Leseprobe aus Woodwalkers Rückkehr 5

Am 14.06. erscheint „Rivalen im Revier“, der neuste Band! Hier ein Auszug aus dem Kapitel „Entengrütze“ etwa in der Mitte des Romans (der zum Teil in den Ferien spielt).

„Ich wünsche dir viel Spaß in Florida“, wünschte mir Mr García. „Werdet ihr auch Disney World besuchen?“

„Ja, das wollte Melody unbedingt.“

„Na, dann viel Spaß mit den Enten und den Mäusen!“

„Was für Enten?“, fragte ich verdutzt, doch er hatte schon aufgelegt.

Kurz darauf wusste ich Bescheid über die Enten und Mäuse. In diesem Vergnügungspark tanzte ein riesiges Nagetier mit schwarzen Ohren und roter Hose herum und ließ sich mit Kindern fotografieren, ebenso eine Ente mit blauem Shirt und Glotzaugen. Hm, ja, diese beiden hatte ich irgendwann mal im Fernsehen gesehen.

„Haha, schau mal, Micky und Donald Duck“, meinte Melody, während ich die beiden Gestalten mit gerunzelter Stirn betrachtete. Sie rochen meilenweit gegen den Wind nach Mensch und Plastik.

„Sollen die beiden etwa Gestaltwandler darstellen?“, fragte ich.

„Wer weiß, wer weiß?“, erwiderte Donald, umarmte die Ente und ließ sich dabei von einem Fotografen ablichten.

Anna lachte. „Vielleicht hat Walt Disney mal einen von euch beobachtet. Das hat ihn dann auf die Idee gebracht, mit der er sehr, sehr viel Geld verdient hat …“

Melody zog mich weiter, während ich noch fasziniert dem halb angekleideten Enten-Wandler nachschaute. Ein kleiner Junge versuchte gerade, ihn mit Pommes zu füttern.

Mir leuchtete noch nicht ganz ein, wofür dieser Vergnügungspark gut war. Die meiste Zeit verbrachte man damit, Schlange zu stehen. Vielleicht gab es Leute, die das richtig gerne machten? Wir warteten jetzt schon seit gefühlt zehn Jahren darauf, dass wir an einer „Everest Expedition“ teilnehmen konnten. Keine Ahnung, was das sein sollte.

„Bist du schon mal mit einer Achterbahn gefahren?“, fragte mich Anna vergnügt, während ich mich zu meiner Menschenfamilie in einen zugartigen Metallwagen setzte.

„Äh, nein“, sagte ich. „Aber ich hab schon mal davon gehört – die Rabenzwillinge und Holly finden die Dinger total lustig.“

Ich zuckte zusammen, als ein Bügel sich herabsenkte und meine Beine einklemmte. „Jetzt kann ich hier nicht mehr raus!“, beschwerte ich mich bei Melody.

„Keine Sorge, das ist der Sinn der Sache“, versicherte mir meine kleine Schwester. „Wart ab, gleich geht’s los!“

Die Achterbahn fuhr hoch, durch eine Art Tempel hindurch in ein nicht sehr echtes Gebirge … und sauste dann abwärts. Ich schrie auf vor Schreck, was aber nicht schlimm war, weil alle anderen Leute auch losbrüllten (sogar Anna und Donald). Mein Körper wurde nach rechts und links geworfen und in den Sitz gedrückt. Es war scheußlich. Kein Puma vor mir hatte so etwas durchmachen müssen!

Wir jagten um eine Kurve und durchs Innere des Berges … bis wir an eine Stelle kamen, wo die Schienen anscheinend hochgebogen und völlig zerfetzt waren. „Eulendreck“, stöhnte ich und schlug mir die Hände vor die Augen. Jetzt war es wirklich aus! Ich wollte nicht sehen, wie wir abstürzten.

Der Zug begann rückwärts zu rollen, schneller und schneller wurde er. Ich schrie noch mal. Und zwar laut!

Wir stürzten nicht ab. Hätte ich mir ja denken können. Holly hatte das Ganze ja auch überlebt. Nachdem wir wieder auf festem Boden angekommen waren, stieg ich aus und wankte davon. Nie wieder! Mir war schlecht.

Melody anscheinend nicht. „Jetzt zur ›Dschungelfahrt‹!“, verkündete sie bestens gelaunt, checkte ihr Handy (auf dem konnte man anscheinend Fahrten vorbuchen) und lief voraus zu einem Eingangstor, vor dem wir wieder sehr, sehr lange herumstanden, bis wir endlich in ein Boot steigen durften.

