Wer ist Wer? Ruf der Tiefe

Lust darauf, in die Welt des Romas reinzuschnuppern? Oder wollt ihr mehr über euere Lieblingsfiguren aus Ruf der Tiefe erfahren? Hier findet ihr ausführliche Infos – und so manches Geheimnis wird gelüftet…

Die Hauptfiguren

Leon Redway

16 Jahre. Ein hoch gewachsener, schlaksiger Junge mit kurz geschorenen schwarzen Haaren und grünen Augen. Er fühlt sich im Meer weitaus wohler als an Land; unter Wasser ist er in seinem Element und durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Leon taucht schon, so lange er sich erinnern kann, und seit seinem zwölften Lebensjahr wird er auf der Tiefseestation „Benthos II“ des Konzerns ARAC zum Flüssigkeitstaucher ausgebildet. Verschafft hat ihm die Aufgabe bei der ARAC sein Adoptivvater, der deutsche Meeresbiologe Tim Reuter. Er war ein Freund von Leons Eltern John Alan und Juliette Redway, die bei einem Unfall umgekommen sind, als Leon neun Jahre alt war.

Am liebsten würde Leon ganz im Meer leben, immer öfter zögert er das Auftauchen heraus und bekommt dafür Ärger mit seinem Ausbilder Ellard. Theoretisch kann er mit seiner OxySkin tagelang unter Wasser bleiben, und manchmal schläft er außerhalb der Station im offenen Wasser. Einsam ist Leon nur in Gesellschaft anderer Menschen. Im Meer dagegen ist er nie allein, denn dort wartet seine Gefährtin und Kollegin auf ihn, die intelligente, genetisch manipulierte Krake Lucy.

Aufgewachsen ist Leon in Kalifornien, Geschwister hat er keine. Leons Vater John Alan war Biologe, er arbeitete ebenso wie Juliette, eine Tauchmedizinerin, an der Scripps Institution of Oceanography; die beiden haben die Technik des Flüssigkeitstauchens mitentwickelt. Als seine Eltern noch lebten, nahmen sie Leon oft zu Forschungsreisen mit. Später wurde Leon für die San Diego School of the Sea ausgewählt, wo er auch Julian und Billie kennenlernte, seine Freunde und Zimmergenossen auf Benthos II.

Kaum drei Woche im Jahr ist Leon wie er und die anderen Taucher es nennen – an Land. Hin und wieder verbringt er mit Tim einen Urlaub, sie sind sogar schon einmal nach Deutschland gereist, um Tims Verwandte zu besuchen (was Leon nicht leicht gefallen ist, er hat Flugangst). Von diesen Ferien hat Leon gute Erinnerungen an Deutschland zurückbehalten, und er kann mittlerweile ein bisschen Deutsch.

In seiner freien Zeit spielt er gerne mit Lucy, sucht in der Tiefsee nach neuen Tierarten und geht mit den anderen jungen Tauchern auf „Geocaching“-Ausflüge. Außerdem macht es ihm großen Spaß, Wracks zu erforschen. An Land spielt er gerne Basketball und geht mit Tim an den Stränden Hawaiis surfen. Da er früher oft frei getaucht ist, kann er noch immer problemlos zwei Minuten lang die Luft anhalten.

Eine normale Schule hat Leon nur in seiner Kindheit kennengelernt. Wie die anderen jungen Taucher bekommt er auf Benthos II schon seit Jahren Fernunterricht; ob er seine Aufgaben auch wirklich erledigt, wird von seinem Ausbilder Ellard überwacht. Leon hat recht gute Noten, allerdings ist er etwas schwach in Mathe und Englisch, weil ihn diese Fächer nicht besonders interessieren.

Als ARAC-Taucher verdient Leon gut, und da er auf Benthos II kaum etwas ausgeben kann, hat er nicht wenig Geld auf dem Bankkonto, hinzu kommt das Erbe seiner Eltern. Dennoch würde sein Gespartes gerade mal ausreichen, um sich eine einzige OxySkin kaufen zu können. Diese HighTech- Tauchanzüge, die ihm das Leben in der Tiefsee ermöglichen, kosten inklusive aller Ausrüstung um die 100 000 Dollar pro Stück. Zur Zeit verfügt Leon über drei OxySkins, die die ARAC maßgeschneidert für ihn hergestellt hat.

 

Lucy

Genmanipulierte Krake, ca. zwei Meter groß von Armspitze zu Armspitze und rötlichbraun gefärbt. Lucy ist intelligent, humorvoll und etwas ängstlich. An Leon hängt sie sehr, und das buchstäblich – sie kriecht gerne auf ihm herum und klammert sich mit ihren Saugnäpfen an ihn, „umkraken“ nennen die beiden das. Durch ihre feinen Sinne findet sie sich in der Tiefsee hervorragend zurecht, und Benthos II betrachtet sie als ihre Heimat. Dort unter einem der Module ist ihr Lieblingsplatz, dorthin zieht sie sich zum Fressen und Ruhen zurück. Wie alle Kraken kann sie sich hervorragend tarnen und wechselt je nach Stimmung die Farbe.

Fabienne Rogers, die Chefin der ARAC, entschied früh während ihrer Aufzucht, dass Leon eine mögliche Partnerin für „Octopus C-459/IIB“ wäre. Die kleine Krake kam in Leons Obhut, als sie noch in seine Handfläche passte, und er taufte sie Lucy. Ins Freiwasser durfte Lucy, als sie so lang wie Leons Unterarm war; vorher war die Gefahr zu groß, dass sie von einem Fischen gefressen werden würde. Einmal – als Leon 14 war – wurde Lucy tatsächlich von einem kleinen Hai ein Arm abgetrennt, doch der Körperteil wuchs schon bald wieder nach. Das ist für Kraken nichts besonderes, ungewöhnlich ist an Lucy jedoch ihre höhere Lebenserwartung. Durch ihre von der ARAC designten Gene soll sie deutlich älter werden als gewöhnliche Kraken, die schon nach ein bis drei Jahren sterben. Niemand weiß, dass Lucy und Leon sich von „Kopf zu Kopf“ verständigen.

 

Carima Willberg

15 Jahre alt. Ein recht hübsches Mädchen mit honigblonden Haare und braunen Augen. Nach einem schweren Unfall ist ihr linkes Bein noch immer verkürzt, deshalb hinkt sie. Hinter einer heiteren, selbstbewussten Fassade verbirgt sie, wie trostlos ihr oft zumute ist – sie hat seit der Scheidung ihrer Eltern große Probleme mit ihrer Familie

Carima lebt in Deutschland und macht mit ihrer Mutter gerade Urlaub auf Hawaii; da ihr Vater gute Kontakte zur ARAC hat, darf sie Benthos II besuchen. Die Station – Leons Heimat – ist für Carima eine völlig fremde Welt, und Leon ist für sie ein Freak. Jedenfalls zu Anfang…

Ihre Mutter, die auf den Cayman Islands ein eigenes Restaurant hat, sieht sie nur in den Ferien, da Carima meist bei ihrem Vater in dessen Villa in München lebt. Ihre Mutter wollte das so, und verziehen hat es ihr Carima nicht. Die beiden haben große Schwierigkeiten miteinander. Und eigentlich nur ein einziges gemeinsames Interesse: den Wassersport. Ihre Mutter hat auf den Cayman Islands wieder geheiratet – einen Hotelmanager namens Shahid – und so hat Carima inzwischen einen Halbbruder namens Jeremy, den sie kaum kennt. Das macht ihr zu schaffen, denn sie mag Kinder sehr und hat sich immer Geschwister gewünscht. Auch ihr Vater hat wenig Zeit für sie, er ist frisch verliebt und mit seiner neuen, jungen Freundin ständig auf Bergen und Seen unterwegs. Bei Carima hat es in der Liebe bisher nicht sonderlich gut geklappt, lange war sie aus der Ferne in einen Jungen namen Daniel, den Sänger einer Schulband, verliebt, doch der hatte kein Interesse an ihr.

In der Schule hat Carima gute Noten, und das erwartet ihr Vater auch von ihr – sie soll immer ihr Bestes geben, ob in der Schule oder in der Freizeit. Bisher hat sie das auch getan, ohne sich je wirklich auf etwas einzulassen. Erst vor kurzem hat sie etwas entdeckt, was sie wirklich begeistert. Nachdem sie bei einigen Filmprojekten in ihrer Schule mitgemacht hat, möchte sie Filmregisseurin oder –produzentin werden. Auch das Meer und das Tauchen werden ihr immer wichtiger, nicht zuletzt durch Leon.

Ihr warmes, strahlendes Lächeln ebnet ihr immer wieder den Weg, was von manchen anderen Jugendlichen als „Einschleimen“ verstanden wird. Doch nach und nach merkten sowohl Leon als auch die anderen jungen Taucher, dass sie mehr ist als ein verwöhntes, reiches Mädchen. Und Carima stellt fest, dass in ihr mehr Menge Mut und Entschlossenheit stecken, als sie sich selbst zugetraut hätte.

 

Die anderen jungen Taucher auf Benthos II und ihre Partner

Julian DiMarco

16 Jahre alt. Dunkelblond, blaue Augen. Mittelgroß, sehr sportlich, schnell und ausdauernd. Hat es nicht immer leicht gehabt, aber lässt sich vom Leben nicht unterkriegen. Extrovertiert, flirtet gerne und findet es schrecklich, dass es auf der Station fast keine Mädchen gibt. Leon und er teilen sich nicht nur seit drei Jahren die Kabine, sie sind auch befreundet. Doch immer wieder gibt es Streit zwischen ihnen, da Julian neidisch ist auf Leons Erfolg. Wenn Julian schlecht gelaunt ist, kommen von ihm oft fiese Sprüche. Doch er mag Leon wirklich, und wenn es hart auf hart geht, ist es keine Frage, zu wem er hält. Als Leon in seinem ersten Jahr auf der Station einmal durch einen Bedienfehler einen Tauchroboter demolierte, nahm Julian die Schuld und Strafe auf sich, weil sein Freund sowieso gerade Ärger hatte. Leon weiß, dass Julian beim Tauchen absolut zuverlässig ist, und Billie weiß, dass Julian für sie da ist und sie in den Arm nimmt, wenn sie ihn braucht.

Julians Großeltern kamen aus ltalien nach Amerika und ließen sich in New York nieder. Doch Julians Eltern zogen an die Westküste, und dort – in einem heruntergekommenen Latino-Viertel von Los Angeles – hat Julian seine Kindheit verbracht. Er hat einen älteren Bruder, Ronnie, der sich für nicht viel interessiert außer für Computerspiele, er und Julian verstehen sich überhaupt nicht. Seine Mutter Luisa arbeitet viel, um über die Runden zu kommen und die Miete bezahlen zu können, sie ist Krankenschwester in einer Klinik. Julians Vater Don driftet von einem Gelegenheitsjob zum anderen, verdient aber fast nichts dabei, weil er sich immer wieder zu irrsinnigen Projekten überreden lässt, bei denen angeblich das große Geld zu machen ist. Oft kümmerten sich Julians Großvater, der mit ihnen im Haus wohnt, oder sein Onkel Al um Julian und seinen Bruder (die Großmutter ist schon gestorben). Oft kommt auch Julians geschiedene Tante Elvira vorbei, die mit den Cousins Shane und Kev ein paar Straßen weiter weg lebt.

Eigentlich war es der Traum seiner Mutter, dass Julian Arzt oder Anwalt wird, doch er stellte früh klar, dass das für ihn nicht in Frage kommt. Und seine Eltern waren auch stolz auf seine sportlichen Erfolge im Basketball und Schwimmen – der Schwimmtrainer an seiner Schule förderte ihn, Julian siegte bei sämtlichen Meisterschaften in Kalifornien. Mit elf Jahren gewann Julian so einen Tauchkurs; dabei wurde ein Mitarbeiter der San Diego School of the Sea auf ihn aufmerksam und bot ihm ein Stipendium an. In der School of the Sea haben sich Julian und Leon kennengelernt, schon bald spielten sie zusammen Basketball. So wie Leon ist Julian schon seit seinem 12. Lebensjahr auf Benthos II. Seine Eltern denken, er sei auf einem Sportinternat, finden aber toll, dass ihr Sohn dort etwas verdient, auf diese Einkünfte sind sie längst angewiesen.

Auf der Station spielt Julian in seiner Freizeit Dart, lädt sich Action-Filme aus dem Archiv herunter und hört Musik. Außerdem hilft er Louie Clément gerne bei Reparaturarbeit und der Herstellung der OxySkins. Mit Billie zusammen nimmt er Tai Chi-Unterricht bei Greta Halvorsen, er ist einNaturtalent. Billie macht das Tai Chi mehr Spaß als ihm, doch sie ist nicht so gut darin. Eigentlich gefällt es Julian gut auf der Station, doch manchmal fühlt er sich eingeengt dort und außerdem hat er gelegentlich Heimweh, was er sich aber nicht anmerken lässt.

Julian hatte zu Anfang einen Manta-Rochen als Partner, doch der eignete sich nicht für die Tiefsee (Mantas leben in den Oberflächengewässern), deshalb bekam er als nächstes Carag, einen rötlichbrauner Tiefwasser-Stachelrochen von etwas über zwei Meter Flügelspannweite. Es war von der ARAC geplant, die schnell schwimmenden Rochen in der Tiefsee als Kuriere einzusetzen, doch Julian musste enttäuscht feststellen, dass er Carag nur wenig beibringen konnte. Der Rochen hat bisher nur sieben Kommandos gelernt und ist damit auch schon an den Grenzen seiner Möglichkeiten.

 

Benedetta „Billie”Cameron

Knapp 17 Jahre alt. Sie hat hellbraune Haare, die sie auf der Station gewöhnlich zu einem Pferdeschwanz zusammenbindet, und eine schmale, fast jungenhafte Figur. Sie ist schon seit fünf Jahren Taucherin, hat aber erst mit ihrem Pottwal Shola an der Oberfläche gearbeitet. Zusammen mit Leon und Julian kam sie vor vier Jahren dann auf die Benthos II.

