Archiv der Kategorie: Abenteuer- und Near-Future-Romane

Gepardensommer

Das Cover der „Gepardensommer“-Neuauflage

Neuauflage Frühjahr 2020, Taschenbuch, ca. 300 Seiten, voraussichtlich 9, 90 Euro. Ab 12 Jahren/All Age

Lilly darf in den Sommerferien auf einer Farm in Namibia mitarbeiten, die sich dem Schutz der bedrohten Geparden widmet. Auf einmal muss sie sich bei der Pflege verletzter Großkatzen, der Aufzucht verwaister Jungtiere und der Feldforschung im Busch bewähren. Das klappt gut – bis sie sich in Erik verliebt, den Sohn eines Farmers. Seine seltsame Familie und seine Geheimnisse stürzen ihr Leben ins Chaos…

Das Cover der Originalausgabe (Ueberreuter Verlag)

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Das Cover der 4. Auflage 2016

Leseprobe aus „Gepardensommer“

Auszug aus dem 2. Kapitel von „Gepardensommer“

 Die Katzen von Otjiwarongo

Nein, die Geparden verstanden kein Deutsch. Aber dafür Englisch. Und das war gut so, sonst hätte ich sie an meinem ersten Tag auf Ounene eúlu vielleicht gar nicht zu Gesicht bekommen.

„Come heeeeere, come heeeere“, sang die junge schwarze Helferin, sie hieß Dessie Kaoseb, wenn ich es richtig verstanden hatte. Ich ließ den Blick gespannt über das gelbbraune Gras schweifen, über die niedrigen, knorrigen Bäume, die hier und da aufragten, über die Pfotenspuren im rötlichbraunen Sand auf der anderen Seite des Maschendrahts. Das Gepardengehege vor dem wir standen, war so groß, dass man den Zaun auf der anderen Seite nicht sehen konnte. Herrlich viel Platz für Katzen, die in Freiheit den ganzen Tag herumstreifen, rastlose Wanderer auf der Suche nach Beute. Aber was war, wenn sie sich den ganzen Tag irgendwo auf der anderen Seite des Geheges herumtrieben und wir nicht mal ein Schnurrhaar von ihnen zu Gesicht bekamen? Das kannte ich aus dem Wildpark. Da durfte man ein Waldstück bewundern, in dem sich angeblich Wölfe oder Elche herumtrieben, aber zu sehen bekam man sie doch nie. Dann witzelte man, dass sie wahrscheinlich in Urlaub waren, und ging enttäuscht weiter zu den Kamerunschafen.

Das war normalerweise völlig okay. Aber nicht jetzt. Ich war völlig übermüdet, die afrikanische Sonne schälte mir gerade die Haut von der Nasenspitze, die vollen Futterschüsseln in meinen Händen wurden immer schwerer, und ich wollte jetzt sofort einen Geparden sehen. Oder noch besser, gleich mehrere.

Nichts rührte sich im Gehege.

„Macht nichts“, sagte Dessie und grinste, als sie meine enttäuschte Miene sah. „Wahrscheinlich sind sie gerade ziemlich weit weg. Aber wenn wir reingehen, kriegen sie das mit und sind ganz schnell da. Sie wissen ja, dass wir ihr Fresschen dabeihaben.“

„Äh, Moment mal – wir gehen da rein?“

Jetzt lachte Dessie über das ganze Gesicht. Das war ein toller Anblick. Ihr Gesicht hatte die Farbe von Vollmilchschokolade, und ihre runden Backen glänzten wie frisch poliert. „Ja, klar gehen wir da rein. Oder willst du die Schüsseln lieber über den Zaun werfen? Davon kriegen sie Dellen.“

„Das wäre mir aber lieber, als selber irgendwas abgebissen zu kriegen…“

„Ach, keine Sorge. Hock dich im Gehege nur nicht hin und mach keine unerwarteten Bewegungen. Sonst sehen sie dich, wenn du Pech hast, als Beute.“

Dessie entriegelte das erste Tor und winkte mir zu, ihr zu folgen. Eingeschüchtert tappte ich hinter ihr her und klammerte mich an den Blechschüsseln fest. Was wahrscheinlich keine gute Idee war. Vielleicht kamen die Geparden gleich aus dem Nichts angerast und stürzten sich auf ihr Futter und damit gleichzeitig auf mich.

Sorgfältig schloss Dessie das erste Tor wieder und entriegelte dann das zweite Tor.

O mein Gott, wir waren drin.

Es war nicht so, dass mein ganzes Leben wie ein Film vor mir ablief, aber immerhin die letzten Monate, seit meine Eltern mir diesen Gutschein geschenkt hatten. Erstmal war alles so weitergegangen wie gewohnt, und das mit Namibia blieb völlig unwirklich, auch wenn ich so vielen Leuten davon erzählte, dass ich schließlich sogar von Unbekannten in Papas Praxis darauf angesprochen wurde.

Dann, auf einmal, waren es nur noch drei Tage bis zum Abflug. Ich packte meinen Koffer, packte ihn dann gleich wieder aus, um einen größeren zu nehmen, entschied mich dann doch für eine abgewetzte Reisetasche und stopfte alle meine Sachen dort hinein. Wuselte hektisch in der Wohnung herum, um Mückenspray und eine Nagelschere und meine Trinkflasche und die Malariatabletten zu suchen. Hatte Alpträume, in denen ich mein Flugzeug verpasste und war am Tag der Abreise ein nervliches Wrack.

Sofia kam mit, als Papa mich zum Flughafen fuhr, und ihr war es offensichtlich nicht ganz geheuer, wie ich mich benahm. „Bist du sicher, dass du nicht vorher einen Herzinfarkt hast, bevor du die ersten Raubkatzen siehst?“ fragte sie und legte mir fürsorglich den Arm um die Schultern.

