Leseprobe aus “Herr der Gestalten”

((Aus dem ersten und zweiten Kapitel von “Woodwalkers Rückkehr 2 – Herr der Gestalten))

 

Nachts im Waschraum

 

Nachts ist es in unserer Wandlerschule Clearwater High längst nicht so ruhig wie in einem Internat für Menschen. Als ich verschlafen Richtung Klo schlurfte, grüßte ich, ohne richtig hinzusehen, den Igel-Erstjahresschüler, der in einer Ecke herumschnupperte. Währenddessen huschte über mir eine Fledermaus herum und jagte mit einem Deine letzte Stunde hat geschlagen, Falter! irgendein armes Insekt, das sich in unsere Flure verirrt hatte. Beinahe wäre ich über meinen Klassenkameraden gestolpert, der als Kater nachts auch ziemlich munter war. Mit einem vorwurfsvollen Du warst schon mal geschickter, Carag stolzierte er davon.

„Jaja, sorry“, murmelte ich und bewegte mich weiter in Richtung Jungenwaschraum. Ich hatte bei unserer Feier gestern eindeutig zu viel Weihnachtspunsch getrunken, jedenfalls fühlte es sich an, als würde ich gleich platzen.

Und dann ging die blöde Tür nicht auf. Eulendreck! Anscheinend hatte jemand abgeschlossen. Sollte ich runter auf die Waldlichtung laufen? Aber ich war ziemlich sicher, dass ich es nicht unfallfrei bis ins Erdgeschoss und nach draußen schaffen würde. Ich rüttelte noch einmal an der Waschraumtür, kräftiger diesmal – und fiel beinahe ins Innere, als das Ding plötzlich aufging. Ein paar rot-grün glitzernde Deko-Perlen waren unter die Tür gerollt und hatten sie verklemmt.

Dort war das rettende Pinkelbecken! Ich benutzte es ausgiebig …. und hörte über das Plätschern, wie jemand den Waschraum betrat.

„Oh, hallo, Carag“, sagte eine Mädchenstimme.

Ich sprang vor Schreck beinahe bis zur Decke.

„Äh, Shari … das hier ist der Jungenwaschraum“, erklärte ich, während ich in Rekordgeschwindigkeit meine Shorts hochzog.

Unser blondgelockter Gast aus Florida wirkte nicht beeindruckt. „Ach so, echt? Kannst du mir mal erklären, wozu diese getrennten Klos überhaupt gut sein sollen? Wir haben als Delfine einfach ins Meer gemacht, dort wo wir gerade entlanggeschwommen sind, und es hat niemanden gestört.“

Noch immer ein bisschen durcheinander, nickte ich. Als ich noch als Puma in den Bergen gelebt hatte, war es auch kein Thema gewesen, wer hinter welchen Busch ging. „Stimmt, wirklich eine komische Menschensitte. Vielleicht so ein Revier-Ding. Man gewöhnt sich dran.“

„Ich glaube, es ist dafür da, dass man sich auf den Mädchenklos über Jungs unterhalten kann, ohne dass die das hören.“ Shari riss eine der Kabinen auf, ging hinein … und vergaß die Tür wieder zuzumachen. Hastig drehte ich mich um und wollte die Flucht ergreifen, da fiel mir das Händewaschen ein. Das gehörte zu den ersten Dingen, die meine Pflegefamilie mir damals beigebracht hatte, als ich begonnen hatte, in Menschengestalt zu leben.

Nur leider hatte mal wieder jemand die Seife geklaut. Wetten, es war Wing gewesen? Unser Rabenmädchen lebte gerade seine künstlerische Seite aus und hatte begonnen, aus dem Zeug kleine Figuren zu schnitzen. Unsere Kunstlehrerin fand das sehr originell, doch dafür hatte Wing Stress mit James Bridger bekommen. Er war seltsamerweise der Meinung, dass Seife nur zum Waschen da war.

James Bridger. Auf einmal fühlte sich mein ganzer Körper schwach an, ich musste mich am Waschbeckenrand abstützen. Wo war mein Lieblingslehrer gerade? Wie behandelten ihn seine Entführer? Wann konnten wir endlich los, um ihn zu befreien?