Billie ist intelligent, ironisch und selbstbewusst, daher ist sie auf der Station der einzige Mensch, der Julians fiese Sprüche kontern und ihn zurechtstutzen kann. Sie hat sich nie anmerken lassen, dass sie seit Jahren in ihn verliebt ist, weil sie ahnt, dass es ihm nicht genauso geht. Da sie sehr herzlich und hilfsbereit ist, unterstützt sie Leon und Tom, wo sie kann. Leon kommt sie manchmal vor wie eine große Schwester, obwohl sie fast gleich alt sind.

Sie ist gut in Meeresbiologie, Sprachen und Geschichte, schreibt gerne und hat schon einige Artikel über Meeresthemen in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Deshalb ist sie mit Sarah Winter, der Pressesprecherin der ARAC, im Mailkontakt, die beiden haben sich angefreundet und Sarah coacht sie schon seit zwei Jahren. In ihrer Freizeit arbeitet Billie an Kurzgeschichten und Storys, die die jungen Taucher als Hintergrund für ihre Geocaching-Projekte verwenden. Billie liest auch viel, unter anderem Fantasy. Eigentlich würde sie gerne Fechten und Gitarre spielen lernen, doch auf der Station gibt es niemanden, der es ihr beibringen kann, und so bleibt es vorerst bei der Luftgitarre. Außerdem macht Billie Tai Chi, spielt Schach mit Matti Kovaleinen und wirft sich mit Julian zusammen vor den Fernseher, um sich zu entspannen. Am liebsten schaut sie Serien.

Billie stammt aus dem US-Bundesstaat Washington, ihre ganze Familie hat sich dem Umweltschutz verschrieben. Ihre Eltern sind überzeugte Ökos, und in Billies Jugend ganz es zahlreiche Ausflüge zum Orca-Beobachten an der Küste, die Billie tief beeindruckt haben. Billies ältere Schwester Octavia- Hazel ist inzwischen Biologin, sie erforscht und schützt im Regenwald Amphibien. Billie interessiert sich zwar auch für Umweltschutz, und auch ein paar Demos hat sie mitgemacht, doch sie litt in der High School auch darunter, dass sie in der Schule wegen ihrer Öko-Eltern gehänselt wurde.

Sie mag das Meer, aber ursprünglich hatte sie ein wenig Angst vor der Tiefsee. Doch dadurch, dass sie diese fremde Welt zusammen mit Shola erkunden konnte, wuchs ihr dieser Lebensraum ans Herz und sie staunte über das, was sie dort gemeinsam entdeckten.

Ihre Partnerin Shola ist ein junges Pottwal-Weibchen, inzwischen sechs Jahre alt und etwa fünf Meter lang. Ihre Mutter wurde bei einem Zusammenstoß mit einem Schiff getötet, das Kalb kam zuerst in die Obhut der U.S. Navy und wurde „Pamela“ getauft, dann kaufte es die ARAC. Zwei oder drei Jugendliche versuchten ihr Glück mit dem jungen Pottwalweibchen, doch erst zwischen Billie und ihr „funkte“ es. Billie suchte den Namen Shola für ihre Partnerin aus.

Shola ist neugierig, verspielt und selbstbewusst. Ab und zu neigt sie zu Übermut, und dann muss Billie sie streng zur Ordnung rufen. Ihre Scheu vor großen Schiffen musste Shola erst überwinden. Da sie sehr klug ist, beherrscht sie schon 40 Dolslan-Zeichen. Sie kann inzwischen bis 3000 Meter tief tauchen und ist erfolgreich bei der Suche nach Manganknollen. Billie trainiert Shola hauptsächlich von der Station, teilweise aber auch von der Oberfläche aus, und füttert sie täglich mit 50 Kilo Kalmaren. Shola jagt aber auch selbst. Sie und Billie hängen sehr aneinander.

 

Tom Breslin

13 Jahre alt und damit der jüngste Taucher auf der Station. Clever, manchmal noch ein wenig unsicher, aber mutig und gelegentlich ein bisschen draufgängerisch; Ellard muss ihn gelegentlich bremsen, wenn er zu viele Risiken eingeht. Er kann sehr gut mit Computern umgehen. Tom behält selten etwas für sich und tratscht für sein Leben gerne. In der Tiefsee zu sein findet er cool, und es geht ihm unter Wasser auch einfach sehr gut, da er sowohl eine Sonnenallergie hat als auch schweren Heuschnupfen.

Die San Diego School of the Sea ist durch eine Art „Jugend forscht“ auf ihn aufmerksam geworden, er und zwei Freunde hatten einen Unterwasser-Roboter gebaut und ihn erfolgreich ausprobiert. Beim Tauchen stellt er sich geschickt an. Auf der Station schöpft er immer seine gesamte ihm zustehende Computerzeit aus, zum Teil auch für Strategiespiele, bei denen Julian hin und wieder mitmacht.

Da Tom noch so jung ist, findet ein Teil seiner Schulungen an der Oberfläche statt, wo seine Eltern ihn besuchen können. Doch im Grunde hat er weniger Heimweh als Julian. Seine Eltern sind beide sehr beschäftigte Akademiker, und Tom hat einen großen Teil seiner Kindheit in Internaten und Feriencamps verbracht.

Tom ist sehr stolz auf seine Partnerin Margaret, einen zwei Meter langen Raubkalmar der Art
Taningia danae, der über Leuchtorgane verfügt. Margaret kann mit ihren großen Flossen weit und

schnell schwimmen und ist deshalb als Kurier und „Wachhund“ trainiert worden, sie überbringt Nachrichten und meldet alles, was in der Umgebung ungewöhnlich ist. Sie versteht nur zehn Kommandos. Besonders beim Fressen ist Margaret recht aggressiv, doch Tom lässt sich nicht leicht einschüchtern. Margaret mag Berührungen nicht, was für Tom ein wenig enttäuschend ist. Fasziniert ist sie dagegen von Tauchbooten und deren hellen Lichtern.

 

Die Besatzung der Benthos II

Dr. Matti Kovaleinen, Kommandant der Station

55, Finne. Kovaleinen wird auch „Der Professor“ genannt, da er bis vor seinem Einsatz auf Benthos II Professor der Meeresökologie war. Er ist körperlich fit, groß, drahtig und hat etwas wirre graue Haare. Seine blaugraue Augen blicken meistens ernst. Er kann sehr herzlich sein, aber auch schneidend kühl, wenn sich ein Besatzungsmitglied daneben benommen hat.

Kovaleinen kann gut organisieren, wird von der Besatzung respektiert und genießt im Konzern hohes Ansehen. Er ist ein nüchterner Typ, und Personalprobleme nerven ihn ein bisschen, da er von sich selbst ausgeht und denkt, dass alle Menschen rational miteinander umgehen müssten. Wenn Besatzungsmitglieder mit etwas zu ihm kommen, was er als Quengelei empfindet, reagiert er schnell ungeduldig. Wenn sich Urs Walter mal wieder über die jungen Taucher beschwert, hat das daher keinerlei Folgen für die Jugendlichen. Deshalb haben Leon und die anderen das Gefühl, unter dem besonderen Schutz des Kommandanten zu stehen.

Kovaleinen ist glücklich verheiratet und hat in seiner Kabine viele Familienfotos aufgehängt. Seine Frau ist in Finnland eine berühmte Fernsehmoderatorin. Die beiden haben drei Töchter, die gerade studieren: Anna-Carlotta, Milla und Venla Durch seine Frau ist Kovaleinen in Finnland recht bekannt, er ist jedoch immer wieder entsetzt, wenn er sein Gesicht in einer Klatschzeitschrift abgebildet findet. Doch auch der Öffentlichkeit außerhalb Finnlands ist sein Name ein Begriff, da er schon viele Bücher und Artikel geschrieben hat – sein Lieblingsthema, die Besiedlung des Meeresgrundes, vertritt er unermüdlich. Seine Theorie, dass es Menschen möglich ist, längere Zeit in der Tiefsee zu leben, war in der Wissenschaft umstritten. Deshalb wechselte Kovaleinen in die Privatwirtschaft, um seine Projekte zu verwirklichen, und bei der ARAC bekam er das nötige Budget dafür – natürlich nur wegen der Rohstoffe am Meeresgrund, die Kovaleinen selbst nicht besonders interessieren. Für ihn sind die beiden Benthos-Stationen, die er konzipiert hat, die Krönung seiner Karriere. Auch am Drifter hat er mitgearbeitet, jedoch den Wunsch der ARAC respektiert, dieses Projekt geheim zu halten.

An Finnland vermisst er die Saunas, und er hat eine Mini-Sauna an Bord der Benthos II installieren lassen, die leider ständig kaputt ist. Er hört gerne klassische Musik, besonders die brandenburgischen Konzerte, ist am liebsten Pizza frutti di mare und hat eine Schwäche für alte Science Fiction-Filme.

Hin und wieder taucht Kovaleinen noch oder geht mit einem der Panzertauchanzüge nach draußen, jedoch weitaus seltener als früher. Nach wie vor ist er ein exzellenter Tauchboot-Pilot, und er hat Patrick Lawton persönlich in die Bedienung der eingewiesen. Etwa ein Drittel seiner Zeit verbringt Kovaleinen „oben“, auf Vortragsreise, Konferenzen oder bei Besprechungen der ARAC. In dieser Zeit führen Paula Norris (offiziell) und James Ellard (inoffiziell) die Station.

Leon mag und respektiert Kovaleinen. Der Kommandant hat hohe Erwartungen an die jungen Taucher, weil sie seine Vision verwirklichen – und sie wollen für ihn ihr bestes geben.

 

Paula Norris, Bordingenieurin, stellvertretende Stationskommandantin

36, Australierin. Sie ist stämmig gebaut, hat runde Oberarme, blaue Augen und lange blonde Haare mit erstem Grau darin, die sie meist als Zopf trägt. Paula trägt keine Bord-Overalls, sondern am liebsten Cargo-Hosen, weil sie in den vielen Taschen gut Werkzeug unterbringen kann, und ärmellose Tops. Sie hat einen deftigen Humor, ist nicht leicht aus der Ruhe zu bringen und hat gerne ihren Spaß.

Maschinen versteht sie intuitiv, und sie kann ebenso gut mit hochgezüchteten Computersteuerungen umgehen wie mit schrottreifen Geräten, die sie wieder zum Laufen bringen soll. Durch ihre Spezialausbildungen zum Unterwasserschweißen und zur Überwachung von Reaktoren ist sie unverzichtbar dafür, Benthos II am Laufen zu halten. Ständig gibt es kleinere Ausfälle und Pannen zu beheben. Weniger gut gefällt ihr, dass sie offiziell stellvertretende Stationskommandantin ist. Sie hat zwar keine Probleme damit, in Kovaleinens Abwesenheit die Station zu führen, doch alles, was mit Disziplin und Personalproblemen zu tun hat, überlässt sie in dieser Zeit gerne Ellard.

Da sie am Meer aufgewachsen ist, in Cairns, ist sie mit Schiffen seit ihrer Kindheit auf Du und Du. Zu Anfang heuerte sie auf Luxusyachten und Touristenschiffen zum Barrier Reef an, doch die waren ihr bald zu klein. Inzwischen hat sie unzählige Fahrten auf Forschungsschiffen hinter sich, und ihre Vorstellung von Urlaub ist, auf einem Kreuzfahrtschiff mitzufahren und an der Maschine herumzuschrauben, während über ihr die Passagiere die Landschaft anstaunen. Kommandant Kovaleinen kennt Paula schon lange, sie haben sich auf einer Fahrt kennengelernt und er wollte sie unbedingt für sein Projekt gewinnen, was auch klappte.

Kinder hat Paula keine, dafür aber mehr als genug Schwestern (vier!), die überall auf der Welt verstreut leben –in Buenos Aires, Mexiko, Afrika, Schweden. Außerdem reichlich Nichten und Neffen. Ihre Eltern leben immer noch in Australien und geben ein Vermögen für Reisen aus, um ihre Kinder und Enkel hin und wieder sehen zu können.

Mit den jungen Tauchern kommt Paula sehr gut klar, sie frotzelt gerne mit ihnen herum, vor allem mit Julian und Tom. Doch den besten Draht hat sie zu Patrick, die beiden ziehen sich mit großem Vergnügen gegenseitig auf (sie nennt ihn liebevoll „blöder Kiwi“, er sie gelegentlich „Schätzchen“). Es ist ein offenes Geheimnis auf Benthos II, dass die beiden manchmal die Kabine teilen.

Sie ist ein großer Fan der Beatles, verehrt John Lennon und hat ein „John forever“-Tattoo auf dem Oberarm. Während sie arbeitet, singt sie gerne, was nicht immer angenehm klingt. An Land findet man sie regelmäßig in Karaoke-Bars. Seit Jahren versucht sie weitgehend vergeblich, Gitarre zu lernen. Mit einem Elektrogrill macht Paula zweimal im Jahr ein echtes Barbecue für die Besatzung. Dafür nehmen ihre Bordkameraden gerne in Kauf, dass Paulas Essmanieren nicht die besten sind.

Ihre Eltern haben sie nach einer Kröte benannt, die bei ihnen im Garten lebte. Das ist eine Geschichte, die Paula nicht etwa verschweigt, sondern gerne herumerzählt.

 

Louie Clément, 2. Bordingenieur und OxySkin-Spezialist

37, stammt aus Martinique. Ein zierlicher, drahtiger, dunkelhäutiger Mann, dessen Englisch einen französischen Akzent hat. Im Gegensatz zu seiner robusten Kollegin Paula ist Louie nervös und hektisch. Man sieht Louie nicht an, dass er ein hochqualifizierter Ingenieur ist, der in Frankreich Nanotechnologie studiert und ein paar Jahre lang bei der ESA Ausrüstung für den Weltraumeinsatz entwickelt hat. In der Tiefsee zu sein findet er eigentlich ziemlich blöd, er wollte immer in den Weltraum. Er ist noch immer leicht beleidigt, weil die ARAC ihn ursprünglich mit dem Argument geködert hat, es handele es sich um einen Auftrag für die NASA.