„Ich glaub´s nicht – jetzt habe ich doch tatsächlich die Ersatzbatterien für meinen Foto vergessen!“ jaulte ich auf.

„Können wir am Flughafen kaufen“, sagte mein Vater und seufzte.

Ich glaube, sie waren alle ganz froh, als ich endlich im Flugzeug saß und auf dem Weg nach Afrika war.

Als wir endlich über Namibia flogen, beugte ich mich halb über meinen Sitznachbarn, damit ich auch mal aus dem Fenster schauen konnte. Und bekam einen Schreck. Das sah richtig schlimm aus. Wie eine Mondlandschaft. Zerfurchtes, karges Land. Berge in hellbraun, umbrafarben, rötlichbraun, ocker, graubraun. Nur hier und da eine Spur von staubigem Graugrün. Und das direkt nach der Regenzeit!

Die Landbahn des Flughafens Windhoek war ein schmaler grauer Streifen in einem unendlich weiten, sonnenverbrannten Nichts.

Aufgeregt hastete ich durch das kleine Flughafengebäude und entdeckte gleich meine Abholerin – eine rundliche, gut gelaunte junge Frau, die ein Schild mit „Lilly Jonassen“ hochhielt. Meine erste Begegnung mit Dessie. Sie lotste mich in einen Jeep, auf dessen Seite Cheetah Foundation stand und ein rennender Gepard aufgemalt war, und dann ging es mit quietschenden Reifen los. Erst huschte draußen die Wüste vorbei, dann die Hauptstadt Windhoek, und schon waren wir wieder draußen, auf einer schnurgeraden geteerten Straße nach Norden. Dort wartete eine Polizeikontrolle auf uns, aber nach einem kurzen Blick auf unsere Ausweise winkte uns der Uniformierte gelangweilt durch.

„Danke, dass du mich abgeholt hast“, sagte ich zu Dessie, sie verstand und sprach zum Glück richtig gut Englisch. „Wie lange brauchen wir bis Ounene eúlu?“

„Ach, so drei Stunden, schätze ich – es ist in der Nähe von Otjiwarongo“, meinte Dessie und steckte sich eine getrocknete Aprikose und ein paar Cashew-Nüsse in den Mund. Dann erzählte sie mir, dass Ounene eúlu in einer der Ovambo-Sprachen Großer Himmel bedeutete, aber warum die Farm so hieß, bekam ich nur halb mit, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, die Landschaft anzuglotzen. Wir kamen gerade an einem dreieckigen Warnschild vorbei. Es war kein springender Hirsch darauf, sondern ein Warzenschwein. Doch das, was kurz darauf über die Straße lief, war kein Warzenschwein.

„Cool – das sind ja Paviane!“ jubelte ich, kurbelte eiligst das Fenster herunter und steckte den Kopf heraus. Es war ein ganzer Affen-Clan, der auf allen Vieren über die Straße schlenderte – Männchen mit graubrauner Mähne, Weibchen mit Babys, die sich an ihren Bauch klammerten, übermütig herumgaloppierende Jungtiere.

„Steig besser nicht aus, die beißen“, sagte Dessie, und ich nahm die Hand wieder vom Türgriff.

Ja, ich war endlich angekommen. Das hier war Afrika. Als Dessie wieder aufs Gas trat und mich die Beschleunigung in meinen Sitz drückte, hatte ich ein seliges Lächeln auf dem Gesicht.

Es war immer noch da, als wir am späten Nachmittag in Ounene eúlu eintrafen und in einer Staubwolke durch das Eingangstor mit dem Geparden-Logo brausten. Das flache, braungetünchte Hauptgebäude mit dem geschwungenen Dach schmiegte sich in die Buschsavanne, als wären es eines Nachts aus dem Boden gewachsen. Gewaltig und tiefblau wölbte sich der Himmel Namibias darüber, und ich musste nicht weiter fragen, wie die Farm zu ihrem Namen gekommen war.

Ich wuchtete mir meine Reisetasche über die Schulter und taumelte hinter Dessie her,  am Hauptgebäude vorbei und immer weiter in den Busch hinein, bis zu einer runden Hütte mit einem Solarkollektor auf dem Dach. Es gab zwei Betten mit schwarz-rot-weißen afrikanischen Wolldecken, darüber an der Decke befestigt weiße Moskitonetze. Eine Nische mit Klo und Waschbecken, und das war´s auch schon. Eine Dusche sichtete ich zum Glück auch – draußen unter freiem Himmel, in einer gemauerten Nische.

„Warmes Wasser?“ fragte ich hoffnungsvoll.

Dessie grinste. „Wenn die Sonne scheint, schon. Macht sie hier meistens.“

„Strom?“

„Ja, klar. Aber nur bis neun Uhr abends. Danach Kerzenlicht.“

Wir gingen wieder rein. Neugierig beäugte ich das zweite Bett und die Besitztümer in der anderen Ecke des Raumes. Ein kleiner Stapel Tops und Hosen, ein spindeldürre Giraffen-Statue aus honigfarbenem Holz, ein Buch über Bestellungen beim Universum und eins mit dem Titel Sorge dich nicht – lebe!, ein Notizbuch, das über und über mit Gesichtern beklebt war, alle aus Zeitschriften herausgerissen.

„Wer wohnt denn hier noch?“ erkundigte ich mich.

„Theresa. Sie ist auch Praktikantin hier. Aber gleich für ein ganzes Jahr.“ Dessie strahlte mich an. „Was ist, magst du die Geparden begrüßen? Du kannst bei der Fütterung mithelfen. Im Gehege West, bei den Weibchen.“

„Sind sie eigentlich zahm?“

„Nein, das kann man nicht sagen. Sie sind alle aus der Wildnis zu uns gekommen, weil sie in Freiheit nicht überleben konnten.“

Und jetzt war ich hier, mitten im Gehege. Konnte es wirklich sein, dass Geparden weniger bissig waren als Affen, oder gab es hier ein schreckliches Missverständnis?

