeistert klang das nicht. Es schien Luisa leid zu tun, dass sie ihre Kabine nun teilen musste. Nur zögernd räumte sie ihre Sachen von der oberen Koje.</p>
<p>&#8222;So lange, wie Mr. Morgan mich braucht und The Deep mich ihm zur Verfügung stellen kann&#8220;, sagte Sandy steif.</p>
<p>Joel war die Spannung zwischen ihnen nicht entgangen. Mit einem gemurmelten: &#8222;In einer Stunde ist Abendessen in der Messe&#8220;, zog er sich hastig zurück.</p>
<p>Schweigend machte sich Sandy daran, ihr Zeug in den Spind aus ramponiertem grüngestrichenen Metall einzuräumen, der sich auf der anderen Seite der Wand befand. Sie spürte Luisas Blick im Rücken. Der Seegang machte sich auch unter Deck bemerkbar, und Sandy hatte Schwierigkeiten, ihre Sachen so zu verstauen, dass sie ihr nicht sofort wieder entgegenfielen.</p>
<p>&#8222;Als was bist du hier an Bord? Als Taucherin?&#8220; erkundigte sich Sandy.</p>
<p>Luisa nickte. &#8222;Ich war auch einmal bei The Deep“, sagte sie gleichgültig. „Aber der Laden gefiel mir irgendwie nicht mehr. Zu studentisch irgendwie, alles so barfüßig.&#8220;</p>
<p>„Klar, und hier lauft ihr ständig in High Heels herum“, entfuhr es Sandy. Es tat ihr sofort leid. Sie wollte keinen Streit. Besser, sie begab sich wieder auf neutrales Terrain.</p>
<p>&#8222;Was für ein Projekt hat eigentlich die <em>Antares</em>? Ich fürchte, man hat mir nicht gerade viel gesagt. Es ging alles ziemlich schnell.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wir suchen nach Galeonenwracks &#8211; warum wären wir sonst hier in der Karibik, auf dem alten spanischen Handelsweg? Aber es ist eine gemeinnützige Sache, Rettung eines alten Kulturguts, von hier aus direkt ins Museum und so weiter.&#8220; Luisa gähnte.</p>
<p>Sandy schaute auf die Uhr. Noch eine Dreiviertelstunde bis zum Abendessen. Sie hatte keine Lust, auch nur eine Minute länger als nötig in dieser Kabine mit Luisa zu verbringen. Außerdem hatte sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, um nicht luftkrank zu werden, und ihr Magen fühlte sich hohl und leer an. Zum Glück wirkten die Tabletten noch, einstweilen machte ihr der Seegang nichts aus.</p>
<p>&#8222;Ich schaue mich mal ein bisschen um&#8220;, kündigte Sandy an. Luisa hatte sich längst abgewandt und gab als Antwort ein undefinierbares Geräusch von sich.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Leseprobe aus DelfinTeam 2</title>
		<link>https://www.katja-brandis.de/2009/07/06/leseprobe-aus-der-sog-des-bermudadreiecks-delfinteam-band-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2009 07:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tierabenteuer-Leseproben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leseprobe aus DelfinTeam 2 Aus dem 7. Kapitel &#8222;Das Wrack&#8220; Die DelfinTeams haben mit ihren Nachforschungen im Bermuda-Dreieck begonnen. Durch die ständigen Reibereien zwischen Sharky und Ramón ist die Atmosphäre an Bord des Suchschiffs &#8222;Blue Ranger&#8220; gespannt. Und dann entdecken die Delfine ein Wrack&#8230; Als sie an Deck zurückkehrten, waren...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leseprobe aus <a href="https://www.katja-brandis.de/2009/07/07/delfinteam-2-der-sog-des-bermudadreiecks/">DelfinTeam 2</a></strong></p>
<p><strong>Aus dem 7. Kapitel &#8222;Das Wrack&#8220;</strong></p>
<p><em>Die DelfinTeams haben mit ihren Nachforschungen im Bermuda-Dreieck begonnen. Durch die ständigen Reibereien zwischen Sharky und Ramón ist die Atmosphäre an Bord des Suchschiffs &#8222;Blue Ranger&#8220; gespannt. Und dann entdecken die Delfine ein Wrack&#8230;</em></p>
<p>Als sie an Deck zurückkehrten, waren Sharky und Yuriko schon mit dem Briefing fertig und bereiteten ihre Ausrüstung vor. Sie trugen die schwarz-neongrünen Neoprenanzüge mit dem Logo von The Deep.</p>
<p>&#8222;Wir übernehmen den ersten Tauchgang, danach seid ihr dran &#8211; zumindest wenn Sandy dir als Tauchpartnerin genehm ist&#8220;, sagte Sharky sarkastisch. Sandy sah erstaunt, dass er für sich nun doch ein gewöhnliches Gerät bereit machte. Klugerweise machte Ramón keine Bemerkung darüber, er nickte nur.<span id="more-102"></span></p>
<p>Ken Rodriguez half Yuriko, die schweren Doppelflaschen auf ihren Rücken zu heben. &#8222;Wenn irgendwas ist &#8211; ruft einfach Kiara!&#8220; sagte Yuriko. Dann verschwanden sie und Sharky mit einem großen Sprung im Wasser. Ihre Partnerin folgte ihr, und auch Nelson tauchte mit ab.</p>
<p>Als die kleine Gruppe wieder auftauchte, warteten Sandy und Ramón gespannt darauf, was sie zu erzählen hatten. &#8222;Ich habe keinen Namen am Bug erkennen können, aber die Princess kann es nicht sein&#8220;, berichtete Sharky tropfend und ließ sich von Ken beim Ablegen der Ausrüstung helfen. &#8222;Das Schiff ist nur etwa hundert Meter lang und ziemlich stark bewachsen, ich schätze, dass es schon mindestens zehn Jahre da unten liegt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Dann können wir uns den Tauchgang also sparen?&#8220; fragte Ramón enttäuscht.</p>
<p>&#8222;Nein, nein, geht ruhig runter.&#8220; Sharky zögerte. Seine Stimme klang ernst. &#8222;Irgend etwas kam mir an diesem Wrack seltsam vor. Ich würde gerne hören, was du davon hälst.&#8220;</p>
<p>&#8222;Geht klar. Habt ihr versucht, reinzukommen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein. Aber ihr könntet es probieren, über die Brücke müßte es eigentlich gehen. Vielleicht schafft ihr es, das Logbuch zu finden. Falls es sich noch nicht aufgelöst hat.&#8220;</p>
<p>Sandys Herz schlug schnell, als sie und Ramón sich bereit machten. Sie klinkte eine starke Lampe und eine Seilrolle an ihr Jacket; beides würde sie im Wrack brauchen. Dann war es auch schon soweit, kopfüber tauchten sie an der Abstiegsleine hinunter. Je tiefer sie kamen, desto größer und deutlicher wurde der riesige Schatten unter ihnen. Schon bald erkannte Sandy die Konturen eines nach oben ragenden Schiffsbugs, an dem ein Anker befestigt war. Ein Schwarm Barrakudas, die wie Dutzende silbriger Nadeln aussahen, schienen das Wrack zu bewachen.</p>