Seinen wahren Nachnamen behält Louie mit Einverständnis des Stationskommandanten für sich, denn er ist der uneheliche Sohn eines französischen Barons, der auf Martinique im Urlaub weilte. Seine Mutter arbeitete dort als Änderungsschneiderin. Als sie einmal wissen wollte, was genau er da unten auf der Station macht, hat er erklärt, er sei eine Art Tiefsee-Schneider. Und das stimmt, denn er stellt die OxySkins her, mit denen die Flüssigkeitstaucher ins Meer gehen. Dabei leuchtet Louie nicht ganz ein, dass die teuren Anzüge für Jugendliche gedacht sind. „Wie kann man Teenagern nur so etwas anvertrauen!“ jammert er regelmäßig. Besonders Leon bekommt oft Ärger mit Louie, denn eigentlich muss jede OxySkin alle zwölf Stunden von einem Techniker überprüft werden, und Leon bleibt gerne weitaus länger draußen. Sobald Leon durch die Schleuse kommt, hastet Louie schon auf ihn zu: mein Anzug, gib her, schnell, schnell.

Frauen findet Louie eher unappetitlich, und er war erst einmal in seinem Leben verliebt, in einen Klassenkameraden in Martinique, der inzwischen verheiratet ist und drei Kinder hat.

 

Patrick S. Lawton, Tauchboot-Pilot

24, Neuseeländer. Er hat widerspenstige rotbraune Haare, ein rundes Gesicht und wache verschmitzte braune Augen. Obwohl Patrick behauptet, sein Berufsziel sei Philosoph, und obwohl er tatsächlich fünf Semester lang in Auckland studiert hat, hat er eigentlich nicht die Absicht, an die Uni zurückzukehren. Seine Arbeit als Tauchbootpilot macht ihm zuviel Spaß, und er ist gut in seinem Job. Er kokettiert damit, dass er nur ein einfacher Tauchboot-Pilot sei, doch durch sein hervorragendes Gedächtnis hat er sich nicht nur zahlreiche Zitate berühmter Persönlichkeiten gemerkt, sondern sich auch ein breites Wissen über Tiefseebiologie angeeignet. Außerdem kennt er sich gut mit Technik aus, bei fast jeder Reparatur an Station und Geräten ist er tatkräftig dabei. Er überprüft sein Tauchboot genauestens vor jedem Tauchgang, arbeitet sehr präzise und macht so gut wie nie einen Fehler, daher hat er als Pilot einen sehr guten Ruf. Obwohl Patrick keine abgeschlossene Ausbildung hat und vom Typ her Autodidakt ist, weiß Stationskommandant Kovaleinen, was er an ihm hat.

Patricks Kabine auf der Benthos II ist gut bestückt mit Werken von Kant, Heidegger und anderen Geistesgrößen, und ab und zu sieht man ihn tatsächlich darin lesen. Er leiht seine Bücher auch an Billie aus, die ebenfalls ein Interesse an Philosophie hat. Doch Patricks Interessen sind nicht nur rein geistig, er geht auch gerne mal mit Kumpels ein Bier trinken. 2012 war er außerdem Neuseeländischer Meister im Rafting. Seinen Eltern gehört eine alte Cessna 152, die Patrick schon seit vielen Jahren mit viel Vergnügen fliegt. Kollegen ist ein legendäres Duett mit Paula in einem hawaiianischen Karaoke-Schuppen im Gedächtnis. Da sein Vater, ein Elektro-Ingenieur, begeisterter Star Trek-Fan ist, hat er seinem Sohn den Zweitnamen „Spock“ gegeben, mit dem Patricks neuseeländische Freunde ihn hin und wieder aufziehen. Auf Benthos II hat bisher niemand herausbekommen, wofür das „S.“ in seinem Namen steht.

Im Urlaub trifft er sich oft mit der 23-jährigen Kelly, die gerade in Berkeley studiert (die beiden haben sich auf einem Poetry Jam kennengelernt). Das hält Patrick allerdings nicht von seiner freundschaftlichen Affäre mit Paula Norris ab. Auch Kelly ist manchmal nicht ganz klar, ob sie und Patrick eigentlich zusammen sind oder nicht. Aber sie kann ihm einfach nicht widerstehen, wenn er mal wieder bei ihr hereinschneit.

Mit Maschinen geht Patrick behutsam und geschickt um, mit Menschen manchmal eher derb. Er neckt und provoziert gerne, und nicht selten ist Leon, den er „Octoboy“ nennt, die Zielscheibe. Doch ähnlich wie Julian erweist er sich in schwierigen Situationen als echter Freund, und Leon mag ihn sehr.

 

James Ellard, Taucher/Ausbilder

29, Amerikaner. 1,85 groß, bestens trainiert und mit einer Haltung, die schon verrät, dass er mal beim Militär war. Er hat schon immer viel Zeit im Wasser verbracht, deshalb trägt er seine Haare auch extrem kurz – so trocknen sie schneller. Als Taucher hat er schon bei Ölplattformen und Tiefsee- Bergbauunternehmen gearbeitet und ist weltweit an verschiedensten Stellen zu Forschungszwecken getaucht. Nur das Flüssigkeitstauchen blieb ihm verschlossen, er war schon zu alt, als es erfunden wurde – das zu akzeptieren war hart für ihn.

James Ellard stammt aus Florida, dort hat er schon als Kind angefangen zu tauchen, zu schnorcheln und Muscheln zu sammeln. Seine Mutter, die schon vor Jahren an Krebs gestorben ist, war Bedienung in einem Restaurant, sein Vater hat ein kleines Immobilienbüro. Nach der High School ging James zur Navy und fuhr in seiner Freizeit zum Schatztauchen in die Karibik. Ein paar seiner Trophäen von damals bewahrt er noch immer in seiner Kabine auf Benthos II auf. Doch ein schwerer Tauchunfall setzte seiner Schatztaucherei und der Navy-Karriere ein Ende – als er mit seiner damaligen Freundin zu einem Wrack tauchte, blieb sie im Inneren des Schiffs hängen, er versuchte vergeblich, sie zu befreien, und verbrachte dabei fast seine gesamte Luft. Sie starb, er musste überstürzt hoch zur Oberfläche und landete mit Taucherkrankheit in der Klinik. Seine Ärzte haben ihn gewarnt, dass er beim nächsten Zwischenfall dieser Art wahrscheinlich gelähmt sein würde. Nach dem Unfall dauerte es ein gutes Jahr, bis Ellard sein Gleichgewicht widergefunden hatte. In dieser Zeit begann er sich immer mehr für die Forschung zu interessieren und als Berater für die ARAC zu arbeiten; so kam er in Kontakt mit den Redways und lernte deren Mitarbeiterin Ellyn kennen, in die er sich verliebte. Die Beziehung hielt nicht, doch Ellard interessierte sich weiterhin für die Flüssigkeitsatmung und bewarb sich so lange bei Kovaleinen, bis der ihn für Benthos II einstellte.

Ellard hat die Jugendlichen auf der Station weiter im Tauchen ausgebildet und sie hart gedrillt. Jeder einzelne Trainingstauchgang muss mit ihm abgesprochen werden und von ihm genehmigt werden. Oft begleitet er sie im Panzertauchanzug oder Mini-U-Boot. Er hat ein starkes Verantwortungsgefühl und sorgt sich wirklich um die Jugendlichen, die sich revanchieren, indem sie ihn „Glucke“ nennen. Da ihre Eltern weit weg sind, sorgt Ellard dafür, dass rechtzeitig Licht aus ist in den Kabinen, dass seine Schützlinge ihre Hausaufgaben erledigen und sich kein Bier von ihren Landurlauben mitbringen. Doch an Leon verzweifelt er manchmal, und dessen tiefe Verbindung zum Meer ist ihm ein wenig unheimlich.

Seit der Trennung von Ellyn war er nicht mehr verliebt, und ohne die Jugendlichen wäre sein Leben wahrscheinlich leer, sie sind seine Lebensaufgabe geworden. Er hätte sehr gern selbst Kinder, weiß aber, dass sich eine Familie nicht gut mit seinem Leben in der Tiefsee vereinbaren lässt. Schon ein paarmal hat er mit dem Gedanken gespielt, sich deshalb wieder an Land versetzen zu lassen und an der San Diego School of the Sea zu lehren, doch dann hat er die Idee jedesmal fallen lassen. Nur Kovaleinen weiß davon. Dem Militär hat sich Ellard inzwischen entfremdet, und er neigt inzwischen eher der Friedensbewegung zu. Trotzdem hat er noch einige alte Freunde in der Truppe.

Er hört gerne ältere Rockmusik, z.B. Bruce Springsteen. Auf seinem MP3-Player hat er aber auch jede Menge Hörbücher, darunter auch Hochkarätiges wie Philip Roth, Thomas Pynchon und Tom Wolfe. An Land geht er gerne ins Kino, „Avatar“ war lange Zeit sein Lieblingsfilm. Er trinkt gerne mal eine Cola-Rum, doch er ist nicht der Typ, der sich vollaufen lässt, er hört eisern nach einem Glas auf, da sein Vater Alkoholiker war und er auf keinen Fall so werden will.

 

John McCraddy, Tierarzt

49, Ire. McCraddy ist leicht zu erkennen an seinem wuchtigen Gesicht mit einer großen Nase und seinen hässlichen Pullundern. Er hasst seine grauen Haare und hat schon seit langem ein Haarfärbemittel in der Schublade, hat sich aber nie getraut es anzuwenden, weil er nicht als eitel gelten wollte. Berüchtigt ist seine grüne Gärtner-Gummischürze, die noch aus der Terrier-Zucht seiner Eltern stammt und sich dort beim Reinigen von Zwingern bewährt hat. Gummi „riechschmeckt“ für Lucy unangenehm, deshalb mag sie McCraddy nicht sonderlich. Das beruht auf Gegenseitigkeit, McCraddy ist ein großer Fan von Walen und Delfinen und kann Weichtieren wenig abgewinnen.

Der junge John wollte sich nicht in seinem Heimatort als Tierarzt niederlassen, weil er die Nase voll hatte von den Terriern seiner Eltern. So begann eine ungewöhnliche Karriere, die den hochqualifizierten McCraddy auch in die Forschung führte. Weil seine Frau von Hawaii schwärmte, zog er mit seiner Familie kurzerhand auf die Inseln und betreute im Sea Life Park von Hawaii Meeressäuger. Dort bekam er das Angebot, bei der ARAC mitzuarbeiten, und da seine Frau ihn betrog und die Ehe gerade sowieso den Bach runterging, entschied er sich für die Arbeit in der Tiefe des Meeres. Inzwischen ist McCraddy geschieden und beim geringsten Anlass redet er schlecht über seine Ex-Frau. Er hat einen 20-jährigen Sohn namens Jacob, der nur einmal unten in Benthos II war und alles dort zum Gähnen langweilig fand. McCraddy denkt ab und zu mit einem schlechten Gewissen an seinen Sohn, hat aber nicht mehr versucht, den Kontakt zu halten. Er arbeitet viel, um nicht über sein Leben nachdenken zu müssen, und hat in der Station Probleme einzuschlafen.

Da er als einziger an Bord keinen Fisch mag, gilt er als schwieriger Esser. Manchmal behauptet er, es würde in den Räumen nach Fisch stinken, was aber niemand nachvollziehen kann.

Ab und zu gerät er mit Greta Halvorsen aneinander, die keinen Hehl daraus macht, dass sie den Walfang nicht verwerflich findet. Heimlich findet er Greta jedoch sehr anziehend, und wenn er gerade nicht mit ihr streitet, kehrt er ihr gegenüber den Gentleman heraus. Was Greta allerdings nicht weiter beachtet.

John McCraddy hat sein Leben lang Zigarillos geraucht und Golf gespielt. Beides geht in der Station nicht, deshalb betreibt er beide Hobbys auf seinen Landurlauben umso heftiger und behilft sich ansonsten mit Nikotin-Kaugummis und virtuellem Golf.

 

Chung, Bordärztin

48, Nordkoreanerin. Ihr Nachname Chung bedeutet „feierlich, ernst“, und das passt zu ihr. Ihren Vornamen kennt außer Kommandant Kovaleinen niemand. Sie bevorzugt eine strenge Frisur, die ihr eckiges Gesicht noch betont. Gekleidet ist sie immer korrekt in einen blütenweißen Kittel, sie gibt Samuel ein Extra-Trinkgeld, damit er ihn mit der Hand bügelt. An ihrem Handgelenk fällt eine klotzige silberne Taucheruhr mit orangefarbenem Zifferblatt auf.

Ihr Spezialgebiet ist Tauchmedizin, und sie hat in Nordkorea unter anderem an geheimen Experimenten teilgenommen. Doch da ihre Familie in Nordkorea bedroht war – ihr Mann sollte als Abweichler verhaftet werden – ist sie geflohen und hat ihr Wissen an die Navy weitergegeben. Ihr Mann, ein Wissenschaftler, lebt inzwischen sehr ruhig und zurückgezogen in Honolulu, will mit Forschung nichts mehr zu tun haben und malt kitschige Bilder für Touristen, um sich zu beschäftigen, solange seine Frau auf Benthos II ist. Chung schickt ihm jeden Tag eine Mail, damit er weiß, dass sie in Sicherheit ist. Von ihren Verwandten in Korea haben sie nichts mehr gehört, es gibt Gerüchte, sie seien gefoltert worden.

Chung gehört immer noch zur Navy, ist an die ARAC sozusagen nur „ausgeliehen“ worden. Sie ist sehr konsequent und streng gegen sich, es war für sie eine Selbstverständlichkeit, dass sie das Flüssigkeitstauchen auch selbst einmal ausprobiert. Dabei ist sie fast ertrunken, da sie natürlich viel zu alt war, um es noch zu lernen.

