Sierra
Noch vor einem Jahr hätte ich niemals geglaubt, dass Schule auch so sein konnte. So, na ja, tierisch. Oder wie soll man es sonst nennen, wenn der Unterricht auf einer Lichtung stattfindet und die Lehrerin ein Luchsweibchen ist, das von einem Ast auf die Klasse herunterschaut?
Ihr wisst inzwischen sicher alle, warum ihr diese zusätzlichen Notfall-Verwandlungsstunden habt, oder?, fragte meine Lieblingslehrerin und Freundin Arula.
„Ja, ich glaube schon“, sagte Sky, momentan kein Steinadler, sondern ein großer Junge mit der Ausstrahlung eines Anführers. Mein Herz tat Dinge, die absolut unnatürlich waren, wenn ich ihn anschaute.
Das ist sooo krass, was ihr erlebt habt! Kiki, ein Halsbandsittich in zweiter Gestalt, saß wie ein grellgrüner Farbfleck auf einem Zweig in der Nähe.
Ja, das war es. Bei einem Kampf mit erwachsenen Wandlern in der Nähe von Los Angeles waren Sky und ich in unseren Vogelgestalten hochgeflattert und dann beide als Menschen abgestürzt. Einer der fremden Woodwalker hatte uns im Flug zur Verwandlung gezwungen.
„Wenn wir höher gewesen wären als drei Meter oder so, hätten wir uns den Hals gebrochen.“ Ich lehnte als Mädchen mit dunklen Haaren, die sich einfach nicht bändigen ließen, und meinem selbstgestalteten violetten Lieblings-T-Shirt an einem Baum. „Selbst der Rat hat noch nie davon gehört, dass jemand schon mal auf diese Art gekämpft hätte. Man muss schon ein wirklich starker Gedankenleser sein.“
„Wie cool, üben wir das jetzt? Wie man jemanden zur Verwandlung zwingt?“ Victor, unser Kampfhahnjunge, grinste und fummelte einen Kaugummi aus der Tasche seiner schwarzen Lederjacke.
Bitte, bitte bringt ihm das nicht bei! Amy, meine Mustangfreundin, warf den Kopf hoch, sodass ihre Mähne flog.
Victors Reaktion darauf war, dass er sie mit einem durchdringenden Blick musterte und sich konzentrierte. Moment mal, schickte er ihr jetzt das Bild ihrer Menschengestalt in den Kopf? So, wie dieser Löwenkerl es mit uns gemacht hatte? Ja, sah fast so aus!
Fünf Sekunden später lag Victor auf dem Boden, das Gesicht in den trockenen Waldboden gedrückt. Auf seinem Rücken thronte ein Sibirischer Tiger, dessen Schwanzspitze aufgeregt hin- und herzuckte. Stolz blickte sich meine beste Freundin zu uns um. Hab extra schnelle Verwandlungen geübt! Ist ja nicht mehr lange hin bis zu unserer Abschlussprüfung!
Danke, Summer, das war tatsächlich sehr katzig. Arula schnurrte kurz. Aber der Sinn der Sache ist, dass ihr euch wehren könnt, ohne pfotengreiflich zu werden. Indem ihr die fremden Gedanken abblockt.
Miss Forester, meine Ohren fühlen sich ganz komisch an, meldete Amy und bog den Hals, um möglichst viele Teile ihres Körpers zu inspizieren. Doch die Ohren konnte sie nicht erkennen, obwohl sie intensiv nach oben schielte.
Nicht nur ich musste lachen, als ich sah, dass jetzt Menschenohren die obere Hälfte ihres Kopfes schmückten. Sie waren mit braun-weißem Fell überzogen und immerhin konnte Amy sie auch schwenken. Nie hatte jemand besser mit den Ohren gewackelt.
Während Amy versuchte, ihre Teilverwandlung rückgängig zu machen, fixierte das Luchsweibchen Victor. Mir scheint, wir haben eine erste Versuchsperson für unsere Übungen heute. Ich schick dir jetzt mal …
„He, Moment mal, wieso kann das nicht jemand anders …?“ Der Rest des Satzes war nur noch Gegacker, weil Victor zu einem orangegelb-schwarzen Kampfhahn zusammengeschrumpft war. Er spähte empört, mit gesträubtem Kamm, unter der Lederjacke hervor und selbst sein größter Fan Crowley musste lächeln.
Beeindruckt blickten Sky und ich uns an und dann hoch zu Arula. Mir war ein ganz klein bisschen mulmig zumute. „Ähm, das war mir nicht klar: dass du selbst stark genug bist, um so was durchzudrücken.“
Nur wenn sich jemand so schlecht abblockt. Arula durchbohrte Victor mit einem Blick. So, jetzt noch mal das Gleiche, nur dass ich dir jetzt das Bild deiner Menschengestalt schicke. Und du versuchst, zu widerstehen.