<p>Sie tauchten am Deck hinunter, das sehr schräg stand und umkreisten das von Korallen verkrustete Ruderhaus. Neugierig schwammen Caruso und Rocky um sie herum und nahmen das Wrack in Augenschein. Wie sie und Ramón es abgesprochen hatten, tauchten sie erst einmal um das Wrack herum. Es hatte sich tief in den Sandboden gebohrt, das ganze Heck war förmlich verschwunden.</p>
<p>Sandy wunderte sich, warum Ramón den Boden um das Wrack so genau musterte. Schließlich nahm er eine wasserfeste Schreibtafel aus der Tasche seines Jackets, schrieb darauf: ICH BRAUCHE EINE CA. EINEINHALB METER LANGE METALLSTANGE. SCHICKT SIE BITTE MIT CARUSO ZU UNS RUNTER.</p>
<p>Wozu brauchte er denn sowas? Na ja, er würde schon seine Gründe haben. Sandy rief Caruso heran, hielt ihr die Tafel hin und signalisierte ihr Bring Gegenstand zu Schiff. Begeistert, dass es etwas zu tun gab, schoss Caruso mit der Tafel im Schnabel davon. Wenige Minuten später war sie zurück und stupste Sandy an, bis die ihr den Netzbeutel mit der Stange abnahm. Ramón stocherte im Boden herum, schüttelte dann den Kopf und schickte die Stange wieder nach oben.</p>
<p>Sandy checkte ihren Luftvorrat. Wenn wir noch ins Wrack reinwollen, sollten wir es bald machen, dachte sie, faßte Ramón am Ärmel und deutete auf das gesunkene Schiff. Er nickte. Sie tauchten zur Brücke, die in zwanzig Meter Tiefe lag, und spähten hinein. Ein fetter Meeraal hatte sich hier häuslich eingerichtet, und ein paar Falterfische tänzelten durch die Kabine, in der einst die Besatzung gestanden hatte. Instrumente und Steuerrad waren intakt, aber alle losen Gegenstände &#8211; und wahrscheinlich auch das Logbuch &#8211; waren bestimmt ins Innere geschleudert worden, als das Schiff mit dem Heck voran gesunken war. Sehen konnte man das nicht, weiter innen im Wrack herrschte tiefe Dunkelheit.</p>
<p>Ramón bedeutete ihr, am Eingang der Brücke zu warten. Er machte das eine Ende seiner Seilrolle an einem Stück Metall fest und zog die Leine hinter sich her, damit er ihr später nach draußen folgen konnte und sich nicht im Wrack verirrte. Dann schob er sich geschickt durch die Tür. Mit langsamen, vorsichtigen Bewegungen arbeitete er sich ins Innere des Schiffs vor und war bald außer Sicht.</p>
<p>Die Strömung war nicht stark, Sandy konnte sich mit wenigen Flossenschlägen auf ihrer Position halten. Warum soll ich hier warten? dachte sie ärgerlich. Hatten wir nicht geplant, dass ich auch mit reingehe, wenn der Einstieg gross genug ist? Ich hätte mir das Wrack auch gerne genauer angesehen! Nach einer Weile gab sie ihrer Neugier nach, spähte durch die Tür ins Innere des Schiffs und leuchtete umher. Diese Räume hinter der Brücke sahen aus wie Offiziersquartiere. Vielleicht fanden sich dort Aufzeichnungen. Kann bestimmt nicht schaden, wenn ich schnell nachsehe, dachte Sandy und zwängte sich ebenfalls ins Schiff &#8211; sehr vorsichtig, damit sie nicht mit den Pressluft-Flaschen an irgend etwas hängenblieb.</p>
<p>Der Lichtkegel ihrer Lampe wanderte über die Wände, über einen umgestürzten Stuhl, eine auf dem Boden liegende Kaffeetasse, die wie durch ein Wunder nicht zerbrochen war. Sandy hielt eine Hand an der Sicherheitsleine, die ihr den Weg nach draußen und zu Ramón wies. Sie hob die Tasse auf, wischte sie sauber und las die Aufschrift darauf. Es war das Werbegeschenk einer amerikanischen Elektronikfirma. Also war es vermutlich ein Schiff aus den USA.</p>
<p>Sandy schwamm weiter. Auf der anderen Seite des Gangs sah sie einen Raum, der ebenfalls sehr interessant aussah. Seine Tür stand offen, hatte sich irgendwie verkeilt. Sandy leuchtete hinein. Hm, da lagen einige Gegenstände. Würde bestimmt nicht schaden, wenn sie schnell nachsah, ob irgend etwas Nützliches dabei war. Das Problem war, dass sie dafür die Sicherheitsleine loslassen musste. Na ja, das war bestimmt nicht schlimm. Sie war nicht tief im Schiff, höchstens drei oder vier Meter. Von hier aus konnte sie problemlos wieder hinausfinden. Sandy überlegte, ob sie schnell eine eigene Leine legen sollte, und entschied sich dagegen. Das kurze Stück konnte sie bestimmt ohne Leine auskommen.</p>
<p>Kurzentschlossen tauchte sie in den anderen Raum hinein. Zwei Kojen, vermoderte Gepäckstücke, ein Buch, das im Wasser schwebte und sich schon fast völlig aufgelöst hatte&#8230; Die Sicht wurde schlechter, es war, als würde Nebel aufkommen. Sandy blickte auf und sah, dass die Luftblasen, die aus ihrem Gerät drangen, Rostpartikel von der Decke lösten. O je! Kein Wunder, dass Ramón Rebreather bevorzugte, die keine Blasen erzeugten.</p>
<p>Durch die Herumguckerei war sie ein Stück abgesackt und schlug mit den Flossen, um sich wieder in der Mitte des Raumes in der Schwebe zu halten. Doch das war ein Fehler. Ihre Bewegungen wirbelten Dreck auf, der sich auf dem Boden abgelagert hatte. Dicke dunkle Wolken wallten auf und nahmen ihr die Sicht. Scheiße, dachte Sandy. Sie konnte nicht mal mehr den Lichtkegel ihrer Lampe erkennen. Nichts wie raus hier!</p>
<p>Sie tastete blind herum, suchte die Tür, prallte gegen eine Metallfläche. Es gab einen Rums.Obwohl die Druckwelle nicht stark war, wurde Sandy ein Stück zurückgeworfen. Einen Moment lang wusste sie in der Dunkelheit nicht mehr, wo oben und unten war. Was war da eben passiert? Entsetzen krallte sich in ihre Gedanken. Ihr Atem ging schnell. Sandy tastete an den Wänden entlang. Irgendwo musste doch die Tür sein, der Weg nach draußen! Aber da war nichts. Die Tür war zugefallen. Sie rüttelte am Griff, aber der war so verrostet, dass er abfiel. Auch, als sie sich gegen die Tür stemmte, passierte nichts.</p>
<p>Sie war in zwanzig Meter Tiefe gefangen.</p>
<p>Und Ramón wusste nicht, wo er sie suchen sollte!</p>