„Come heeeere, come heeere“, lockte Dessie noch einmal, und dann waren sie da. Huschten wie gelbbraune Schatten aus dem Gebüsch. Glitten leichtfüßig über den Sandboden. Lugten aus dem hohen Gras mit ihren bernsteinfarbenen Augen und den schwarzen Tränenspuren auf den Katzengesichtern. Keine zehn Meter von mir entfernt. Weglaufen war sinnlos. Schließlich hatte ich es hier mit dem schnellsten Säugetier der Erde zu tun.

„Na, hab ich´s nicht gesagt?“ Zufrieden blickte Dessie sich um. „Die Hübsche da ist Ohani. Neben ihr schleicht sich gerade Njika an. Und das da vorne ist Elai. Und die beiden da hinten, die sich nicht aus den Büschen trauen, sind Muina und die kleine Jola. Bisschen schüchtern, unsere Muina.“

Hastig tat ich es Dessie nach und stellte die Blechschüsseln mit dem Fleisch auf den Boden. Dann stand ich so steif da wie eine Playmobilfigur, während eins der Weibchen keine drei Meter neben mir vorbeiging. Elai. Wie groß und langbeinig sie war. Ich hätte mich nicht bücken müssen, um sie zu streicheln. Aber danach stand mir gerade nicht der Sinn.

„Wie schaffst du es, sie zu unterscheiden?“ flüsterte ich Dessie zu. „Für mich sehen sie alle gleich aus.“ Ich staunte über die perfekt kreisrunden Flecken auf ihrem Fell, bewunderte die sehnigen Vorderläufe, die pelzigen Ohren, die jedem Teddybär Ehre gemacht hätten.

Dessie zuckte die Schultern. „Ach, sie auseinanderzuhalten ist reine Übung. Die Flecken sind bei jedem unterschiedlich, und die Augen und schwarzen Streifen im Gesicht natürlich sowieso.“

Wie aufs Stichwort blickte Elai auf und sah mich forschend an. Ich verliebte mich auf der Stelle in sie. Oh, wie herrlich sie war. Scheu war sie gar nicht. Gelassen kauerte die riesige Katze sich hin und begann, ihre Schüssel leerzufressen.

Muina dagegen war das alles nicht geheuer. Halb geduckt kroch sie näher, fauchte mich an und zeigte ihre dolchartigen Eckzähne. Befahl mir wahrscheinlich in Gepardisch, mich wegzuscheren, damit sie endlich an ihr Futter herankam. Nichts lieber als das. Langsam machte ich einen Schritt rückwärts, dann noch einen.

„So, während die Katzen abgelenkt sind, machen wir das Gehege ein bisschen sauber“, meinte Dessie und marschierte durch das Gras, begann mit einer Zange irgend etwas vom Boden aufzuheben und in einen Eimer fallen zu lassen. Vorsichtig folgte ich ihr und sah, was Dessie einsammelte: große, blank abgenagte Knochen.

„Aha, jetzt weiß ich endlich, was ihr mit den letzten Praktikanten gemacht habt“, unkte ich.

Dessie blickte mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und holte dann aus einer Tüte eine kleine Plastikschaufel. „Ja, und du wirst gleich merken, was wir mit den jetzigen Praktikanten machen. Rat mal, wofür das gut ist.“

Ich musste nicht lange raten, weil ich gerade reingetreten war. Und ja, es stank ganz ähnlich wie das, was mein Kater Frodo immer so gründlich im Garten vergraben hatte.

 

White Zone – Letzte Chance

whitezone-cover-smallGebundene Ausgabe,
464 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg 2017
Genre: Near-Future-Roman
Alter: ab 13 Jahren
Preis: 17,95 Euro, E-Book 15,99.

In der Antarktis, 2030: Sechs vorbestrafte Jugendliche und ein Betreuer. Der Aufenthalt in einer abgewrackten Forschungsstation ist ihre letzte Chance, das Leben in den Griff zu kriegen. Was sie daraus machen, führt sie an den Rand einer Katastrophe …

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katjabrandis-antarktis3-smallBei der Recherche für diesen Roman habe ich mich über Kap Hoorn in die Antarktis gewagt. Dort habe ich unter anderem Tausende von Pinguinen getroffen, bin mit Schneeschuhen zu einer Pelzrobbenkolonie gewandert und war in einer argentinischen Forschungsstation zu Gast.

Leseprobe White Zone

Tür ins Nirgendwo

Eine berühmte Video-Bloggerin hat mich mal gefragt, wie es sich anfühlt, ein Auto mit achtzig Stundenkilometern gegen eine Mauer zu fahren. Ich wünschte, ich hätte das beschreiben können. Es gibt einen Ruck, der versucht, dir die Seele rauszureißen, alles ist Lärm, dein Körper will fliegen, aber der Gurt umarmt dich zu fest. Schon knallt dir der Airbag ins Gesicht wie die Faust eines Engels, beschützt dich.

Aber das ist mir in dem Moment leider nicht eingefallen. Also habe ich einfach gesagt: „Krass fühlt sich das an – und total echt, irgendwie.“

Als die Bloggerin mich anschaute, konnte ich genau sehen, was sie dachte. Das Mädel hat sie ja nicht mehr alle.

Sie hat sich wahrscheinlich nicht gewundert, als ich mitten in ihrer nächsten Frage aufgestanden und gegangen bin. Leseprobe White Zone weiterlesen

Freestyler

Cover Freestyler-neu smallGebundene Ausgabe,
437 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg 2016
Genre: Near-Future-Roman
Alter: ab 12 Jahren
Preis: 16,95 Euro, E-Book 15,99.