Die Attraktion bestand darin, dass unser Boot einen Dschungelfluss entlangfuhr. Der Captain im hellbraunen Safarihemd riss sehr, sehr flache Witze und die Leute, die im Boot saßen, bestaunten eine riesige Python, die im Geäst hing. Ich erschrak – hatte mich Lydia Lennox hier gefunden? –, aber einen Lidschlag später merkte ich, dass das Ding nicht echt war. Ebenso fake wie der Elefantenbulle, der am Ufer stand, die Affen, die eine angebliche Forscherhütte plünderten, und die Nilpferde, die aus dem Fluss auftauchten. Danke, so was hatte ich alles schon in echt gehabt in Costa Rica und in Afrika. Den afrikanischen Elefantenlehrer hatte ich schon ziemlich oft in zweiter Gestalt gesehen.

Da ich ziemlich erschöpft war von der Achterbahnfahrt, stützte ich meine Arme auf eine Querstange, legte den Kopf darauf und schlummerte ein.

„Und, war doch cool, oder?“, fragte Melody, als das Boot wieder angelegt hatte und ich gerade rechtzeitig vor dem Aussteigen aufgewacht war. Schon checkte sie ihre App, wo unsere nächste Warteschlange sein würde. Ich lächelte, nickte und folgte ihr, während sie vorauslief.

Gerade als ich gedacht hatte, dass der Tag nicht schrecklicher werden konnte, entschieden die Ralstons, dass sie noch in die „Typhoon Lagoon“ wollten, was leider schon wieder etwas mit Wasser zu tun hatte. Ungläubig schaute ich mich kurz darauf in der Badebucht um, in der anscheinend ein Wirbelsturm gewütet und Trümmerstücke auf sehr malerische Art verteilt hatte (ein Boot war auf einer Bergspitze gestrandet). Ich konnte mich noch gut daran erinnern, wie es nach dem echten Wirbelsturm in der Blue Reef ausgesehen hatte – ganz, ganz anders!

„Ich weiß, du magst Wasser eigentlich nicht, aber diese Wasserrutsche soll ultracool sein!“ Melody konnte es kaum erwarten und mein Job als großer Bruder war es heute, alles mitzumachen. Beunruhigt glotzte ich auf die glatte Rutschfläche, die von einem kleinen Wasserfall gespült wurde und die vor uns irgendwo in der Tiefe verschwand. Es war so edel und gut von mir, dass ich das für Melody tat. Auf keinen Fall würde ich diesmal schreien!

„Du zuerst“, sagte meine Menschenschwester, und als die Ampel auf Grün wechselte, gab sie mir einen Schubs. Schon sauste ich auf der Rutsche entlang und versuchte vergeblich, mich an den furchtbar glatten Wänden festzuhalten und wenigstens ein bisschen abzubremsen. Dann spuckte mich die Rutsche in die Lagune und ich tauchte unter. Ein gurgelnder Schrei löste sich aus meiner Kehle. Na ja, okay, hatte ja keiner von meinen Freunden gehört.

„Und? ist doch toll, oder, Jay?“, fragte Donald bestens gelaunt, während ich zurück ans sichere Land paddelte. „Gleich machen sie hier drin mal wieder Wellen, die werden bis zu drei Meter hoch!“

Ich paddelte noch schneller, zog an ihm vorbei und krabbelte ans Ufer. Den Rest des Tages verbrachte ich auf einem Gummiring, durch den nur meine Füße das Wasser berührten, und ließ mich auf dem ringförmigen Strömungskanal im Kreis tragen. Währenddessen brannte mir die Hitze das Hirn weg.

„Danke, dass du mitgekommen bist“, sagte Melody und goss mir eine Handvoll Wasser über den Kopf. „Nur schade, dass du kein Delfin bist. Mit dem hätte ich hier noch viel besser spielen können.“

Ich verdrehte die Augen und spritzte Melody voll, bis sie kreischte.

Sie wusste nicht, dass sie statt eines Delfins auch eine Nixe hätte haben können. Shari übte für das riskante Treffen der Fabelwesen, das schon in zwei Tagen stattfinden sollte. Wenn ich daran dachte, wurde ich nervös, und zwar nicht nur ein bisschen. Würden meine Freunde und ich es verhindern können, dass Diablo und der Club allen Wood- und Seawalkern schadeten?

Der Rat erwartete viel von mir – vielleicht zu viel. Heute hatten eine Achterbahn und eine Wasserrutsche genügt, um mich in die Knie zu zwingen. Eine große Katze wie ich war in Florida im falschen Revier!