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		<title>Leseprobe aus DelfinTeam 3</title>
		<link>https://www.katja-brandis.de/2009/07/05/leseprobe-aus-ritt-auf-der-brandung-delfinteam-band-3/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 06:59:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tierabenteuer-Leseproben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leseprobe aus DelfinTeam 3 Aus dem 1. Kapitel Weihnachtsüberraschung &#8222;Fröhliche Weihnachten, Sandra!&#8220;, sagte ihre Mutter und umarmte Sandy. Irgendwie unwirklich, dachte Sandy. Draußen waren es fünfundzwanzig Grad im Schatten, der Himmel war von einem kräftigen Blau. Aber am Datum war nichts zu rütteln, es war der 24. Dezember. Wahrscheinlich würde...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leseprobe aus <a href="https://www.katja-brandis.de/2009/07/05/delfinteam-3-ritt-auf-der-brandung/">DelfinTeam 3</a></strong></p>
<p><strong>Aus dem 1. Kapitel Weihnachtsüberraschung</strong></p>
<p>&#8222;Fröhliche Weihnachten, Sandra!&#8220;, sagte ihre Mutter und umarmte Sandy.<br />
Irgendwie unwirklich, dachte Sandy. Draußen waren es fünfundzwanzig Grad im Schatten, der Himmel war von einem kräftigen Blau. Aber am Datum war nichts zu rütteln, es war der 24. Dezember. Wahrscheinlich würde sie lange keinen Schnee mehr sehen. Aber das war ihr herzlich egal. Hier in Florida gab es dafür andere schöne Dinge. Palmen. Pelikane. Und vor allem Delfine. Jede Menge Delfine.<br />
&#8222;Schön, dass du da bist, Mama! Warte, ich nehm deinen Koffer&#8220;, sagte Sandy und wuchtete den Samsonite ihrer Mutter auf einen Gepäckwagen. &#8222;Mein Auto steht draußen. Es ist nicht weit bis zu The Deep, in einer Viertelstunde sind wir da.&#8220;<br />
Als die automatischen Türen vor ihnen zurückwichen und sie draußen standen, sog Christine Weidner die tropisch-schwüle Luft tief ein. &#8222;Genauso habe ich mir Key West vorgestellt!&#8220;<br />
&#8222;Na ja, es kann auch ganz anders sein.&#8220; Sandy mühte sich dann ab, den Koffer in ihren alten roten Toyota zu stopfen. Warum musste ihre Mutter immer so viel Kram mitnehmen? Als ob es bei The Deep darauf ankäme, schick angezogen zu sein! &#8222;Letzte Woche hatten wir einen fetten Sturm. Wir haben zwei Tage gebraucht, bis wir alles wieder aufgeräumt und repariert hatten.&#8220;<span id="more-106"></span><br />
Es war Trainingszeit, als sie in der Zentrale ankamen. Schon von weitem hörte Sandy die Pfiffe, das Knarren und Klacken der Delfine &#8211; Geräusche, die ihr Herz immer noch höher schlagen ließen. Yurikos Lachen und Marks Stimme wehten herüber. Sieht aus, als hätte sich Marks Partner Skipper inzwischen von der Sturmpatrouille erholt, dachte Sandy und schloss den Bungalow Nr. 11 auf, der zwischen blühenden Hibiscusbüschen lag. Drinnen war es dunkel und kühl, sie hatte extra die Jalousien unten gelassen. &#8222;So, das hier ist dein Quartier. Stell einfach dein Zeug ab, dann gehen wir runter zum Fluthaus.&#8220;<br />
Christine Weidner ließ sich auf das einfache Bett sinken und zündete sich eine Zigarette an. &#8222;Gib mir noch einen Moment. Meine Güte, bin ich müde!&#8220;<br />
&#8222;Deinen Jetlag kannst du ein andermal ausschlafen&#8220;, sagte Sandy fröhlich. &#8222;Die ganze Zeit hast du gesagt, dass du meinen Delfin kennen lernen willst, da gilt Schwächeln nicht! Hast du daran gedacht, wasserfeste Sandalen mitzubringen?&#8220;<br />
&#8222;Ich habe mir welche gekauft. Wahrscheinlich werde ich sie nie wieder brauchen, wenn ich zurück in Frankfurt bin.&#8220; Ihre Mutter ließ eine Rauchwolke zur Decke steigen. &#8222;Und dein neuer Freund, der Exkampfschwimmer, ist der zur Zeit auch hier? Auf den bin ich ehrlich gesagt noch neugieriger. Und dieser Sharky, von dem du so viel erzählt hast?&#8220;<br />
Sandy freute sich, dass ihre Mutter es geschafft hatte, sich die Namen ihrer Freunde zu merken. Normalerweise hatte sie ein Gedächtnis wie ein Sieb. &#8222;Ja, Ramón ist da, er geht erst nächste Woche wieder auf einen Einsatz &#8211; jetzt gerade trainiert er seinen Partner Rocky im offenen Meer. Sharky ist zur Zeit in Australien, er ist letzte Woche abgedüst. Janine hat mit Ecco heute eine Wrackbergung. Aber Yuriko kannst du kennen lernen, mit der verstehe ich mich auch sehr gut.&#8220;<br />
&#8222;Na, dann los&#8220;, sagte ihre Mutter und drückte ihre Zigarette aus. Sie gingen über einen der schmalen Fußpfade Richtung Wasser. Vom Dammweg aus blickten sie über die künstliche Lagune. Vom Meer fächelte eine nach Salz riechende Brise herüber. &#8222;Wunderschön ist das hier&#8220;, sagte Christine Weidner.<br />
Jetzt bin ich ja mal gespannt, ob sie und Caruso etwas miteinander anfangen können!, dachte Sandy. Alles, was ihre Mutter bisher mit Tieren zu tun gehabt hatte, war, hin und wieder eine Spinne zu erschlagen. Da sie als Krankenhausärztin viel Schichtdienst hatte, waren Haustiere nie ein Thema gewesen. Sandy hatte jahrelang vergeblich um einen Hund gebettelt.<br />
Sie wateten in das türkisfarbene Wasser der Lagune hinaus. Es roch nach Sonne und Meer. Auf einem Pfosten der Schleuse, die ins Meer führte, hockte ein rosa-weißer Pelikan und verdaute mit philosophischer Miene seine letzte Mahlzeit.<br />
Yuriko, eine zierliche Gestalt im Bikini, winkte ihnen zu. Sandy winkte zurück. &#8222;Das ist Yuriko &#8211; sie hat Caruso für mich betreut, während ich dich abgeholt habe&#8220;, erklärte sie und hielt das Handgelenk, an dem sie ihr Dolcom trug, ins Wasser. Sie hatte kaum Gelegenheit, den Rufknopf zu drücken, da schoss unter Wasser ein grauer Blitz heran. Caruso reckte den glänzenden Kopf aus dem Wasser und atmete schnaufend.<br />
&#8222;He, da bist du ja!&#8220;, lachte Sandy, machte die Hallo-Geste und fragte dann Caruso OK? in Dolslan. Training anstrengend? Ihre Hände bewegten sich wie von selbst, sie musste längst nicht mehr darüber nachdenken, welche Zeichen sie benutzen sollte.<br />
