Meine Namibia-Recherchereise

Vier Wochen in Namibia für ´Woodwalkers´

Katja Brandis – Sept. 22 – Alle Fotos von Robin Münker, Christian Münker und Katja Brandis

Hier kannst du meinen Reisebericht als PDF herunterladen

„O mein Gott, wir sind tatsächlich in Afrika!“ Bis zum letzten Moment hatte ich nicht daran glauben können, dass es wirklich klappen würde mit meiner vierwöchigen Recherchereise nach Namibia. Corona, eine Krise bei unseren alten Eltern, Streik und Flughafenchaos … so vieles hätte verhindern können, dass Robin, Christian und ich wirklich nach Namibia kommen und ich für meinen Woodwalkers-Rückkehr-Band 2 recherchieren konnte. Aber die Anreise klappte prima und ich war total geflasht, als wir nach einem eher schlafarmen Nachtflug endlich in Windhoek angekommen waren. Unser Wagen mit Vierradantrieb trug uns zuverlässig über die Straße, und am Straßenrand hockten wenige Kilometer vom Flughafen entfernt schon Paviane. Sie stritten gerade um eine leere Chipstüte.

Ich war finster entschlossen, möglichst viele Eindrücke zu sammeln, und das ging besonders gut auf einer unserer ersten Stationen, der Greenfire Lodge ganz in der Nähe des Naturschutzgebiets Namib Rand. Wir rasteten fast aus, als wir schon während der kurzen Fahrt zu Lodge Oryx-Antilopen (das sind die mit den ganz langen, spitzen Hörnern) und Strauße sahen.

Noch ein paar tolle Nahaufnahmen bekamen wir, als eine Oryx am Anfang ganz gechillt zum Wasserloch vor der kleinen Lodge (nur sechs Zimmer, also sehr gemütlich) wanderte und sich einen Drink gönnte, keine zwanzig Meter von uns entfernt. Am nächsten Tag wurde es aber noch spannender, denn unser Guide Eric meldete, dass Giraffen in der Nähe waren! Sofort brachen wir mit ihm zu unserer geführten Wanderung auf, wir wollten versuchen, näher an die Giraffen heranzukommen. Ganz vorsichtig pirschten wir uns an, bis wir merkten, dass die drei Tiere (Eltern mit Jungtier) zu fressen aufhörten und uns mit vorsichtigem Blick beobachteten). Dann zogen wir uns natürlich wieder etwas zurück. Eric zeigte uns noch magnetischen Sand, fledermausohrige Füchse und Wüstenmelonen, aber wir tanzten noch vor Freude über die Giraffen durch die Gegend.

Weiter ging´s zu den roten Dünen von Sossusvlei. Die hochzustapfen war bei tosendem Wind, der den Sand mit unglaublicher Kraft über die Kante der Düne riss ließ, eine heftige Erfahrung. So stelle ich mir vor, mit einem Schiff im Sturm zu stecken. Wir schüttelten nachher ein halbes Kilo Sand aus unseren Schuhen und versuchten, auf dem Campingkocher Nudeln zuzubereiten (pappig und halb kalt).

Auf der Fahrt nach Swakopmund, zur Küste, stellten wir fest, dass in Namibia man wirklich jede Tankstelle „mitnehmen“ sollte, weil es nur alle paar hundert Kilometer alle gibt. Wir gerieten in einen Sandsturm und waren davon völlig fasziniert. Ratet mal, wer so blöd war, die Autotür aufzumachen, um ein Foto davon zu schießen? Genau, ich! Im Swakopmund kauften wir dann Schaufel und Kehrblech.

Swakopmund konnte unser Herz nicht gewinnen – viel zu deutsch! Seit Namibia eine Kolonie namens „Deutsch-Südwest“ war (ist schon über hundert Jahre her), ist hier anscheinend die Zeit stehen geblieben. Wir aßen zwar im „Altstadteck“, aber nur, weil wir kein anderes Restaurant fanden. Die Bismarckstraße gefiel uns längst nicht so gut wie der nach dem ersten Präsidenten Namibias genannte Sam Nujoma Drive. Und wir wollen, wenn wir in Urlaub sind, auch gar kein Deutsch sprechen (das geht in Swakopmund). Aber zwei absolute Highlights hielt Swakopmund bereit. Wir trauten uns nämlich auf eine vierstündigen Fahrrad-Führung ins Township Mondesa. Denn nicht alle Namibier haben genug Geld, sich in der schicken Innenstadt niederzulassen oder dort shoppen zu gehen.

In einem Township wohnen die Leute in Hütten aus Wellblech und Sperrholz, sie holen sich Wasser von einem öffentlichen Hahn und es gibt keine Supermärkte, sondern Straßenstände, „Tuck Shops“ (kleine Garküchen) und „Barber Shops“ (Friseure), überall laufen Hunde und Kinder durch die Gegend. Das Township geht fast nahtlos in noch primitivere Slums über. Weiße Gesichter sieht man keine in Mondesa, deshalb fühlten wir uns manchmal auch etwas komisch, aber unser Führer Lorenzo, der selbst in den Slums aufgewachsen war, beantwortete uns geduldig jede Frage und sorgte dafür, dass die Leute uns akzeptierten uns wir ein paar von ihnen kennenlernen konnten.