Der Hahn scharrte auf dem Boden. Machen Sie nur. Was ist, wenn ich gewinne?
Arula pirschte über ihren Ast in seine Richtung. Dann darfst du die nächste Verwandlungsstunde leiten.
Haha – fedrig!, entfuhr es Shiva, der mir als Graureiher bis zum Bauch reichte. Avery, gerade ein elfenhaft schönes Mädchen mit hellblonden Haaren, verschränkte die Arme und zog die Augenbrauen hoch. „Oh, danke. Chaos pur, wer braucht das denn?“
„Go, Victor! Du packst das!“ Victors Kumpel Crowley – in zweiter Gestalt eine Schwarzhäubchenmeise – sah aus, als hätte er jetzt liebend gerne sein Handy aus der Tasche gezogen und Wetten abgeschlossen.
Ganz so selbstsicher, wie er sich aufführte, war Victor nicht. Ich sah, wie er sich unauffällig umblickte … und feststellte, dass der Beutel mit den Verwandlungssachen ziemlich weit entfernt stand. Wir waren zwar gewohnt, uns bei den Verwandlungen gelegentlich ohne Klamotten zu sehen, aber diejenigen von uns, die als Menschen aufgewachsen waren, hatten noch ein bisschen Schamgefühl.
Absolute Ruhe bitte. Drei … zwei … eins … Jetzt. Ich sah, wie Arula einen Moment lang ganz still wurde. All ihre Gedankenkraft sammelte.
Ein Zittern lief durch Victors ganzen Körper, jede Feder bebte. Einen Moment lang färbten sich seine Laufkrallen hell und ich war mir sicher, dass sie gleich zu menschlichen Zehen werden würden. Ja, wurden sie. Wir hielten den Atem an, als wir sahen, dass auch seine Flügel schrumpften und die Farbe wechselten. Ein Raunen ging durch unsere Gruppe, als sie zu gefiederten Armen komplett mit Händen wurden. Nur eben ziemlich klein, sodass sie von der Größe her zu seiner Hahn-Gestalt passten. Sah irgendwie niedlich aus. Ein bisschen wie ein Spielzeughuhn.
Gleich hat sie ihn, dachte ich.
Doch nun stockte Victors Rückverwandlung, kam zum Stillstand. Zu allem entschlossen kniff Victor den Schnabel zusammen, starrte geradeaus und blockte anscheinend mit bemerkenswerter Kraft Arulas Gedankenimpuls.
Ein Insekt schwirrte um Arulas Kopf, und zwar keine von Bumbles harmlosen Hummel-Artgenossen. Eher eins der Sorte, die nur dein Blut wollen. Eins von Arulas puscheligen Ohren zuckte irritiert und Victors Beine nahmen wieder ihre gelbe Farbe an.
Summer und ich wechselten einen besorgten Blick. Keiner von uns wollte eine Verwandlungsstunde mit unserem Klassen-Rüpel!
Das Insekt – anscheinend eine Bremse – ging in den Landeanflug über. Setzte sich auf Arulas Kopf. Und stach die Arme mitten in die Nase.
Beim hüpfenden Wildschwein, fluchte Arula und fuhr sich mit der Pfote über die Schnauze. Im gleichen Moment verwandelte sich Victor wieder in einen reinrassigen Kampfhahn, der mit aufgeplusterten Federn umherstolzierte und uns Triumphgebrüll in die Köpfe schickte. Eine Zumutung, die mir nicht mal bis zum Knie reichte.
Hatte er geschummelt? Das fragten wir uns in diesem Moment alle, aber nur Amy sprach es aus. „Hat ihm ein Freund geholfen mit einem Hähnchen-Impuls?“
Nein, er hat fair gewonnen … er ist stärker, als ich dachte, meinte Arula.
„Hättest du ihm nicht was anderes als Siegespreis anbieten können?“, stöhnte ich.
Sorry, Leute. Ich fand die Idee einfach zu lustig. Meine Freundin versuchte, mit der Zunge die Oberseite der Nase zu erreichen, scheiterte und schleckte sich stattdessen das Bein. Als sie nach unten schaute, stutzte sie. He, wer hat denn hier Reißzwecken verstreut? Genau auf meinem Lieblingsast! Beinahe wäre ich reingetreten.
Ich runzelte die Stirn. „Lass mal sehen“, sagte ich, aber Arula hatte die Dinger schon ärgerlich mit der Pfote weggeschubst. Sie landeten in einem dichten Dornengestrüpp, wo keiner von uns ohne größere Verletzungen drangekommen wäre.
„Oh Mann, ich hätte die gerne noch untersucht“, beschwerte ich mich, weil ich ein irgendwie mulmiges Gefühl hatte. Reißzwecken wuchsen im Gegensatz zu Dornen nicht auf Ästen! Auch Alex sah ich an, dass er skeptisch war.