Caruso beobachtete sie aus dunklen Augen aufmerksam. Training gut, Mensch Yuriko viel gut!, übersetzte das Dolcom ihre Pfiffe.<br />
Sandy legte einen Arm um ihre Mutter um Caruso zu zeigen, dass sie nicht einfach eine normale Besucherin war. Caruso tauchte den Kopf wieder ins Wasser und ortete sie mit ihrem Sonar. &#8222;He, das kribbelt!&#8220;, rief Christine Weidner. &#8222;Ist das Ultraschall?&#8220;<br />
&#8222;Genau. Für Delfine ist es eine Art natürliches Radar. Ein sechster Sinn.&#8220; Sandy sah, dass ihre Mutter sich nicht so recht traute Caruso anzufassen und legte die Hand auf Carusos Rücken. &#8222;Du kannst sie ruhig streicheln. Die Hände hast du dir doch gewaschen, oder? Achtung, dass du ihrem Blasloch nicht zu nahe kommst, da sind Delfine empfindlich.&#8220;<br />
&#8222;Du bist ja eine Hübsche&#8220;, sagte ihre Mutter und tätschelte Caruso ungeschickt. Brav hielt Sandys Partnerin still und Sandy belohnte sie mit einem lautlosen Applaus für ihre Geduld. Sie war froh, dass Caruso mit Fremden schon viel besser zurechtkam als am Anfang.<br />
Inzwischen war Yuriko herangekommen, sie ließ sich von Kiara auf einer Luftmatratze an Land zurückschieben. &#8222;Hallo, Mrs. Weidner! Wollen Sie sich bei ihr noch beliebter machen?&#8220;, fragte sie und reichte Sandys Mutter einen Fisch. Hoffentlich gibt&#8217;s jetzt kein &#8222;Igitt!&#8220;, schoss es Sandy durch den Kopf. Doch Christine Weidner nahm den kalten, glitschigen Hering in die Hand ohne eine Miene zu verziehen. Wahrscheinlich ist sie aus dem Krankenhaus viel ekligere Dinge gewohnt, dachte Sandy und beobachtete, wie ihre Mutter den Fisch zögernd in Carusos aufgesperrtes Maul fallen ließ. &#8222;Oje, die hat ja eine ganze Menge Zähne, deine Partnerin … wieviele Wörter kann sie eigentlich inzwischen?&#8220;<br />
&#8222;Über achtzig&#8220;, sagte Sandy stolz. Sie wollte Caruso ein paar Übungen vorführen lassen &#8211; doch dann sah sie aus den Augenwinkeln, dass ein weißer Mast jenseits der Lagune auftauchte. &#8222;Das ist die Esperanza II! Ramóns Schiff. Komm, gehen wir mal runter zum Anlegesteg.&#8220;<br />
Caruso kam natürlich mit. Sie schwamm über die Schleuse ins Meer und war noch vor Sandy am Bootssteg. Dort tummelte sich schon Rocky, und Ramón war damit beschäftigt, sein Tauchzeug aus dem Katamaran zu laden. Er trug eine schwarze Shorts, eins der königsblauen T-Shirts mit dem The-Deep-Logo und eine Basecap. Jack, sein großer Mischlingshund, kam wedelnd auf Sandy zu und begrüßte sie stürmisch.<br />
Wir sind schon ein ganz schön auffälliges Paar, Ramón und ich, dachte Sandy, während sie Jack die Ohren kraulte. Eine kleine Deutsche mit Lockenkopf und ein hoch gewachsener Kubaner mit milchkaffeefarbener Haut … in Deutschland würden die Leute wahrscheinlich glotzen …<br />
Ramón wuchtete seine Tauchtasche auf den Steg und schaute ihnen entgegen. Es berührte Sandy tief im Herzen, dass er so unbeschwert und glücklich aussah. Nach dem schlimmen Einsatz im Bermuda-Dreieck vor einem Monat hatte er es noch schwerer gehabt als die anderen Mitarbeiter von The Deep: weil er sein Schiff und seinen sämtlichen Besitz verloren hatte, besaß er fast nichts mehr aus seinem alten Leben. Doch seit er einen neuen Katamaran hatte, ging es ihm deutlich besser. Er hatte es sogar geschafft, seinen wasserscheuen Malerfreund Churchill zu einem Bootsausflug zu überreden. Inzwischen hingen drei abstrakte Ölbilder in leuchtenden Farben in der Kabine der Esperanza II &#8211; der Grundstock einer neuen Sammlung.<br />
Sandy umarmte Ramón, und er küsste sie ohne sich darum zu kümmern, dass ihre Mutter zusah. Sein sehniger Körper war warm von der Sonne und roch nach Salz und Meerwasser.<br />
Ramón wandte sich Sandys Mutter zu. &#8222;Hi, Mrs Weidner! Guten Flug gehabt?&#8220;<br />
&#8222;Buenos Dias&#8220;, sagte Christine Weidner fröhlich. &#8222;Sí, ich hatte einen guten Flug. Das war leider auch schon mein ganzes Spanisch …&#8220;<br />
&#8222;Macht nichts&#8220;, meinte Ramón und grinste. &#8222;Guten Tag, Danke und sowas kann ich inzwischen auch in Deutsch sagen, aber nicht viel mehr.&#8220;<br />
Glück gehabt &#8211; sah aus, als würden sich die beiden verstehen.<br />
Am Abend saßen sie im Fluthaus, bis zu den Knien im Wasser; zwischen ihnen schwammen die Delfine umher. Sandy hatte sich mit ihrer Mutter darauf geeinigt, dass sie die Geschenke erst morgen früh auspacken würden, so wie es in Amerika Sitte war. Heute war erst mal die Fresserei dran. Mark und Sue hatten gekocht &#8211; es gab gegrillten Snapper &#8222;Hawaiian Style&#8220;. Yuriko hatte dazu eine Ananas-Bowle gebraut, und zum Nachtisch hatte Sandy eine Orangencreme mit Amaretto vorbereitet.<br />
&#8222;Mmh, lecker! So ein Weihnachtsmenü werde ich wahrscheinlich nicht so schnell wieder bekommen!&#8220;, schwärmte ihre Mutter und nahm sich noch eine zweite Portion Fisch. Sharky hätte es auch geschmeckt, dachte Sandy wehmütig &#8211; gegrillter Snapper war eines seiner Lieblingsessen.<br />
&#8222;Hat eigentlich schon einer von euch &#8217;ne Mail von Sharky gekriegt?&#8220;, fragte sie in die Runde. &#8222;Mir hat der treulose Kerl noch kein einziges Mal geschrieben. Dabei würde mich ja schon interessieren, ob ihn das mit seinem Bein am Surfen hindert oder nicht.&#8220;<br />
Sie hatte sich noch nicht an den Gedanken gewöhnen können, dass sie ihren besten Freund jetzt ein halbes Jahr lang nicht sehen würde. Er war in sein Heimatland Australien zurückgekehrt, um dort wieder das Wellenreiten anzufangen. Die anderen The Deep-Mitarbeiter hatten ihr erzählt, dass Sharky einmal ein sehr guter Surfer gewesen war &#8211; bis ein Tigerhai ihn am Bein erwischt hatte. Selbst jetzt noch hinkte Sharky deutlich.<br />