Sie ist eine hervorragende Ärztin mit einem scharfen Verstand, doch da sie sehr introvertiert ist, wurde in der Station bisher kaum jemand mit ihr richtig warm. Leon dagegen kommt mit ihrer ruhigen Art gut klar. Es macht ihm auch nichts aus, dass sie ihm öfter mal Blut abnehmen muss oder ihn sonstwie medizinisch quält, das ist er gewohnt. Die anderen drei Jugendliche reißen Witze über Chung, nur er nicht. Besonders viel wird darüber geredet, warum sie sich bei Essenszeiten manchmal zurückzieht. Gerüchten nach isst sie Fische roh und ganz. Tom witzelt manchmal: „Lucy, lass dich nicht erwischen, hey dir fehlt ein Stückchen von deinem Arm. Wusstet ihr schon, dass die ́Prozedur` eigentlich dazu dient, Chung zu ernähren?“

Chung ist seit ihrer Ankunft in Amerika völlig fasziniert von billigen amerikanischen Action-Filmen und Western. Darüber lästern manche Besatzungsmitglieder auch, nur Julian nicht, der guckt immer mal wieder mit. Manchmal beobachtet Julian Chung dabei aus den Augenwinkeln und findet ihren Gesichtsausdruck interessanter als den Film.

 

Samuel (Kamuela), Koch und „Hausmeister”

53, etwas fülliger, schweigsamer Hawaiianer, der so gut wie nie lächelt. Er war Koch bei der US-Navy und ist lange Jahre auf U-Booten gefahren, bis ihn Magenprobleme außer Gefecht setzten und er ausgemustert wurde. In einem alten, abgegriffenen Album hat er Bilder sämtlicher Schiffe gesammelt, auf denen er jemals gefahren ist, und Benthos II ist auch dabei (obwohl kein Schiff). Auf der Station kocht er nicht nur – und zwar sehr lecker – er erledigt auch die Wäsche und putzt, obwohl es für die Besatzungsmitglieder der Station auch Pflicht ist, bei solchen Aufgaben mitzuhelfen. Samuel ist Kommandant Kovaleinen treu ergeben und ist besonders Ellard zugetan, da der auch mal beim Militär war. Ellard mag es nicht, mit seinem ehemaligen Dienstrang angesprochen zu werden, aber Samuel hat ihn nie gefragt, ob es ihm recht ist.

Obwohl Samuel farbenblind ist (was er bei der Navy geheim halten konnte), sind seine große Leidenschaft Postkarten. Verwandten, Freunde und Ex-Kollegen wissen das und schreiben ihm aus aller Welt, mit jeder Postlieferung von „oben“ kommen neue Postkarten. Seine Kabine und Arbeitsräume sind buchstäblich damit tapeziert, und Kovaleinen drückt ein Auge zu.

Samuel isst langsam und bedächtig, und immer allein, nie in der Messe. Er leidet noch immer an Magenbeschwerden, wegen denen er sich von der Bordärztin Chung behandeln lässt. Auch ein Grund, warum er nie lächelt. Der andere ist, dass seine Tochter Lele sich aus Liebeskummer umgebracht hat, als sie siebzehn Jahre alt war. Als Samuel in die Schweigsamkeit und Trauer versank, löste auch seine Ehe sich nach und nach auf. Er hat keinem Menschen erzählt, dass er einmal seine Frau geschlagen hat. Damals hatte sie ihm vorgeworfen, er habe seine Tochter durch seine ständige Abwesenheit vernachlässigt und sei deshalb Schuld an ihrem Tod. Danach gab es nichts mehr, was sie verband.

Samuels Familie (die ihn Kamuela nennt) stammt von der Hawaii-Insel Kauai, und seine sämtlichen Urlaube verbringt er noch immer dort, im Kreis seiner weitläufigen Verwandtschaft. Seine Mutter ist inzwischen über neunzig, doch sie lebt noch und ist sehr stolz auf ihn. Außer Samuel hat keiner seiner drei Geschwister etwas mit der Seefahrt zu tun, die meisten arbeiten im Tourismus und seine jüngere Schwester ist Lehrerin geworden. Keiner von ihnen war je in der Tiefsee, doch sie verstehen, warum er sich dort wohl fühlt. Tief unter dem Meer hat er eine Art von Geborgenheit gefunden. Doch den Respekt vor dem Ozean hat er nie verloren – auf der Station weiß niemand, dass Samuel in seiner Kabine ein kleines Abbild des Gottes Kanaloa aufbewahrt.

Als Jugendlicher war Samuel sehr sportlich und ein guter Surfer, doch das ist lange her.

 

Dr. Urs Erich Walter, Geologe

29, Schweizer. Ein sehr erfolgreicher junger Nachwuchsforscher mit Schwerpunkt Tiefseegeologie und Rohstoffe des Meeres. Er ist nicht sehr groß, hat schütteres, mittelblondes Haar und trägt eine Brille. Seit er in Hawaii lebt, bevorzugt er sehr bunte T-Shirts und Jeans, die er sich in seinem kleinen Heimatort nie erlaubt hätte. Seine bodenständige Familie ist sehr stolz auf ihn, und seine Mutter gibt noch immer mit seinem IQ an, der im Alter von sieben Jahren von einer Psychologin festgestellt wurde.

Sein Aufenthalt ist Teil eines universitären Forschungsprojekts, Urs sammelt Daten für Wissenschaft und den ARAC-Konzern zugleich. Spezialisiert ist er auf Manganvorkommen im Pazifik. Seit fünf Monaten ist er auf der Station, und in dieser Zeit hat er sich schon reichlich unbeliebt gemacht. Immer wieder beschwert er sich über die jungen Taucher und die aus seiner Sicht desolate Organisation der Station. Nie kann Paula die Ausrüstung schnell genug für seine Messungen vorbereiten. Stationskommandant Matti Kovaleinen hört sich sein Gemecker gewöhnlich nicht sehr geduldig an und hat ihm schon mehrmals mit deutlichen Worten klargemacht, was er von diesen Beschwerden hält, jedoch ohne bleibende Wirkung. Die jungen Taucher haben auf ihre Art Rache genommen – nach einem von Walter zubereiteten Käsefondue haben sie einmal so getan, als hätte er sie alle vergiftet.

Eigentlich kann nur Paula ihm etwas abgewinnen, sie sagt, dass sie seinen Schweizer Akzent mag. Mit Vorliebe unterhält sich Walter aber nicht mit ihr, sondern mit Chung, er ist der Meinung, dass sie ihn toll findet. Da sie kaum antwortet, ist ihm bisher nicht aufgefallen, dass das Gegenteil der Fall ist.

Sein Hobby sind Aktien, er checkt regelmäßig die Aktienkurse seines Portfolios und blockiert damit die Datenleitung. An Land spielt er Squash und Tennis, daher ist er körperlich fit, obwohl er eher schmächtig aussieht. Tiere und speziell Tiefseetiere interessieren ihn nicht besonders, auch deshalb ist er bei den jungen Tauchern unbeliebt.

 

Greta Halvorsen, Biologin

33, Norwegerin. Man erkennt sie an ihren nussbraunen, glatten Haaren, die ihr auf die Schultern fallen, und ihrer lange, schmale Nase. Durch ihre gelassene Art und ihren leicht sarkastischen Humor ist sie bei den meisten Besatzungsmitgliedern beliebt. Sie zeichnet gerne und hat schon von jedem eine Karikatur angefertigt und demjenigen geschenkt.

Greta Halvorsen ist ein überzeugter Workaholic, sie hat eine starke wissenschaftliche Neugier und ist sehr fasziniert von ihrer Arbeit. Spezialisiert ist sie auf marine Wirbellose, also auch Kraken. An Land hat sie in einer Gruppe mitgearbeitet, die sich mit Stammzellforschung an genau solchen Tieren beschäftigt. Deshalb ist sie dafür zuständig, mit McCraddy zusammen an Lucy die „Prozedur“ durchzuführen und die Probe höchstpersönlich zur Analyse nach oben zu bringen. Sie findet diese Forschung als extrem spannend und käme nicht auf die Idee, Mitleid mit Lucy zu empfinden. Dass Tiere eine Persönlichkeit haben können, findet sie umstritten, und gegen Walfang hat sie nichts einzuwenden.

Eigentlich ist Bogenschießen ihr wichtigstes Hobby, doch auf Benthos II konzentriert sie sich auf Tai Chi und Yoga. Entspannung findet sie beim Internet-Shoppen. Immer wieder kommen genervte Anrufe von der ARAC-Niederlassung in Honolulu, dass wieder ein Paket für sie eingetroffen ist. Dummerweise kauft sie auch oft Sachen in der falschen Größe und muss sie wieder zurückschicken. Dass ihre Pakete wertvollen Platz im Tauchboot blockieren, hat ihr schon so manche Rüge des Stationskommandanten eingebracht.

Greta Halvorsen legt großen Wert darauf, sich gesund zu ernähren, und hört, seit sie ein Forschungssemester in Korea verbracht hat, gerne traditionelle koreanische Musik, die den meisten Westlern die Ohren sprengt. Da sie sehr sprachbegabt ist, unterhält sie sich hin und wieder mit Bordärztin Chung in deren Muttersprache.

Es ist auf der Benthos II nicht bekannt, dass Greta lesbisch ist. Zur Zeit hat sie jedoch keine Freundin, und nach schlechten Erfahrungen mit der Liebe zwischen Kolleginnen würde sie nie versuchen, auf der Station eine Partnerin zu suchen.

 

Mitarbeiter der ARAC

Dr. Tim Reuter, Leons Adoptivvater

43 Jahre alt. Deutsch-Amerikaner. Seine Familie stammt aus Hamburg, Tim selbst ist jedoch in den USA geboren worden, weil sein Vater zu dieser Zeit gerade dort arbeitete. Aufgewachsen ist er halb an der amerikanischen Ostküste, halb in Norddeutschland. Er hat an der Universität Kiel und an der Woods Hole Oceanographic Institution (USA) Meeresbiologie studiert und anschließend am IFM- Geomar seinen Doktorgrad erworben. Seit einigen Jahren lebt er in seiner Eigentumswohnung in San Francisco und arbeitet in der dortigen Zentrale der ARAC.

Tim ist brillant und ehrgeizig. Durch seinen jungenhaften Charme mögen viele Menschen ihn sofort, zudem ist er sportlich und sieht gut aus. Er hat glatte, kurz geschnittene blonde Haare und ein schmales Gesicht, das oft ein Drei-Tage-Bart ziert.

Schon seit sechs Jahren ist Tim offiziell Leons Vater. Tim mag Leon sehr und nimmt ihn in Schutz, wenn er mal wieder irgendwo angeeckt ist. Doch Verantwortung für ein Kind zu übernehmen fiel ihm von Anfang an nie wirklich leicht. Nur etwa drei Wochen im Jahr verbringen Leon und Tim zusammen. Oft gehen sie gemeinsam Surfen, doch manchmal erforschen sie auch die hawaiianischen Inseln oder gehen in den Bergen Kaliforniens wandern. Ihre Reise nach Deutschland, zu Tims Eltern, verlief zwar gut, war jedoch anstrengend für alle Beteiligten. Obwohl Leon Tims Eltern sympathisch war, ließen sie durchblicken, dass sie ja gerne noch ein „richtiges“ Enkelkind hätten. Worauf Tim extrem sauer reagierte. Erst gegen Ende des Besuchs kehrte wieder Harmonie ein.

Tim hat immer eine neue attraktive Freundin an seiner Seite, und diese Beziehungen laufen jedesmal ähnlich ab. Am Anfang finden diese Frauen Tim sehr spannend, doch dann merkten sie nach und nach, dass sie nicht viel von ihrem Freund haben werden – wenn Tim arbeitet, vergisst er alles andere und merkt nicht mehr, wie die Zeit verstreicht. Außerdem ist er oft auf Forschungsexpeditionen unterwegs.

Leon mag es nicht sonderlich, wenn Tim seine Freundinnen zu ihren Treffen mitbringt. Die sind zwar meist sehr nett zu ihm, können aber wenig mit ihm anfangen und schüchtern ihn ein. Außerdem weiß er, dass sie sowieso bald wieder von der Bildfläche verschwunden sein werden. Ungewöhnlich lange, seit zehn Monaten, ist Tim nun schon mit Charlene zusammen, einer Marketing-Managerin, die Tim beim Gleitschirmfliegen kennengelernt hat. Sie findet alles „wonderful“ und lächelt viel, sie spielte hervorragend Klavier und hat Tim zuliebe mit Tauchen angefangen, obwohl es eigentlich nicht so ihr Ding ist. Leon mag sie nicht besonders, denn Charlene hat schon einmal gesagt, dass sie Kraken eklig findet, bevor sie erfahren hat, dass Leons Partnerin eine Krake ist. Und auch sonst stimmt die Chemie zwischen den beiden einfach nicht.

Tims Vater ist Rechtsanwalt, seine Mutter Lehrerin. Die Familie lebte nie weit vom Meer entfernt, und als Junge lernte Tim in Istrien tauchen. Von Anfang an fühlte er sich hingezogen zum Meer und seinen Geschöpfen. Trotzdem begann er zunächst, Jura zu studieren, doch das schmiss er schon nach wenigen Semestern hin und entschied sich für Biologie. Seine Eltern waren nicht begeistert von dieser „brotlosen Kunst“, doch Tim erwies sich schnell als so brillant, dass er in der Forschung Karriere machte. Nach seiner ersten Fahrt auf dem Forschungsschiff zur westafrikanischen Küste war ihm klar, dass er mit der Tiefsee das Forschungsthema seines Lebens gefunden hatte. Bei seiner Arbeit in Woods Hole lernte er Leons Eltern kennen, und so unterschiedlich diese drei waren, sie verstanden sich trotzdem sofort und konnten nächtelang diskutieren. Gemeinsam gingen sie zur ARAC, als ein Headhunter sie abwarb. Während Leons Eltern in der Forschung blieben, ging Tim ins Management und brachte es bei der ARAC bis zum Senior Operations Manager. Das war eine völlig andere Welt, und Tim war nicht mehr so oft bei den Redways zu Gast wie zuvor.