„Alles meerig bei dir?“ Fürsorglich tätschelte Shari meine Schulter. „Du denkst wahrscheinlich an deinen Lehrer, oder? Ich kann auch nicht pennen, weil mir das die ganze Zeit im Kopf herumgeht. Aber halb so schlimm. Als Delfin schlafe ich sowieso immer nur halb.“

„Was meinst du mit halb?“, fragte ich verdutzt.

„Das hatten wir neulich in Sei dein Tier. Wenn ich in zweiter Gestalt schlafe, schwimme ich einfach weiter, weil immer nur eine meiner Gehirnhälften ruht, die andere hält Wache. Ein Auge behalte ich immer offen. Wart mal, ich zeig dir, wie das aussieht …“

Sie marschierte im Kreis, ein Auge zugekniffen. Ich nickte, lächelte und hoffte, dass jetzt niemand reinkam und blöde Fragen stellte. Besonders nicht Tiago, mit dem sie mittlerweile zusammengekommen war. Tiago – ein Tigerhai – und ich mochten uns sehr. Aber ich wollte ihm nicht wirklich erklären müssen, warum seine Freundin mir im Jungenwaschraum eine Privat-Schlaf-Vorführung gab.

Deshalb sagte ich schließlich: „Danke, total nett, dass du mir das erklärt hast. Aber ich würde jetzt, glaube ich, lieber mit ganzem Gehirn schlafen gehen. Morgen wird ein harter Tag … ich hoffe, wir schaffen es, James zurückzuholen.“

Sofort hielt Shari an. „Dürfen wir mit? Wir Leute von der Blue Reef High?“

Ich druckste ein bisschen herum. „Da bin ich nicht sicher. Ihr seid hier an Land sowieso immer in Gefahr, weil ihr Meerestiere in zweiter Gestalt seid. Ich glaube, das wäre zu riskant.“

„Ja, stimmt.“ Unser Delfingast dachte nach. „Aber ihr müsst unbedingt unsere Kampflehrerin mitnehmen! Die ist richtig gut in so was!“

„Bestimmt ist geplant, dass sie mitkommt“, versprach ich ihr. „Jetzt aber gute Nacht ‒ und träum am besten nicht vom Meer.“ Wir hatten zwar für den Notfall ein Plantschbecken in der Eingangshalle aufgebaut, aber mir war lieber, wenn wir das nicht brauchten.

„Haha, ich werd’s versuchen. Hab mich schon lange nicht mehr versehentlich verwandelt.“ Shari lächelte mir noch einmal zu, dann zog sie ab.

Erleichtert tappte ich zurück in mein Zimmer, in dem mein Bison-Zimmergenosse Brandon mal wieder kräftig schnarchte. Trotzdem musste ich es schaffen wegzudösen. Mit meinen Freunden hatte ich ausgemacht, dass wir uns bei Sonnenaufgang bei unserem Baumhaus treffen und eine Notfallbesprechung abhalten würden.

Hatten unsere Lehrer schon einen Plan, wie wir James aus den Fängen dieser miesen Löwenfrau Rebecca Youngblood befreien konnten? Ich hoffte es sehr.

 

 

 

Heute keine Beute

 

Manchmal bist du gar nicht nussig, Carag, sagte Holly, rannte mit zuckendem Puschelschwanz einen Ast entlang und schlug die Zähne in einen Kiefernzapfen. Wieso hast du diesen Baum markiert, obwohl das eindeutig MEIN BAUM ist?

Weil mir keine Antwort einfiel, zog ich erst mal die Krallen aus der Rinde. Wie eine weiße Wolke breitete sich mein Atem vor mir aus, als ich durchschnaufte.

Mein Baum, dein Baum – hast du keine anderen Probleme, Horrorhörnchen?, antwortete meine Freundin Tikaani an meiner Stelle. Sie schnüffelte in ihrer Gestalt als Polarwölfin am tief verschneiten Waldrand herum. Bald geht es los, dann versuchen wir, James Bridger zu befreien!