&#8222;Wenn er sich nicht meldet, heißt das bei Sharky, dass alles in Ordnung ist&#8220;, sagte Gregory Arrowsmith, der Chef und Gründer von The Deep. &#8222;Aber ich werde ihn trotzdem morgen mal anrufen.&#8220; Greg hatte Sharky kurz vor seiner Abreise offiziell zu seinem Stellvertreter gemacht; inoffiziell war er schon längst einer der wichtigsten Mitarbeiter von The Deep gewesen.<br />
&#8222;Ich möchte gar nicht wissen, wie heiß es jetzt in Australien ist &#8211; da unten ist jetzt Hochsommer&#8220;, sagte Yuriko und neckte Kiara, indem sie sie spielerisch an der Rückenflosse zog. &#8222;Wahrscheinlich wird Sharky genauso braun sein wie Ramón, wenn er zurückkommt …&#8220;<br />
&#8222;Was haben Sie demnächst für einen Einsatz, Ramón?&#8220;, fragte Christine Weidner.<br />
Ramón nippte an seinem Glas Bowle, verzog das Gesicht und schenkte sich stattdessen zwei Fingerbreit Whisky ein. &#8222;Drei Wochen Mittlerer Osten mit Rocky, Greg und Little Joe. Wir sollen Supertanker durch gefährliche Gewässer eskortieren und bei der Gelegenheit möglichst viele Minen orten und aus dem Meer holen.&#8220;<br />
&#8222;Ach du Scheiße!&#8220; Christine Weidner sah ihn erschrocken an.<br />
&#8222;Halb so wild&#8220;, erwiderte Ramón höflich. &#8222;Wenn man weiß, was man macht, ist es nicht viel riskanter, als in Downtown Miami bei Rot über die Straße zu gehen.&#8220;<br />
Sandy fand es selbst schwer zu sagen, warum sie nicht oft Angst um Ramón hatte. Vielleicht, weil er wirklich wusste, was er tat &#8211; durch seine Ausbildung bei einer Eliteeinheit der US-Navy war er der mit Abstand beste Taucher und Seemann bei The Deep.<br />
In diesem Moment klingelte das Telefon. Greg ging hoch zu den Verwaltungsbüros um dranzugehen. Erst zehn Minuten später kam er wieder. Er wirkte beunruhigt. &#8222;Sandy kommst du mal? Sharky ist dran. Er will dich sprechen.&#8220;<br />
Sharky?! Sandy sprang auf und platschte hoch in den ersten Stock, in Gregs Büro. Wie schön, dass er sich doch noch meldete! Sie fragte sich, warum Greg so komisch dreinschaute.<br />
Schnell nahm sie sich den Hörer. &#8222;Na, du? Hast du schon deine ersten Känguruhs gesehen?&#8220;<br />
Sie erkannte seine Stimme mit dem breiten australischen Akzent sofort. &#8222;Nee. An der Gold Coast gibt&#8217;s nicht so viele. Wie geht&#8217;s dir? Ihr feiert gerade, habe ich gehört …&#8220;<br />
Sandy berichtete von der Ankunft ihrer Mutter und deren erster Begegnung mit Caruso. &#8222;Aber jetzt erzähl du doch mal &#8211; gefällt dir deine alte Heimat noch? Wie klappt es?&#8220;<br />
&#8222;Das kann ich dir sagen.&#8220; Sharky klang plötzlich verbittert. &#8222;Gar nichts klappt. Das ist das totale Chaos hier unten. Eigentlich sollten mindestens drei Teams von dieser Niederlassung aus arbeiten, Haipatrouillen und Rettungseinsätze machen. Aber zur Zeit ist nur noch eins übrig, Nolan und Sierra.&#8220;<br />
&#8222;Oje, wieso denn das?&#8220;<br />
&#8222;Ein Delfin ist gestorben und einer der Menschen hat gekündigt und seinen Partner Floyd im Stich gelassen. Jetzt trauert Floyd und frisst nicht mehr. Wahrscheinlich werde ich Weihnachten damit verbringen, an seinem Becken zu hocken und ihn zu überreden, wenigstens einen Fisch anzunehmen.&#8220;<br />
Sandy wusste, dass es für einen Delfin spätestens nach zwei Tagen ohne Futter kritisch wurde. &#8222;Hoffentlich kommt er durch!&#8220;<br />
&#8222;Das Problem ist auch: wenn ich es nicht schnell schaffe, hier alles wieder in Ordnung zu bringen, kriegt The Deep ganz großen Ärger &#8211; vor ein paar Monaten ist ein neuer Stadtrat gewählt worden, der uns das Leben schwer macht. Er gilt als tüchtig und unbestechlich, aber auch als sehr streng.&#8220;<br />
&#8222;Meinst du, du schaffst es, das wieder hinzukriegen?&#8220; Nach dem Surfen wagte Sandy gar nicht mehr zu fragen.<br />
Sie hörte, wie Sharky tief durchatmete. Dann sagte er: &#8222;Allein nicht, fürchte ich. Ich brauche dich hier unten, Sandy. Dich und Caruso. Greg hat schon zugestimmt. Komm so schnell wie möglich her. Bitte.&#8220;<br />
In Sandys Kopf wirbelten die Gedanken herum. Wie? Was? Sie sollte nach Australien? &#8222;Ich … aber …&#8220;<br />
&#8222;Ein Monat würde wahrscheinlich reichen, das würde mich schon wahnsinnig entlasten&#8220;, sagte Sharky, und Sandy hörte, wie erschöpft er klang. Der Arme &#8211; dabei hatte er sich so darauf gefreut, nach Australien zurückzukehren! Das Problem war, dass sein Anruf ihr jetzt gerade überhaupt nicht in den Kram passte. Ihre Mutter wollte eine Woche bleiben &#8211; sie hatten sich ein Dreivierteljahr nicht gesehen. Sandy freute sich schon darauf, mit ihr in Miami umherzuschlendern, die Everglades anzuschauen, in Key West Cocktails zu schlürfen. Und was würde Ramón sagen? Er und Sharky hatten zwar einen Waffenstillstand geschlossen, aber gefallen würde es ihm ganz sicher nicht, dass sie einen ganzen Monat mehr oder weniger allein mit seinem Rivalen verbrachte …<br />
So Leid es ihr tat, es ging einfach nicht. Aber sie brachte es nicht übers Herz, es ihm gleich zu sagen. &#8222;Ich überlege es mir und rufe dich zurück, okay?&#8220;, sagte Sandy.<br />
Das Herz war ihr schwer. Es war kein schönes Gefühl, Sharky im Stich lassen zu müssen. Leise tappte sie hoch zum vorderen Balkon des Fluthauses. Von hier aus konnte sie über die Lagune hinwegblicken, in der sich der Mond spiegelte. In der Dunkelheit und Stille spürte sie, wie sich ihre Gedanken langsam klärten. Warum wollte er ausgerechnet Caruso und sie &#8211; warum keinen von den anderen, die mehr Erfahrung hatten? Doch Sandy ahnte die Antwort schon. Ich bin die Einzige, die er an sich heranlässt, dachte sie. Den anderen zeigt er immer noch die coole Fassade. Keinem anderen als mir gegenüber hätte er zugegeben, dass er Hilfe braucht.<br />
Sandy stellte sich vor, was Sharky an ihrer Stelle getan hätte. Wäre er gekommen? Sie erinnerte sich daran, wie er ihr am Anfang mit Carusos Ausbildung geholfen hatte. Wie er mit ihr um zwei Uhr nachts vor ihrem Bungalow gesessen hatte, als sie nach Hollys Tod diese Krise gehabt hatte. Wie er mit Mark nach Jamaika geflogen war um nach ihr zu suchen. Wie er ihr nach dem gescheiterten Wracktauchgang im Bermuda-Dreieck zu Hilfe gekommen war. Wie sie sich in San Juan zusammen auf das feindliche Schiff geschlichen hatten.<br />