Das zweite Highlight in Swakopmund war eine Kajaktour zu einer Kolonie von Pelzrobben. Mit dem Jeep fuhr uns Nande, der die Robben schon seit Jahren täglich besucht, durch richtig tiefen Sand zum Ausgangspunkt (wir selbst wären garantiert steckengeblieben). Schon waren wir mit unserem Kajak mittendrin im fröhlichen Gewimmel, die erwachsenen Robben beachteten uns kaum und chillten lieber auf dem Strand, aber die jungen Robben fanden die Abwechslung toll, begleiteten unser Boot, knabberten am Paddel und schnupperten an unserer Hand. Eine, die tief und fest schlief, konnte ich sogar ganz in Ruhe streicheln.

Weiter ging´s an einem Schiffswrack vorbei mitten in die Wüste, dort, wo die Herero, Damara und Nama-Stämme leben (und wo wir ihre traditionelle Lebensweise in einem „Living Museum“ erleben konnten). Meist wohnten wir in fest installierten Zelten mit Terrasse.

Obwohl es Winter war in Namibia, stöhnten wir unter der Hitze, es waren zwischen 35 und 40 Grad, als wir in den Hügeln herumkletterten, um uralte Felszeichnungen der San zu entdecken. Wer im Sommer nach Namibia fährt, muss richtig hart im Nehmen sein!

Immerhin, in der nächsten Lodge – bunt und lustig, mit einheimischer Live-Musik am Abend– gab es einen Pool, der groß genug war, um richtig darin zu schwimmen. Erstaunlicherweise haben in dem robbenartigen Wesen, das sich genüsslich im Wasser wälzte, zwei junge Fans die Autorin Katja Brandis erkannt. Dabei hatten sie nicht mal gewusst, dass ich gerade in Namibia war.

Am nächsten Tag hatte ich ein bisschen Herzklopfen, denn wir fuhren in den berühmten Etosha-Nationalpark. „Ich fahre auf keinen Fall zurück nach Deutschland, bevor ich Zebras und Elefanten gesehen habe“, verkündete ich meiner Familie (denn all diese Tiere würden später in meinem Roman vorkommen). Das war, wie sich herausstellte, kein Problem. Schon nach fünf Minuten latschte eine große Zebraherde mit ein paar Gnu-Kumpels an uns vorbei zum nächsten Wasserloch. Springböcke, Impalas und Giraffen hingen auch überall herum.

Kurz darauf lernten wir eine Gruppe von jungen Elefantenbullen kennen, die friedlich am Gestrüpp herumfutterten und dann mit wiegendem Schritt vor uns über die Straße gingen. Die Leute im Kleinwagen vor uns, die jede Menge säulenartige Beine um sich herum sahen, hatten bestimmt so ein Jurassic-Park-Gefühl!

Ein bisschen erschöpft von der vielen Fahrerei trafen wir in unserer bisher edelsten Lodge Onguma ein, sie bestand aus Luxus-Zelten rund um ein eigenes Wasserloch. Erst waren wir enttäuscht („Da ist ja nichts los, nur ein paar spielende Warzenschweine“), aber am nächsten Morgen trafen die Tierherden ein, unter anderem Impalas, Kudus und Zebras, und zwei Elefanten plantschten übermütig im Wasserloch – ohne einen Zaun zwischen uns!

Ein bisschen unheimlich war diese Zaunlosigkeit, wenn ich daran dachte, dass es hier auch Löwen und Leoparden gab. Bei Dunkelheit durften wir nicht mehr allein zu unserem Zelt, sondern wurden eskortiert. Und bei der Zu-Fuß-Safari am nächsten Tag nahm Ranger Petrus eine Knarre mit unglaublich großer Munition mit, nur für den Notfall natürlich.

Wir bewunderten Giraffen-Köttel (nur etwa doppel so groß wie Hasenköttel, und bei Giraffenweibchen quadratisch!), außerdem fanden wir eine Gepardenfährte, die Spuren eines Honigdachses, der sich sein Abendessen ausgegraben hatte, und Hyänen-Dung (knallweiß wegen der Knochen auf dem Speiseplan).

Für meinen Sohn begann eine harte Woche, er hatte sich einen Magen-Darm-Keim eingefangen. Bei uns grummelte es nur ein bisschen in der Bauchgegend. Gehört leider dazu in den Tropen. In unserer nächsten Lodge am Kavango-Fluss – vielleicht habt ihr schon vom Okavango-Delta gehört? -konnte Robin sich ausruhen und ein bisschen die Krokos im Fluss bewundern (Schwimmen war leider nicht drin). Die waren aber nichts im Vergleich zu den Nilpferden (Hippos), die wir von unserer nächsten Bude direkt am Fluss bewundern konnten.