Was zählt ist nur der Sieg: Für ihren Traum vom Olympischen Gold optimieren “Freestyler” ihre Körper ganz legal mit High-Tech-Prothesen und Implantaten. Die junge Sprinterin Jola ist nicht sicher, ob sie sich operieren lassen will. Der Druck ist hoch: Mit einem modifizierten Körper hätte sie vielleicht eine Chance auf eine Medaille bei den Olympischen Spielen 2032 – so wie Ryan, der beinamputierte Sprinter, in den sie sich verliebt hat. Aber die neue Technik birgt Gefahren. Und bald geht es nicht mehr nur um den Sieg, sondern um Leben und Tod …

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Zum Interview (Entstehungsgeschichte etc.)

„Was sind wir bereit, aufs Spiel zu setzen, zu riskieren, um immer weiter zu werfen, höher zu springen, schneller und erfolgreicher zu sein? Was muss man auf sich nehmen, um gut genug zu sein? Katja Brandis gelingt es zu kritisieren, ohne jemanden zu diffamieren – und das bei einem überaus kontroversen und komplexen Thema. Ein sehr zu empfehlendes Jugendbuch, mit Spannung, Liebe, erstem Sex und Erwachsenwerden.“ (Fabian Müller in der Süddeutschen Zeitung, 27. Mai 2016)

Leseprobe aus „Freestyler“

1. Nur ein Lächeln

München, September 2030

Wieder mal zu spät. O Mann. Besser, sie verpasste die nächste Bahn nicht. Jola warf sich den Rucksack mit ihren Sportsachen über die Schulter und machte sich auf den Weg zur Station der U-Bahn-Linie 5, die erst letztes Jahr fertig geworden war. Am Knie hieß die, weil die Straße hier abknickte wie ein Gelenk. Zum Glück hatten ihre Freunde inzwischen aufgehört, Witze darüber zu reißen, wenn sie Jola besuchten. Ja, schon klar, Am Knie zu wohnen war deutlich besser als Am Arsch, total witzig.
Zwei Männer lungerten vor dem Café an der Kreuzung herum, rot unterlaufene Augen, Bierbäuche, mahlende Unterkiefer. Was hatten die da im Mund, Intelli-Maxx-Kaugummis? Ob die in diesem Fall noch was halfen? Leider musste sie an den Typen vorbei, war nicht zu ändern. Ihre Blicke hatten sich an sie geheftet, gleich würden die ersten Bemerkungen kommen. Und jetzt musste sie auch noch stehenbleiben, weil die Fußgängerampel rot war und Autos vor ihr die Straße entlangströmten. Mist.
„Na, Süße?“, sagte der eine der beiden Männer, sie konnte ihn selbst aus einer Armlänge Entfernung riechen. „Hast du ein bisschen Zeit für uns? Ich geb dir auch ´n Kaugummi aus. Oder ´nen Drink.“
Bloß nicht reagieren. Sonst kommen die richtig in Fahrt. Eisern starrte Jola auf den Eingang der Station, keine fünfzig Meter entfernt.
„Willste etwa noch die U-Bahn erwischen?“ Der zweite Mann rülpste und warf einen Blick auf seinen Communicator, der die Form eines gewölbten rosa Busens hatte. „Vergiss es, Kleine. Die fährt in dreißig Sekunden.“
„Krieg ich“, sagte Jola, ohne ihn anzusehen.
„Ja ja, wer´s glaubt, wird …“
Die Fußgängerampel wurde grün.
Im Hochstart war Jola immer gut gewesen. Wie der Satz endete, hörte sie nicht mehr, weil ihre Füße bereits über den Asphalt flogen. Schon hatte sie den Eingang der Station erreicht und federte leichtfüßig die Treppen hinab.
Natürlich war sie rechtzeitig. Sie ging oft zu spät los, aber sie hatte noch nie eine Bahn verpasst.