Sie schob ihm im Geiste Antworten in den Mund. Geht leider nicht, meine Mutter ist gerade zu Besuch. Das verstehst du doch. Oder: Meine Freundin hat leider etwas dagegen. Sorry.<br />
Nein, so was hätte Sharky nicht gesagt. Er hätte gar nichts gesagt und am nächsten Tag vor der Tür gestanden.<br />
In ihr kristallisierte sich eine neue Entscheidung heraus. Aber erst wollte sie noch Caruso fragen. Schließlich wäre der lange Flug für sie sehr anstrengend.<br />
Sandy kletterte die Außentreppe nach unten und watete in das dunkle Wasser der Lagune hinein. Sie hörte das Plätschern von Flossen, dann das Knarren und Quietschen eines Delfins. War es Caruso? Sandy setzte sich ins Wasser, und der Delfin versuchte sofort sich an sie zu schmiegen. Ja, es war Caruso. Ihre beste Freundin. Lächelnd legte Sandy die Arme um ihren großen Körper. Dann hob sie die Hände, sprach lautlos in Dolslan mit ihr. Das Mondlicht reichte dafür völlig aus, Delfine sahen gut im Dunkeln. Sharky Probleme. Caruso und Sandy helfen Sharky? Transport viel viel weit.<br />
Es dauerte eine Weile, bis Caruso antwortete. Ihre dunklen Augen schimmerten im schwachen Licht. Schließlich begann ihre Partnerin zu pfeifen. Helfen Sharky ja!, las Sandy im beleuchteten Display des Dolcoms.<br />
&#8222;Ja, ich glaube, das ist eine gute Idee&#8220;, sagte Sandy und streichelte ihrer Partnerin Rücken und Flanke. Ihre Haut fühlte sich glatt und feucht an wie ein frisch gepelltes Ei.<br />
Nach ein paar Minuten schob sie Caruso sanft weg und ging zurück ins Büro. Sie wählte die Nummer, die Sharky ihr gegeben hatte. &#8222;Geht klar&#8220;, sagte sie. &#8222;Ich komme runter.&#8220;<br />
&#8222;Danke&#8220;, sagte Sharky einfach.<br />
Greg wartete im anderen Büro auf sie. Er blätterte in einer alten Ausgabe von Marine Biology und schaute auf, als er sie in der Tür stehen sah. &#8222;Du machst es also?&#8220;<br />
&#8222;Ja &#8211; wenn ich&#8217;s mir genau überlege, wollte ich immer mal nach Australien&#8220;, antwortete Sandy. Sie fühlte sich ganz leicht und fröhlich. Komisch, manchmal spürte man es, wenn man die richtige Entscheidung getroffen hatte. Dann waren alle Zweifel plötzlich weg.<br />
&#8222;Das ist gut. Sharky hält große Stücke auf dich &#8211; wie ich übrigens auch&#8220;, meinte Greg. In Gedanken versunken spielte er mit der Kaurimuschel auf seinem Schreibtisch. &#8222;Wird nicht ganz einfach, über die Feiertage euren Transport zu organisieren. Aber das schaffen wir schon. Gib Caruso ab sofort nichts mehr zu fressen, du weißt ja, sie muss für den Flug einen leeren Magen haben.&#8220;<br />
&#8222;Äh, ja, gut&#8220;, sagte Sandy, verwirrt von dem Lob &#8211; sowas hörte man nicht oft von Greg. Nachdenklich machte sie sich auf den Weg zurück ins Erdgeschoss.<br />
Ihre Mutter hatte sich mit Yuriko festgequatscht und bemerkte nicht, dass etwas nicht in Ordnung war. Aber Ramón schien wie immer sofort zu spüren, was in Sandy vorging. &#8222;Alles klar?&#8220;, fragte er leise.<br />
&#8222;Eigentlich schon&#8220;, sagte Sandy und beugte sich zu ihm hinüber um ihn zu küssen. &#8222;Aber ich fliege in den nächsten Tagen nach Australien. Sharky ist in Schwierigkeiten.&#8220;<br />
&#8222;Was für Schwierigkeiten?&#8220;, fragte er. Als sie es ihm erzählt hatte, zog Ramón eine Grimasse. &#8222;Klingt übel. Trotzdem hoffe ich, er holt dich nicht mit dem Hintergedanken nach Australien, dass er dich dort in Ruhe anbaggern kann. Ich habe gemerkt, wie er dich auf dieser letzten Versammlung angesehen hat …&#8220;<br />
O nein, nicht schon wieder diese verdammte Eifersüchtelei. Sie entschied sich für einen lockeren Ton, obwohl ihr nicht danach zumute war. &#8222;Machen wir&#8217;s doch einfach so &#8211; du hältst dich von den Wüstenprinzessinnen fern und ich fange dafür nichts mit Sharky an! Wir sind einfach nur Freunde, das weißt du.&#8220;<br />
&#8222;Klar, ich weiß das &#8211; aber weiß er das auch?&#8220;<br />
&#8222;Er weiß, dass ich mit dir zusammen bin. Ende der Diskussion!&#8220;<br />
Inzwischen war auch ihre Mutter aufmerksam geworden. Also erzählte Sandy auch ihr, was los war. &#8222;Soll das heißen, dass ich den Rest der Woche allein verbringen muss?&#8220;, fragte sie und ihre Lippen waren auf einmal ganz schmal. &#8222;Weißt du überhaupt, wie schwierig es war, vom Krankenhaus ein paar Tage frei zu bekommen?&#8220;<br />
Sandy spürte, wie sie ärgerlich wurde. Was konnte sie denn dafür? Und schließlich hatte ihre Mutter sich nie dafür entschuldigt, dass sie Sandy als Kind so oft allein gelassen und bei der Oma abgegeben hatte! Die Klinik hatte immer Vorrang gehabt.<br />
Mühsam schluckte Sandy ihren Ärger hinunter. Sie wollte jetzt keinen Streit. Besser, sie versuchte von Weihnachten noch zu retten, was zu retten war. &#8222;Es tut mir auch Leid, dass es sich jetzt so ergeben hat. Aber ich glaube sowieso nicht, dass Greg so schnell einen Flug für Caruso und mich findet. Schließlich können wir nicht einfach einen Platz in einer Linienmaschine buchen und losjetten. So bequem ist es leider nicht, mit einem Delfin zu reisen.&#8220;<br />
&#8222;Schon gut&#8220;, seufzte Christine Weidner. &#8222;Job ist eben Job, ich kenne das ja.&#8220;<br />
Nein, dachte Sandy. Nur irgendeines Auftrags wegen hätte ich es nicht getan. Aber sie versuchte es nicht zu erklären um die Sache nicht noch schlimmer zu machen.<br />
Sie wateten durch das kniehohe Wasser in die Küche um den Nachtisch vorzubereiten. Ihre Mutter folgte ihr. Im Wohnraum hatten sie mit den anderen Englisch gesprochen, aber jetzt, wo sie alleine waren, schaltete Sandy auf Deutsch um. &#8222;Weißt du was? Ich komme im März oder so mal nach Deutschland. Durch den Bonus für den Bermuda-Einsatz kann ich&#8217;s mir leisten.&#8220;<br />
