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Woodwalkers

Woowalkers Cover smallArena Verlag 2016, 267 Seiten, 12,99 Euro. Auf dem Cover: Carag

Auf den ersten Blick sieht Carag aus wie ein ganz normaler Junge. Doch hinter seinen leuchtenden Augen verbirgt sich ein unglaubliches Geheimnis: Carag ist ein Gestaltwandler. Halb Mensch, halb Berglöwe ist er in der Wildnis der Rocky Mountains aufgewachsen und lebt erst seit Kurzem in der Menschenwelt. Das neue Leben ist für ihn so fremd wie faszinierend. Doch erst als Carag von der Clearwater High erfährt, einem geheimen Internat für Woodwalker wie ihn, verspürt er ein Gefühl von Heimat. In Holly, einem frechen Rothörnchen, und Brandon, einem schüchternen Bison, findet er schnell Freunde. Und die kann Carag gut gebrauchen – denn die Welt der Woodwalker steckt voller Rätsel und Gefahren …

Hier geht´s zur Leseprobe!

cover-band-2-amazonBand 2 „Woodwalkers – Gefährliche Freundschaft“
(auf dem Cover: Tikaani, die weiße Wölfin)

Band 3 „Woodwalkers – Hollys Geheimnis“ erscheint am 1. Juni 2017 (auf dem Cover: Holly, die Rothörnchen-Wandlerin)

Band 4 „Fremde Wildnis“ erscheint im Januar 2018 (auf dem Cover wird Brandon zu sehen sein)

Danach erscheint im Juni 2018 Band 5 und im Januar 2019 der Schlussband, Teil 6.

 

 

Leseprobe aus „Woodwalkers – Carags Verwandlung“

Aus dem Kapitel Die Clearwater High – gerade ist Carag von Theo, dem Hausmeister und Fahrer, abgeholt worden und wird in seine neue Schule gebracht.