Der Tod seiner Kollegen und Freunde belastete Tim sehr. Er unternahm noch mehr Extremtouren, trank, ging viel auf Partys. Ein paarmal war er bei einem Psychologen, doch dann brach er die Behandlung ab. Es war eine harte Zeit für ihn, und für Leon erst recht. Die Wahrheit darüber erfährt Leon erst, als es schon fast zu spät ist.

 

Fabienne Rogers, Chefin der ARAC

59 Jahre alt. Kanadierin, aufgewachsen in Vancouver. Eine schlanke, zähe, immer sehr gepflegte Frau. Ihre mütterliche Art kann leicht aufdringlich wirken. Doch hin und wieder spüren die Menschen, die mit ihr zu tun haben, in ihr die knallharte und kompromisslose Managerin. Ihre Vor-Ort-Besuche bei Projekten sind gefürchtet, auch wenn sie immer leckeres Teegebäck mitbringt.

Sie war früher Assistentin des Vorstands, ihr Mentor im Unternehmen hat sie ermutigt, Betriebswirtschaft zu studieren und danach zurückzukehren in den Konzern. So begann ihr Aufstieg bis in die Chefetage. Inzwischen bewegt sie sich geschickt im internationalen Business und zählt sogar einige Politik-Promis aus konservativen Kreisen zu ihren Freunden. Ihr Gehalt hat sie konsequent in Aktien des Konzern investiert.

Fabienne Rogers sammelt Kunst und antiken Schmuck. Früher war sie eine starke Raucherin, daher klingt ihre tiefe Stimme noch heute etwas heiser. Inzwischen hat sie dem Tabak abgeschworen und trinkt dafür reichlich grünen Tee.

Ihr Mann ist Richter und sehr beschäftigt. Er lebt in Toronto und sie sehen einander nur alle paar Monate, doch sie schätzen einander. Das Paar hat zwei adoptierte Kinder aus verschiedenen Ländern: Judith, 20, ursprünglich ein Waisenkind aus Kenia, heute Kunststudentin, und Noah, 21, der von den Philippinen stammt. Er ist inzwischen im Marketing und hat nebenbei eine Karriere als Drogendealer. Seine Mutter weiß davon und lässt ihn von Detektiven überwachen, hat jedoch noch nichts deswegen unternommen.

 

Katharina Lorenz, Kapitänin der Thetys

47 Jahre, geboren in Bremerhaven. Sie ist mittelgroß, hat braune, kurze Haare und eine etwas rundliche Figur, da sie auf dem Schiff zu wenig Bewegung bekommt. Von den Deutschen wird sie„Frau Kapitän“ genannt, von den anderen „Captain“ und „Sir“. Bei Feiern an Bord wirkt sie fröhlich und nett, doch wer meint, am nächsten Tag auf der Brücke bei ihr den gleichen kumpelhaften Ton anschlagen zu dürfen wie am Abend zuvor, der hat sich schwer getäuscht. Bei der Arbeit ist sie nüchtern, konzentriert und distanziert. Ihr Ideal ist, als hart aber gerecht zu gelten. Bei der Schiffsführung hat sie noch nie versagt, ihr Ruf als Kapitänin ist untadelig.

Katharina Lorenz kommt aus einer Seefahrerfamilie, ihr Vater ist noch heute Kapitän eines Containerschiffs. Ihr Bruder hatte kein Interesse an Schiffen und studierte Physik, deshalb war ihre Familie stolz und froh, als wenigstens Katharina der Familientradition folgte. Doch mit 20 Jahren war Katharina mit einem jungen Koch zusammen und bekam ungeplant ihren Sohn Eike (inzwischen 27 und DJ in einem Club in Hamburg). Ihre Mutter passte auf den Jungen auf, während Katharina ihre Ausbildung absolvierte und monatelang auf Fahrt war. Das war für Katharina nicht leicht, sie vermisste ihr Kind besonders in den ersten Jahren sehr.

Mit 35 Jahren sammelte sie auf der Erfahrungen bei der Leitung eines Forschungsschiffs, dort stieg sie bis zum 1. Offizier auf. Die führt sie seit ihrem Stapellauf vor vier Jahren. Mit dem OceanPartner-Programm konnte sie sich nie recht anfreunden, es ist ihr irgendwie unheimlich. Ellard und sie mögen sich gar nicht. Für die jungen Taucher empfindet Katharina Mitgefühl, vielleicht auch, weil sie ein wenig um ihre verlorene Familie trauert. Doch Leon und sie kommen ganz gut klar, und er darf sogar auf die Brücke, wenn er gerade auf der ist.

In der Besatzung hat sie keine Freunde, das fände sie unprofessionell, doch an Land und besonders in Bremerhaven gibt es viele Menschen, die sie mögen.

Es ist allgemein bekannt, dass sie ein großer Fan der Band Depeche Mode ist – das ist unübersehbar, denn in ihrer Kabine hat sie gerahmte Konzertkarten aufgehängt. Weniger bekannt ist, dass sie oft Tour-T-Shirts unter ihrer Uniform trägt. Sie ist selbst eine sehr gute Bassistin und spielt, wenn sie an Land ist, hin und wieder bei befreundeten Bands mit.

Sie isst gerne deftig und mag Kartoffeln in jeder Form und Zubereitungsart.

 

Alberto Miguel Alvarez, erster Offizier der Thetys

33 Jahre alt, Argentinier. Er ist hochgewachsen und sportlich, seine braunen halblangen Haare bürstet er schräg über die Stirn. Wenn er im Stress ist, hängen diese Haare als klatschnasse Strähnen herunter. Da Alvarez viel und leicht schwitzt, muss er manchmal zwei Hemden am Tag in die Wäscherei geben. Bei den Mitarbeitern dort ist er gefürchtet, weil er bei Untergebenen seiner Wut freien Lauf lässt, wenn irgendetwas nicht nach seinen Vorstellungen läuft. Alvarez ist ein hervorragender Seemann und bei der Arbeit sehr exakt und gewissenhaft, aber er ist auch ein stolzer Mensch, der Niederlagen schlecht erträgt. Seine Selbstverliebtheit trägt dazu bei, dass er nur wenige Freunde hat.

Früher hat er in der Argentinischen Marine gedient, doch dort hatte er Ärger mit einem Vorgesetzten, und als er durch einen anderen Offizier hörte, dass eine Position auf der frei sei, bewarb er sich bei der ARAC und verließ die Marine. Sein Vater kämpfte im Falklandkrieg und hegt noch heute einen Hass auf die Engländer, denn er kommandierte ein Schiff, das vom Feind versenkt wurde. Mit diesen Geschichten wuchs Alvarez auf, und obwohl er es sich nicht anmerken lässt, hält er ebenfalls nicht viel von Engländern (zu denen auch Norman, der Zweite Offizier, gehört).

Sein Verhältnis zu den Wissenschaftlern an Bord ist zwiespältig. Er kann sehr charmant ihnen gegenüber sein, zu anderen Zeiten sieht er sich als Einpeitscher, der den Neuen zeigen muss, wo es langgeht. Entsprechend ist das Verhältnis zwischen ihm und dem Fahrtleiter meist eher kühl.

Seit einer feuchtfröhlichen Weihnachtsfeier an Land denkt er, die Kapitänin habe eine Schwäche für ihn. Doch jedesmal, wenn er irgendwie darauf anspielt, erntet er einen eiskalten Blick. Einmal hatte Alvarez eine Affäre mit einer Wissenschaftlerin an Bord, was Katharina Lorenz aus professionellen Gründen nicht gut fand. Alvarez hielt es natürlich für Eifersucht.

Sein heimlicher Lebenstraum ist, einmal eine Luxusyacht zu besitzen und sie ganz nach seinen Wünschen auszustatten. Mit solchen Planungen vertreibt er sich die Zeit, wenn auf der Brücke wenig los ist. Unbedingt dabei sein sollte ein Whirlpool und eine Anlage zum Tontaubenschießen. Er hat sich auch einmal mit dem Chefingenieur besprochen, ob man das mit den Tontauben nicht auf der

machen könnte, doch der blockte sofort ab.

Er isst sehr gerne Meeresfrüchte und findet nichts dabei, genussvoll in ein Brötchen mit Calamari zu beißen, während Leon zuschaut. Leon wiederum weiß, dass er gar nicht erst auf der Brücke aufzukreuzen braucht, wenn der Erste Offizier dort Dienst hat.

 

Francis Montesquieu, III., Molekularbiologe

53, Afro-Amerikaner aus New Orleans. Sein ebenmäßiges, kaffeebraunes Gesicht wird von einem sorgfältig gestutzten Schnurrbart geziert. Er zieht sich förmlicher an, als es an Bord üblich ist und trägt häufig ein (gebügeltes!) Hemd. An der Universität kommt meist noch ein Jakett hinzu, oder er zieht gleich einen Anzug an. Montesquieu stammt aus einer armen Familie und genießt es deshalb, sich gut anzuziehen. Er achtet auch sehr auf seine Sprache, und nur in Stressituationen fällt er in den breiten Südstaatendialekt seiner Kindheit zurück.

Sein Großvater war Unternehmer und hatte eine kleine Fabrik für Faxgeräte, er begriff nicht rechtzeitig, dass diese Technik auf dem Weg ins Museum war und ging pleite. Die Familie verarmte und verlor den Rest ihrer Habe beim Hurrikan Katrina (als das geschah, war Francis gerade auf Studienreise in Asien). Francis bekam dank seiner hervorragenden Schulnoten an einer namhaften Universität ein Stipendium. Als Molekulargenetiker ist er inzwischen sehr erfolgreich, und bei der ARAC war er Mitglied der Forschergruppe, die Lucys Erbgut designt hat. Inzwischen ist seine Aufgabe, Lucys bei der „Prozedur“ entnommene Gehirnzellen zu analysieren. Parallel dazu arbeitet er am Erbgut der nächsten Kraken-Generation.

In seiner Freizeit trinkt er gerne Cocktails und geht ins Casino, doch er ist eigentlich kein Spielertyp und nimmt jedesmal nur wenig Geld mit.

Seine Frau liebt er schon seit der High School, die Ehe ist sehr harmonisch und seine beiden kleinen Töchter Daisy und Emma sind sein ganzer Stolz. Er und seine Frau sind auch bei Forschungsfahrten ständig im Mailkontakt und schicken sich viele Fotos und kurze Videos. Seine Frau weiß nicht ganz genau, was ihr Mann eigentlich beruflich macht, sie ist Erzieherin in einer Kinderkrippe und versteht nichts von Genen.

 

Johannes Mattern, Biologe

32, Deutscher, aufgewachsen in München. Er hat braune, nach hinten gekämmte Haare, die vorne bereits dünn werden, blassblaue Augen und ein etwas teigiges Gesicht. Meist trägt er ein T-Shirt mit ARAC-Logo und dazu Jeans. Ein kühler, an der Oberfläche selbstsicherer, in Wirklichkeit aber leicht gekränkter Mann, der sich den meisten anderen Menschen überlegen fühlt. Freundlich ist er vor allem zu Menschen, die ihm nützen, ansonsten kann er sehr kurz angebunden sein.

Schon als Kind fiel seine Intelligenz auf. Seine nicht sehr wohlhabenden, aber ehrgeizigen Eltern förderten ihn nach Kräften und fanden alles gut, was er tat. Schon als Fünfjähriger besuchte er mit ihnen Schubert- und Mozart-Konzerte. Doch es fiel Johannes schwer, Kontakte zu anderen aufzubauen. In der Schule gab es niemanden, der genauso gerne durch ein Mikrokop spähte wie er. Im Gegenteil, die anderen Kinder machten sich über ihn lustig, ihre Welt war eine völlig andere als seine. Seine Eltern versuchten, ihn in einem Internat für hochbegabte Kinder unterzubringen, doch das erwies sich als zu teuer, und Johannes litt weiter auf seiner Schule. Um es den anderen Jugendlichen zu beweisen, tat Johannes alles, um Erfolg zu haben. Er kam in die Presse, als er bei „Jugend forscht“ gewann, übersprang eine Klasse nach der anderen und begann schon mit 17 Jahren sein Studium, erst in Deutschland, dann in Princeton, USA. Dort fühlte er sich endlich wohl und akzeptiert, hier gab es Menschen, die genauso waren wie er. Nur ein Mädchen kennenzulernen klappte auch hier nicht. Es gab zwar Mary-Lou, die sich mit ihm treffen wollte, und er fand sie auch nett – doch besonders hübsch war sie nicht, und ihre Leistungen im Studium waren nur mittelmäßig. Mit einer solchen Freundin hätten die anderen Studenten ihn verachtet. Also wich er Mary-Lou aus, bis sie sich einem anderen zuwandte.

Nach dem Studium warb die ARAC ihn an, und er durfte in einer Forschergruppe anfangen, die sich mit genetischer Modifizierung beschäftigte. Zu Beginn wurde er von Kollegen noch zu Partys eingeladen, doch das änderte sich schon nach einem halben Jahr. Nach und nach begann er, gegenüber seinen Kollegen die gleiche Abneigung zu empfinden wie gegenüber seinen ehemaligen Klassenkameraden. Johannes Mattern gewöhnte sich an, bis spät im Labor und in der Bibliothek zu bleiben, was von seinen Vorgesetzten wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde. Oft hörte er in dieser Zeit klassische Musik. Sehr erfreulich fand er es, als ihm eine junge Forscherin, Amber, als Assistentin zugeteilt wurde; die beiden arbeiten auch auf der Thetys zusammen. Ambers freundliche Art und ihre Zuverlässigkeit gefallen ihm, und Johannes hat den Eindruck, dass sie ihn sogar ein wenig bewundert. Bisher hat er nicht mitbekommen, dass sie in der Messe über ihn, seine Arroganz und seine Eitelkeiten lästert.