&#8222;Ja, so machen wir&#8217;s&#8220;, meinte ihre Mutter etwas besänftigt und half die Orangencreme in Schalen zu füllen &#8211; oder versuchte es zumindest. Denn Kiara manövrierte pfeifend und Knacklaute von sich gebend in der Küche umher und versuchte sich zwischen sie und den Tisch zu schieben.<br />
&#8222;Ignorier sie einfach&#8220;, empfahl Sandy und zerlegte eine Orange, um die Scheiben als Deko oben auf die Creme zu kleben. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie gerade anfing sich auf die Reise zu freuen. Seit ihrer Kindheit war Australien für sie ein magisches Land. Ihr Vater hatte mal ein halbes Jahr dort gelebt und ihr einen eigenartigen Anhänger mitgebracht, den sie immer noch besaß. Damals hatte er behauptet, es sei die Schuppe einer Meerjungfrau, und ihr ein Märchen dazu erzählt. Daran glaubte sie natürlich längst nicht mehr. Aber sie hatte auch nicht herausgefunden, was es sein konnte. Noch mal zu fragen war schwierig &#8211; ihr Vater lebte schon seit einiger Zeit bei seinem Guru in Indien und schickte nur hin und wieder mal eine Postkarte.<br />
&#8222;Was hat Papa damals in Australien eigentlich genau gemacht?&#8220;, fragte Sandy.<br />
&#8222;Herumreisen, Kiffen und hin und wieder ein bisschen Jobben, schätze ich&#8220;, meinte ihre Mutter bitter. &#8222;Während ich mit dir daheim gesessen bin und verzweifelt versucht habe irgendeine Betreuung für dich zu organisieren.&#8220;<br />
&#8222;Hat er sich damals auch schon für Religionen interessiert?&#8220;<br />
&#8222;Ja, aber wenn ich geahnt hätte, dass er schon ein paar Jahre später in diesen verdammten Ashram verschwinden und nie wiederkommen würde, hätte ich nicht mit ihm diese dämlichen Meditationsseminare gemacht!&#8220;<br />
Sandy gab auf. Es hatte keinen Sinn, mehr über ihren Vater erfahren zu wollen. Ihre Mutter regte sich nur auf, wenn das Thema auf ihn kam.<br />
&#8222;So&#8220;, sagte Sandy und stellte Kiara ein Schälchen fertig dekorierte Orangencreme auf den Rücken. &#8222;Wenn du schon hier rumhängst, Fräulein, kannst du dich auch nützlich machen. Bring Gegenstand Yuriko.&#8220;</p>
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		<title>Leseprobe aus &#8222;Der Elefantentempel&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2009 06:48:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tierabenteuer-Leseproben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus dem 4. Kapitel &#8222;Stolz&#8220; Ricarda glotzte in eine Porzellanschüssel, die vor ihr stand. Ein dicker weißer Brei war darin, und irgendwelche dunklen Stückchen schwammen dicht unter der Oberfläche. „Probier du zuerst“, flüsterte sie Sofia zu. „Nein, du“, zischte Sofia zurück und schenkte Gulap, Ruangs Ehefrau, die sie erwartungsvoll beobachtete,...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Aus dem 4. Kapitel &#8222;Stolz&#8220;</strong></p>
<p>Ricarda glotzte in eine Porzellanschüssel, die vor ihr stand. Ein dicker weißer Brei war darin, und irgendwelche dunklen Stückchen schwammen dicht unter der Oberfläche.<br />
„Probier du zuerst“, flüsterte sie Sofia zu.<br />
„Nein, du“, zischte Sofia zurück und schenkte Gulap, Ruangs Ehefrau, die sie erwartungsvoll beobachtete, ein breites Lächeln. Gulap lächelte zurück und nickte ermutigend. „Mach schon. Sonst werden wir nie wieder zum Frühstück ins Haupthaus gebeten.<br />
„Na gut.“ Ricarda schob sich die Löffelspitze vorsichtig zwischen die Lippen und wartete ab, bis der Geschmack auf ihrer Zunge angekommen war. „Salzig. Reisbrei, glaube ich. Und das Braune ist irgendein Fleisch.“<span id="more-515"></span></p>
<p>Sofia lächelte Gulap entschuldigend zu und schob die Schüssel beiseite. „Zum Frühstück? Ich organisiere mir ein paar frische Früchte. Falls die Elefanten welche übrig gelassen haben.“<br />
Frische Früchte, ja, das klang gut. Aber schlecht war der Reisbrei auch nicht. Ricarda gönnte sich noch einen Löffel davon. Sie hatte in den letzten Monaten fast nur vegetarisch gegessen, weil sie Fleisch nicht so mochte. Aber dieses schmeckte angenehm würzig.<br />
Chanida kam aus einem Nebenzimmer, nun wieder in ihre makellose Schuluniform gekleidet. Sie verbeugte sich mit gefalteten Händen vor ihrer Mutter, dann zwinkerte sie Sofia und Ricarda zu und ging zur Außentreppe, die aus der luftigen Höhe des Stelzenhauses wieder auf den Boden führte. „Bis heute Nachmittag! Habt ihr eigentlich mitbekommen, was gestern Abend passiert ist?“<br />
„Äh, nein &#8230;“<br />
„Fragt Kaeo – ich muss los!“<br />
Gestikulierend machte Gulap ihnen Mut, nachzusehen, was draußen vorging. Sofia und Ricarda tauschten einen Blick, ließen ihre Schüsseln im Stich und kletterten ebenfalls die Treppe hinunter.<br />
Sie fanden Kaeo und Ruang auf einem Übungsgelände. Es war ein großer Platz aus festgestampfter heller Erde, umgeben von einem Ring aus gefällten Baumstämmen. Ihnen gegenüber sah Ricarda einen jungen Mann und eine Elefantin. Beide wirkten erschöpft und hungrig. Sie standen nah beieinander, es war, als würde der eine beim anderen Schutz und Trost suchen. Der junge Mann hatte eine Hand auf den Rüssel der Elefantin gelegt, was das riesige Tier offenbar beruhigte.<br />
„Ich glaube, das sind Neue“, sagte Sofia erstaunt. „Wo sind die denn hergekommen?“<br />
Ricarda spürte sofort, dass Sofia recht hatte, diese beiden gehörten nicht zum Refuge – sie wären ihr gestern sicher aufgefallen. Die Elefantin war ungewöhnlich groß; ihr rechtes Ohr hatte am Außenrand mehrere Kerben. Sie strahlte eine Kraft und Würde aus, die Ricarda beeindruckten. Und der junge Mann &#8230; er hatte ein Gesicht, das man nicht leicht vergaß, mit breiten Wangenknochen, einer geraden Nase und ruhigen, dunklen Augen, kraftvoll und stolz. Sein schwarzes Haar glänzte in der Sonne wie Obsidian.<br />
„Der sieht ja aus wie ein Bettler“, sagte Sofia.<br />