Beim großen Gewitter, wir versuchen es hoffentlich nicht nur, meinte ich, legte die Ohren an und fauchte leise. Mein Lieblingslehrer war gefangen genommen worden, als wir auf dem Rückflug gewesen waren von unserer Mission, das alte Buch des Cherokee-Schamanen in Sicherheit zu bringen. Keiner von uns hatte gewusst, dass unser Lehrer es heimlich per Post nach Afrika geschickt hatte, bevor wir losgeflogen waren. Das war eine katzige Idee von ihm gewesen, sonst wäre es nämlich unseren Feinden in die Hände gefallen, die uns bald darauf abgefangen hatten. Und die hätten es damit womöglich geschafft, Andrew Milling seine Menschengestalt wiederzugeben und ihn zu befreien.

Immerhin, die Kerle wissen nicht, dass wir wissen, wo sie ihn hingebracht haben. Wissen ist Macht! Brandon pflügte nervös durch den Schnee. Anscheinend versuchte er, denjenigen von uns, die nicht so lange Beine hatten wie er in seiner Bisongestalt, einen Weg zu unserem Baumhaus freizumachen. Dabei wollte gerade niemand rein, den meisten war es zu frostig – über uns glänzten die Sterne so kalt wie Eisstücke.

Wissen ist Nacht? Was meinst du damit? Nicht immer wurde ich schlau aus meinem besten Freund, der als Mensch aufgewachsen war.

MACHT, nicht Nacht, du Pelzvorleger. Holly nagte den Zapfen so heftig ab, dass mir holzige Stücke auf den Kopf prasselten.

Brandon stampfte den Schnee fest. Ich geb dir mal ein Beispiel. Wenn du alle Prüfungsfragen schon vorher weißt, betteln alle dich an, sie dir zu sagen – und du kannst von ihnen haben, was du willst.

Oder du hast ein altes Buch mit Verwandlungsformeln, die außer dir keiner kennt, flüsterte einer der Rabenzwillinge, die über mir auf einem Ast hockten und ungewohnt schweigsam waren.

Zum Beispiel, wisperte ich mutlos zurück. Dann streiften wir weiter rastlos durch den Schnee und beobachteten unser Wandler-Wolfsrudel, das ein Stück entfernt herumlungerte und ebenso unruhig wirkte wie wir. Inzwischen hatte jeder in der Clearwater High von dem Kampf und der Entführung gehört. Die Schul-Weihnachtsfeier war deshalb ziemlich kurz ausgefallen, wir hatten nur unsere Wichtelgeschenke ausgetauscht und eine Kleinigkeit gegessen.

Jetzt war es sehr früh am nächsten Morgen, auf dem Kalender stand: 22. Dezember. Ich hatte gesehen, wie Kimberley, eine der Erstjahresschülerinnen, mit unserem Hausmeister in die Stadt gefahren war. Niemand achtete gerade auf das, was wir taten. Morgen fingen sowieso die Ferien an, und jetzt irgendwelche Formeln oder Vokabeln zu unterrichten, brachte keiner der Lehrer über sich. Dabei hatten wir, wie ich letzte Nacht mal wieder gemerkt hatte, Gäste aus der Seawalker-Schule (die anscheinend noch schliefen, ob halb oder ganz).

Meinst du, diese Kampflehrerin aus Florida – Miss White – kommt mit und hilft uns, Bridger zu befreien?, fragte Brandon in die Runde. Übrigens war sie die ganze letzte Nacht in Jackson Hole unterwegs, hat mir eine Fledermaus erzählt.

Ist ja schräg. Sie muss mitkommen – sie ist stärker als wir alle und kann Türen eintreten! Zum Glück konnte Holly auch mit vollem Mund reden, das war der Vorteil an Gedankensprache. Wir werden diese beknackten Auspuffwolken so dermaßen wegfegen, ihr werdet sehen.

Noch während ich überlegte, ob Goldminen überhaupt Türen hatten, sah ich meine Schwester Mia mit langen Sprüngen durch den Tiefschnee auf uns zukommen. Mich müssen sie auch mitnehmen, ich bin die Kampfkraft pur, behauptete sie. Weißt du nicht mehr, wie wir dieses Stachelschwein fertiggemacht haben, Carag? Und da waren wir Kätzchen!