Johannes Mattern spielte eine wichtige Rolle dabei, Lucys Erbgut zu designen, war stolz auf sie und betrachtete sie seither als seine Schöpfung. Es irritierte ihn, dass allein Leon über dieses Tier zu bestimmen schien – er war doch nur irgendein Junge! – , und als Lucy endlich wieder auf der
war, entschied er sich, nun ihre Betreuung zu übernehmen, ungeachtet dieses Redway. Es war auch eine gute Gelegenheit vor, seinen Anteil an Lucys Erschaffung herauszustellen und Fotos sich selbst mit ihr zusammen anfertigen zu lassen, die sich für die Presse einigten. Als Leon und Lucy flohen, packte Mattern eine kalte Wut. Was bildete sich dieser Junge ein, was hatte er mit diesem Geschöpf vor, das ihm nicht gehörte? Mattern war noch nicht oft in einem Tauchboot mitgefahren, doch diesmal wollte er unbedingt selbst dabei sein bei der Jagd.

 

Gabriel Holzner, Sicherheitschef der ARAC

47, Deutscher. Sieht eher aus wie ein Buchhalter, ist aber ein ehemaliger Oberst der KSK; wegen gesundheitlicher Probleme musste er die Truppe verlassen, und ein Freund empfahl ihn dem Konzern. Holzner kommt aus Stuttgart und ist überzeugter Katholik. Er ist ein selbstgerechter Mensch, der alle anderen richtet und urteilt, aber blind gegenüber seinen eigenen Fehlern ist. Bei seinen Kollegen ist er als Perfektionist bekannt – eiserne Disziplin und Pünktlichkeit sind für ihn selbstverständlich. Im Alltag merkt man ihm seine Religiösität nicht an, aber insgeheim betet er jeden Abend und ist auch schon mal den Jakobsweg gegangen.

Er zieht sich sehr schlicht an, meist mit einem hellen Hemd und einen Jakett mit ARAC-Logo. Doch für Einsätze hat er schwarze Overalls für sich und seine Leute besorgen lassen. Seine engsten Mitarbeiter in der Sicherheitsabteilung sind fünfzehn Männer, viele von ihnen ehemalige Militärs und Polizisten. Holzner bedauert, dass in seinem Job so viel Schreibtischarbeit anfällt, und genießt es, auch mal „rauszukommen“ (so zum Beispiel beim Überfall auf das Fast-Food-Restaurant in Hilo).

Holzner ist geschieden. Seine hübsche Frau Svenja, eine Stewardess, war ihm fast immer treu, doch ausgerechnet eine kurze Affäre hatte Folgen. Als Holzner herausfand, dass der zwölfjährige Jan eigentlich gar nicht sein Sohn war, brach er den Kontakt zu dem Jungen ab und zog sich verbittert von seiner Familie zurück.

In seiner eigenen Jugend wehrte er sich gegen die Erwartungen seines anspruchsvollen Vaters, und weil er nicht spurte, steckten seine Eltern ihn in ein Internat. Dort sollte er „auf Spur gebracht“ werden, was auch klappte. Er wurde Deutscher Meister im Schwimmen und studierte Jura (was ihm keinerlei Spaß machte). Schließlich kam es zum endgültigen Bruch mit seinem Vater, weil Holzner junior sich das zweite Staatsexamen sparte und nie eine Zulassung als Anwalt bekam. Schließlich verwirklichte schließlich Gabriel Kindheitstraum, zu einer Spezialeinheit zu gehen. Einige Jahre lang tat er in Afghanistan Dienst, und dabei wurde er noch härter.

Er ist absolut loyal seinem Land und seinem Arbeitgeber gegenüber und hat keinerlei Bedenken dabei, auch weniger legale Aufträge für die ARAC zu erfüllen. Leon ist für ihn ein Verräter, weil er gewagt hat, gegen den Konzern aufzubegehren. Im Grund sieht er aber auch sich selbst in diesem Alter in ihm. Leon wagt aufzubegehren und Holzner gönnt ihm nicht, dass er damit durchkommt (weil er selbst es auch nicht geschafft hat). Außerdem ist ihm suspekt, dass Lucy genmanipuliert ist, das betrachtet er als widernatürlich und gotteslästerlich. Doch obwohl er ein hohes Interesse daran hat, Leon zu fangen, ist er auch ein wahrer Konzernmensch und denkt auch an die Kosten. Daher muss er Alvarez, den er mit der Suche beauftragt hat, schließlich ein Limit setzen. Er wüsste, dass sonst er selbst in die Kritik geraten würde, und das kann er nicht akzeptieren.

Gegen seine Nervosität und den Stress nimmt er Tabletten, allerdings heimlich, weil er sonst vor seinen Untergebenen in der Sicherheitsabteilung als Schwächling dastünde. Es regt ihn auf, dass er im Alter weitsichtig geworden ist. Dennoch ist er ein hervorragender Schütze, und zweimal im Jahr geht er (mit den Gewehren seines Vaters) auf Safari in Namibia.

 

Minh, Kochsmaat in der Kombüse der Thetys

22, Amerikaner vietnamesischer Abstammung (sein Name bedeutet „Klarheit, Reinheit“), der in Chicago aufgewachsen ist. Drahtige, zähe Gestalt mit stoppelkurzen schwarzen Haare. Minh hat am Oberarm ein Tattoo, das einen Drachen zeigt. Allerdings haben sich schon viele seiner Freunde über dieses Tattoo lustig gemacht, da der Tätowierer vergessen hat, dem Drachen auch Zähne zu geben.

Minh kann gut organisieren, redet manchmal schneller, als er denken kann und ist ziemlich eitel. Am liebsten wäre er ein Star. Als 16jähriger war er mal Zweitplatzierter in einer Castingshow, und noch immer behauptet er, er müsse vor seinen Fans fliehen. Gut singen kann Minh eigentlich schon, doch die Songs, die er selbst schreibt, sind vielen Leuten zu kitschig. Seine große Chance sieht er darin, Manager von Leon und Lucy zu werden (die ihn mit ein paar Kunststücken tief beeindruckt haben). Er ist ein großer Fan von Lucy, doch die weicht ihm lieber aus. Das ist nicht allzu schwer, denn Minh kann kaum schwimmen.

Dass er vom Erfolg träumt, liegt wahrscheinlich daran, dass er das Sorgenkind seiner Familie ist. In der Schule war er nicht besonders gut, und während seine Cousins gerade an amerikanischen Unis studieren, brach Minh seine kaufmännische Ausbildung ab. Einer seiner Onkel, in dessen Restaurant Minh früher mitgeholfen hat, hat ihm den Job auf der verschafft. Als Helfer in der Bordküche, der Kombüse, muss Minh hart arbeiten, doch es gefällt ihm dort eigentlich ganz gut und er ist sehr flink darin, Gemüse zu hacken.

Minh ist sehr geschäftstüchtig und verkauft seine CDs und außerdem selbstgemischte Parfüms an Bord. Dank seiner übersprudelnden Fantasie fällt es ihm nicht schwer, sich für diese Parfums abgefahrene Namen auszudenken („Deep Sea Surprise“ und „Wonderful Wave“ verkaufen sich am besten).

Er hat einige Verwandten in Hanoi, und irgendwann einmal würde er sie gerne besuchen. Obwohl er sich eher als Amerikaner fühlt denn als Vietnamese.

 

Die NoComs

Suzannah Tuesday und Alexandre Le Moullec, Gründer der NoCom-Bewegung

Kultbuch der NoComs ist Suzannah Tuesday, . Es ist der Bericht einer Aussteigerin. Suzannah war erst ein hochbezahltes Model und gründete danach eine PR-Agentur, sie jettete um die Welt, war voll im Shoppingwahn und ein Kommunikations-Junkie. Doch dann, mit 29, brach sie eines Tages zusammen, Diagnose: Burn-out. Ihr wurde klar, so geht es nicht weiter. Nach der Begegnung mit einem Bretonen, Alexandre Le Moullec, stieg sie aus. Inzwischen lebt sie abwechselnd in Kanada und der Bretagne. Sie gibt keine Interviews, doch was sie macht, spricht sich durch Mundpropaganda herum. Ihr Buch ist in einem kleinen Verlag erschienen, ohne jede Werbung, und wurde trotzdem zum Bestseller.

Alexandre Le Moullec, 50, ist ein bärtiger, muskulöser Mann mit buschigen Augenbrauen. Ein kluger Mann und guter Menschenkenner. Er spricht ebenso gut Bretonisch wie Französisch. Früher lebte er als Fischer in Bresse, und er sagt, er habe seine Seele ans Meer verloren. Später wurde er Schmied. Eine Familie hat er nicht. Er und Suzannah Tuesday lernten sich in der Bretagne kennen und trafen sich zwei Wochen lang jeden Tag, um sich auszutauschen. Sie schreiben sich immer noch, immer Briefe, nie Mails. Ab und zu auch eine Flaschenpost, das ist aber eher ein Witz zwischen ihnen.

Jeder NoCom trägt ein Triskell, das von Le Moullec angefertigt worden ist. Kaufen kann man diese Anhänger nicht. Seinen Lebensunterhalt verdient der Bretone nicht mehr als Schmied, sondern durch Seminare. Seine Fans wissen nie genau, wo Le Moullec genau ist, und er macht die Seminare immer nur mit ganz kurzer Vorankündigung. Die Preise für die dreitägigen Seminare sind für jeden Teilnehmer unterschiedlich, jeder gibt, so viel er kann und will. Teil des Seminars ist, ein eigenes Symbol für sich zu schmieden – aber nur Le Moullec selbst darf die Triskells anfertigen.

 

Leah

20. Eigentlich heißt sie Debbi Harper, aber das fand sie zu unpoetisch. Da sie gerne schreibt und eine sehr elegante, geschwungene Handschrift hat, ist sie Chronistin/Schriftführerin der NoComs im Waipi ́o Valley und zeichnet mit einer Schreibfeder auf selbst hergestelltem Papier auf, was in der Siedlung alles geschieht.

Leah kommt aus Chicago, doch sie wollte raus aus der Großstadt und hatte eine starke Sehnsucht nach einem ursprünglicheren Leben und nach der Natur. Sie ist eine hübsche, herzliche Frau, die eigentlich blond ist, sich die Haare aber dunkelbraun gefärbt hat. Schon seit Jahren versucht sie einen Roman zu schreiben („Drei Zeichen für die Welt“), aber das klappt nicht so richtig gut und sie bleibt ständig stecken. Sie und Big T mögen sich nicht; er hat mal eine abfällige Bemerkung gemacht nachdem sie einen Abschnitt aus ihrem Roman in der Gruppe vorgelesen hat. Doch mit den anderen NoComs kommt sie gut klar. In der Siedlung wirkt sie durch ihre freundliche, geduldige Art ausgleichend, und oft schlichtet sie Konflikte. Sie nimmt von jedem, den sie trifft, erst einmal das Beste an. Allgemein gilt Leah als fleißig, sie ist oft bei der Kochgruppe dabei. Doch sie hat auch Phasen, in der sie sich einfach erlaubt, stinkfaul zu sein und ein paar Tage lang gar nichts zu machen. Die anderen akzeptieren es, weil Leah in der Gruppe beliebt ist.

Leah lebt vegetarisch und findet es herrlich, das zu essen, was sie und ihre Freunde selbst angebaut haben. Dafür hatten ihre Eltern und ihre beiden Geschwister kein Verständnis, für sie gehörte zu einer richtigen Mahlzeit Fleisch. Aber auch in den meisten anderen Dingen fühlte sich Leah von ihrer Familie unverstanden. Sie gehören einer christlichen Sekte an, während sich Leah für jüdische Geschichte und Kultur interessiert. Inzwischen hat sie fast keinen Kontakt mehr zu ihnen, sie schreibt ihnen allerdings einmal im Jahr eine Karte, damit sie wissen, dass sie noch lebt. Antworten kann ihre Familie allerdings nicht, da sie keine Adresse von Leah hat und nur weiß, dass sie auf Big Island lebt. Allerdings haben ihre Eltern auch nie einen Versuch gemacht, sie zu suchen und zurückzuholen.

 

Hope Kellenberg

20, Australier. Er hat kurze blonde Haare und ein nettes Lächeln. Seine Bewegungen sind langsam und bedächtig, eine Uhr trägt er nicht. Ein schneller Denker ist er nicht gerade, aber dafür ist er neugierig und offen, ein Junge, der jedem eine Chance gibt. Er hat einen „grünen Daumen“ und gärtnert gerne. Schon kurz nach seiner Ankunft bei den NoComs im Waipi ́o Valley funkte es zwischen ihm und Leah, seither sind sie zusammen. Sie hat auch nichts gegen seine zahme Vogelspinne Daisy einzuwenden, da diese üblicherweise nicht beißt.

Schon Hopes Eltern, denen im Hinterland der australischen Gold Coast ein kleines Hotel gehört, waren überzeugte Ökos, er ist mit diesen Überzeugungen aufgewachsen. Es war von Anfang an klar, dass seine Eltern ihn unterstützen, wenn er zu den NoComs geht (wahrscheinlich wird seine Schwester das Hotel übernehmen). Hope ist per Schiff aus Australien nach Hawaii gekommen, da Fliegen ihm zu umweltschädlich war. Auf dem Containerfrachter musste er hart für seine Überfahrt arbeiten und wurde wegen seines Namens gehänselt, aber das machte ihm nichts aus. Er weiß noch nicht, wie lange er in der Siedlung bleiben wird, und hofft, dass er dort etwas lernen kann. Hope bewundert Old Joe und hat ihn als seinen Mentor akzeptiert. An die Zukunft denkt er nicht besonders oft, er versucht ganz bewusst, im Hier und Jetzt zu leben. Joe hat begonnen, ihm die Prinzipien des Zen-Buddhismus zu vermitteln, weil er glaubt, dass das gut zu Hope passt.