Ich biss die Zähne zusammen. Immerhin, wenn es ernst wurde, würde ich nicht allein sein. Schon morgen würden mich die Ralstons zur Blue Reef Highschool fahren, wo vielleicht schon meine Rocky-Mountains-Freunde auf mich warteten und natürlich Tiago und Co.

Bald hatten wir einen Tigerhai an unserer Seite. Und eine Polarwölfin, die die beste Kämpferin war, die ich kannte.

 

35 Kommentare

  1. Hi Katja
    Was sind so deine nächsten Woodwalkers and Friends Idee?
    Weil ich fände es sehr Cool wenn du mal nach der 2. Staffel ein Friend Band schreibst,wo Carag und Co. Erwachsen sind.Ich fände es nämlich cool zu wissen wie es bei den Walkers abgeht.(Vieleicht ist Carag dann im Rat)

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    • Hallo Maxime,
      Katja hat tatsächlich vor, mal einen Friends-Band aus Elarias Sicht zu schreiben, der etwa 15 Jahre in der Zukunft spielt, das dauert aber noch ein bisschen. Nächstes Jahr ist zum Beispiel erstmal ein Band dran, an dem Carag mal wieder etwas am Colegio La Chamba erlebt 🙂

      Viele Grüße,
      Sabine

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  2. Hi Katja
    Ich freue mich schon suchte alle Woodwalkersbücher freue mich auch schon auf den Film

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  3. Die Bücher sind so toll ich will nicht, dass es endet Carag und Co muss weiter gehen

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    • Hallo Iriska,
      Die Staffeln aus Carags Sicht sind nach Staffel 2 dann tatsächlich auserzählt, aber mit den Walkers geht es natürlich trotzdem weiter und Carag und Co werden zum Beispiel auch in Windwalkers wieder vorkommen. Außerdem wird es auch noch ein paar Bände Woodwalkers & Friends geben, da ist dann auch wieder ein bisschen was aus seiner Sicht.

      Viele Grüße,
      Sabine

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  4. Hi Katja
    Die Lesebrobe ist Mega, aber warum ist Carag in Florida? Falls es mit dem 4 Band zusammen hängt kann ich es nicht wissen da ich den nicht gelesen habe.
    Katzige Grüße
    Carag

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  5. Hi Katja, kommen carag und tiki im neuen Band wieder zusammen????🥺🥺🥺bitte!

    Lg Fey

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    • Hallo Fey,
      Das verraten wir jetzt natürlich noch nicht, aber es wird in dem Band ganz viel um Carag und Tikaani gehen, lass dich überraschen 🙂

      Viele Grüße,
      Sabine

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  6. Hey,
    Ich bin schon soooo gespannt auf das neue Buch!
    Die Leseprobe war super lustig!

    LG Falkenmädchen

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    • Freut mich sehr, dass sie dir gefällt! Ich bin auch supergespannt, wie eure Rückmeldungen zum Roman so sein werden.
      Katzige Grüße
      Katja

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  7. Hallo Katja (und Sabine natürlich),
    ich wollte Fragen wie sich das mit Armprothesen, Beinprothesen usw beim verwandeln verhält. Implantate verwandeln sich ja mit, weil sie als Teil des Körpers gezählt werden aber Prothesen sind ja im Normalfall nicht fest und damit eigentlich wie Kleidung oder nicht? Das würde mich wirklich sehr interessieren

    Einen schönen Abend (oder Tag) noch

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    • Hi Atila,
      ja, genau, Prothesen zählen bei der Verwandlung leider so wie Kleidung und fallen ab. Aber wenn der Wandler/die Wandlerin Glück hat, hat er oder sie sowieso andere Körperteile und hat in Tiergestalt kein Handicap (eine siebenbeinige Spinne hat kein wirkliches Problem …)
      Viele Grü0e,
      Katja

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  8. Hallo,
    ich wollte wissen ob sie eigentlich schon wissen wie es nach dem dritten Schuljahr für Carag weitergehen soll. Oder ob die Geschichte nach dem letzten Die Rückkehr Band endet, weil irgendwann hatten sie glaube ich mal gesagt das Carag im 5. Band im dritten Schuljahr ist soweit ich mich erinnere.

    Katzige Grüße Polarwandler.

    Antworten
    • Hi Polarwandler,
      der letzte Band der Staffel endet damit, dass Carag und seine Freunde auf die Menschen-Highschool kommen … aber keine Sorge, ich habe noch so einige Friends-Bände mit ihm und den anderen geplant und vielleicht gibt es mal einen Next-Generation-Band, in dem ihr Carag & Co als junge Erwachsene wiedertrefft.
      Liebe Grüße,
      Katja

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