Ricarda ärgerte sich darüber, ohne zu wissen warum, denn ganz falsch konnte Sofia nicht liegen. Das Hemd des jungen Mannes war sicher einmal weiß gewesen, doch jetzt war es voller Staub und Flecken. Seine hellbraune, weite Hose, die von einem Ledergürtel zusammengehalten wurde, sah schon arg fadenscheinig aus; an einer Stelle war sie eingerissen. Auch seine einfachen Ledersandalen hatten schon bessere Tage gesehen und waren bedeckt vom Staub der Pfade.<br />
Doch die Haltung des jungen Mannes wirkte nicht wie die eines Bettlers. Er hielt sich sehr gerade und blickte Ruang und Kaeo direkt in die Augen.<br />
Irgendetwas an dem Fremden kam Ricarda seltsam vor und nach einem Moment fiel es ihr ein. Etwas fehlte. Jeder hier in Thailand lächelte. Nur dieser Fremde nicht.<br />
Aus irgendeinem Grund gefiel ihr das.<br />
Ruang und Kaeo wirkten vorsichtig und abwartend, sie sprachen lange mit dem jungen Mann. Neugierig hielt sich Ricarda im Hintergrund und lauschte, obwohl sie kein Wort verstand. Doch Sofia wurde es schon langweilig. „Los, schauen wir mal, wo sich unsere Elefanten gerade herumtreiben.“<br />
„Ach, lass uns noch eine Minute warten, vielleicht finden wir heraus, was hier eigentlich los ist“, meinte Ricarda und Sofia ließ sich überreden.<br />
Sie hatten Glück, keine zwei Minuten später löste sich Kaeo aus der kleinen Gruppe, ging hinüber zum Hauptgebäude. „Wir fahren jetzt los, Futter besorgen, helft ihr mit?“<br />
„Ja, klar“, sagte Ricarda schnell und schaute noch einmal zu dem Neuankömmling hinüber. Gerade in dem Moment schien er sie zum ersten Mal zu bemerken und ihre Blicke kreuzten sich. Seine Augen waren dunkel wie die eines Falken. Ricarda merkte, wie sich eine Gänsehaut auf ihren Armen bildete, schnell blickte sie weg und wünschte zugleich, sie hätte es nicht getan.<br />
Sofia hatte nichts davon bemerkt, sie plauderte schon wieder mit Kaeo, der zusammen mit zwei Helfern in einen Kleinlaster mit Anhänger gestiegen war. „Was ist denn mit den beiden da? Wieder ein neuer Elefant, der Hilfe braucht?“<br />
„Nicht ganz“, meinte Kaeo und lenkte den Kleinlaster durch das Eingangstor. „Diesmal will der Mahout auch hierbleiben. Er meint, der Elefant gehöre seiner Familie und sie könnten ihn nicht mehr ernähren.“<br />
Ricarda nickte – das konnte sie sich vorstellen, nachdem sie gesehen hatte, wie viel die Tiere im Refuge jeden Tag vertilgten. „Woher kommt er denn?“<br />
„Aus der Gegend von Surin, aus dem Dorf Ban Ta Klang. Er gehört zu den Guay, die dort leben; ein ganz alter Volksstamm das ist. Sie fangen und züchten Elefanten schon seit Jahrhunderten. In Ban Ta Klang noch heute hat jede dritte Familie einen eigenen Chang, einen Elefanten. Aber ist schwer, so zu leben, seit König Bhumipol das Bäumefällen verboten hat. Früher haben Elefanten bei Waldarbeiten geholfen. Jetzt sind arbeitslos sehr viele.“<br />
Ein anderes Auto vor ihnen bog ab, für Kaeos Geschmack zu langsam. Er lehnte sich auf die Hupe und Ricarda dröhnten die Ohren. Als sie wieder etwas hören konnte, bekam sie gerade noch Sofias Frage mit: „Wird der Mann dann hier arbeiten?“<br />
„Das muss Por noch entscheiden“, wich Kaeo aus und Ricarda begann sich Sorgen zu machen. Hoffentlich entschied Ruang, dass die beiden bleiben durften! Sie hatten so erschöpft ausgesehen. Wahrscheinlich hatten sie eine lange Wanderung hinter sich. Wie weit war es eigentlich von Surin bis hierher? So, wie der Neue aussah, ein fast endlos weiter Weg.<br />
„Wie heißen die beiden eigentlich?“, hakte Sofia nach.<br />
Ricarda war dankbar für die ungestüme Neugier ihrer Freundin – sie war nicht sicher, ob sie den Mut aufgebracht hätte, all diese Fragen zu stellen.<br />
„Der Elefant heißt Devi und der Mahout Nuan. Seinen richtigen Namen weiß ich allerdings nicht.“<br />
„Äh, wieso, ist Nuan nicht sein richtiger Name?“ Ricarda war verblüfft.<br />
Kaeo erklärte, dass die Vor- und Nachnamen in Thailand oft lang und kompliziert sind, deshalb reden sich die meisten Leute mit einem Spitznamen an, den sie meist schon bei der Geburt bekommen. Nuan war ein solcher Spitzname, er bedeutete Vollmond.<br />
Sofia lachte. „Das ist ja lustig. Und deiner – was bedeutet Kaeo?“<br />
„Stein, nein, Juwel, wie sagt man?“ Kaeo überlegte. „Diamant, genau! Ein guter Name und er hat mir Glück gebracht. Wenn mir nicht bringt Glück, kann ich Name noch wechseln.“<br />
Doch Ricarda hörte schon nicht mehr zu. Nuan. Lautlos bewegte sie die Lippen, probierte den Namen aus. Vollmond. Ob Nuan manchmal, wenn er mit Devi in den Wäldern übernachtete, hochschaute zu seinem Namensvetter, der am Himmel leuchtete?<br />
In der Zwischenzeit hatte Sofia herausgefunden, dass auch Ruang ein Spitzname war und „der Glänzende“ hieß, Tao bedeutete „Schildkröte“ und Gulap „Rose“. Nur Chanida hieß schon immer und zu jeder Zeit Chanida. „Irgendwie blieb keiner der Spitznamen kleben“, meinte Kaeo und grinste. „Meine Schwester eben!“<br />
Auch die beiden Helfer, die mit im Kleinlaster saßen, stellten sich vor. Sofia und Ricarda mussten grinsen, als sie erfuhren, dass einer von ihnen, ein über und über tätowierter junger Mann, der schon die ganze Fahrt über Kaugummi kaute, „Seven“ hieß, nach einer amerikanischen Ladenkette namens „Seven Eleven“, die auch in Thailand sehr verbreitet war.<br />
„Dann ist es ja nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Leute auch McDonald´s nennen“, flachste Sofia. „Hm, wie ich wohl heißen würde?“<br />
Ricarda überlegte. „Vielleicht die Strahlende? Das würde zu dir passen.“<br />
„He, gute Idee, das würde mir gefallen.“ Sofia zwirbelte sich eine Locke um den Finger.</p>
<p>The post <a href="https://www.katja-brandis.de/2009/03/24/leseprobe-aus-der-elefanten-tempel/">Leseprobe aus &#8222;Der Elefantentempel&#8220;</a> appeared first on <a href="https://www.katja-brandis.de">Katja Brandis</a>.</p>
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