 

Joe B. Kincaid

78, Old Joe oder Joe the King genannt. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein Penner, doch wenn er seine verkratzte Sonnenbrille abnimmt, dann fallen sofort seine wachen Augen und sein durchdringender Blick auf. Er hat einen scharfen Verstand und kann Menschen in kurzer Zeit einschätzen. Außerdem ist er sehr gebildet, man kann sich mit ihm über aktuelle Politik genauso gut unterhalten wie über Zen-Buddhismus und die Wikinger.

Joe ist ein Ex-Hippie, Vietnam-Verweigerer und ein ehemaliger Guru der Umweltbewegung der 80er. Als er merkte, dass er durch Demos wenig bewegen konnte, studierte er Jura und kämpfte im Gerichtssaal gegen Umweltsünder. 1981 arbeitete er in der Regierung Jimmy Carter an dem Bericht „Global 2000“ mit und hatte die Hoffnung, dass jetzt endlich etwas was passiert. Aber dann kam Präsident Reagan, und seine Illusionen lösten sich eine nach der anderen auf. Joe schmiss seine Regierungsjobs hin und ging zu Greenpeace. Doch nach einigen Jahren dort nervte ihn mehr und mehr die Bürokratie, die bei großen Organisationen unvermeidlich ist. Er wanderte nach Hawaii aus und machte sich dort als Berater selbständig. Als er von der NoCom-Siedlung hörte, gab er seine berufliche Laufbahn endgültig auf und schloss sich der Gruppe an.

Die NoComs verehren ihn, und er hat dort die Rolle eines Zeremonienmeisters. Außerdem prüft er sämtliche Neuankömmlinge, damit die Gruppe nicht von Gegnern unterwandert wird. Doch er hat nie versucht, einer der Anführer der Siedlung zu werden, bezeichnet sich gelegentlich als „alten Knacker“ und überlässt wichtige Entscheidung ganz bewusst den jungen Leuten.

 

Big T.

23, Amerikaner. Sein richtiger Name ist Thaddeus Nelwick. Er ist fast zwei Meter und dürr; man sieht ihn meist im ärmellosen Trackshirt und kurzen Sporthosen herumlaufen sehen, dazu trägt er gigantische ausgelatschte Basketballschuhe (natürlich ohne Socken). Er war früher ein berühmter Hacker und lebte in Alaska, doch dort fühlte er sich nicht wohl, und der letzte Strohhalm war, als seine erste und bislang einzige Freundin – die er per Internet kennengelernt hatte – per SMS mit ihm schlussmachte. Das Handy wurde so gründlich zerstört, wie es wohl kaum einem Gerät bisher vergönnt war, und aus Trotz fasste Big T. den Plan, in ein warmes Land auszuwandern und dort ohne dieses Scheiß-Internet zu leben. Es war natürlich auch ein Faktor, dass gerade einer seiner gewagteren Hacks aufgeflogen war und er sich ernsthaft Sorgen machte, das FBI könne demnächst vor der Tür stehen.

Inzwischen ist er Anführer einer Gruppe von HighTech-Aussteigern innerhalb der NoCom-Gemeinde auf Big Island. Doch ganz verabschieden mochte sich Big T. von Technik und Internet nicht, er hat eine Hütte mit ganz viel Equipment, einer Satellitenantenne und Strom aus Solarpanels auf dem Dach. Da er als einziger in der Siedlung über einen Fernseher verfügt, ist bei ihm während populärer Ereignisse wie Basketball-Meisterschaften viel los in der Hütte.

Er ist zwar ein großer Basketball-Fan, spielt aber selbst eher schlecht, wie Leon herausfindet. Dass er Big T. mühelos in dessen Lieblingssport schlägt, macht ihn natürlich nicht beliebt. Und leider hat der Ex-Hacker nicht wenig Einfluss in der NoCom-Gruppe.

 

Charlene Milliard

19 Jahre alt, eine dicke junge Frau aus Nebraska (USA). Ihre Eltern arbeiten beide bei Fast-food- Ketten und haben wenig Geld, leisten sich aber trotzdem einen permanenten Shopping-Rausch. Daher war schon oft der Gerichtsvollzieher bei der Familie zu Gast. Ihre beiden Geschwister fanden nichts dabei, doch Charlene war irgendwann einfach nur noch angewidert von dem Fast Food, den Malls und dem Müll. Ihr erster Freund Gil war ein NoCom und öffnete ihr sozusagen die Augen, sie sind zwar nicht mehr zusammen, aber seine Ideen blieben bei Charlene haften. Bei den NoComs versucht sich gesund zu ernähren und hat schon 15 Kilo abgenommen. Es fällt ihr schwer, aufs Internet (chatten!) und auf ihre Lieblingsserien zu verzichten, aber das betrachtet sie als Teil der Diät.

Charlene ist ein bisschen naiv, aber sehr überzeugt von den NoCom-Idealen. Sie bewundert Big T. und er duldet sie, weil es ihm gefällt, dass sie ihn anhimmelt. Übers Internet haben sie sich kennengelernt und er hat ihr vorgeschwärmt, wie toll es auf Hawaii ist. Mit erstaunlicher Hartnäckigkeit hat sich Charlene dorthin durchgeschlagen. Erst war sie enttäuscht, wie primitiv das Leben in der Siedlung ist, aber irgendwie fand sie es auch gut. Eine Verbindung zum Meer hat sie nicht, und sie findet Leon ziemlich seltsam.

 

Ellyn Grace Madison

41, Amerikanerin. Sie hat glatte, blonde Haare, die ihr auf den Rücken fallen, und ein ernsthaftes Gesicht mit klugen Augen. Kinder hat sie keine. Als Jugendliche war sie magersüchtig und musste in die Klinik deswegen, doch eine Delfin-Therapie in Florida half ihr. Die hochbegabte Ellyn entschied sich, Meeresbiologie zu studieren, und am Scripps Institut in Kalifornien lernte sie die Redways kennen. Damals erforschte sie noch die Ernährung von Walhaien – dafür hatte sie auch schon ein Forschungssemester in Taiwan verbracht und war auf den Malediven getaucht.

John und Juliette Redway überredeten sie, zu ihrem Team bei der ARAC zu kommen, um dort mit ihnen zusammen am Flüssigkeitstauchen/Tiefseeprogramm zu arbeiten. Es war Ellyns Idee, Tier- Mensch-Teams zu bilden, damit sich die Kinder in der Tiefsee nicht zu sehr fürchten. Doch trotz des großen Budgets bei der ARAC wurde ihr nach und nach klar, was es bedeutet, für einen großen Konzern zu arbeiten. Bürokratie, schlechtes Management, Rücksichtslosigkeit – sie lernte die ARAC nicht immer von ihrer besten Seite kennen. Als die Redway-Forschergruppe zerbrach, hielt Ellyn nichts mehr im Konzern und sie ging zu einem Projekt in Korea. Doch dort hatte sie kaum Kontakte zu Kollegen, fühlte sich sehr einsam und nicht akzeptiert. Ihre Probleme mit der Magersucht kehrten zurück, außerdem begann sie, Drogen zu nehmen. Schließlich musste sie ihre Karriere unterbrechen und zog sich zu den NoComs in Waipi ́o Valley zurück. Dort ging es ihr besser. Zur Zeit versucht sie eine nachhaltige Aquakultur für die Siedlung anzulegen und experimentiert mit verschiedenen Garnelenarten.

 

Franz Hallmeier, genannt „Fränkie”

48, Österreicher. Er spricht Englisch mit lustigem Akzent, hat einen graublonden Bart und gutmütige Augen. Seine Lieblingsklamotten sind verwaschene Jeanshemden, Shorts und Trekking-Sandalen. Vor ein paar Jahren war er noch Gründer und Geschäftsführer von „Hallmeier Solar“, doch als er sich den NoComs anschloss, wollte er die Firma aufgeben. Die anderen haben ihn überredet sie zu behalten und von einem Stellvertreter weiterführen zu lassen. Denn auch eine Siedlung von Aussteigern kann Geld gut gebrauchen.

Fränkie studierte Elektrotechnik, entwickelte sich schon als Student zum Sonnenenergie-Fetischist und gründete eine Solarfirma, mit der er zu seinem eigenen Erstaunen enormen Erfolg hatte. Mit seinem Privatleben lief es nicht ganz so gut. Lange Jahre lebte er zufrieden mit seiner Ehefrau, dann verknallte er sich in eine Austauschstudentin in seiner Firma, ging mit ihr nach Hawaii und blieb, als die Austauschstudentin nichts mehr von ihm wissen wollte, bei den No Coms hängen. Inzwischen ist er geschieden. Im Gegensatz zu seiner Frau warf ihm seine Tochter Leonie die Midlife-Crisis nicht vor, sondern machte sich auf, ihn zu suchen. Es gefiel ihr so gut auf den Inseln, dass sie dort blieb; inzwischen arbeitet sie als stellvertrende Managerin eines Hotels in Honolulu. Sie besucht ihren Vater ab und zu und bringt ihm dabei jede Menge Goodies (meist Tüten voller Essen) mit.

Gelegentlich vermisst Fränkie bei den NoComs sein ehemaliges Hobby, das Tischtennisspielen. Er hat sich Bälle und einen Schläger schicken lassen, doch bisher hat er nichts gefunden, das als Platte dienen könnte. Aber er hat noch genug andere Beschäftigungen. Er schwimmt jeden Morgen eine halbe Stunde im Meer, ohne sich von den gefährlichen Strömungen beeindrucken zu lassen, und joggt am Strand auf und ab.

Sein Kaiserschmarrn mit Rosinen ist bei den NoComs sehr beliebt.

 

Johnny Chang

19, Chinese aus Hongkong. Seinen richtigen Namen hält er streng geheim. Er ist schmal gebaut, aber sehnig und läuft oft mit bloßem Oberkörper herum, um sein Kämpfer-Image zu fördern. Und tatsächlich hatte er mal ein paar Jahre Kampfsport-Unterricht in Hongkong, den ihm seine Eltern bezahlt haben. Da er außerdem ein misstrauischer Mensch ist, hat er in der NoCom-Siedlung die Rolle eines Sicherheitsbeauftragten übernommen.

Er ist der Sohn reicher chinesischer Funktionäre und Unternehmer und hat eine privilegierte Kindheit und Jugend genossen, doch seit einigen Jahren fühlte er nur noch Wut über die Profitgier seiner Eltern. Ohne jede Rücksicht auf die Umwelt haben sie beispielsweise ein großes Staudamm-Projekt befürwortet und durchgezogen. Immer wieder gerieten Johnny und seine Eltern wegen solcher Dinge aneinander. Schließlich bestach Johnny einen Matrosen auf einem Containerschiff und kam vor einem halben Jahr als blinder Passagier nach Hawaii. Seither hat er Angst, dass seine Eltern ihn suchen lassen, deswegen möchte er nicht, dass die Siedlung im Rampenlicht steht.

Umweltschutz ist für ihn eine pure Rebellion gegen seine Eltern. Durch deren Aktivitäten fühlte er sich beschmutzt, deshalb versucht er, bei den NoComs möglichst „rein“ zu leben. Heimlich vollzog er nach seiner Ankunft Reinigungsrituale an sich, bei denen er sich manchmal selbst verletzte. Inzwischen hat er dieses Bedürfnis nicht mehr und ist etwas zur Ruhe gekommen.

Johnny hatte als Achtjähriger Scharlach, während seine Eltern gerade beruflich unterwegs waren, das Kindermädchen erkannte die Krankheit nicht und behandelte den Jungen mit traditioneller chinesischer Medizin, die leider nicht besonders gut wirkte. Durch die unbehandelte Krankheit wurde sein Gehör geschädigt, und seine Eltern hatten panische Angst, dass er ganz taub werden könnte. Nach diesem Zwischenfall versuchten seine Eltern, ihn in Watte zu packen und zu beschützen, auch dagegen rebellierte Johnny. Seine Helden wurden die Kampfsportler aus den Filmen, die er sehen durfte. Er spielt Trommel und ist sehr geschickt mit den Händen, viele der NoComs essen von Tellern, die er mit Schnitzereien verziert hat, und Besteck, das er selbst geschnitzt hat.

 

Mo

18 Jahre, Hawaiianer. Er ist mittelgroß, hat braune Haut, ein rundes Gesicht und tiefschwarzes Haar, das wirr nach allen Seiten vom Kopf absteht. Meist trägt er ein ledernes Hemd auf der bloßen Haut und dazu Khakishorts; seine Füße steckten in uralten violetten Crocs. Angeblich ist sein ganzer Rücken tätowiert, aber da ihn noch niemand ohne Hemd gesehen hat, konnte niemand das Gerücht nachprüfen.

Bei den NoComs weiß kaum einer etwas über ihn, er war eines Tages einfach da. Mo kommt und geht lautlos. Keiner kennt ihn wirklich, und der einzige, der ihn wirklich mag, ist Johnny Chang, denn er nimmt ihn als Verbündeten wahr im Kampf gegen die Feinde der Siedlung. Das ist er auch, denn seit er da ist und ihnen hilft, werden sie nicht mehr von den anderen Siedlern des Waipi ́o Valley belästigt, teilweise ziemlich krassen Typen. Vielen NoComs ist er unheimlich, doch sie wagen nicht, ihn rauszuschmeißen.

Mos größter Schatz ist ein Blackberry, aber keiner weiß, ob das Ding überhaupt funktioniert, weil man ihn immer nur aus der Entfernung darauf tippen sieht. Big T. hat mal versucht, es ihm wegzunehmen, und hatte prompt Mos Leiomanu an der Kehle. Das Leiomanu, ein Schlagring, der mit Hammerhai-Zähnen besetzt ist, ist eine hawaiianische Waffe mit uralter Tradition. Jahrhundertelang wurden nach einem Kampf die alten Männer des Dorfes ausgeschickt, um mit dem Leiomanu verwundeten Gegnern, die noch lebten, die Kehle durchzuschneiden.