Ach, ich dachte, das hat UNS fertiggemacht, gab ich zurück und als Mensch hätte ich bestimmt gelächelt. Allmählich war mir ein bisschen leichter zumute. Ja, wir hatten ein paar richtig gute Kämpfer bei uns an der Schule; und nein, wir würden James Bridger nicht im Stich lassen.

Wir hörten das Geräusch einer Seitentür, die sich öffnete. Tikaani riss den Kopf hoch, Brandon schnaubte und Holly ließ ihren Zapfen fallen, sodass er im Schnee verschwand.

Es war unsere Adler-Schulleiterin Lissa Clearwater, das Licht glänzte auf ihren fedrigfeinen weißen Haaren. Sie winkte uns heran.

Geht es los oder können wir noch schnell was im Wald erlegen? Jeffrey und der Rest seines Wolfrudels – alle im dicken Winterpelz – rannten in unsere Richtung.

„Heute keine Beute“, sagte Miss Clearwater grimmig. „Kommt rein, dann erkläre ich euch den Plan.“

Lissa Clearwater führte uns zu dem großen Raum, in dem wir sonst Kampf und Überleben hatten. Weil sich darin nun ziemlich viele Wölfe und Pumas tummelten, roch es ein bisschen muffig nach feuchtem Fell.

Wir schlagen so bald wie möglich los, richtig?, fragte Jeffrey grimmig, und Cliff wedelte kurz, bevor der strafende Blick gleich zweier Clearwaters ihn traf. Ganz recht, das hier war keine lustige Kampfstunde, sondern ein Notfall!

„Wie ihr euch schon gedacht habt, macht sich eine Einsatzgruppe gleich auf den Weg zu dieser alten Goldmine, um James zu befreien“, sagte Lissa, unsere Schulleiterin. Ihr Gesicht war verzerrt vor Sorge.

Ihr Sohn Jack Clearwater warf einen Blick auf ihren verbundenen Arm. „Weil meine Mutter ja beim Kampf mit der Youngblood verletzt worden ist, fliege ich selbst mit, damit wir Luftüberwachung haben.“

„Genau“, fuhr Lissa fort. „Bill leitet die Befreiungsaktion“ – sie deutete auf unseren jungen, muskulösen Kampflehrer mit dem kahl geschorenen Kopf – „… und Alisha ist ebenfalls mit von der Partie.“

Die durchtrainierte, dunkelhaarige junge Frau nickte, verschränkte die Arme … und kaute seelenruhig ihren Kaugummi weiter. Viele neugierige Augen musterten sie – ich kannte Alisha White schon aus Florida, aber die meisten von uns hatten sie erst vor Kurzem zum ersten Mal gesehen.

„Ihr fragt euch gerade, ob ihr mir vertrauen könnt, stimmt´s?“, meinte sie. „Die Antwort ist ganz einfach: Ja, könnt ihr. Ich habe Milling und seine Leute nie ausstehen können.“

„Was ist mit den drei Sicherheitsleuten des Rates, die wir schon kennen?“, fragte Jack.

„Die jagen den Leuten der Youngblood nach, die beim Kampf dabei waren und unser Flugzeug zur Landung gezwungen haben“, sagte Lissa. „Rechne also lieber nicht mit ihnen.“

„Beim großen Gewitter, das darf doch echt nicht wahr sein“, beschwerte ich mich. „Wieso hat der Rat nicht mehr Sicherheitsleute? Wie viele sind es denn insgesamt?“

„Ich glaube, nicht mehr als zehn“, flüsterte Lissa Clearwater mir zu. „Darüber hinaus gibt’s natürlich die Wachen in Sunny Meadows, die zählen extra.“

Schweigend nickte ich. Wer darf von uns Schülern mit?, fragte Tikaani gespannt.

Bill Brighteye deutete auf Jeffrey, Cliff, Tikaani sowie die neue Wölfin Mondauge, dann auf mich und Mia, mit einer Handbewegung winkte er uns an seine Seite.