Die Hippos spielten, kämpften und schliefen keine zwanzig Meter von unserer Terrasse entfernt! Ich wurde sofort zu einem großen Fan dieser Dickhäuter. Und im Nationalpark um die Ecke sahen wir endlich auch mal einen Löwen (er und sein Rudel hatten einen Büffel gerissen, mittlerweile etwas überreif – der Gestank war unglaublich!) Hier am Kavango wirkte Afrika richtig afrikanisch, Ziegen und Rinder liefen über die Straße, die Leute lebten in runden, schlammverputzten Hütten mit Schilfdach und das Leben spielte sich draußen ab.

Wir durften in dieser ländlichen Gegend einen Kindergarten, eine Schule – für mich wegen der Woodwalkers besonders interessant – und ein Privathaus besichtigen. Ein bisschen erschüttert war ich davon, dass die Kleinen bis auf eine einzelne Schaukel keinerlei Spielzeug hatten (das Gelände war ansonsten sandiges, flaches Grasland).

Die Schule (erste bis siebte Klasse) hatte eine solide Mauer und ein metallnes Eingangstor, denn ab und zu kommen Elefanten vorbei, die sollen möglichst draußen bleiben. Wir durften den Kindern einer ersten Klasse Hallo sagen und mit einer Lehrerin plaudern, dann zeigte uns der Schulleiter den Computerraum und die kleine Bibliothek (Percy Jackson war vorhanden, Woodwalkers natürlich nicht – kommt leider erst im Januar in Englisch raus …).

Beeindruckt hat mich das Schulessen. Es bestand aus einem sehr großen Eimer weißen Maisbreis (Mielie pap wird das Zeug in Namibia genannt). Jeder der 400 Schüler bekommt mittags eine Kelle davon, das macht satt. In Deutschland würden die Eltern bei einem solchen Schulessen wahrscheinlich Brandbomben ins Büro des Direktors werfen!

In einem Buschcamp durften wir dann einen Tag mit einer Großfamilie San verbringen (früher hat man sie Buschmänner genannt) – das war mir ganz wichtig, weil ein Junge in der Woodwalkers-Klasse ein San ist. Der alte !Nani nahm uns mit in den Busch und erklärte uns auf dem Umweg über ein paar jüngere, englischsprechende Verwandte, wie die San jagen, welche Medizinpflanzen sie kennen und wie sie Wasser und Nahrung im Busch finden (ich hätte die Buschkartoffeln nie, nie entdeckt, die oberirdischen Blätter waren völlig vertrocknet). Bogenschießen, Feuer machen mit zwei Stöckchen und Straußenei-Schmuck herstellen stand auch auf dem Plan.

Zum Schluss wurde es besonders für mich nochmal richtig spannend, weil wir nun in die Waterberg-Region kamen, dem Schauplatz des Woodwalkers-Austausches (über den werdet ihr in Rückkehr-Band 2 so einiges lesen). Hier steht in meinem Roman die Narawandu School. Eine tolle Gegend, deutlich grüner als die umgebende, ausgedörrte Kalahari, weil es am Waterberg (der Name sagt es schon) Wasser gibt. Dadurch wimmelt es in den Naturschutzgebieten der Umgebung vor Tieren.

Ich hörte Löwen röhren (und sah auch einen!), fotografierte Klippschliefer, sah mehr Giraffen als jemals zuvor (unser Guide fuhr mit uns durch eine Gruppe von neun Tieren …) und suchten bei Gluthitze zu Fuß die Breitmaul-Nashörner, die dort friedlich leben und lieben. Da sie immer in Gefahr durch Wilderer sind (ihr Horn wird in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet), werden sie Tag und Nacht durch Ranger begleitet. Das machte es natürlich nicht allzu schwer, sie aufzuspüren, obwohl wir natürlich auch fleißig das Spurenlesen übten – ihre Fährten sehen aus wie Ahornblätter, komplett mit Blattadern. Es war es ein atemberaubendes Erlebnis für Robin und mich, ihnen bis auf zehn Meter nahe zu kommen (das eineinhalbjährige Kalb guckte mich an, als wollte es in meine Richtung laufen – nein, nein, bitte nicht!)

Beim Cheetah Conservation Fund (CCF), den ich über die Aktionsgemeinschaft Artenschutz schon lange mit Spenden unterstütze, sprintende Geparden aus der Nähe zu erleben war dann eins der letzten Highlights, bevor es zurückging nach Windhoek und von dort aus zum Frankfurter Flughafen.

Völlig erschöpft krochen wir (nein, nicht wirklich, wir konnten noch gehen …) um halb sechs Morgen zum Zug nach München und stellten dankbar fest, dass die Bude noch stand, alle Katzen lebten und die Fische auch noch vollzählig waren. Wie seltsam, dass uns hier kein Kudu vors Auto springt und keine Gelbschnabel-Toco in den Bäumen lärmen. Aber wie schön, dass es hier regnet und alles so grün ist (in Namibia hatte es zuletzt im Februar geregnet, vorher hatten sie etliche Jahre Dürre, also gar keinen Regen!).

2 Kommentare

  1. Oha, ich hab den Bericht erst jetzt gelesen, aber das hört sich so cool an! Ich freue mich auf jeden Fall im Januar dann durch Woodwalkers noch mehr darüber zu erfahren xD.

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  2. Das hört sich richtig schön an!

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