Mein Abholer trat heftig aufs Gas und wir düsten über den Highway, der aus Jackson Hole herausführte.
„Danke“, sagte ich.
„Keine Ursache“, brummte der Fahrer. „Ich bin übrigens Theo.“
Aus dem Augenwinkel beobachtete ich ihn und versuchte zu raten, ob Theo ein Mensch war oder nicht. Schwer zu spüren diesmal. Konnten Woodwalker überhaupt Tätowierungen haben? Oder tauchten sie dann auf ihrer Tiergestalt auf und verrieten sie?
„Wie weit ist die Schule denn von hier entfernt?“, wagte ich zu fragen.
„Ach, nur ‘ne halbe Stunde“, brummte er. „Aber wir müssen vorher noch am Tierheim vorbei.“
„Am Tierheim?“ Wahrscheinlich guckte ich ziemlich blöd.
„Ja. Wir müssen ‘ne Schülerin abholen, die sich am Wochenende nicht so toll benommen hat.“ Er grinste. „Hat ‘ne Weile gedauert, bis wir rausgefunden hatten, wo sie ist.“
„Oh“, sagte ich und versuchte mir vorzustellen, was für eine Art Wandler man im Tierheim abgeben würde, wenn er Ärger machte.
Aber das würde ich bestimmt gleich herausfinden.
Beim Tierheim begrüßte uns das Bellen und Jaulen unzähliger Hunde. Sofort begann mein Herz zu rasen. Mein Vater war mal gejagt worden – eine Hundemeute hatte ihn gehetzt, bis er sich auf einen Baum flüchten musste. Nur mit viel Glück war er entkommen.
Theo merkte, wie ich mich fühlte. „Nicht deine Freunde, was?“, meinte er.
Stumm schüttelte ich den Kopf.
Als wir klingelten, öffnete uns eine Frau im rosa Jogginganzug. Sie blickte hoffnungsvoll drein. „Ja, bitte? Katze, Hund, Kaninchen?“
„Rothörnchen“, sagte Theo.
„Ach das! Verrücktes Vieh.“ Sie lachte und schüttelte gleichzeitig den Kopf, dass ihre grauen Löckchen wippten. „Hat doch tatsächlich auf dem Rastplatz Leute beklaut. Ich dachte mir gleich, dass das kein wildes Tier sein kann!“ Ihr Blick wurde ein bisschen strenger. „Sie haben ihm das nicht beigebracht, oder? Das mit dem Klauen?“
„Ich versuche, es ihm abzugewöhnen“, erklärte Theo.
„Ach so. Na, dann viel Spaß. Ehrlich gesagt, ich bin froh, es los zu sein. Es hat am Gitter gerüttelt wie blöde und sogar versucht, den Riegel zu öffnen.“
„Tut mir leid.“ Theo versuchte, entschuldigend dreinzublicken. Dadurch sah er aus wie ein kranker Elefant, der er hoffentlich nicht war.
Die Tierheimleiterin führte uns in einen vergitterten Zwinger, in dem ein Kletterbaum aus abgewetztem braunem Plüsch aufgebaut war. Auf halber Höhe standen Schälchen mit Körnerfutter und Wasser. Auf den zweiten Blick sah ich das Rothörnchen, das ganz oben hockte, schlecht gelaunt aussah und dabei war, mit beiden Pfoten Plüschfetzen vom Kletterbaum abzureißen. Soso, das war also meine Mitschülerin.
„He!“, rief die Tierheimfrau. „Lass das, du Mistvieh!“
Sie bekam einen einwandfreien Du-kannst-mich-mal-Blick. Dann machte das Rothörnchen einfach weiter.
„Das reicht jetzt“, sagte Theo entschieden und öffnete den kleinen Transportkorb, den er trug. „Los, auf geht’s.“
In Windeseile sprang, balancierte und rannte das Hörnchen über den Kletterbaum. Dann tauchte es mit einem kühnen Sprung in den Transportkorb.
„Na, das ist ja gut trainiert“, staunte die Tierheimfrau. „Wie heißt es?“
„Holly“, erklärte Theo, hakte das Türchen des Transportkorbs zu und nickte der Tierheimfrau freundlich zu. „Vielen Dank. Kommt hoffentlich nicht wieder vor.“
Wir trugen den Käfig zum Auto und fuhren los. Aber nicht weit. Hinter der nächsten Ecke bogen wir von der Straße ab, Theo öffnete den Transportkorb und holte ein paar Mädchensachen – neongrünes Top, Shorts – aus einem Rucksack mit bunten Klimperanhängern, der bestimmt nicht ihm gehörte. Dann winkte er mir, auszusteigen, und wir lehnten uns gegen die Ladefläche. Drinnen scharrte und rumpelte es, dann sagte eine Mädchenstimme: „Boah, es war echt unerträglich da! Wieso habt ihr mich nicht früher rausgeholt? Das Futter war total ranzig … man müsste die blöde Tussi mal zwingen, das selber zu essen!“
Neugierig spähte ich ins Führerhaus. Dort saß jetzt ein nicht sehr großes Mädchen mit dunklen, blitzenden Augen und schulterlangem rotbraunem Haar. Sie war etwa so alt wie ich.
„Was glotzt du so?“, fragte sie und funkelte mich an, als wir wieder einstiegen.
„Einfach so“, sagte ich, ohne mich aus der Ruhe bringen zu lassen. Dafür war ich viel zu neugierig. „Wirst du oft gefangen?“
„Nee, hab mich halt blöd angestellt. Und die Touristen hatten einen verdammten Kescher dabei, wer rechnet denn mit sowas?“ Holly verdrehte die Augen und fing an, mit ihren zierlich kleinen Händen an der Lehne des Vordersitzes herumzuknibbeln. Dann schaute sie mich neugierig von der Seite an. „Was bist du? Du bist doch einer von uns, oder?“
„Ja“, sagte ich und war auf einmal stolz darauf, ein Woodwalker zu sein und kein gewöhnlicher Mensch. Das fühlte sich gut an. „Ich bin ein Puma.“
„Ein Puma? Ach du große Sch…! Wenn du mich annagst, reiße ich dir jedes dreckige Tasthaar einzeln aus, ist das klar?“
„Klar“, sagte ich und musste lachen. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass sie ein Rothörnchen war, hätte ich auf Kanalratte getippt. „Keine Sorge, hab grade keinen Hunger. Was ist eigentlich mit den Sachen, die du geklaut hast, musstest du die alle dalassen?“
„Klauen? Wer macht denn sowas? Das ist doch verboten.“ Sie versuchte einen unschuldigen Blick, der voll in die Hose ging, weil ihre Augen gleichzeitig verschmitzt dreinschauten.
„Bist du schon lange an der Schule? Wie ist es da so?“, versuchte ich sie auszuhorchen.
„Wild und bunt!“, sagte Holly.
Und dann schwiegen wir, bis wir ein paar Minuten später das Schulgelände erreichten.
Theo parkte den Wagen auf einem Rasen-Parkplatz vor dem Eingang der Schule, den ich schon aus dem Prospekt kannte: moderne unverputzte Ziegelmauern und viel Glas, darauf der Name Clearwater High in edlen Metallbuchstaben.
„Was genau ist daran wild?“, fragte ich Holly enttäuscht, doch sie lachte nur und lief los, ein Stück um das Gebäude herum. Ich nahm meinen Rucksack, folgte ihr … und kapierte schnell, dass der Eingang nur für Besucher da war und der Rest der Schule ganz anders aussah. Weiter hinten sah sie immer weniger aus wie ein normales Haus und mehr wie ein Teil der Landschaft. Behände kletterte Holly auf einen Hügel aus Granitblöcken, die jemand wild übereinander getürmt hatte. Gras und ein paar junge Bäume wuchsen darauf.
„In diesem Teil – dem Westflügel – sind unsere Zimmer, nicht übel, was?“ Holly klopfte an eine runde Glasscheibe, die mitten in einem der Blöcke prangte. „Mein Fenster!“
„Wow.“ Mehr fiel mir dazu nicht ein.
Wenn man genauer hinschaute, fielen einem noch mehr Fenster auf und jedes hatte eine andere Form. Es gab runde, eckige, große, kleine und ganz oben sogar eine Kuppel, die ich besonders gut fand. Dort hatte man nachts den Sternhimmel über sich.
Holly kletterte in unglaublicher Geschwindigkeit zurück nach unten und ich folgte ihr zum Wagen zurück.
Auf geht’s, ich zeige dir dein Zimmer, hörte ich eine Stimme in meinem Kopf, drehte mich um und sprang vor Schreck ein Stück in die Höhe. Hinter mir stand ein massiger Elchbulle, eine halbe Tonne Muskeln und stahlharte Hufe. Ein Tier, an das sich nicht mal meine Eltern herangetraut hätten. An der einen Seite seines Geweihs hingen ein bunter Rucksack und meine Jacke, an der anderen Seite meine Reisetasche.
„Alles klar“, sagte ich, als ich mich wieder erholt hatte, und folgte Theo durch die Eingangstüren in meine neue Schule. Holly machte noch einen schnellen Handstand auf den Steinblöcken, dann sprang sie wieder auf die Füße und lief uns nach.