Ich wusste, dass ihr nicht ohne uns Wölfe auskommen würdet, prahlte Jeffrey und ich verdrehte die Augen. Doch Mr Brighteye nickte nur. „Euch brauche ich zum Kämpfen, aber jemand zum Spionieren muss auch dabei sein.“

Anscheinend hatte er Nell, unserer Maus-Wandlerin, schon Bescheid gesagt, sie stand in ihrer Gestalt als schwarzes Mädchen mit vielen Zöpfchen in der Nähe. Nun trat auch sie an die Seite unseres Kampflehrers und ich begrüßte sie mit einem Schnurren. Keiner in unserer Klasse unterschätzte Nell, sie war zwar klein in zweiter Gestalt, aber schon ziemlich oft fast getötet worden und deshalb ziemlich taff.

„Zuletzt brauchen wir noch jemanden, der lautlos fliegt und uns außerdem zeigen kann, wo diese Mine genau ist … es gibt nämlich ziemlich viele ehemalige Gold- und Silberminen in der Gegend“, fuhr Lissa Clearwater fort. „Ava, bist du bereit?“

Mit einem zittrigen, aber stolzen Lächeln trat Ava vor, ein zierliches Mädchen mit glatten braunen Haaren und großen Augen. Sie war Steinkauz in zweiter Gestalt und ein bisschen zurückhaltend, aber wir mochten sie alle.

Sonst niemand?, meckerte Holly und hüpfte auf meinem Kopf auf und ab, was sich nicht gerade toll anfühlte.

„Joe Bridger natürlich“, sagte Bill Brighteye und gab Joe, der wie sein Vater ein Kojote war, ein Zeichen. „Schließlich ist es sein Vater, um den es hier geht. Sei froh, dass wir dich nicht brauchen, Holly – es wird garantiert gefährlich …“

Pah! Ich kann ›gefährlich‹, behauptete Holly und vergaß dabei, sich an meinen Ohren festzuhalten. Sofort schüttelte ich den Kopf und sie flog in hohem Bogen auf eine der Übungsmatten. Wie ein Gummiball hüpfte sie sofort wieder hoch und raste aufgeregt im Raum umher.

„Leise!“, mahnte unsere Schulleiterin. „Es braucht nicht jeder zu wissen, was wir vorhaben.“

Wir schlichen nach draußen – doch offensichtlich waren wir nicht leise genug gewesen, denn im Schulflur fing uns jemand ab. Ein nicht sehr großer Junge mit kräftigen Schultern und Armen; seine dunkelbraunen Haare umrahmten sein eckiges Gesicht. Es war Paolo, einer der Erstjahresschüler. „Wenn ihr schlau seid, nehmt ihr mich auch mit“, sagte er, während er Lissa Clearwater den Weg vertrat. Sie wirkte einen Moment lang genauso sprachlos über seine Dreistigkeit wie wir anderen.

„Ich fürchte, das geht nicht, Paolo“, sagte sie kühl. „Unsere Gruppe ist komplett.“ Sie fügte nicht hinzu, dass wir uns bei einem Ameisenlöwen wie ihm, der auf ihren kleinen Fingernagel gepasst hätte, eher Sorgen machen mussten, dass er im Schnee verloren ging. Mein Erzfeind Andrew Milling hätte diesen Kerl in seiner Insektengestalt wahrscheinlich runtergeschluckt, ohne es zu merken.

„Aber ihr habt noch nicht viele Leute in der Gruppe, die so wie ich auch in Menschengestalt gut kämpfen können“, behauptete Paolo und verschränkte die Arme.

Hä? Meinst du das ernst? Cliff, der größte unserer Wolfs-Schüler, und Tikaani knurrten ihn an.

Doch Paolo wich nicht vor ihnen zurück, warf ihnen nur einen gleichgültigen Blick zu und sah die Lehrer an. „Also?“

Ich war überrascht, als Bill Brighteye sich an die anderen Lehrer wandte. „Es stimmt, eigentlich ist die Gruppe voll, aber meine Stimme hat er. Er ist tatsächlich ein sehr guter Kämpfer.“

„Na gut – du bist der Leiter der Aktion“, sagte Lissa Clearwater.