Die anderen waren schon vor ihr auf dem Olympiagelände eingetroffen – als Jola durch die Glasfront in die Werner-von-Linde-Halle hineinspähte, sah sie aus ihrer Sprintergruppe Samuel und Koray. Die beiden waren dabei, sich mit ein paar Steigerungsläufen aufzuwärmen. Es war unmöglich, dieses Duo zu übersehen, Samuel, der Star ihrer Trainingsgruppe, war über Einsneunzig und blond; Koray – dessen Eltern als Technologiebotschafter nach München gekommen waren – dunkelhaarig und fast einen Kopf kleiner.
Die gewaltige überdachte Leichtathletik-Anlage hatte mit der Turnhalle von Jolas Schule zum Glück überhaupt nichts gemeinsam – es war warm und hell hier, und die Luft roch gut, keine Spur von Medizinball-Mief. Hier hatten sich damals, bei der Olympiade 1972, die besten Athleten der Welt aufgewärmt. Und durch diesen Tunnel dort – jetzt gerade abgeschlossen – waren sie ins riesige Stadion geleitet worden …
Auf dem Weg zur Ecke der Halle, in der sich ihre Gruppe traf, ließ Jola den Blick über die Sandgrube der Weitspringer schweifen, über die Masten und dicken Matten der beiden Stabhochsprung-Anlagen, über die mit Netzen abgetrennten Bereiche, in denen die Kugelstoßer trainierten. Unter ihren Laufschuhen federte der raue rote Kunststoffbelag, aus dem auch das Herzstück der Halle bestand, die 200-Meter-Bahn. Auf der sie schon so oft gesprintet war, mit aller Kraft und hämmerndem Herzen.
Ah, da war auch Leni, das andere Mädchen in ihrer Trainingsgruppe – sie warf gerade ihre Sachen auf die Bank, verstaute die Datenbrille in ihrer Jacke und begann ihre braunen Locken zurückzubinden. Sie pendelte dreimal die Woche aus Rosenheim hierher – gutes Training war buchstäblich Gold wert und hier am Olympiastützpunkt bekamen sie es.
Hi, Jola – what a beautiful day“, sang Leni vor sich hin, strahlte sie an und wippte auf den Zehen. O Mann, der suppte das Glück ja aus allen Poren.
“Hi – ihr seid also wieder zusammen?”, fragte Jola trocken. Leni und ihr Freund stritten, trennten und versöhnten sich ungefähr einmal im Monat. Vielleicht brachte das auch ein paar mehr Abonnenten für ihren Live-Feed – Leni streamte über ihre Datenbrille vieles von dem, was sie erlebte, live ins Netz. Zum Glück musste sie das Ding während des Trainings absetzen.
„Nee, wir sind nicht wieder zusammen“, sagte Leni, während sie sich ihre Laufschuhe anzog. „Aber stell dir vor, er hat sich schon entschuldigt für das, was er mich alles genannt hat. Das macht er sonst erst nach zwei Wochen!“
„Oh, wow.“ Jola versuchte, nicht zu grinsen. „Hat er die Pixelschlampe schon zurückgenommen?“
Leni verzog den Mund. „Das noch nicht.“
Ihre Trainerin Heike Appeldoorn war bisher nicht in Sicht, deshalb begannen sie schon einmal, sich am Rand der Bahn warmzulaufen und zu dehnen.
Erst nach ein paar Minuten merkte Jola, dass ihnen jemand dabei zusah.
Jemand, den sie noch nie hier gesehen hatte.
Ein Junge im Rollstuhl. Etwas älter als sie selbst, vielleicht achtzehn, schätzte sie. Sehr aufrecht saß er da, ohne sich zurückzulehnen, seine Hände in Radlerhandschuhen ruhten auf den Antriebsrädern. Er trug ein ärmelloses Shirt, auf den glatten Muskeln seines Oberarms zeichnete sich ein Maori-Tattoo ab. Ruhig saß er am Rand der Halle hinter den Absperrseilen und sah zu, was in der Halle geschah.
Verstohlen warf Jola ihm einen Blick zu und fragte sich, ob der Junge mit jemandem hier war oder auf jemanden wartete. Doch er sprach mit niemandem. Leni schaute nur kurz zu ihm hinüber, dann begann sie im Innenraum der Bahn mit ein paar Koordinationsübungen.
Samuel beachtete den Jungen im Rollstuhl nicht, seine goldenen Augen glitten einfach über ihn hinweg. Mit einer knappen Geste deutete er auf Koray, dann auf seine Tasche. Sofort rannte Koray los, um ihm seine Trinkflasche zu bringen, wartete, bis er getrunken hatte, und brachte sie zurück. Jola seufzte. Der Kleine ist netter, als gut für ihn ist.
Sie schloss sich Leni für ein paar Übungen an. Unauffällig deutete Jola mit dem Kinn auf den fremden Jungen: „Was meinst du, ist das ein Blogger?“
„Nee, kein Blogger, sonst würde er ja irgendwas aufzeichnen“, meinte Leni und zupfte ihr pinkes Sport-Trikot zurecht. „Ich glaub, der schaut nur.“
„Stimmt. Na ja, soll er doch.“ Jola fühlte sich von ihm nicht angestarrt. Im Gegenteil, es war seltsam, wie regungslos er zusah. Irgendwie unbeteiligt. Als sei er eigentlich hier, um nachzudenken. Manchmal ruhten seine Augen auf der roten Bahn mit den weißen Markierungen, auch wenn dort gar nichts geschah. Wieso war er hier? Er sah aus wie ein Athlet. Doch Jola war sicher, dass er zu keinem der anderen Teams gehört hatte, bevor ihm irgendetwas – was auch immer – passiert war.