Aber Ylva zog die Augenbrauen hoch. „Wieso? Sie waren wohl kaum vergiftet.“
Allmählich wurde unsere junge Lehrerin ungeduldig. Weiter gehtʼs. Stellt euch bitte zu zweit auf und übt das alle gemeinsam!
Na gut, okay. War ja nicht wirklich was passiert.
Ich bekam Alex als Partner und die nächsten zehn Minuten lang duellierten wir uns verbissen in Gedanken. „Ha!“, entfuhr es mir, als nach fünf Minuten schließlich ein Waschbär zu meinen Füßen hockte. Ein stinksaurer Waschbär, der mich vorwurfsvoll anglotzte. Das kann doch echt nicht wahr sein! Das nennst du Freundschaft?
Grinsend verschränkte ich die Arme. „Na klar. Wenn du wolltest, dass ich dir nur den Kopf tätschele, hättest du das vorher sagen müssen.“
Bevor er sich rächen konnte, rief Arula schon: Partner wechseln!
Ich bekam Avery und wurde leider dadurch abgelenkt, dass Sky neugierig zu mir herüberschaute. Dadurch bekam er leider zu sehen, wie seine Freundin mich kalt lächelnd in einen aufgeregt krächzenden Häher verwandelte.
Auch die anderen kämpften unsichtbar, aber hart – um uns herum verwandelten sich jede Menge Leute, wir schauten schon gar nicht mehr hin. Aber ich hörte ein „Wow, ich hätte nicht gedacht, dass du so viel Gedankenkraft hast“ von Shiva, der mit Kiki zusammen geübt hatte. „Ich glaube, du bist ein Naturtalent.“
Ein grüner Sittich kann vor Verlegenheit nicht rot anlaufen, aber Kikis Stimme klang entsprechend. Oh, danke, das hat mir noch nie jemand gesagt!
Völlig ausgepowert wankten wir in die Pause, während hinter uns Avery und Nicola sich die Flügel um die Ohren hauten, weil anscheinend Nicola getrickst hatte.
„Boah, wenn ich dran denke, dass wir das vielleicht noch mal im Ernstfall machen müssen, wird mir ganz anders“, sagte ich zu meinem Vater, der mit einem Laptop am Pool saß und abwechselnd Mails beantwortete und die wilden Truthahngeier beobachtete, die hier so wie überall in den Aufwinden segelten. „Hat der Rat den Typen schon geschnappt? Brad Makalani, diesen starken Gedankenleser?“
„Nein, genauso wenig wie Adam Reek und den Rest der Artenschmuggler-Gang.“ Mein Dad seufzte. „Niemand hat sie gesehen. Wir müssen nach wie vor sehr vorsichtig sein.“
Sehr nachdenklich ging ich zum Mittagessen. Dort lag auf meinem Teller eine Portion Vogelfutter. Oh danke, von wem war das denn?
Von Alex, wie sich herausstellte. „Rache ist körnig“, behauptete er grinsend und tippte sich an die selbst gebastelte Basecap, in die er irgendwelche nicht funktionierenden Mini-Lampen eingebaut hatte. „Guten Appetit, Chaoshäher.“
„Oh danke, Kleinbär. Ich liebe Sonnenblumenkerne fast so sehr wie O-Saft.“ Ich pickte mir ein paar Kerne heraus und schenkte den Rest Kiki, die sich riesig freute. Dann machte ich mich stattdessen über die Pommes Frites her.
Es würde so meerig sein wenn es eine Seawalkers rückkehr gebe.Wäre dass eigentlich möglich ?
Meerige Grüsse Hugo
Hi Hugo,
eine zweite Seawalkers-Staffel ist aktuell sehr wahrscheinlich! Katja sammelt da auch gerade einige Ideen dafür – das dauert zwar noch ein bisschen (erst einmal muss die Windwalkers-Staffel beendet werden), aber du kannst gespannt sein, was noch alles kommt 🩵🦈
Meerige Grüße zurück,
Sara
Das ist so meerig danke !!!!!!!!!
Hallo
ich wollte fragen ob man beim FanArt Wettbewerb auch aus der Schweiz oder Österreich mitmachen kann?
waldige Grüsse Anna
Hi Anna,
Klar, das ist kein Problem :>
Waldige Grüße zurück,
Sara
Hallo
Ich wollte fragen welche Bedingungen es bei der Verlosung gibt
katzige Grüße
Elisa
Hi Elisa,
Das mit den Verlosungen funktioniert so – Katja stellt ein Verlosungsvideo online, dann kann man in einem Kommentar drunterschreiben, was man gerne hätte, und wird mit etwas Glück ausgelost. Mehr zu beachten gibt es nicht :>
Katzige Grüße zurück,
Sara