Paolo grinste so breit, als wäre er wie Henry ein Frosch in zweiter Gestalt. „Cool, danke. In wessen Fell darf ich reisen?“

So wie eine Laus?, fragte Mondauge, die noch vor Kurzem als wilde Wölfin gelebt hatte, und schüttelte angewidert ihr rötlichgraues Fell.

Bevor Paolo erwidern konnte, dass er keine gottverdammte Laus, sondern ein wilder, gefährlicher Ameisenlöwe war (solche Sprüche kannten wir schon von ihm), nickte Tikaani. Er kann meinetwegen mit mir reisen, sagte sie ohne Begeisterung. Das war wirklich edel von ihr. Verliebt blickte ich ihr einen Moment lang in die Augen. Dann meinte ich: Und Nell mit mir, worauf unser Mausmädchen sich sofort verwandelte und an meinem Vorderbein hochhangelte.

Holly hockte als Rothörnchen beleidigt auf einem Stapel Matten und sah zu. Viel Glück, ihr Pelzis – und wehe, ihr kommt ohne Mr Bridger zurück!, schickte sie uns hinterher.

 

34 Kommentare

  1. Sehr Nice.

    kriegt man das Buch eventuell irgendwo auch schon etwas früher als 12. Januar?
    VG
    Nico

    Antworten
    • Hallo Nico,
      Die meisten Buchläden bekommen das Buch tatsächlich schon 1-2 Wochen früher, damit sie es pünktlich zum Erscheinungstermin vorrätig haben – wenn du Glück hast, verkauft dein Laden es auch schon vor dem Erscheinungstag, also ein paar Tage vorher dann einfach mal dort nachfragen 🙂

      Viele Grüße,
      Sabine

      Antworten
  2. Ich fände es Coool wenn in dem neuen band das rauskommt dort ein oder zwei neue Tiere abgedruckt werden z.B ein nicht so auffälieger Woodwalker.

    Antworten
    • Hallo Sebelzahn,
      Natürlich gibt es im nächsten Band auch wieder ein paar neue Tierbilder, lass dich überraschen 🙂

      Viele Grüße,
      Sabine

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      • Danke ,schreibt ihr in die nächsten Bücher auch Grüse Rein(Grus von mir ) wenn ja ,dann würde ich mich dadrüber Freuen.

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        • Hallo Sebelzahn,
          In die Widmungen und Danksagungen kommen leider bloß Leute, die Katja gut kennt oder die irgendwie mit der Entstehung des Buchs zu tun hatten, sorry!

          Viele Grüße,
          Sabine

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  3. Hallo,
    ich wollte nur Fragen ob Lou in der zweiten Staffel wieder wichtiger wird, da eine Freundin von mir sie im Film sielen möchte und sich sehr für sie interessiert.
    Grüße, Newt

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    • Hallo Newt,
      So wichtig wie in Staffel 1 wird Lou wahrscheinlich nicht nochmal werden, aber natürlich hat sie in den nächsten paar Büchern trotzdem noch ein paar sehr coole Momente!

      Viele Grüße,
      Sabine

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  4. war echt toll nur Paolo ist ja wirklich echt gemein ich fand’s toll wenn er so in Jeffrey ‘s Platz Rücken würde weil Carags und Jeffrey sind ja nicht mehr verfeindet.

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    • Hallo Wolfsjunge,
      Paolo wird auf jeden Fall noch eine interessante Rolle spielen, lass dich überraschen!

      Viele Grüße,
      Sabine

      Antworten
      • Könnte es sein das Paolo auch ein Spion für die Youngblood ist und Millings Truppe dann vorwarnt? Also, möglich wärs doch, oder? Oder Paolo beweist sich dann und rettet sie alle.

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        • Hallo KatzenKratzen,
          Tja, lass dich überraschen, was im nächsten Buch noch so alles passiert 🙂 Das verraten wir jetzt natürlich noch nicht.

          Viele Grüße,
          Sabine

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