„Vielleicht will er mit uns trainieren.“ Samuel grinste, und seine goldenen Effekt-Kontaktlinsen schimmerten im Licht.
Leni schnaubte.
„Ja, klar, bestimmt“, sagte Jola angewidert. „Dann kannst du ihm richtig zeigen, wie schnell du bist, Sam.“
Seltsam irgendwie. So wie alle anderen hatten sie, Leni und Samuel sich bei der letzten Olympiade 2028 für die Athleten in der neuen Kategorie Freestyle begeistert – in der Startklasse X traten Sportler mit und ohne Handicap gegeneinander an. Aber die Freestyle-Athleten mit ihren Hightech-Prothesen konnte man kaum behindert nennen. Vielleicht fiel es Samuel deshalb so leicht, sich über den Typ im Rollstuhl lustig zu machen.
Inzwischen war auch Heike Appeldoorn eingetroffen – eine drahtige, silberhaarige Gestalt im dunkelblauen Trainingsanzug. „Okay, Leute, rüber zu den Treppen“, verkündete sie, und Jolas Gedanken wandten sich wieder dem Training zu. Nach ein paar Bodenübungen ließ Heike sie seitlich stehend die Treppe zur Empore hochhüpfen. Jola schnellte nach oben, einmal, zweimal, zehnmal. Ihre Achillessehne schmerzte, das blöde Ding machte wieder Probleme. Egal. Wegen sowas würde sie das Training nicht unterbrechen.
Neben Jola hüpfte Leni. „Sag mal, hast du dich eigentlich für die EuroChallenge in Helsinki nächstes Jahr qualifiziert?“, flüsterte sie.
„Ja“, wisperte Jola zurück. „Heike hat mich für die einhundert und die zweihundert Meter angemeldet.“
„Wie coool.“ Lenis bewundernder Blick war Jola peinlich, und eine Antwort bekam sie nicht heraus.
Nein, dachte Jola. Nicht cool, sondern völlig irrsinnig! Niemandem hatte sie bisher verraten, wie viel Schiss sie vor diesem Wettkampf hatte. Dort würde sie nicht bei den Junioren laufen, sondern zum ersten Mal bei den erwachsenen Frauen. Ich bin noch nicht soweit, ich schaffe das nicht!
Jedesmal, wenn Jola an das Rennen dachte, bekam sie einen kurzen Panik-Flash. Zum Glück hatte sie noch ein paar Monate Zeit, dafür zu trainieren.
Sie hüpfte auf der Stelle, damit ihre Muskeln nicht auskühlten, während Heike die nächste Übung vorbereitete. Koray wanderte unauffällig zu seinem Rucksack hinüber, hatte der etwa wieder sein Eichhörnchen dabei? Tatsächlich, schon lief das Tierchen wie ein rotbrauner Blitz ins gelbgestrichene Strebengewirr der Linde-Halle hinauf.
„Koray!“, brüllte Heike Appeldoorn. „Ich habe dir schon zehnmal gesagt, du sollst diese verdammte Baumratte daheimlassen!“
„Aber Faruk braucht Auslauf“, versuchte Koray zu argumentieren. Seine großen, dunklen Augen eigneten sich gut für einen herzerweichenden Bettelblick. Nur leider half der bei Heike nichts, obwohl sie sonst ein offenes Ohr für die Probleme ihrer Sprinter hatte. „Eins – zwei …“, begann sie streng.
Ein Pfiff. Das Eichhörnchen machte einen Abstecher über die Hochsprunganlage, kehrte zurück, setzte sich auf Korays Kopf und klammerte sich mit den Pfötchen an seinen Haaren fest. „Oh, wie niiiiiedlich!“, quietschte Leni so wie jedes Mal, sie war so berechenbar wie ein Fahrscheinautomat.
Das letzte Mal hat das niedliche Tierchen mitten auf die Bahn gekackt, dachte Jola und kraulte das Eichhörnchen. Manchmal konnte sie kaum glauben, dass Koray schon sechzehn war, nur ein paar Monate jünger als sie selbst; er wirkte noch so kindlich.
Heike Appeldoorn seufzte. „Na gut, er darf noch ein bisschen herumklettern, aber wenn er Dreck macht, putzt du den selbst weg.“ Sie warf einen Blick in die Runde. „Und jetzt zehn Sprungläufe. Los geht´s!“
Koray strahlte und spendierte seinem Freund ein paar Nüsse, dann kehrte er mit ihnen auf die Tartanbahn zurück.
Erst nach dem Training fiel Jola der Junge im Rollstuhl wieder ein. Ja, er war noch da, obwohl die Halle gleich abgeschlossen werden würde. Die anderen gingen ohne einen zweiten Blick an ihm vorbei und streiften sich ihre Schals und Mützen über, als rüsteten sie sich für eine Antarktis-Expedition. Keiner von ihnen brauchte eine Dusche, in dieser Phase des Aufbautrainings schwitzten sie kaum.
Leni trug rasch ihr Trainingstagebuch nach, dann setzte sie ihre Datenbrille auf, ihre Lippen begannen sich lautlos zu bewegen. Sich außerhalb des Trainings mit ihr zu unterhalten war Jola oft zu anstrengend, weil sie gleichzeitig alles mitzukriegen versuchte, was in ihrem virtuellen Freundeskreis geschah.
Als letzte strebte Jola zu ihrem Rucksack. Als sie die Absperrungen passierte, wandte der Junge im Rollstuhl ihr den Kopf zu und streifte sie mit einem Blick. Jola wusste selbst nicht, warum sie ihm zulächelte.
Einen Moment lang wirkte der fremde Junge überrascht. Dann lächelte er zurück.
Jola hob die Hand, um sich von ihm zu verabschieden, und beschleunigte ihre Schritte. Wenn sie daheim nicht noch eine Stunde für den Projektkurs Chemie lernte, dann würde es ein fieser Tag werden morgen in der Schule.

