Praktikumsbericht Lina Oppermann

Juli 2015

Lina_Oppermann-smallEs ist Freitagnachmittag, Viertel nach zwei. Ich sitze im Praktikantenzimmer und frage mich, wo die viele Zeit bloß hin ist, die seit dem Montag vor zwei Wochen vergangen ist. Im Nachhinein kommen mir die vielen Stunden vor wie ein einziger Rausch aus Schreiben, Lesen, Arbeiten, Essen, Reden, Rad fahren und wieder Schreiben. Es fällt mir schwer, mich daran zu erinnern, wie ich am ersten Tag voller Vorfreude und gleichzeitig nervös nach der Adresse gesucht habe.

Geschrieben habe ich in den vergangenen Wochen eine Menge. Mit dem „Selbstlektorat“ auf den Knien konnte ich mich gleich in die Überarbeitung meines Jugendromans stürzen und dank Katjas Charakterisierungsbögen habe ich dabei noch viel mehr über meine Figuren erfahren, als ich überhaupt für möglich gehalten hätte – was unglaublich hilft, wenn es um Nachcharakterisierung geht. (Für alle, die selbst auch schreiben daher an dieser Stelle der Tipp: Je mehr man über die Figuren weiß, desto einfacher wird’s!)

Auch an das Exposé hab ich mich endlich rangewagt, davor hatte ich mich vorher lange gedrückt. Heute ist das Ding fertig, mein Roman ein gutes Stück weiter und meine Motivation mit jeder zusätzlichen Seite ein Stück gewachsen.

Arbeiten, das war die andere Zeit, die ich Aufgaben für Katja erledigt habe. Adressen aktualisiert, Ideen gebrainstormt, klangvolle Namen für ein Zauberland gesucht, über Romankonzepten gegrübelt, einen Flyer gestaltet. Dass zum Alltag als Autorin viel mehr gehört, als bloß zu schreiben, ist mir erst während dieser Stunden klar geworden. Und auch, dass genau das ziemlich hilfreich sein kann, wenn man mal beim Formulieren nicht weiterkommt.

Echte Buchbranchen-Luft schnappen konnte ich gestern, bei einem Besuch in einer Agentur. Was für ein Tag – ganz so einschüchternd hatte ich mir so ein Büro nun doch nicht vorgestellt. Zum ersten Mal durfte ich erleben, was es für ein Gefühl ist, sein Herzensprojekt einer kritischen Agentin zu präsentieren.

Wie Katja selbst ihre Romane vorstellt, konnte ich eine Stunde zuvor, während der Floaters-Lesung in Freising bewundern: Mit vielen Bildern, „Anfassgegenständen“, Energie und schlagfertigen Antworten – Übung macht eben den Meister.

Das anschließende Abendessen bei Katja zu Hause hat den Tag endgültig zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich in diesen zwei Wochen mehr gelernt, erfahren und erlebt habe, als durch alle Schreibratgeber zusammen. Trotz Lebensmittelvergiftung war Katja immer, aber auch wirklich immer für mich da, hat all meine tausend Fragen beantwortet und es fällt mir richtig schwer, den Schreibtisch gleich leerzuräumen und meine Tasche zu packen.

Aus meinem Traum vom Schriftstellerdasein ist durch die Zeit hier ein handfestes Ziel geworden. Und immerhin: Eine Agentin als Ansprechpartner kenne ich jetzt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.