Die Traditionen seines Volkes sind sehr wichtig für Mo. Er sagt Leon auf den Kopf zu, dass er eine Verbindung zu Kanaloa, dem hawaiianischen Gott des Meeres und der Kraken, hat. Da das Meer vor Waipio Valley als das Tor zur Hölle gilt, ist für Mo klar, dass auch Leon aus der Hölle kommt. Als Kanaloas Verbündeten kann er Leon jedoch akzeptieren.

Johnny Chang hat vorsichtig nachgeforscht und schließlich herausgefunden, dass Mos Vater ein hawaiianischer Geistheiler war. Mos Mutter war eine junge (weiße Hawaiianerin), die von ihren Eltern dazu gezwungen wurde, das Kind zur Adoption freizugeben. Doch Mos Vater verschwand einfach mit dem Jungen. Die beiden lebten in einer abgelegenen Ecke von Big Island, bis der Vater an einer Krankheit starb. Mo driftete ins Waipi ́o Valley und schläft dort seither im Freien, immer an einem anderen Ort. Die Neugier zog ihn zu den NoComs hin, und er stellte fest, dass die Mitglieder der Gruppe Interesse an den Geistern und Göttern Hawaiis hatten. Deshalb entschied er, sich auf ihre Seite zu stellen. Hin und wieder leitet er traditionelle Zeremonien in der Siedlung, doch er will sich an die NoComs genauso wenig binden wie an andere Menschen, seine Freiheit ist ihm sehr wichtig. Außerdem hat er eine sehr zwiespältige Haltung Weißen gegenüber, eine Art Hassliebe.

Mehr konnte Johnny nicht herausfinden, und so bleibt Mo einer der rätselhaftesten Bewohner des Tals.

 

Besatzung des Drifters

Delilah Morenal

31, schwarze Südafrikanerin. Mit ihren langen, geglätteten schwarzen Haaren ist sie sehr attraktiv. Sie ist seit zwei Wochen auf dem Drifter, weil sie hier in Ruhe ihrer großen Liebe nachtrauern kann. Dass sie ständig davon erzählt, nervt alle anderen Besatzungsmitglieder. Ihr Lachen klingt schrecklich, wie das Röhren eines Hirschs. Sie ist selbstsicher und wirft aufdringlichen Verehrern, ein paar der vielen Ausdrücke an den Kopf, die sie in der Seefahrt gelernt hat.

Ihr Vater, ein südafrikanischer Seemann, nahm nach langem Hin und Her seine indonesische Geliebte mit nach Hause und heiratete sie. Anschließend wanderten sie in die Karibik aus und machten eine Segelschule auf, in der sämtliche vier Kinder schon früh mitarbeiten mussten. Delilah liebte das Segeln und baute sich hartnäckig und mutig eine Karriere in der Seefahrt auf. Doch als sie Erste Offizierin auf einem Frachter war, verliebte sich in den Kapitän und hatte eine Affäre mit ihm – er war aber leider verheiratet und die Sache ging nicht gut aus.

Auf dem Drifter versucht sie nun, ihren Kapitän zu vergessen. Außerdem ist der Job gut, um den NoComs ein paar wertvolle Informationen zu verschaffen. Seit zwei Jahren schon trägt Delilah heimlich ein Triskell, doch sie hat kein Interesse daran, sich in einer der Siedlung niederzulassen. Die Arbeit als Under-Cover-Agentin der Bewegung macht ihr sehr viel mehr Spaß.

Manchmal schleicht sie sich heimlich auf die Oberseite der Driftstation, um dort zu kiffen, das beruhigt sie. In einem Tank im Inneren der Station pflegte sie drei Hanfpflanzen. Sie waren schon fast reif, als Arthur sie entdeckte. Er drehte völlig durch und stellt Delilah wütend zur Rede. Zunächst blieb sie völlig ruhig, doch als Arthur die Hanfpflanzen aus der Luke warf, drehte wiederum Delilah durch. Ihr Kollege Hiroki wiederum ist wütend, weil abzusehen ist, dass Arthur und Delilah durch den Streit die Essenszeit verpassen. Dabei hat er dieses Essen mit größter Sorgfalt alles zubereitet, weil es der Jahrestag des Tsunamis ist, bei dem sein Vater umgekommen ist.

 

Arthur Cumble

44, Amerikaner. Er ist leicht zu erkennen an seinem langen Hals, dem hervortretendem Adamsapfel und seinen Zähnen, die einem Biber Ehre gemacht hatten. Er ist Schiffsbau-Ingenieur, hat den Drifter mit entwickelt und liebt ihn heiß und innig. Aufgrund seiner Qualifikation hätte er schon längst versetzt werden müssen, doch er will unbedingt auf „Lost“ bleiben. Der Name des Drifters stammt von ihm, er hat alle Staffeln aus der Serie auf DVD.

Arthur stammt aus dem Mittleren Westen, er war oft auf der Farm seiner Großeltern. Als Junge ist er viel geritten, doch dann entwickelte er eine Pferdehaarallergie. Andere Krankheiten kamen hinzu – Stauballergie, Erdnussallergie, Schimmelpilzallergie. Als Delilah einmal zum Spaß sagte, im Essen seien Spuren von Erdnüssen (was nicht stimmte), entwickelte er prompt psychosomatisches Bauchweh.

Sein Äußeres ist ihm egal, und er ist noch nie auf die Idee gekommen, seine Zähne richten zu lassen. Eine Frau, die sich an ihnen stören könnte, hat er sowieso nicht.

Auf Partys läuft Arthur zu großer Form auf, er ist ein blendender Unterhalter und kann sehr gut Stimmen imitieren. In solchen Momenten vergisst er sein Schiff und seine Allergien und wird richtig lustig. Obwohl er der Typ ist, der nur Wasser trinkt und keinen Alkohol und keine anderen Drogen nimmt. Die Kifferei von Delilah ist ihm verhasst. Hin und wieder lässt er sich von Hiroki dazu bewegen, an einer der Teezeremonien des Japaners teilzunehmen.

 

Hiroki Mitsuhashi

36, Japaner. Ozeanograf mit Schwerpunkt Meeresströmungen. Schmale Statur, königsblau gefärbte Haare. Er war auf den besten Schulen und hatte hervorragende Noten, bis er sich entschied, dem Ruf an eine Universität an der amerikanischen Ostküste zu folgen. Mit der lockeren, unverbindlichen Art der Amerikaner kam er nicht klar. Auch dass er keinen Führerschein hatte, war in Amerika ganz schlecht, das Verkehrsgetümmel verwirrte ihn und einmal wurde er sogar angefahren, als er neben einer Schnellstraße entlangging. Auf dem Drifter hat er endlich das Gefühl, zur Ruhe zu kommen. Außerdem begeistert ihn, dass er hier direkt im Meer seine Arbeit fortführen kann.

Er kocht gerne und macht hin und wieder japanisches Essen für die Besatzung. Um frischen Fisch zu haben, setzt er sich aufs Außendeck und angelt. Da Hiroki sehr ruhig ist, weiß man selten genau, was er denkt. Seit er ein schweres Erdbeben überstanden hat, kann er alle „kleineren“ Gefahren nicht mehr recht ernst nehmen, und sich aufzuregen hält er ohnehin für überflüssig.

Seine Familie lebte ursprünglich von der Fischerei, doch das brachte nicht mehr genug ein, und schließlich wurde auch noch sein Vater von einem Tsunami getötet. Deshalb schickt Hiroki seiner Mutter einen Teil seines großen Teil seines Gehalts, um sie zu versorgen. Seine Mutter hatte eigentlich eine geeignete Braut für ihn gefunden, doch Hiroki weigerte sich höflich aber bestimmt, sich verkuppeln zu lassen.

Hiroki isst sehr gerne und oft Erdnüsse, was Arthur total irritert, weil er befürchtet, irgendwo könnte ein Erdnussmolekül haften bleiben und ihn töten.

 

Diverse Figuren

Jonah Simmonds, Bootsbesitzer

60, Amerikaner. Er hat ein misstrauisches, verkniffenes Gesicht mit einer flachen Nase, auf seinem blanken Schädel thront eine schmuddelige gelbe Basecap. Nicht nur die Haare fehlten ihm, auch Augenbrauen und Wimpern. Seine Hände sind breit und schwielig. Mit seinem schwarz gestrichenen, schrottreifen Boot „Lovely Lucy“ und seinem roten Bordkater Chili ist er„irgendwo und nirgends“ unterwegs. Mit Menschen will er nichts mehr zu tun haben, deshalb versorgt er sich weitgehend selbst und isst nur noch Fisch. Nur Bier und Dope kauft er an Land. Er ist überzeugt, dass die Geheimdienste und die Steuerbehörden es auf ihn abgesehen haben (nur letzteres stimmt), und ist ein begeisterter Anhänger aller gängigen Verschwörungstheorien.

Jonahs Eltern waren Fischer an der Golfküste Amerikas, und beide regelmäßig in der Kirche anzutreffen, daher der biblische Name, den sie ihrem Sohn gaben. Jonah war sogar einmal im Whale Watching-Business und riss auf jeder Fahrt Witze darüber, dass er noch immer nicht von einem Wal verschluckt worden war. Die Leute schienen seine Witze jedoch nicht sonderlich zu schätzen, denn zwei Jahre später war er pleite. Fortan wollte Jonah mit Walen nichts mehr zu tun haben und suchte sich eine Arbeit an Land. In der chemischen Industrie von Texas verdiente er recht gut und konnte seine wachsende Familie (drei Kinder) ernähren. Doch dann lernte er in einer Kneipe in der Innenstadt die Bankangestellte Lucy kennen, und verlor sein Herz an sie. Auch er gefiel ihr, und Jonah verließ seine Frau Naomi und die drei Kinder für sie. Zwei Jahre lang waren sie glücklich zusammen, doch dann erwischte Simmonds eine Kastrophe nach der anderen. Erst erbat sich Lucy Zeit, um über ihre Beziehung nachzudenken, sie sei nicht ganz sicher, ob das alles das richtige für sie sei. Dann kam der Unfall in der Fabrik, in der er arbeitete. Jonah wurde kontaminiert, war eine Zeitlang schwer krank und verlor sämtliche Körperhaare. Lucy kümmerte sich liebevoll um ihn, doch er konnte sie nicht bewegen, wieder zu ihm zu ziehen. Mit der Entschädigungszahlung seines Arbeitgebers kaufte er sich ein altes Boot, taufte es „Lovely Lucy“ und begann seine Irrfahrt.

Zufällig lernte er dabei die NoComs kennen und stellte fest, dass sie ihm sympathisch waren. Seither unterstützt er sie gelegentlich.

 

Thomas „Toto” Venson, Journalist

32. Er hat lange, schwarze Haare, die fast immer zum Pferdeschwanz zusammen bindet, ein rundes Gesicht und braune Augen mit langen schwarzen Wimpern. Nur Abends trägt er seine Brille, sonst tauscht er sie gegen Kontaktlinsen aus. Bei seinen Kollegen ist er für seine gute „Schreibe“ bekannt, aber die meisten sind auch genervt von seiner Eitelkeit und seinem Selbstmitleid. Enge Freunde hat er nicht, nur Buddies, die gelegentlich mit ihm Surfen, einen Joint rauchen und ein Bier trinken.

Er ist das einzige Kind einer chinesisch-hawaiianischen Mutter und eines aus Portland stammenden Vaters. Die ersten drei Jahre seines Lebens lebte er mit seinen nicht verheirateten Eltern in Portland, doch die Beziehung seiner Eltern hielt nicht lange. Thomas zog mit seiner Mutter zurück nach Hawaii und hatte eine nicht so schöne Kindheit, in der er die Ferien bei seinem Vater und die restliche Zeit bei seiner Mutter verbrachte. Nach seinem 12. Geburtstag hat Thomas einen großen Streit mit seinem Vater, der Grund sind die Alkoholprobleme seines Vaters. Danach verbrachte Thomas auch seine Ferien auf Hawaii. Er machte einen recht guten Schulabschluss, mit 19 zog er bei seiner Mutter aus und ging aufs College. Sein Traum war immer, bei einer großen Zeitung auf dem „Mainland“ zu arbeiten, und das klappte auch beim Miami Herald, doch bei dieser Zeitung flog er raus, als eine große Story sich als fehlerhaft und schlecht belegt herausstellte. Seither arbeitet er bei der Hawaii Tribune Herald, die bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter nicht so wählerisch ist. Der Job nervt ihn, aber er weiss, dass er wahrscheinlich keinen besseren mehr bekommt. Er überlegt derzeit, ob er nicht nach China – in die Heimat seiner Vorfahren – auswandern soll, doch sein Chinesisch ist furchtbar schlecht, da seine Mutter die meiste Zeit Englisch mit ihm gesprochen hat.

Auf dem College lernte er seine erste Freundin Sandra kennen, mit ihr war er drei Jahre zusammen, doch dann stellte er fest, dass sie ihn mit einem Hotelmanager betrog. Seither achtet Toto darauf, dass er derjenige ist, der die Frauen betrügt, und das macht er nun schon so lange, dass er nichts mehr dabei findet. Seine derzeitige Freundin Katie liebt er wirklich, doch selbst ihr konnte er nicht treu sein. Pech, dass sie das herausgefunden hat.

Thomas achtet auf sein Aussehen, treibt mindestens einmal in der Woche Sport und geht regelmäßig mit ein paar Freunden zum Wassersport. Er hat Angst davor, einmal ernsthaft krank zu werden, und lässt sich regelmäßig behandeln, um sich halbwegs sicher zu fühlen. Die Ärzte in Hilo kennen ihn schon und geben ihm häufig schon keine richtigen Medikamente mehr, sondern Placebos.

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