(…)

Am nächsten Tag sah sie sofort, dass der Junge im Rollstuhl wieder beim Training zuschaute. Es war schwer, ihn zu übersehen – in der riesigen Halle hielten sich nur zwanzig Menschen auf, da sie zwischen Mai und Ende Oktober Kaderathleten vorbehalten war. Denjenigen, die mit etwas Glück für ihr Land Medaillen holen würden.
Jolas schwarze Gedanken verebbten. Was habe ich denn zu meckern am Leben? Nichts! Wie es sich wohl anfühlt, nicht mehr laufen zu können, keinen Schritt weit? Allein der Gedanke war grauenhaft. Vielleicht ignorierten die anderen den Typ deshalb. Vielleicht konnten sie den Gedanken nicht aushalten, dass so etwas auch ihnen passieren konnte.
Jola gab ihrer Trainerin die Hand, dann lächelte sie dem Jungen zu, während sie an ihm vorbei auf die Bahn im Innenraum ging.
Nach dem Training siegte Jolas Neugier. „Hi“, sagte sie zu ihm. „Ich bin Jola. Wie heißt du eigentlich?“
„Ryan“, sagte er. „Wieso eigentlich?“
Jola musste lächeln. „Weil ich es schon das letzte Mal wissen wollte.“
„Letztes Mal hattest du es eilig“, stellte er fest.
„Sprinter haben es meistens eilig.“
Er lachte. „Dafür quatscht ihr aber ganz schön viel zwischen den Übungen.“
„Bist du ein Spion oder was?“ Jola zog eine scherzhafte Grimasse.
„Nö. Seh ich so aus?“
„Weiß ich nicht, ich kenn niemanden beim Bundesnachrichtendienst.“ Sie musterte ihn, und was sie sah, gefiel ihr. Seine braunen, in Stacheln nach vorne gegelten Haare, seine wachen dunkelblauen Augen, sein kraftvoller sehniger Körper. Ihr Ex Maximilian, in den viele Mädchen in ihrer Schule verknallt waren, hätte neben diesem Jungen gewirkt wie eine Hauskatze neben einem Puma.
„Cooles Tattoo, was bedeutet das?“, fragte sie ihn und deutete auf seinen Oberarm.
„Es ist ein Toki blade, das ist für die Maori ein Symbol der Stärke“, meinte er. „Die Spiralen stehen für Erneuerung.“
„Ah. Ich wollte mir auch mal …“ Während sie sprach, ließ Jola fast verstohlen den Blick weiter nach unten wandern, versuchte festzustellen, was mit Ryans Beinen los war – sie hatte sich bisher nicht getraut, richtig hinzuschauen. Sie erschrak, als ihr klar wurde, dass seine Beine unter den Knien endeten. Ihm waren die Unterschenkel amputiert worden. Füße hatte er keine mehr.
Natürlich hatte er ihren Blick bemerkt. „Scheiße, was?“
„Ja“, sagte Jola, noch immer durcheinander. War es okay, ihn zu fragen, wie das passiert war? Sie blickte ihm wieder ins Gesicht und sah, wie angespannt er war. Besser sie fragte das ein anderes Mal.
Auf einmal wollte Jola nichts so sehr, wie ihn noch einmal zum Lachen zu bringen. „Wie wär´s mit einem Wettrennen morgen?“, schlug sie vor.
Und ja, es klappte. Er schaute sie verblüfft an, dann lachte er. „Okay“, sagte er. „Wenn ich mein Rennpferd mitbringen darf.“
„Das ist aber unfair“, wandte Jola ein.
Schon war der Moment vorbei. „Du weißt doch, das Leben ist nicht fair.“ Noch während er es sagte, wendete er seinen Rollstuhl und fuhr davon. Kurz hob er die Hand zum Abschied, dann war er verschwunden.
Vielleicht hatte er nicht gewollt, dass sie in diesem Moment sein Gesicht sah.

Auf dem Weg durchs nachtdunkle Olympiagelände ging Leni neben ihr und passte sich Jolas langen Schritten an. „Und, wer ist der Typ?“, fragte sie neugierig. „Was habt ihr so geredet?“
„Er heißt Ryan – viel mehr weiß ich auch nicht über ihn“, sagte Jola kurz. Wieso interessierte sich Leni auf einmal für ihn? Das gefiel ihr nicht besonders, und sie wusste nicht einmal, warum. Sie und Ryan verband ja nichts, nur ein Lächeln und ein paar blöde Sprüche.
„Hat er seine Beine beim Attentat verloren? Du weißt schon, dem auf den Marienplatz vor zwei Jahren?“
„Frag ihn doch selber“, sagte Jola, und ihr Magen krampfte sich zusammen, als sie an das Attentat dachte. Zwanzig Menschen waren dabei getötet worden. Manchmal musste sie dann an die Olympiade 1972 denken, die lange vor ihrer Geburt mit so viel Begeisterung und Hochsprung-Gold für Ulrike Meyfarth – erst 16, so wie sie selbst – begonnen hatte. Und als blutiges Massaker in die Geschichte eingegangen war. „Werd ich machen“, sagte Leni.
Untersteh dich, dachte Jola.

Floaters – Im Sog des Meeres

Cover_final-smallGebundene Ausgabe: 471 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg 2015
Genre: Öko-Thriller
Alter: ab 12 Jahren
Preis: 17,95 Euro

Das Jahr 2030: Der gigantische Teppich aus Plastikmüll, der im Pazifik treibt, ist noch größer geworden. Der Umweltaktivist und Milliardär Benjamin Lesser will das Meer säubern und den Müllstrudel recyceln. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn Öl ist knapp und das alte Plastik ein gefragter Rohstoff. Mit an Bord seiner Spezialschiffe sind die Zwillinge Danilo und Malika, die auf einer Yacht aufgewachsen sind und sich dem Ozean tief verbunden fühlen. Doch Meeresnomaden – die„Floaters“ – und Piraten haben längst begonnen, die Abfälle auszubeuten, sie verteidigen erbittert ihr Revier. Und mitten auf dem Pazifik trifft Malika einen Jungen, dem sie nie hätte begegnen dürfen …

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10 Dinge die du für das Meer tun kannst (PDF zum Herunterladen)

Leseprobe aus „Floaters“

Aus dem Kapitel Jagen und Fischen

Mit einem lauten Knacken und elektrischen Summen öffneten sich die Tore am Bug des Schiffs. Fasziniert beugte sich Malika weit über die Reling, um es zu beobachten. Kapitän Hensmann hatte die Ariadne so weit gebremst, dass sie nur noch mit vier Knoten vorankroch. Die sonst so gewaltige Bugwelle war verschwunden, dafür waren die offenen Tore von oben deutlich zu sehen.

„Jetzt geht´s los!“, quiekte Malika.

„Fall nicht über Bord, sonst wirst du in deine Bestandteile zerlegt und wiederverwertet“, empfahl ihr Danílo.

„Wie wär es, wenn du mich festhältst?“, ätzte Malika zurück. „Oder ist dir das gerade zu anstrengend?“

Danílo grinste. „Ich denke mal drüber nach.“ Er hob sein Fernglas und musterte die anderen Lesser-Schiffe. „Die haben auch schon die Skimmer-Tore offen.“

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10 Dinge, die du für das Meer tun kannst

Katja Brandis, Autorin von Floaters – Im Sog des Meeres (katja-brandis.de)

  1. Verwende weniger Plastik! Denn viele Plastikgegenstände landen leider im Meer, sogar bei uns in Europa, und richten dort Schaden an. Gegenstände, die du im Alltag brauchst, müssen nicht unbedingt aus Plastik sein, natürliche Materialien halten länger und schaden der Umwelt weniger!
  2. Clever einkaufen. Wenn du shoppen gehst, nimm Stoffbeutel, einen Rucksack oder einen Korb mit, dann brauchst du keine Plastiktüten. Es ist zwar schwierig, beim Einkauf Plastikverpackungen zu vermeiden. Aber du könntest zum Beispiel die Getränke für deine nächste Party in Mehrweg- statt Einwegflaschen besorgen und statt Papptellern welche aus Palmblättern besorgen. Es gibt auch Geschirrverleihe in vielen Gemeinden und Städten in Deutschland. Du könntest Produkte bevorzugen, die es in Glas oder Papierverpackungen gibt. Und deine Familie könnte Obst/Gemüse lose kaufen (oder in einer „Ökokiste“ liefern lassen), statt es in dünne Plastiktüten zu verpacken.
  3. Sammle Müll an Flussufern. Habt ihr vielleicht einen Bach oder Fluss bei euch in der Nähe? Frag doch mal deinen Lehrer, ob ihr nicht gemeinsam mit der ganzen Klasse oder Schule den an den Ufern herumliegenden Abfall beseitigen könnt! Denn Plastikmüll und anderer Dreck, der in die Flüsse gerät, wird meist irgendwann ins Meer gespült.
  4. Iss weniger Fisch. Leider sind riesige Fischereiflotten fast überall dabei, die Ozeane leerzufischen, und Fischzuchtanlagen an der Küste verdrecken das Meer. Deshalb iss lieber etwas seltener Fisch, und achte darauf, dass bei dir nur Arten auf den Teller kommen, die nicht bedroht sind. Ein guter Hinweis ist das Siegel des MSC.
  5. Kauf möglichst keine Fleece-Kleidung. Von Fleece-Pullovern lösen sich bei jeder Wäsche Tausende von winzigen Kunststofffasern, die von den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden können und über die Flüsse ins Meer gelangen. Dort werden sie von Meereslebewesen versehentlich gefressen. Kauf also lieber Kleidung, die zum Beispiel aus Baumwolle oder Wolle ist. Falls du auf Fleece nicht verzichten willst, es gibt spezielle Waschbeutel, z.B. „Guppyfriend“
  6. Verwende keine Zahnpasta mit WeißEffekt und keine Peeling-Produkte. Sie schleifen Zähne und Haut fast immer mit Hilfe von winzigen Plastikkügelchen, die ebenfalls nicht von den Kläranlagen entfernt werden können.
  7. Verhindere die Klimaerwärmung. Die Klimaerwärmung lässt Korallenriffe absterben und das Meerwasser saurer werden. Um das Klima zu schützen, könntest du seltener mit dem Auto fahren und öfter das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nehmen. Im Winter auch mal einen dicken Pulli anziehen, statt die Heizung weiter aufzudrehen. Und seltener mit dem Flugzeug Urlaub machen.
  8. Protestiere gegen Projekte, die dem Meer schaden. Das kannst du zum Beispiel, indem du dich indem du dich bei Initiativen wie der Greenpeace-Jugend (greenpeace-jugend.de) oder der WWF-Jugend (www.wwf-jugend.de) oder JBN (Jugend Bund Naturschutz, www.jbn.de) informierst und engagierst. Es gibt keine Umweltgruppe in deiner Gegend? Na, dann gründe eine! Zum Beispiel über einen Aushang am Schwarzen Brett deiner Schule.
  9. Organisiere eine Spendenaktion. Du könntest eine Spendenaktion für den Ozean organisieren, zum Beispiel über ein Schulfest, einen Flohmarkt oder den Verkauf von selbstgemachten Produkten. Oder du könntest dir statt eines „normalen“ Geburtstagsgeschenks eine Spende für den Schutz des Meeres wünschen. Zum Beispiel an die Organisationen Oceana (oceana.org), Greenpeace (www.greenpeace.de) und die Deutsche Stiftung Meeresschutz (www.stiftung-meeresschutz.org).
  10. Gib diese Tipps weiter. Zum Beispiel könntest du in der Schule einen Vortrag über das Thema halten oder ein Projekt zum Thema starten. Oder wie wäre es mit einem Artikel in der Schülerzeitung?

Hier kannst du die 10 Tipps als PDF-Datei herunterladen: 10 Dinge final

Vulkanjäger

Cover VulkanjägerKatja Brandis
Gebundene Ausgabe: 365 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg 2014
Ab 12 Jahren
16,95 Euro (gebundene Ausgabe), 8,95 Euro Taschenbuch, E-Book 7,99 Euro.

Was ist das Leben wert, wenn man keine Risiken eingeht?
Ein Roman über Vulkane und den schmalen Grat zwischen Mut und Besessenheit, Liebe und Selbstaufgabe.

Eine Reise zu den Vulkanen der Welt! Als Jan von seinem Vater, dem berühmten Dokumentarfilmer und Vulkanologen, eingeladen wird, freut er sich auf Abenteuer und Exotik. Doch mit der Besessenheit seines Vaters hat er nicht gerechnet. Auf der Jagd nach dem spektakulärsten Ausbruch begibt der sich regelmäßig in Lebensgefahr. Ein Abstecher nach Neapel zum schlafenden Vesuv verspricht endlich ruhigere Tage – und Jan begegnet der wunderbaren Giulia, die ihn in ihren Bann zieht. Dass sich ganz in der Nähe einer der gefährlichsten Vulkane der Welt erhebt, wird Jan erst bewusst, als seltsame Beben die Stadt erschüttern. Steht eine Katastrophe bevor? Jan würde am liebsten abhauen, doch wie könnte er Giulia zurücklassen? Und seinen Vater, der um jeden Preis bleiben will? Plötzlich steht er vor der gefährlichsten Entscheidung seines Lebens …

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